11.02.2012 18:18 | Meine Presse Merkliste0

Verbrecher für den Tierschutz?

ANDREAS KHOL (Die Presse)

Der Zweck heiligt nicht die Mittel, weder zur höheren Ehre Gottes noch zum Schutz seiner Geschöpfe.

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Nach einer bundesweiten vom Staatsanwalt geführten Polizeiaktion wurden zehn Verdächtige in Untersuchungshaft genommen. Sie werden beschuldigt, über Jahre Brand- und Säureanschläge gegen Lebensmittelkonzerne, Handelsketten, Medikamentenhersteller, Bauern und Jäger begangen zu haben. Für einen „edlen“ Zweck – den Tierschutz. Alle Eingesperrten gehören sieben bekannt aggressiven Vereinen an, sind international vernetzt. Wenn die Vorwürfe stimmen, ein klarer Fall von organisierter Kriminalität. Die vorgeworfenen Straftaten zählen damit zu den schwersten Verbrechen unseres und des europäischen Strafrechts – sie unterscheiden sich nur im Zweck vom international geächteten Terrorismus. Tierschutz wollen sie abpressen, nicht den Rückzug der UNO aus Afghanistan oder die Freilassung Gefangener. Wieder hat eine Boulevardzeitung Bilder der Verdächtigen und ihre Namen veröffentlicht, gegen jedes Recht und die Unschuldsvermutung. Anwaltlich gut beraten könnten sie sich ihre Verteidigung über den Schadenersatz finanzieren, den die sensationsgierige Zeitung leisten müsste, 20.000 Euro pro Bild.

Die grüne Tierschutzsprecherin im Nationalrat hat sich sofort gemeldet und schwere Vorwürfe erhoben: gegen Polizei und Justiz, nicht gegen die Verdächtigen. Wieder sind die Grünen vor ihrer Gretchenfrage: „Sag, Alexander, wie hältst du es mit der Gewalt?“ Polizei und Justiz haben sich gebessert und das zwielichtige Vorgehen unter sozialdemokratischen Ministern bei ähnlichen Delikten in den 90er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts beendet. Damals gab es zahlreiche Gewaltverbrechen aus dem geheimen Netz von Kurden, 140 Taten wurden angezeigt, aber nicht aufgeklärt, geschweige denn vor Gericht gebracht.

Im berüchtigten Tatblatt, gefördert von der staatlichen Presseförderung, feierten Berichte erfolgreiche „Abfackelungen“ ab und gaben Anleitungen zum Selbstbau von Brand- und Sprengbomben. Die Grünen hatten zuerst Mühe, ihre Ablehnung klarzustellen, ging es doch auch damals um einen „edlen Zweck“. Der sozialdemokratische Innenminister geriet ins politische Trudeln – er hatte den Tatblättlern Geld für ihre Verteidigungskosten gespendet. Viele grün-alternative, linke 68er-Herzen schlugen mit dem Tatblatt, verteidigten seine öffentliche Förderung und freuten sich klammheimlich. Es ging ja nur um Gewalt gegen Sachen, so die Beschönigung: für politische Ziele, die man höher stellte.

Diesmal geht es eben um den Tierschutz – so wie Millionen unserer Landsleute bin auch ich Tier- und Pflanzenfreund und trete für den umfassenden Schutz der Schöpfung und der Geschöpfe ein. Aber mit legalen, gewaltfreien und daher demokratischen Mitteln, nicht mit dem Molotow-Cocktail und anderen verbrecherischen Mitteln. Der Zweck heiligt nicht die Mittel, weder zur höheren Ehre Gottes noch zum Schutz seiner Geschöpfe. Dieser Grundsatz ist ein Fundament des Rechtsstaats, der Grund- und Freiheitsrechte, damit unserer öffentlichen Ordnung. Polizei und Staatsanwälte verdienen Anerkennung für ihren Mut, die frühere einäugige Politik beendet zu haben. Von den Grünen fehlt die Antwort auf die Gretchenfrage. Vorwürfe an die Staatsanwälte, Kritik an der Polizei ist aber auch eine Antwort!

Univ.-Prof. Andreas Khol war Nationalratspräsident.


meinung@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.05.2008)

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17 Kommentare
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die Frage mit der Gewalt

Tierschutz für irreale Ziele (z.B. Errichtung einer rein vegan ernährten Gesellschaft) NEIN!
FRIEDLICHER Protest & demokrat. Meinungsbildung bei Misständen in Sachen Umgang mit Tieren (Batteriehaltung, Viehtransporte, etc.) JA!
Widerstand bei Ignoranz gegenüber Sachargumenten JA, da Betreiber kommerzieller Tierquälerei scheinbar audiovisuelle Rezeptionsstörungen haben, diese Information zu verarbeiten & sogar darauf noch stolz sind!

Gast: Crusader
04.06.2008 08:34
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O.K.

