25.05.2012 20:58 | Meine Presse Merkliste 0

Ohne Wehrpflicht wird's nicht gehen

ANDREAS KHOL (Die Presse)

Eine radikale Neuaufstellung wäre eine große Chance fürs Vaterland.

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Die Meinungsforschung zum Bundesheer hat ein klares Bild ergeben. Es unterstreicht jene Aufgaben des Bundesheers, die dem neuen Bedrohungsbild und den zur Verfügung stehenden Mitteln folgen. Unglaubliche 80Prozent der Bevölkerung sehen den Hauptzweck des Heeres im Katastrophenschutz. Weit abgeschlagen kommen Terrorbekämpfung und Grenzschutz. Nur zwei Prozent halten friedensstiftende und friedenserhaltende Missionen für wichtig. Sie sind dennoch unerlässlich. Das ist ein eindeutiger Arbeitsauftrag an Bundesregierung und Parlament. Die Aufgaben sind neu zu gewichten. Das geht ohne grundlegende Gesetzesänderungen. Die Prioritäten der militärischen Aufgaben sind Terrorbekämpfung, Luftraumüberwachung, Friedensmissionen, dann erst Grenzschutz.

Das bedeutet Stilllegung des Großteils der Panzerwaffen und der Artillerie sowie weniger Infanterie. Bundesheer light hieß das vor Jahren, wurde damals bekämpft und hat sich als richtig erwiesen. Für diese Aufgaben brauchen wir laut Fachleuten 2500 jederzeit einsatzbereite Soldaten. Um diese Zahl zu erreichen müssen 7500 Mann/Frau zur Verfügung stehen. Dazu kommt noch das Hilfspersonal, heute weitgehend von Wehrpflichtigen gestellt. Ohne Wehrpflicht müsste es zu Marktpreisen bezahlt werden. Unvorstellbar.

Der Katastrophenschutz wird derzeit weitgehend von den Wehrpflichtigen geleistet. Natürlich könnte eine eigene technische Einheit diese Arbeit machen. Sie müsste allerdings auf freiwilliger Basis aufgestellt und entsprechend bezahlt werden. Dafür fehlt das Geld. Eine allgemeine Dienstpflicht für eine solche Aufgabe ist von Verfassung und Menschenrechtskonvention her unzulässig. Die Anerkennung dieser Hauptaufgabe müsste neue Ausbildungen und vor allem Vernetzungen mit den Rettungs- und Hilfsorganisationen bringen. Ein neuer Zivildienst von gleicher Dauer wie der Dienst mit der Waffe könnte darin aufgehen. Dazu bedürfte es eines breiten Konsenses im Parlament.

Ohne Wehrpflicht wird es also nicht gehen. Die 7500Freiwilligen für die militärischen Aufgaben fände man, man findet sie ja auch heute. Auch um die Demokratie wäre mir nicht bange. Aber der den Österreichern so wichtige Katastrophenschutz erfordert viele sofort Verfügbare in jeder Region. Sie bringt nur die Wehrpflicht.

Im neuen Bundesheer muss politische Bildung während der ganzen Ausbildung erfolgen. In allen Teilen muss die Miliz gepflegt werden: im militärischen Teil für die Auslandseinsätze – derzeit kommen 70Prozent der im Ausland Eingesetzten aus der Miliz. Im Katastrophenschutz könnten die Milizsoldaten in den großen Rettungsorganisationen die wichtige ständige Verbindung zum Heer bewirken.

Eine ehrliche, radikale Neuaufstellung wäre eine große Chance fürs Vaterland.

Univ.-Prof. Andreas Khol war Nationalratspräsident.


meinung@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.08.2010)

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9 Kommentare
Gast: 0560
27.08.2010 14:23
0 0

Prinz Eugen:

" Sie schreien nach uns um Hilfe, wenn ihnen das Wasser in das Maul rinnt,
und wünschen uns vom Hals, kaum als einen Augenblick dasselbige verschwunden. "

Gast: AlterKämpfer
04.08.2010 22:50
0 0

Schwachsinn

"Ohne Wehrpflicht müsste es zu Marktpreisen bezahlt werden. Unvorstellbar."
Und das aus der ÖVP, traurig!
Wie wär's mit einer Wehrersatzsteuer für Männer und Frauen!

1 0

Absurd krude Argumentation Khols.


Dröselt man Khols Darlegung auf, so ist seine Argumentation folgende:

1) Für einen Katastrophenschutz gibt es keine von Verfassung und Menschenrechtskonvention gedeckte Dienstpflicht.

2) 7.500 benötigte Freiwillige für reine Militärdienste findet man problemlos.

3) Die für den Katastrophendienst nötigen Freiwilligen findet man nicht.

=> Daher muß zur Wahrung des Katastrophendienstes die unter 1 als hierfür unzulässig erkannte Verpflichtung auf den Militärdienst gemünzt werden, für den diese Verpflichtung laut 2 aber garnicht nötig ist.

Nicht nur, daß diese Argumentation letztklassig ist - auch das monetäre Argument erweist sich bei genauerer Betrachtung als fadenscheinig:

30.000 Rekruten erbringen jedes Jahr Zwangsdienste. Selbst bei hochgegriffenen 1.000 Euro Unkostenersatz pro Zwangsarbeiter und Monat und der Annahme, eine Profitruppe für die idente Leistung wäre 5 x so teuer, so käme diese Truppe nicht auf 180.000 pro Jahr, sondern auf 900.000 Euro.

