25.05.2012 20:57 | Meine Presse Merkliste 0

Bundesheer neu – wozu?

ANDREAS KHOL (Die Presse)

Die Aufgaben des Bundesheeres müssen überdacht werden.

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Wozu brauchen wir überhaupt ein Bundesheer? Die Bundesverfassung kennt drei Aufgaben und eine halbe: den militärischen Schutz der Unabhängigkeit durch die Umfassende Landesverteidigung (ULV), die Hilfe im Inneren zur Aufrechterhaltung der inneren Ordnung sowie zum Schutz der demokratischen Einrichtungen und Grundrechte und zur Bewältigung von Naturkatastrophen, die Teilnahme an friedenserhaltenden und friedensstiftenden Maßnahmen, auch Kampfhandlungen vor allem der UNO und der EU. Dazu kommt noch eine „halbe“ – der Zivildienst als Wehrersatz.

Die meisten Offiziere sehen im Militärischen ihren eigentlichen Beruf – Katastrophenhilfe und gar der Zivildienst sind lästige Zuspeisen. Die Bevölkerung hat da eine ganz andere Prioritätenordnung. Für die militärischen Aufgaben besteht kaum mehr Verständnis. Den Menschen im Lande sind Katastrophenschutz und Zivildienst am wichtigsten.

Was bleibt von den militärischen Aufgaben? Die Luftraumüberwachung – sie wird früher oder später von der EU besorgt werden. Der Grenzschutz ist heute Polizeiaufgabe – wir sind von Mitgliedern der Schengen-Sicherheitsgemeinschaft umgeben. Auch die Terrorbekämpfung ist vorwiegend Polizeiaufgabe, hier muss das Heer allerdings zur Hilfe befähigt sein.

Die Katastrophenhilfe ist unersetzlich, könnte allerdings auch von einer eigenen Truppe geleistet werden, wie dies in manchen Ländern der Fall ist. In jedem Fall besteht die Notwendigkeit der Vernetzung mit den großen Rettungs- und Hilfsorganisationen (wie Feuerwehr und Rotes Kreuz). Die Mitarbeit in der Katastrophenhilfe ist sehr nahe beim Zivildienst.

Die Mitwirkung an „Polizeimaßnahmen“ von UNO, EU, OSZE und Nato ist ein Solidaritätsbeitrag Österreichs. Er bringt dem Land Ansehen, Erfahrung, Arbeitsplätze und wird von der Öffentlichkeit gering geschätzt. 70Prozent der Auslandssoldaten kommen aus der Miliz, also den Wehrpflichtigen.

Der Zivildienst wird immer noch als Wehrersatz fingiert, ist aber schon lange eine Wahlmöglichkeit. Neu organisiert, eng vernetzt mit Bundesheer und großen Einrichtungen der Bürgergesellschaft, ist er für unsere Demokratie unersetzlich.

Ist das Bundesheer immer noch eine Schule der Nation, Ort der politischen Bildung, der Traditionspflege zur Identitätsstiftung und vor allem auch zur Integration? Mehr als die Hälfte der jedes Jahr den Dienst mit der Waffe Ableistenden haben einen Migrationshintergrund. Was für eine Chance!

Ergebnis: Die militärischen Aufgaben im Grenzschutz verlieren an Bedeutung. Terrorbekämpfung, Katastrophenschutz, Zivildienst, Integration: Hier liegen die zukünftigen Hauptaufgaben eines neuen Bundesheers.

Univ.-Prof. Andreas Khol war Nationalratspräsident.


meinung@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.07.2010)

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8 Kommentare
TheAlien
28.07.2010 09:06
0 0

LOL

"Umfassende Landesverteidigung (ULV)": fällt irgendwem ein potentieller Aggressor gegen Österreich ein, gegen den unser Heer den Funken einer Verteidigungs-Chance hätte?
"Schutz der demokratischen Einrichtungen und Grundrechte" - da kann man auch nur sagen: kläglich gescheitert. Auf die Grundrechte wird seit langem gepfiffen und dass unsere Mehrparteien-Bürokratie-Diktatur der ewig gleichen Polit-Eliten noch irgendwas mit echter Demokratie zu tun hat, glauben nur mehr die Naivsten der Naiven.

Das laut Herauslachen meinerseits bei solchen Ansagen ist leider nur purer Zynismus und hat einen sehr bitteren Beigeschmack.
Das Bundesher ist genauso toll, wie der Rest unseres "Staates" und seiner dysfunktionalen gesellschaftlichen Grundsysteme: nämlich gar nicht.

bernds0611
27.07.2010 11:50
0 0

aBSCHAFFEN

In Deu will man auch die Armee abschaffen, als "Freiwilligenarmee" getarnt. Spart Geld, gut. Zu bedenken ist aber, daß unsere Länder nicht mehr verteidigungsfähig sind- gegen EU-Länder sowieso nicht, gegen innere Feinde auch nicht und gegen auswertige Gegner nur mit Hilfe der "Großen Brüder". Wollen wir das wirklich ?

facts
26.07.2010 18:00
0 0

Österreicher sind sicherheitspolitische Nackerpatzerln....

