Zugegeben, es gibt in Zeiten, in denen die Nerven wegen der permanenten Eurokrise, der steigenden Arbeitslosigkeit und sogar der anhaltenden Hitze blankliegen, Wichtigeres. Dennoch: Erstaunlich vielen Männern – jedenfalls deutlich mehr als Frauen – fällt es unheimlich leicht, ihre eigenen Widersprüche vor sich selbst zu vertuschen. Damit bestätigen sie aber nur den Verdacht, andere für blöd verkaufen zu wollen. Und das nervt auch ganz gehörig.
In diese Kategorie fallen in Österreich seit einiger Zeit drei Männer, obwohl man die Liste wahrscheinlich beliebig ergänzen könnte: Frank Stronach, Uwe Scheuch, Niki Lauda.
Seit Monaten tobt der ehemalige Magna-Chef Stronach gegen das „System“, das „zur Zerstörung Österreichs führt“. In jedem zweiten Satz kommt das „System“ vor. Dabei fällt dem seltsamen Mister S. offenbar gar nicht auf (oder nicht ein), dass er seit seiner Rückkehr nach Österreich nichts anderes getan hat, als eben dieses System für seine Zwecke zu nutzen.
Er bezahlte ehemalige oder in Ungnade gefallene Politiker oft nur dafür, dass sie eben Teil dieses politischen Systems waren. Von Karl-Heinz Grasser über Andreas Rudas (SPÖ) bis Peter Westenthaler. Erst vor einem Jahr wollte er Günter Stummvoll (ÖVP) zum Vorsitzenden des Aufsichtsrats seiner Glücksspielfirma Merkur Entertainment machen. Als Abgeordneter ist Stummvoll mit der Glücksspielmaterie vertraut. So „kaputt“ kann das „System“ also gar nicht sein, wie Stronach diese Woche in der „ZiB 2“ behauptet hat. Oder doch, weil die ÖVP Stummvoll in letzter Minute zur Vernunft gebracht und seinen Plan durchkreuzt hat?
Als Einzige hat sich eine Politikerin in den letzten zehn Jahren Stronachs Versuch, das jetzt so verteufelte „System“ zu manipulieren, widersetzt. Weil sie, wie sie erzählt, „für eine sagenhafte Gage eigentlich keine Aufgabe“ gehabt hätte. Aber wahrscheinlich wollte Stronach mit diesem Angebot auch nur „seinem Land dienen“.
Jetzt wird er also – wieder mit freundlicher Unterstützung der Medien – eben dieses Land noch Monate hinhalten, bis er politisch „etwas Neues“ macht – oder auch nicht. Stronachs Reichtum gibt ihm jedes Recht dazu. Aber niemand sagt, dass alle mitspielen müssen.
Mindestens so ärgerlich ist die Sache mit Uwe Scheuch, Vizelandeshauptmann in Kärnten (FPK), der gestern, Freitag, im Gericht mehr als nur „a klane Tetschn“ bekommen hat. Wer sich ständig auf die Partei der Anständigen (FPÖ-Selbstbeschreibung) beruft und „anständige Ausländer“ von anderen zu unterscheiden weiß, der sollte zumindest den Anstand haben, nach der zweiten Verurteilung von den politischen Ämtern zurückzutreten. Aber offensichtlich fällt auch ihm die himmelschreiende Inkonsequenz gar nicht erst auf – schon gar nicht als jemand, der häufig alle anderen zum Rücktritt auffordert.
Im Vergleich zum Politischen ist der logikfreie Wortschwall, den Niki Lauda bei jeder Gelegenheit von sich gibt, geradezu putzig, aber eben auch nervig. Nur ein einziges Beispiel: Er will nicht, dass seine Kleinkindzwillinge zwei Männer im ORF als „Dancing Stars“ sehen, findet aber nichts dabei, stolz vom gefälschten Maturazeugnis zu erzählen. Lauda hat zum Thema „Vorbild“ offenbar einen ähnlichen Zugang wie Stronach zum „System“ oder Scheuch zum „Anstand“.
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("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.07.2012)