Bei über 2.000 Millionen Gesamtheeresbudget kann eine Profitruppe sogar 10 x so teuer sein, alsdass dies im Promillebereich für Unterschiede sorgte. Statt dessen lassen wir Jahr für Jahr abertausende junge Männer in Kasernen verschwinden, damit ein Bruchteil von ihnen alle 10 Jahre Katastrophendienst leistet.

So als wüßte Khol um die katastrophale Blässe seiner Argumentation bescheid, spielt er mit: "viele sofort Verfügbare in jeder Region" die letzte billige Karte der schwierigen Logistik im 21 Jhd. hinten nach.

3 0

jaja, so schauen viele Superpensionisten ...

... aus den rot-schwarzen Pfründebiotopen zu, wie junge Menschen nahezu kostenlos ihren Zwangsdienst versehen.

Antworten gms_
02.08.2010 16:44
1 0

Re: jaja, so schauen viele Superpensionisten ...


Sie verkennen die Zusammenhänge. Ohne Heerscharen Zwangsdienstleistender gäbe es auch keine Notwendigkeit, deren desolate Gef^^Unterkünfte zu renovieren und zu erhalten.
Wenn die Gemeinde Wien mit der Porr schon ein Bauunternehmen an der Backe hat, dann soll dieses verdammt noch einmal auch was tun dürfen, wie etwa um 6,4 Mio neue Unterkünfte in Bruckneudorf errichten. Bis 2013 sollen dort insgesamt 28 Mio verbaut werden, in den weiteren fünf von Darabos als Renovierungskanditaten genannten Kasernen werden die Zahlen ähnlich sein.

Wenn junge Menschen sich also weigern, sich in eigens für sie hergestellten Gebäuden kasernieren zu lassen, so vereiteln sie damit ungemein wichtige Zahlungsstöme. Das kann doch nichteinmal der Steuerzahler wollen, kommen doch über diesen magischen Kreislauf Budget-Mittel des Heeres wieder in die Taschen des Finanzministers! Na also ..
Gut, es wäre gesamtwirtschaftlich zwar billiger, statt Rekruten dort Hasen zu halten, aber dann würde das ganze System wohl allzu früh auffliegen. Das Bekenntnis zur umfassenden Landesverteidigung erzwingt eben auch umfassende Blindheit und Ignoranz im Umgang mit Steuergeldern und der Leistungsbereitschaft der Untertanen.

Gast: derWachauer
02.08.2010 11:27
0 0

Fähigkeitserhalt

Hr.Prof.Kohl, ihrer Meinung kann man nur zum Teil zustimmen, denn sie haben zwar Recht, das man einen Großteil der Panzer und Artillerie
stilllegen kann,nur es sollte "einmotten heissen". Denn auch für die Zukunft ist der Fähigkeitserhalt von Waffengattungen wie Panzer und Artillerie notwendig, um für mögliche Szenarien der Zukunft gewappnet zu
sein. Auch wenn das derzeit unwahrscheinlich
ist, aber eine Versicherung kündigt auch niemand, weil es im Haus lange Zeit nicht gebrannt hat,oder?


periskop
02.08.2010 09:22
3 0

Es geht nicht um Landesverteidigung, sondern um billige Zwangsarbeit!

Andreas Khol sagt ganz klar, dass wir die Wehrpflicht nicht aus militärischen Gründen brauchen, sondern: "Ohne Wehrpflicht müsste es zu Marktpreisen bezahlt werden. Unvollstellbar!"
Um seine Aufgaben wahrnehmen zu können, zwingt der Staat also junge Männer zu billiger Zwangsarbeit! Dass damit eine kleine Gruppe die Kosten staatlicher Leistungen allein tragen muss, ist durch nichts zu rechtfertigen! Diese zwangsweise Ausnützung der Arbeitskraft widerspricht jedem Gerechtigkeitsgefühl und müsste schleunigst abgeschafft werden!

2 0

Re: Es geht nicht um Landesverteidigung, sondern um billige Zwangsarbeit!


Wie ich Khol verstanden habe, ist für ihn persönlich der Kampf gegen den Terror das Hauptgebot der Stunde.

Nachdem der Kampf gegen den Terror in Europa i.d.R. mit Zensur (wider Diskriminierung) und Überwachung (Vorratsdatenspeicherung) der eigenen Bürger betrieben wird, wird diese Arbeit wohl am besten in einem Zwangsverhältnis erbracht.

Btw - bin ich wirklich der Einzige, dem das widerholte absurde und propagandaartige Trommeln ("Kampf gegen den Terror!") missfällt?

galli leo
02.08.2010 08:03
0 0

voll off topic:

hr. khol. ich gehe davon aus, dass sie ihre kolumne schon lange zeit im voraus verfassen, also nicht tagesaktuell sein können.

aber ich erwarte mir schon, dass sie als einer der architekten von schwarz-blaun in einer der folgenden wochen stellung beziehen werden, wie sie und aus welchen gründen sie einer derartigen lügner-, diebes- und roßtäuscher-partie aufgesessen sind.
und warum sie nichts mitbekommen haben bzw trotzdem nichts unterbunden haben.

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