Warum Israel nicht zulassen kann, dass die Mullahs die Atombombe kriegen

Es ergibt keinen Sinn, es zu ignorieren: Das iranische Regime steht an der Schwelle zum Besitz von Nuklearwaffen. Das führt mit täglich zunehmender Wahrscheinlichkeit in einen Krieg.

Quergeschrieben

Der jüngste Bericht der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) spricht überraschend klare Worte. Iran ist dem Besitz einer Atombombe näher als bisher angenommen. Bereits im Sommer 2012 könnte er genügend spaltbares Material besitzen, um innerhalb kürzester Zeit eine Atombombe zu produzieren. Dazu hat Iran in den vergangenen Jahren eine Technologie entwickelt, die den Abschuss von mit nuklearen Sprengköpfen bestückten Raketen nach Israel, aber auch in weite Teile Europas hinein ermöglicht.

Europas Lehre aus den Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs mag „Nie wieder Krieg“ sein. Jene des jüdischen Volkes und Israels ist sicher eine andere, nämlich – nie wieder ohne Gegenwehr in die Vernichtung zu gehen.

Dazu kommt die Erkenntnis über den Umgang mit psychopathischen, verbrecherischen Regimen: Wer über Mord und Vernichtung spricht, muss ernst genommen werden. Egal ob es Hitler, Stalin, Pol Pot, Saddam Hussein, Syriens Assad oder eben das iranische Mullah-Regime ist.

Israel hat daher nie geduldet, dass Länder und Regime, die dem Judenstaat mit Vernichtung drohen, Atomwaffen entwickeln. So zerstörte die israelische Luftwaffe 1981 den Atomreaktor im Irak und 2007 jenen in Syrien.

Was also hindert Israel bisher daran, militärisch vorzugehen? Erstens: Die Distanz zwischen Israel und dem Iran beträgt über 1500 Kilometer, dazwischen liegen arabische Länder, die zwar auch größtes Interesse daran haben, dass Iran nicht in den Besitz von Kernwaffen kommt, deren Unterstützung für eine militärische Operation aber erst gesichert werden muss. Zweitens sind Irans Atomproduktionsanlagen auf das ganze Land verteilt und zum Teil in tiefen, gesicherten Bunkern untergebracht; sie könnten nicht mit einem einzigen militärischen Schlag ausgeschaltet werden.

Drittens besitzt Iran offenkundig bereits die Technologie zur Entwicklung von Atomwaffen und würde nach einem Angriff möglicherweise sehr bald wieder mit der Produktion beginnen. Viertens hat Iran die Hisbollah im Libanon und die Hamas im Gazastreifen mit gewaltigen Mengen an Raketen versorgt, welche diese – aus unmittelbarer Nähe – auf Israel abzufeuern beginnen würden, sobald die Israelis Iran attackieren.

Weder die jetzige noch jede sonstige israelische Regierung kann und wird aber zulassen, dass Iran unter Führung des gegenwärtigen Regimes in den Besitz von Atomwaffen gelangt und damit die Möglichkeit bekommt, Israel und seine 7,5Millionen Bewohner – Juden sowie auch Araber – zu vernichten. Auch die Amerikaner würden in einer solchen Situation sagen: „No way!“

Zuletzt war es Israel wiederholt gelungen, Irans Atomprogramm zu verzögern. So wurde in den letzten Tagen wieder erfolgreich ein Computervirus eingeschleust, und es starb der Leiter des iranischen Raketenprogramms bei einer Bombenexplosion.

Geschieht kein Wunder, etwa ein Regimewechsel im Iran, dann nähert sich unaufhaltsam der Tag, an dem Israel losschlagen wird. Danach ist sowohl mit Vergeltungsschlägen Irans als auch seiner Satelliten im Libanon und Gazastreifen zu rechnen, worauf wieder Länder wie Saudiarabien und die Golfstaaten sowie Israel zur Verteidigung seiner Bevölkerung gezwungen wären. Dies wäre der Beginn eines veritablen regionalen Krieges – mit Auswirkungen auf die gesamte Welt.


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Zum Autor:

Mag. Martin
Engelberg ist Psychoanalytiker, Geschäftsführer der Wiener Psychoanalytischen
Akademie,
geschäftsführender Gesellschafter der Vienna Consulting Group sowie Mitherausgeber des jüdischen Magazins „NU“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.11.2011)

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