Aber warum geht man mit all den kriminellen Ausländern nicht auch so hart ins Gericht wobei diese schlimmere Taten nur aus Eigennutz begehen und nicht aus übertriebenem Tierschutz?
Ach ja, ich verstehe Multikulti....
Was ist außerdem mit dem Schächten?
Multikulti?
Ach sooooo...

Gast: Leserin
03.06.2008 17:12
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selbst denken ist schwer, urteilen ist leichter

es benötigt nicht viel zeit und keinen cent, sich ein paar grundlegende gedanken zu machen. schade dass herr kohl es scheinbar nicht der mühe wert befunden hat auch nur ein bisschen über recht und unrecht nachzudenken.
dieser plamable diskurs wäre uns gespart geblieben.

zum thema: keine spur vom rechtsstaat österreich. die wirklichen verbrecher sind auf freiem fuss und in hohen positionen.

es trifft die unbequemen und die die es werden wollen.

ich kann nur hoffen, dass die menschen in diesem land diese ungerechtigkeit erkennen und dagegen aufstehen. mit demokratie und freier meinungsäußerung hat das alles hier jedenfalls nichts mehr zu tun.

mir graut der gedanke wohin das alles führen wird wenn es keinen widerstand aus der viel zu sehr mit sich selbst beschäftigten bevölkerung gibt.

Antworten diogenes
05.06.2008 11:22
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Re: selbst denken ist schwer, urteilen ist leichter

Gerade Khol hat ausführlich Recht und Unrecht dargestellt.
Dass es in vielen Fällen auch in Österreich nicht so genau genommen wird, sieht man - nicht nur - an den hier veröffentlichten Leserbriefen

Gast: Petra H.
03.06.2008 16:59
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Tierschützer nicht zwangsläufig kriminell

Es ist erschreckend,wie unkritisch engagierte Tierschützer als militant & radikal eingestuft werden.
Ohne sich näher mit der Thematik zu befassen oder das Geschehen (Hausdurchsuchungen,Verhöre, Beschlagnahmungen und Verhaftungen ohne konkrete Beweise)zu hinterfragen,wird von vielen einfach vorausgesetzt,dass jene,die sich konsequent gegen all die legalisierten Verbrechen an leidensfähigen Lebewesen in Fleischindustrie,Massentierhaltung & Pelzproduktion einsetzen,gewalttätig sein müssen!So als ob der Einsatz für ein qualfreies Leben von sogenannten Nutztieren,eine vegetarische bzw.vegane Ernährung,den Verzicht auf Pelz u.ä. zwangsläufig mit Gewalt gegen Menschen verbunden sein muss.Dabei ist es doch vielmehr umgekehrt-nämlich dass jene,die sich als “Menschenfreunde” sehen,mitleidlos und mit einem Schulterzucken tausendfaches Tierleid als gegeben hinnehmen und Misshandlung und Ausbeutung unserer Mitgeschöpfe gleichgültig übersehen!

Antworten Gast: mike
03.06.2008 19:47
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Es wird nicht vorausgesetzt,

sondern es ist Tatsache, daß unter dem Deckmantel "Tierschutz" kriminelle Handlungen begangen wurden.

Gast: Petra.H
03.06.2008 16:55
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Tierschützer nicht zwangsläufig kriminell

Tierschützer,denen man keinerlei kriminelles Verhalten nachweisen kann,dürfen nicht drangsaliert,diffamiert und kriminalisiert werden,nur weil sie einflussreichen,rein an Profit interessierten Leuten in Politik und Wirtschaft unbequem sind.
Jene,die gegen bestehende Missstände im Umgang mit Tieren lautstark,beständig und entschlossen protestieren und die den Millionen wehrloser Geschöpfe,die nicht für sich selbst sprechen können, Namen,Gesichter und eine Stimme geben,sind für uns alle unverzichtbar,denn sie verhindern,dass unsere Gesellschaft völlig verroht!

Antworten diogenes
05.06.2008 11:27
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Bitte ersetzen Sie "Tierschützer" durch Maffiosi

denn auch diesen können die Behörden meist nichts nachweisen, weil sie ebenso verschwiegen sind weie "Tierschützer".

Gast: EinKritiker
01.06.2008 03:31
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Gedanken zum Rechtsstaat

Wenn ich die Berichterstattung richtig verfolgt habe, werden die verhafteten Personen eben nicht beschuldigt, Brandanschläge oder ähnliches verübt zu haben. Sie werden beschuldigt, einer kriminellen Organisation anzugehören. Das ist ein kleiner, aber feiner Unterschied. Offenbar war es weder der Polizei noch der Staatsanwaltschaft möglich, einer der Personen eine konkrete Straftat nachzuweisen. Der Zweck heiligt nicht die Mittel, weder beim Schutz von Tieren noch in der Strafverfolgung. Es ist nicht nötig, die Methoden mancher Tierschützer gut zu heißen, um zu erkennen, dass es um Terrorismus noch ein weiter Weg ist. Ist es dem Rechtsstaat möglich, konkrete Taten nachzuweisen, sollen diese auch zur Verhandlung kommen - wenn nicht, täte er gut daran, entweder gründlicher zu ermitteln, oder zu erkennen, dass Grund- und Freiheitsrechte auch für Tierschützer gelten.