Ein Heer ist für die MILITÄRISCHE Landesverteidigung zuständig, ev. noch für MILITÄRISCHE Einsätze im Ausland im Rahmen der EU.

Alles andere ist ein nettes Gimmick, aber sicher keine Hauptaufgabe eines bewaffneten *Heeres*!

Wenn man glaubt, beides nicht zu brauchen, sollte man gleich offen sagen, dass man kein Heer betreiben will! Alles andere ist Lug & Trug.

0 0

Zwei Feststellungen sollen nicht unwidersprochen bleiben

Die EU wird irgendwann den Luftraum schützen? Dafür gibt es nicht die geringsten Anzeichen. Selten kommt es vor, dass sich ein Staat Polizeiaufgaben von anderen erledigen lässt. Baltische Staaten und Slowenien lassen sich für immens viel Geld den Luftraum von der NATO sichern. Irland lässt augenzwinkernd die Royal Airforce über irland tun, wie sie will. Aber im Grunde ist keiner mit der Vorstellung glücklich, wenn man Piloten fremder Staaten Schießerlaubnis erteilt.

Einen personell aufgefüllten Katastrophenschutz gibt es nirgendwo. Wenn das Technische Hilfswerk in Deutschland an seine Grenzen stößt, dann füllen halt Bataillone von Bundeswehrsoldaten die Sandsäcke.

2 0

1991

Kurz vor dem Jugoslawienkrieg fand eine internationale Konferenz statt die das Ende der militärischen Konflikte in Europa im Kaffesud las. Unmittelbar später flogen jugoslawische MIGs über Graz und österreichische Panzer sicherten unsere Grenzen. Krieg gab es immer und wird es immer geben und wir täten gut daran endlich die Verfassung einzuhalten und uns um eine militärische LV zu kümmern, anstatt das Heer kaputt zu sparen und als Mädchen für alles zu missbrauchen.

Gast: Gefreiter
25.07.2010 19:47
1 1

warum?

Warum Herr Dr. Khol ist das nicht ihrem Spezi Platter eingefallen als der noch Verteidigungsminister war?
Sooo lange ist der auch noch nicht in Tirol, dass man nicht sagen könnte das ist zu lange her.
Wie die meisten ihrer Beiträge in der PRESSE sind ihre "Ergüsse" Weisheiten, die sie schon als Parlamentspräsident einfordern konnten!
Warum haben sie es nicht getan?
Sagen sie nicht, der Schüssel war schuld, weil das sagen schon die Grünen und die Sozi`!!!!

Gast: Gefreiter
25.07.2010 19:47
0 1

warum?

Warum Herr Dr. Khol ist das nicht ihrem Spezi Platter eingefallen als der noch Verteidigungsminister war?
Sooo lange ist der auch noch nicht in Tirol, dass man nicht sagen könnte das ist zu lange her.
Wie die meisten ihrer Beiträge in der PRESSE sind ihre "Ergüsse" Weisheiten, die sie schon als Parlamentspräsident einfordern konnten!
Warum haben sie es nicht getan?
Sagen sie nicht, der Schüssel war schuld, weil das sagen schon die Grünen und die Sozi`!!!!

Gast: derWachauer
25.07.2010 19:19
1 0

Aufgaben einer Armee

Sehr geehrter Herr Prof.Kohl,

die von Ihnen genannten Aufgaben sind tatsächlich von enormer Bedeutung.
Aber es kann und wird nie die Aufgabe eines
Heeres sein, Polizeiähnliche sowie Intergrations
Massnahmen als Hauptaufgabe und sogar als
Existenzberechtigung der Armee zu sein.
Grundsätzlich ist ein Heer ein militärischer Verband, der gerade deswegen sich von Polizei
und sonstigen Organen unterscheidet!
Und wenn ein Heer keine militärischen Fähigkeiten besitzt, dann ist es auch kein Heer.
Ob Österreich auf ein Heer verzichten kann,
liegt in der Entscheidung der Politik, die auch aber diese Verantwortung trägt, denn ein Staat
ist für den Schutz seiner Bevölkerung verpflichtet!
Seltsam mutet es aber schon, das sämtliche gerne erwähnten EU-Länder keineswegs auf
ihre Armeen verzichten!?
Österreich war schon immer gerne von anderen
abhängig, aber war es immer gut für unser Land?

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