25.05.2012 21:05 | Meine Presse Merkliste 0

Der Papst im Fernsehen

ANDREAS KHOL (Die Presse)

In den letzten Tagen konnte sich jeder seine eigene Meinung bilden – über den Papstbesuch und über den ORF.

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Es war der erste Papstbesuch im Vereinigten Königreich seit dem Schisma vor 500 Jahren. Damals spalteten sich die Anglikaner von der universalen katholischen Kirche aus ausschließlich weltlichen und machtpolitischen Gründen ab. Seither haben sich die beiden Kirchen zwar in Fragen des Priesteramts auseinanderentwickelt, allerdings nicht in Grundfragen des Glaubens. So nennen sich viele Anglikaner heute noch „English Catholics“.

Dieser Staatsbesuch konnte nur über förmliche Einladung des Staatsoberhaupts, also der Queen, zustande kommen. Sie ist wie der Papst nicht nur Staats-, sondern auch Kirchenoberhaupt. Den Vorschlag dazu machte die Regierung – das muss die sozialdemokratische Labour-Regierung Gordon Browns gewesen sein. Bereits die Einladung war eine beachtliche Geste, gerade angesichts der neuesten Entwicklungen. Hunderte von anglikanischen Pfarrern sind römisch-katholisch geworden, der Papst hat eigene anglikanisch-katholische Diözesen weltweit errichtet. Die Anziehungskraft der über eine Milliarde Mitglieder zählenden römischen Kirche auf die 70 Millionen in der ganzen Welt verstreuten Anglikaner ist groß. Das Faktum des Besuchs ist eine kleine Sensation. Der Ablauf war unerwartet herzlich, die Königin gab den Ton vor.

Die Botschaft des Papstes war klar: Die Verdrängung des Glaubens und Gottes aus dem öffentlichen Leben führt zu einer verkürzten Sicht von Mensch und Gesellschaft, ist ein Wesensmerkmal schrecklicher Diktaturen wie des Nationalsozialismus. Für die Missbrauchstäter fand er harte Worte, für ihre Opfer Worte der Entschuldigung, des Verstehens und des Mitleids. An den großen Feiern nahmen Hunderttausende Begeisterte teil; die Begegnung mit den Bischöfen der Anglikaner war geschwisterlich, jene mit der politischen Führung – man sah Margaret Thatcher, Tony Blair und Gordon Brown – eindrucksvoll.

Im ORF sah man vorwiegend die Protestkundgebungen und hörte vom Missbrauchsskandal. Markus Feinfurter berichtete in den Kirchensendungen umfassend, die Auswahl der Bilder in der ZIB war kritisch und selektiv. So kann man Meinung machen, ganz im Zeichen des Generalangriffs auf die Kirche. Im Ausland war das anders. Dort sahen viele Medien den Papstbesuch als unerwarteten Erfolg der katholischen Kirche und des Papstes – gerade in Zeiten der Missbrauchskrise. Nicht so der ORF und ein rosarotes Blatt in Österreich, die den Erfolg nur in den Augen der Kirche sahen. Wie schön: ein Klick, und man sieht und hört es anders, bei BBC, CNN, den deutschen Sendern, wo man auch die prächtigen Bilder aus Schottland, Birmingham, London ausgiebig wiedergab. Diese Vielfalt macht's möglich: Jeder konnte sich seine eigene Meinung bilden – über den Papstbesuch und über den ORF.

Univ.-Prof. Andreas Khol war Nationalratspräsident.


meinung@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.09.2010)

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18 Kommentare
Gast: Luzifer
29.09.2010 02:50
1 0

Selber schuld, warum habt ihr den Sozis auch die ganze Macht im Staat überlassen?

Früher gab es neben dem immer schon "roten Fernsehen" des FS-Direktors Freund (ein anderer Freund verbreitet auch jetzt noch pointiert linke Standpunkte im FS) der "schwarze Rundfunk" gegebenüber. Jetzt funken beide stramm auf rot/grüner Linie, wobei sich Ex-Vorarlberger und Ex-Tiroler als besonders "progressiv" hervortun!

Gast: Gerne Gast
28.09.2010 23:17
2 0

Die Sprache der linken "Demokraten":

Mehr Aufmerksamkeit für ein paar Dutzend Demostranten als für tausende Sympathiesanten und Gläubige.
Das ist Prawda.
Das ist Rotfunk.
Das ist der ORF, bezahlt von allen österr. Bürgern und fest in der Hand von SPÖ und Grünen.

Gast: hurka
28.09.2010 09:23
1 1

danke

danke herr prof. kohl für diesen klarsichtigen und guten artikel.... der orf ist in manchem leider wirklich ein kleinkarierter provinzsender, das trifft auf die religionsberichterstattung zu. liegt zum teil sicher daran, dass dort leute über religions themen berichten/oder eben nicht berichten, die von diesen dingen keinen blassen dunst haben!

Gast: AndreasA
27.09.2010 21:04
0 0

youtube?

@Kyniker

Das youtube Video ist leider nicht mehr verfügbar.
Um was ging es darin?

