25.05.2012 21:04 | Meine Presse Merkliste 0

Die lange Reise Schulreform

ANDREAS KHOL (Die Presse)

Auch eine lange Reise beginnt mit dem ersten Schritt – und es ist der erste Schritt, der schwerfällt.

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Zwei sprichwörtliche Volksweisheiten. Seit dem Beschluss unserer Verfassung im Jahre 1920 ist die Schule Reiz- und Kampfthema. Wesentlich Landessache im echten Bundesstaat, aber immer Objekt der Begierde der Wiener Zentralisten. 1920 gab es keine Einigung. Ein schwerfälliges Provisorium dauerte bis 1962. An der damals unter Schmerzen geborenen umständlichen Verfassungslösung wurde immer wieder „herumgedoktert“. Mit den daraus hervorgegangenen „Verfassungsbandwürmern“ der Art.14, 14a und 14b ist niemand glücklich. Die Schulen leiden. Nun haben die Länder einen seit 2008 vorliegenden und breit begutachteten Vorschlag der Verfassungsreformgruppe der Ära Gusenbauer/Molterer aufgegriffen und einen mutigen, weitreichenden, sauberen Vorschlag zur Neuordnung gemacht.

Alle inhaltliche Schulgesetzgebung soll der Bund erhalten, auch das Lehrerdienstrecht und die Qualitätssicherung durch neue wirksame Kontrollen. Zahlreiche Landesgesetze würden hinfällig. Die gesamte Schulverwaltung soll in einer Bildungsdirektion im Amt der Landesregierung gestaltet werden. Bisher verwalteten die Länder klaglos und qualitätsvoll zwar alle Pflichtschulen, der Bund aber zentral die AHS und BHS. Die Zweigleisigkeit der Verwaltung, die Landes- und Bezirksschulräte, der damit verbundene Proporz und viele Dienstposten würden entfallen.

Die Schulen bekämen mehr Selbstgestaltung in den Schulgemeinschaften, könnten Drittmittel erschließen und verwalten. Im Finanzausgleich wäre festgelegt, wie viel Steuermittel der Bund pro Schüler im Jahr den Ländern überweist. Die Länder könnten wirtschaften, die wechselseitigen Betrugsvorwürfe im derzeitigen Abrechnungssystem entfielen, gleichermaßen die Zweckentfremdung von Lehrern, die der Bund bezahlt, aber für Landeszwecke eingesetzt werden.

Große Beträge könnten eingespart werden: Gerade hat die OECD festgestellt, dass wir sehr viel für die Schulen ausgeben, aber nur mittelmäßige Ergebnisse erzielen! Also: Weg mit dem Speck!

Der Aufschrei der Zentralisten und der Nutznießer des derzeitigen Wirrwarrs ist gewaltig. Warum aber die Industrie in diesen Chor einstimmt, ist unverständlich. Klare zentrale Ziel- und Mittelbestimmungen, Vielfalt und Wettbewerb in der Durchführung, das sind doch Grundsätze, die ihr an und für sich wichtig sind. Aber die Industrie ist ja auch für die Gesamtschule...

Die Länder haben also ein Angebot gemacht, den ersten Schritt gesetzt. Sie sind über ihren Schatten gesprungen. Sie wollen Gesetzgebungsrechte gegen Verwaltungsverantwortung tauschen. Beide Seiten geben und erhalten im Gleichgewicht. Alle können gewinnen: die Schüler bessere Schulen, die Schulen mehr Selbstständigkeit, die Länder mehr Verantwortung – die Republik die zentrale Steuerung, Qualitätskontrolle und Sparsamkeit. Wird der Bund den zweiten Schritt setzen? Oder erweist er sich als Reform-Papiertiger?

Univ.-Prof. Andreas Khol war Nationalratspräsident.


meinung@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.09.2010)

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14 Kommentare
Gast: bösewicht
15.09.2010 21:37
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Klingt gut

Deshalb ist es in Österreich nicht durchführbar.

Denn Hunderte, ja Tausende wichtige Personen, die der Schule nichts bringen, die die Verwaltungsarbeit gar nicht leisten, nur abkassieren für das Ausüben der Macht, Direktorsposten zu verteilen, lassen sich nicht einfach demontieren.
Diese sind jeder Reform im Weg.

Gast: pensionär
14.09.2010 17:43
0 0

aber was machen wir ...

