25.05.2012 21:03 | Meine Presse Merkliste 0

Die Stunde der Wahrheit naht...

ANDREAS KHOL (Die Presse)

... nicht nur in London und Berlin, auch in Wien.

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Im Oktober muss die Koalition ihre Bewährungsprobe bestehen. Die Summen der geplanten Einnahmen und Ausgaben für die nächsten vier Jahre sind ebenso festgelegt, wie die Kürzungsbeträge für jedes Ministerium. Auch die Beträge, die durch neue Steuern hereinkommen müssen, sind fixiert. Nun aber geht's ans Eingemachte: Welche neuen Steuern kommen? Welche Leistungen des Staates werden gekürzt? Die Chefs der beiden Regierungsparteien wissen ganz genau: Wenn sie erfolgreich sind, ist ihre Regierung für die gesamte Gesetzgebungsperiode in trockenen Tüchern. Scheitern sie, folgen Regierungskrise und Neuwahlen.

Erfolgreich heißt: ein ausgewogenes Paket, zu dem sich die Regierungsparteien zusammengerauft haben; das alle Bevölkerungsteile gleichmäßig belastet, keine Klientel und keinen Erbhof verschont. Scheitern heißt: Hickhack und ein nicht nachvollziehbares Maßnahmensammelsurium, das am Ende unerledigt bleibt.

Sie glauben, ich meinte Österreich? Nein, eigentlich Großbritannien und auch Deutschland. Die Sätze treffen nur zufällig eins zu eins auch für Österreich zu. Im Vergleich zur Herkules-Aufgabe von David Cameron und Nick Clegg mutet die Herausforderung für Werner Faymann und Josef Pröll fast idyllisch an. Zehn Jahr sozialistische Regierung haben in England einen Augiasstall hinterlassen. Das Defizit beträgt elf Prozent des BIPs und ist damit fast dreimal so hoch wie unseres! Der Einsparungsbedarf in den einzelnen Ressorts erreicht durch die Bank 25% – bei uns sind es 2,3% fürs Jahr 2011.

In allen drei Ländern sind radikale Maßnahmen fällig. Überall hat man sich darauf geeinigt, in welchem Ausmaß höhere Steuern, in welchem Ausmaß Einsparungen Platz greifen sollen: 25% Steuern, 75% Einsparungen in GB – bei uns lauten diese Ziffern 40:60! Einen Schritt sind uns die Briten voraus: Sie haben sich schon auf die Philosophie hinter den Einsparungen und deren Schwerpunkte verständigt: Abschlanken des Sozialstaats, Dezentralisierung der Schulen, Neuordnung des Gesundheitssystems.

Wenn hingegen in Österreich von Einsparungen die Rede ist, fallen den meisten nur neue Steuern und Abgaben sowie neue Sozialleistungen ein: Was haben Mindestsicherung und eine großzügigere Neuregelung der Rezeptgebührenobergrenze mit Einsparung zu tun? Nächste Woche tagen die Landeshauptleute – da wird sich zeigen, ob sie und die Regierung Reformpapiertiger sind. Ihr Schul- und Lehrervorschlag ist sachgerecht und liegt seit zwei Jahren beschlussreif auf dem Tisch, Claudia Schmied und ihre Sozialdemokraten waren damals an Bord...

In allen drei Ländern wird sich im Oktober zeigen, ob den Parteichefs eine Einigung gelingt. Die Stunde der Wahrheit naht, nicht nur in London und Berlin.

Univ.-Prof. Andreas Khol war Nationalratspräsident.


meinung@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.08.2010)

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10 Kommentare
Gast: old'nwise
06.09.2010 08:11
0 0

kein Mensch kann lang auf Schulden leben

. . . unverständlich, dass die Wähler den Politikern das Land verschulden lassen.

galli leo
31.08.2010 14:40
0 0

"Zehn Jahr sozialistische Regierung haben in England einen Augiasstall hinterlassen"

klar, der parteipolitiker gibt sich als aufgeklärter elder statesman, doch er kann dämliche polemiken nicht lassen.

wer die regierungen blair und brown sozialistisch nennt, darf sich auch über den namen "andreas kohlkopf" nicht beschweren!

hr. khol: misten sie das nächste mal doch lieber den augiasstall aus, den SIE und ihre kollegen in 6 jahren hinterlassen haben!

Antworten Gast: Parteiloser
01.09.2010 08:46
0 0

Was ist sozialistisch aus der Sicht der Ö Sozialdemokraten?

Lieber galli leo,

es wäre sehr schön, wenn Du mir das definieren könntest. Ich kann es nicht erkennen, es wäre mir eine wirkliche Hilfe.

Danke und viele Grüße

Parteiloser

Thonet H.
30.08.2010 11:48
1 2

Warum geht es uns scheinbar besser?