Antworten Gast: Gast
27.09.2010 22:35
1 0

Re: youtube



@ Video => ist verfügbar, einfach anklicken


@ Inhalt => anschaun und nachdenken…



Kyniker
27.09.2010 20:19
3 0

@ „Für die Missbrauchstäter fand er harte Worte“






für die Vertuscher hat er geschwiegen…






Antworten Gast: Offenbach
09.11.2010 01:35
0 0

Re: @ „Für die Missbrauchstäter fand er harte Worte“

Armer mit Schlamm werdender Kyniker. So viel Hass. Basteln sie Papstvoodoopuppen in ihrer Freizeit? Menschen wie Sie dürfen sich durch den Artikel angesprochen fühlen.

Kyniker
27.09.2010 20:19
3 0

@ „die Auswahl der Bilder in der ZIB war kritisch“






Gloria-TV und Radio Maria waren nicht so kritisch…






Kyniker
27.09.2010 20:19
3 0

@ „Anziehungskraft der über eine Milliarde Mitglieder zählenden römischen Kirche“






hätte diese Kirche auch gerne in Österreich…






Kyniker
27.09.2010 20:18
3 0

@ „Papstbesuch als unerwarteten Erfolg der katholischen Kirche und des Papstes“






so unerwartet auch nicht – es hat doch bitte niemand erwartet, dass Herr Ratzinger wie jeder gemeine Verbrecher verhaftet werden würde…






Kyniker
27.09.2010 20:18
3 0

@ „Die Verdrängung des Glaubens und Gottes aus dem öffentlichen Leben führt zu einer verkürzten Sicht von Mensch und Gesellschaft, ist ein Wesensmerkmal schrecklicher Diktaturen wie des Nationalsozialismus“






http://de.youtube.com/watch?v=k6C9BuXe2RM






komajo
27.09.2010 18:29
1 0

Über den ORF

kann man sich täglich eine Meinung bilden. Dazu braucht es kein BBC oder CNN. Es gnügt nach Deutschland zu schalten und es kommt die Wut hoch in Österreich Zwangskunde sein zu müssen.

Gast: Andreas A.
27.09.2010 17:33
2 0

Die Nazis waren Christen

"Die Verdrängung des Glaubens und Gottes aus dem öffentlichen Leben führt zu einer verkürzten Sicht von Mensch und Gesellschaft, ist ein Wesensmerkmal schrecklicher Diktaturen wie des Nationalsozialismus."

Man frage sich warum allein Deutschland zu über 98% christlich war in den Jahren 1930 bis 1945.

Man frage sich, warum Hitler Katholik war und noch immer ist, da er nie exkommuniziert wurde.

Man frage sich, warum die deutsche Wehrmacht "Gott mit uns" auf ihre Gürtelschnallen hattte, als sie den Rest der Welt überfallen hatten.

Ich denke hier passiert Geschichtsfälschung auf höchstem Niveau.

Aber die Wahrheit schmerzt!

Antworten Gast: Babelfisch
09.11.2010 01:29
0 0

Re: Die Nazis waren Christen

Napoleon war auch Katholik, und weiter?
Wollen wir jetzt die Religionen sämtlicher Despoten aufzählen und für deren Existenz beschuldigen?
98% der Deutschen haben Musik gehört und Brot gegessen. Wie gehen wir jetzt damit um?
Machen sie sich doch nicht lächerlich.

Antworten Gast: Gerne Gast
28.09.2010 23:15
1 0

Re: Die Nazis waren Christen

Ja genau, und jetzt die Differenz:

Die Träger und Unterstützer der NSDAP waren vor allem Protestanten, die Katholischen Kleriker die Berufsgruppe mit der höchsten Ermordetenzahl unter den Braunen Sozialisten.
Hitler als "Katholiken" zu bezeichnen ist völlig lächerlich. Er war 100%ig antiklerikal.
Ich denke, beí ihnen passiert geschichtsfälschung auf niederem Niveau.

Antworten Antworten Gast: Gastname*
29.09.2010 13:39
0 0

Re: Re: Die Nazis waren Christen

Haben Sie Quellen, die Ihre Aussage belegen.

Während Hitlers Position gegenüber der katholischen Kirche sicher einfach war, blieb er doch Zeit seines Lebens Katholik und hat sich auch in öffentlichen Reden gegen Atheismus ausgesprochen.

Meine Quelle:
http://en.wikipedia.org/wiki/Adolf_Hitler's_religious_views

Und wer betreibt nun Geschichtsfälschung?

Gast: vergilius
27.09.2010 16:57
1 1

herzlichen glückwunsch

voll ins schwarze - äh - rote getroffen.

Gast: Erinnerer
27.09.2010 09:10
1 1

Wirklich der

Das, was im Artikel ausgesagt wird, kann nur voll unterstützt werden.

Allerdings ist Dr. Khol alt genug, um sich daran zu erinnern, daß bereits Johannes Paul II im Jahr 1982 das Vereinigte Königsreich besucht hat, somit ist der einleitende Satz des Beitrags irreführend, es sei den das Wort "Besuch", wird zum Wort "STAATS"-Besuch ergänzt, denn die Reise Johannes Paul II im Jahr 1982 hatte rein pastoralen Charakter.

Übrigens gab es auch VOR dem Schisma keine Papstbesuche in England, was allerdings mehr mit den damals eher umständlichen Reisearrangements zu tun hatte.

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