... mit den vielen Mitgliedern im CdU, die jede Gelegenheit wahrnehmen, um mittels politischer Arabeske aus der "Klasse flüchten"??

CdU = Club der Unfähigen

Gast: pensionär
14.09.2010 17:39
1 0

Papiertiger und Sesselfurzer

Wie's funktioniert habe ich in Finnland und Schweden als Austauschlehrer (Sokrates) gesehen - wer aber, Herr Khol, wird einen unfähigen Schulleiter, einen unfähigen Lehrer entlassen in Zeiten wo der Proporz wieder als einziger Kitt zwischen den Regierungsparteien wieder gefördert wird.
Kommt Ihnen da wie weiland Helmut Zilk nicht auch das Kotzen ...?!

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Mit der ÖVP bleibt die Schule eh im 20. oder vll.

sogar im 19 Jhdt. stecken. Aber die Verantwortung zu dezentralisieren, halte ich schon für sehr sinnvoll. Allerdings wäre da die Bezirksebene sinnvoller. Die Landesebene kann abgeschafft werden.

teifl eini
14.09.2010 08:58
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reine propaganda - eine unredliche sache

herr kohl ist wohl sehr eng mit landesvati pröll!

da wird das alte kampfwort "zentralisten" ausgepackt, da wird über den grünen klee gelobt, was bislang teil des problems war ("klaglose verwaltung") und die gesamtschule runtergemacht.

"vielfalt" wäre einfacher durch eine echte schulautonomie zu haben: der bund gibt leitlinien vor, die schulen setzen das so um, wie sie glauben, ohne länder-speck. dann hätten wir auch wirklich so etwas wie konkurrenz, was kohl implizit fordert aber nicht auszusprechen wagt.

übrigens, das erschließen von drittmitteln war auch bisher nicht verboten. die drohenden finanzausgleichs-streitereien über die höhe des schülerbeitrages, möchte ich nicht verfolgen müssen.

herr kohl möge seine ziele offen legen, die da wären:
die verwaltungs-posten sollen in den ländern bleiben, die landesfürsten ihren einfluss behalten.

Gast: lehrerxy
13.09.2010 14:39
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es würde genügen...

es würde genügen, wenn man dies anstatt 9mal, einfach nur so, wie es schon die EU-Statistik für Österreich vorgibt - das Ganze mit 3 NUTS-Regionen organisieren würde - es ist nicht einzusehen, dass für eine Bev. in Vbg, die so groß ist, wie die in Donaustadt + Floridsdorf, eine eigene Apparatur eines LSR besteht....

leberkasi
13.09.2010 12:12
0 0

......andreas, setzen, 5!!!!!!!

(verzeihen sie mir das du, da wir uns ja nicht kennen).

Solon
13.09.2010 11:32
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Die Botschaft hör`ich wohl ...

was man da liest - überzeugt, klare einheitliche Rahmenbedingungen als Ausdruck einer gemeinsamen bildungspolitischen Konzeption gesamteuropäisch herzeigbar sodann kompetitive Umsetzung mit Anspruch auf best practise - ja so könnte es gehen. Aber zurück in die Realität: Letztlich entscheidet nicht, was man macht sondern WIE es gemacht wird und da fehlt mir der Glaube.

Gast: Burgenländer
13.09.2010 09:04
1 0

Langmut gegenüber eigenem Gestaltungsversagen...

"Bisher verwalteten die Länder klaglos und qualitätsvoll zwar alle Pflichtschulen, ......" Der Langmut den Parteifunktionäre gegenüber dem Gestaltungsversagen ihren eigenen Gesinnunggenossen haben, ist zwar eine positive Eigenschaft, da sie mit Geduld assoziiert wird. Allerdings was Herr Dr. Andreas Khol hier als "quergeschrieben" präsentiert ist nicht mehr als das "wording" das ÖVP-Funktionäre in der gegenwärtigen Situation in der Schuldebatte verwenden sollen. Das "klagloge Funktionieren" der Schulpolitik in den Ländern ist wie folgt zu beschreiben: Der LH ernennt eine Person die sein Denken vollzieht zum Präsidenten des Landesschulrates, der LH-Stv. ernennt eben Vizepräsidenten der genau das im Sinne seiner Partei tut. Die - vielen Schulinspektoren - werden über die Parteisekretariate ermittelt, ebenso wie die meisten Direktoren. Die Auswahlverfahren - Hearings usw. - werden von den meisten LehrerInnen und auch den Betroffenen als Farce wahrgenommen. Herr Dr. Khol kommen Sie herunter vom hohen Ross.