Gast: Honestas
31.05.2008 16:51
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Mäßigkeit

Präjudizierung eines so gelehrten Mannes? Weil ich Sie so schätze wundert es mich, dass Sie an Alter und Würde gereift Bürger vorverurteilen. Ist ihe Sohn als Biologe auch ein Terrorist, vielleicht weil er bei Greenpeace spendet? Haben Sie ihren juristischen Eid verlassen und ihre Jugenideale aufgegeben für ein Haus im Grünen. Hat es in Österreich nicht in der Vergangenheit schlecht geendet mit Staatsgewalt Menschen aus den Augen hinter Mauern zu halten. Als gläubiger Katholik war ihrer Meinung nach Jesus ein Terrorist weil er im Tempel wütete?
Bitte werden Sie der Mann der sie seien können und mäßigen Sie sich. Wichtig ist der Dialog und der Konsens. Bitte sperren Sie niemand hinter Gitter weil er unbequem ist.
Wir brauchen Menschen die uns zeigen wenn Unrecht geschieht. Diese Menschen zeigen dass Tieren Unrecht geschieht, genauso wie Sie einst als Sie sich als junger Mensch für die Erhaltung von Recht verschrieben.

Antworten diogenes
05.06.2008 11:32
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Wer ist ein Terrorist?

Aus dem Gesichtspunkt des damaligen Rechtes war Jesus (zwar nicht ein Terrorist) sicherlich aber ein "Sachbeschädiger"

Antworten Gast: texhund
01.06.2008 11:57
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Re: Mäßigkeit

Danke für diesen Kommentar, dem ich mich nur anschließen kann. Dr.Khol, dessen Kinder doch Schüler der Waldorffschule sind (waren) sollte wissen, wie wichtig unterschiedliche Meinungen sind- gerade auch wenn sie gegen die Vorherrschaft der industriellen Agrarlobby auftreten.

Gast: Abfangjäger
31.05.2008 12:17
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alle sind für Tierschutz

Es ist interessant, dass fast alle Politiker, auch die ÖVP Politiker, für den Tierschutz sind, habe aber noch nie gehört, dass sie auch etwas für den Tierschutz getan hätten.

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Danke für diesen Kommentar!

Es ist wichtig und richtig, dass die Justiz endlich etwas gegen diese Tierschutz-Extremisten und Fanatiker unternimmt, die meinen, über dem Gesetz und der demokratischen Grundordnung zu stehen. Diese Leute haben dem Tierschutz durch ihr extremistisches Verhalten nachhaltig geschadet.

Antworten Gast: fmj
03.06.2008 15:33
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Re: Danke für diesen Kommentar!

Ein deutlicher und wohltuender Standpunkt.
In Punkto Gewalt darf es keine weltanschaulich motivierten Sonderrechte geben. Wer schon einmal das Auftreten der schwarzen Tierschützerblocks vor Kleidergeschäften oder den Wohnhäusern von irgendwelchen ihnen missliebigen Menschen mit eigenen Augen erlebt hat, fühlt sich unwillkürlich an die Umtriebe der SA im jahr 1938 erinnert. Mit Demonstrationen hat das nicht mehr viel zu tun. Vielmehr ist diesen Leuten die Absicht, Schaden zuzufügen und Angst zu verbreiten ein besonders Ziel.

Antworten Antworten Gast: Pacival
03.06.2008 16:38
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Gewalt zerstört überall

Systemkritik ist nicht automatisch ein Verbrechen.
Staatsgewalt ist nicht automatisch gerecht.
Eigentlich sollte Willkür durch Gesetze verhindert werden, doch in unseren Zeiten erwartet ja schon gar niemand mehr, dass die Behörden Demokratie, Recht und Ordnung schützen. Allen ist klar, dass Staatsorgane bloß noch als willenlosee Sklaven privater Unternehmer agieren. Wo politische Kundgebungen für die Rechte Unterdrückter untersagt werden weil Promotionveranstaltungen als wichtiger eingestuft werden, ist es natürlich naiv anzunehmen, dass wenigstens die grundlegendsten Bürgerrechte und die Unschuldsvermutung respektiert werden... Schockierend, was heutzutage alles Demokratie genannt werden kann.

Antworten Antworten Antworten Gast: Konrad
03.06.2008 17:59
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Ganz Recht?

Ich stimme Andreas Kohl zu: Der Zweck heiligt niemals die Mittel. Aber kann das auch mal jemand den zuständigen Behörden verklickern ...?

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