Weil die Österreicher zu träge und verklüngelt sind, um sich gegen die Ausbeutung durch die Privilegierten zu wehren.
Erst wenn alles krachen wird, werden sie aufwachen.

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Re: Warum geht es uns scheinbar besser?

Die Österreicher sind sehr, sehr leidensfähig. Es wird lange dauern bis sie es krachen lassen.

1 1

Auch ja, Schule und LehrerInnen...

...Tiroler Brain-Trust a la Kohl und Gehrer.

Gast: Parteiloser
29.08.2010 20:09
1 0

So schnell kommt die Stunde der Wahrheit auch wieder nicht!

Mit Sicherheit werden unsere Regierungsbonzen, welche von der realen Wirtschaft überhaupt nichts verstehen können, einige Maßnahmen beschließen. Diese Maßnahmen werden wieder ganz feige sein und die strukturellen Disblancen nicht verbessern, eher nur einbetonieren.

Es wird genauso wenig eine Pensionsreform geben, welche die Menschengrundrechte respektiert, wie auch Lösungen für die ÖBB, das Bildungswesen, der überbordenden Verwaltung, dem ORF, dem Förderwahnsinn und vieles mehr geben!

Es wird überall "a bissl was" kommen und damit hofft man über die Runden zu kommen. Wahrscheinlich werden die Aktionen von weiteren Ausgliederungen begleitet sein, von Schuldenerhöhungen der Staatsbetriebe und auch von einer weiteren Umstellung von Kreditfinanzierungen auf Leasingfinanzierungen. In Summe wird es also auch ohne echte Lösungen noch einige Jährchen weiter gehen können. Das gilt aber nur dann, wenn die Bevölkerung weitere Belastungen bei gleichzeitiger exzessiver Umverteilung der erbrachten Leistungen auch noch akzeptiert ohne zu rebellieren.

Die Stunde der Wahrheit kommt so zwischen 2013 und 2015. Dann ist es soweit, dass sich die Ausgliederungen von Schulden und die Masse der Leasingfinanzierungen nicht mehr schultern lassen. Diese Regierung administriert also nur den Untergang von Österreich.

Es ist, nach wissenschaftlichen Studien, spätestens dann aus, wenn der Zinsendiensts 40% der Steuereinnahmen auffrisst.

Es ist noch Zeit bis zur Stunde der Wahrheit.

Antworten joquer
01.09.2010 08:02
0 0

Re: So schnell kommt die Stunde der Wahrheit auch wieder nicht!

Im Großen und Ganzen kann ich ihre Ausführungen ja durchaus nachvollziehen, aber was meinen Sie mit "Pensionsreform, die Menschengrundrechte respektiert"?

Antworten Antworten Gast: Parteiloser
01.09.2010 08:42
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Pensionsen und Menschenrechte!

Nach der EU Grundrechtscharta (rechtsgültig) gibt es neben der Würde der Menschen gibt es auch den Gleichheitsgrundsatz und das Eigentumsrecht. Nach dem Eigentumsrecht hat jede Person das Recht über das erworbene Eigentum (auch Lohn!) zu Verfügen. Staatliche Eingriffe sind nur dann erlaubt, wenn dies für das Wohl der Allgemeinheit erlaubt ist.

Ich bin der Meinung, dass besonders die Staaten und deren Regierungen diese Grundsätze zu befolgen haben. Für die Pensionen bedeutet das nichts anderes, als dass die Pensionen entweder durch Eigenleistung (Beiträge) gedeckt werden müssen, oder aber maximal für die soziale Absicherung der Menschen verwendet werden dürfen. Eine Umverteilung zur Bereicherung einer Bevölkerungsgruppe ist unzulässig.

Der Österreichische Staat respektiert die Menschenrechte aber nicht, sondern greift zur Bereicherung von Minderheiten in die Taschen der Kinder Österreichs, weil er diesen Menschen immer höhere Schulden hinterlässt.

Bundespensionen 2008 mit Eigendeckung von unter 20%:
Exekutive:..32.246.-
Lehrer:.......49.969..
Staatsanw. Richter: 73.308.-
Militär:.......... 33.646.-
Verwaltung:..30.088.-

ASVG: 13.020.- Euro (Deckung > 90%)

Eigentlich müssten Menschen, welche etwas für die Gesellschaft leisten, prinzipiell höhere Einkommen haben als die Pensionisten.
Aktiveinkommen 2008:
Arbeiter:..18.203.-
Angeste:..27.323.-

Unsere Regierung respektiert die Menschenrechte nicht!

Gast: AlterKämpfer
29.08.2010 19:07
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Die Stunde der Wahrheit naht...

... für die Pensionistenvertreter! Gehen Sie mit gutem Beispiel voran, Herr Obmann!

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