Antworten Gast: Teacher man
14.09.2010 21:00
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Re: Langmut gegenüber eigenem Gestaltungsversagen...

Bei obigen Zitat habe ich genauso den Kopf geschüttelt wie Sie. Ich kann Ihren Worten nur zustimmen. "Klaglos" und "qualitäsvoll" sind genau die Adjektive, die in einem Satz mit "Länderverwaltung" sicher nicht vorkommen sollten.

Antworten Gast: Burgenländer
13.09.2010 18:18
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Re: Langmut gegenüber eigenem Gestaltungsversagen...

Dieses Parteifunktionärsgeschwafel von Zentralismus versus Föderalismus in einem Staat mit 8 Millionen Einwohnern und zwei Bundesländern die nicht mehr Einwohner haben als ein Wiener Gemeindebezirk, geht mir so etwas an den Geist. Wenn dem Herrn Dr. Andreas Khol beim Andreas-Hofer-Lied das Wasser in den Augen steht, dann soll uns das nicht auf Dauer Millionen Euro und Veränderungsstau bis zum St. Nimmerleinstag bescheren. Offensichtlich führt die Sozialisierung in einer Partei zum Einstellen des Weiterdenkens. Dieser Funktionärsdogmatismus ist auch eine Ursache, dafür dass Politiker wie ein Herr H.C. Strache immer wieder auf Stimmenzuwachs hoffen dürfen, obwohl deren Denken derart gestrig ist, dass sich allzu viele junge Menschen erinnern können.

Gast: gast
13.09.2010 08:37
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mein gott der kohl....

Die bösen Wiener Zentralisten.
Ein 8-Mio-Einwohner-Land braucht neun verschiedene Schulverwaltungen, ist doch klar,
wie soll man den sonst dieses inhomogene, topographisch höchst-komplizierte Land verwalten?

Gast: Krautwickler
12.09.2010 22:07
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Herr Khol als Kreidefresser?

noch ist mir erinnerlich, als E. Gehrer die Bezirksschulräte (als erste Stufe einer Schulverwaltungsreform) abschaffen wollte:
es waren die ÖVP Landesschulratspräsidenten, die sie zur politischen "Steinigung" freigaben.
Also: der politische Wille zur Veränderung war da, aber namhafte ÖVP Landespolitiker haben dies vom Anfang an verhindert!!

Gast: Parteiloser
12.09.2010 19:31
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Durch exzessiven Föderalismus können alla gewinnen?

Der Föderalismus in Österreich geht in viel zu kleine Einheiten. Es ist doch keine Frage, dass das Bundesländerthema in Österreich überholt ist, eigentlich ein archaisches Relikt.

Das wird auch sofort erkennbar, wenn man den Gedanken weiterspielt. Warum nicht gleich jede Bezirkswiese unanhängig, oder noch besser, eine Gesetzgebung auf Gemeindeebene. 2.357 unabhängige Verwaltungseinheiten, welche im Rahmen demokratischer Prozesse sich die Gesetze selber machen. Die Gemeinderäte sind ja heute schon vorhanden, das würde der Republik einen Haufen Geld sparen.

Wir könnten aber einmal einen Blick in die rechtsgültige EU Grundrechtscharta werfen und versuchen deren Aussagen auf dieses Thema umzulegen. Da können wir das Recht auf Bildung, das Recht auf eine gute Verwaltung, das Recht auf wirtschaftliche Tätigkeiten und Vieles mehr erkennen.

Wir haben keine gute Verwaltung, weil es eben viel zu Viele, und viel zu aufgeblähte Verwaltungseinheiten, gibt. Der exzessive Föderalismus in Österreich macht dieses Grundrecht zunichte. Das geht soweit, dass es einfach nur noch irre Kosten (kaum Gegenleistungen) der Gebietskörperschaften gibt und daher den Menschen die Verfügungsgewalt über die eigene Leistung genommen werden muss. Der Bildungsbereich hat dabei einen wesentlichen Anteil und zeigt, dass den Bürger einen Haufen Geld abgezwickt wird und, ohne Gegenleistung, and die Lehrer verteilt.

Am Ende ist es Wahnsinn unserer Staatlichkeit, welcher das Recht auf Bildung verhinder

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