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Neuwahl in Kärnten – und zwar sofort Die rot-schwarz-grüne Mehrheit gäbe es

13.07.2012 | 18:33 |  ANNELIESE ROHRER (Die Presse)

Fünf von acht Mitgliedern der Landesregierung haben mit der Justiz zu tun. Die FPK wird mit Scheuch an den Sesseln kleben. ÖVP-Chef Spindelegger muss Landespartei zu radikalem Schritt drängen.

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Das Bundesland Kärnten ist wirklich einmalig. Es ist nicht erinnerlich, dass es dies in der Zweiten Republik schon einmal gegeben hat: Fünf von acht Mitgliedern der Landesregierung sind ein Fall für die Justiz oder könnten einer werden. Die einzig anständige Konsequenz wäre daher eine sofortige Neuwahl.

Anstand, Verantwortung, Konsequenz – wie schreibt man das in Kärnten? Der Zustand jetzt wäre in jeder funktionierenden Demokratie unerträglich. Uwe Scheuch ist bereits (nicht rechtskräftig) verurteilt. Josef Martinz, ÖVP-Chef mit ruhender Landesratfunktion, steht im sogenannten Birnbacher-Prozess vor Gericht. Die Aussicht auf eine Verurteilung ist nach dem Rat des Richters, doch endlich ein Geständnis abzulegen, intakt.

Die beiden Landesräte Achill Rumpold (ÖVP) und Harald Dobernig (FPK) sind in dieser Angelegenheit als ehemalige Mitarbeiter von Josef Martinz und Jörg Haider nach dem Schuldgeständnis Dietrich Birnbachers als Mitwisser ebenfalls kompromittiert. Der Prozess könnte noch weitere Details zutage fördern.

Darauf muss Finanz(!)landesrat Dobernig aber nicht warten. Denn zusammen mit Scheuch und Landeshauptmann Gerhard Dörfler wird er am Montag in Wien im Landesgericht erscheinen müssen. Es geht um den Verdacht der illegalen Parteienfinanzierung im Landtagswahlkampf 2009. Stefan Petzner, der das Quartett der üblichen Verdächtigen vervollständigt, ist wenigstens nicht Mitglied der Landesregierung. Jede Wette, dass die FPK-Spitze den Kärntnern diese Vorladung als „Verfolgung und Verschwörung von denen in Wien“ verkaufen wird. Von der FPK ist also der Anstand, sich jetzt dem Urteil der Wähler zu stellen, nicht zu erwarten.

An und für sich wären die Mehrheitsverhältnisse für eine vorzeitige Auflösung des Landtags (laut § 16 (1) der Landesverfassung) klar. Notwendig ist die einfache Mehrheit: 21 Mandatare von SPÖ, ÖVP und Grüne könnten 19 Mandataren der FPK eine Neuwahl aufzwingen.

Daher liegt es – bei allem Gerede über die Selbstständigkeit der Landesparteien – an ÖVP-Chef Michael Spindelegger. In Kärnten ist für die ÖVP Gefahr im Verzug. Spindelegger könnte Martinz zum Rücktritt zwingen, einen neuen Kandidaten, eine Kandidatin nach Kärnten schicken – mit dem Auftrag, mit SPÖ und Grüne gemeinsame Neuwahlsache zugunsten der demokratiepolitischen Hygiene in diesem Land zu machen.

Es ist schwer vorstellbar, dass SPÖ und Grüne nicht mitgehen, wollen sie einen Rest an Glaubwürdigkeit bewahren. Daher hat Spindelegger das Heft in der Hand. Er könnte zum Beispiel den früheren ÖVP-Generalsekretär, Fritz Kaltenegger, im Agrana-Konzern von Raiffeisen suchen und den gebürtigen Kärntner zur Rückkehr überreden. Aber Spindelegger hat vielleicht noch mehr Fantasie, könnte ja sein.

Als Vizekanzler hat Spindelegger eine gesamtösterreichische Verantwortung. Und die verdichtete Unfähigkeit und Unverfrorenheit in Kärnten geht den Bund sehr wohl etwas an. Schließlich haften alle Steuerzahler mit 17 Milliarden Euro.

In dieser Situation muss man wirklich bedauern, dass es in Österreich keinen Recall-Mechanismus gibt, also keine Rückholaktion. Dann könnten die Kärntner wenigstens selbst per Volksabstimmung die Auflösung des Landtags erzwingen.


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("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.07.2012)

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23 Kommentare
Gast: pouch2012
16.07.2012 18:41
0 0

Kaltenegger nach Kärnten?

Sehr geehrte Frau Rohrer,
Fritz Kaltenegger geht garantiert nicht nach Kärnten. Aber das können Sie ihn ja gerne auch selbst mal fragen.
Im Übrigen denke, daß in der Politik vor dem Anstand der Machterhalt kommt. Also wird nicht viel passieren.

Gast: ökono-mist
16.07.2012 15:41
0 0

"Krasnowodsk"


Na, da war ich gestern wahrscheinlich wohl etwas zu weit vom Thema weg (selbstverursachter "literarischer" Anfall?) - 'Tschuldigung...

Frau Roher, Ihre Kommentare...

...sind inhaltlich und journalistisch (fast) immer Top. Und Ihre Leidenschaft ist auch richtig sexy. Aber Ihr naiver Glaube an Spindelegger ist schon fast rührend. Mögen Sie recht haben, damit die Gfraster endlich Pause haben.

Gast: kritischer leser
16.07.2012 10:16
1 4

Neuwahlen in Kärnten und auch sonst wo...

Die Kommentare von Frau Rohrer waren auch schon besser; in der letzten Zeit wird eigentlich nur noch "herumgekeppelt".

Antworten Gast: xxxyyyzzz
18.07.2012 20:00
0 1

Re: Neuwahlen in Kärnten und auch sonst wo...

... Uwe, nimm's nicht so schwer. War doch eine schöne Zeit für dich so lange Kärnten dich aushielt. Alles geht einmal zu Ende - auch in der FPÖ/FPK.

Gast: Hansi Hüpfer
15.07.2012 11:27
3 3

Wien = pars pro toto für Ö.

Alles das wird von Wien in den Schatten gestellt.
Erst wenn jemand in Wien weger der Zustände einen Herzkasperl bekommt, darf ihn Kärnten aus der Kontenanze bringen.

Hmm, find ich...

... nicht. Wien ist ne richtige Musterstadt geworden, auch wenn nicht immer alles Top ist.

Re: Hmm, find ich...

richtig, in Wien gibts keine Korruption, Freunderlwirtschaft und Postenschacher????

Österreich

braucht Neuwahlen! Die Kärntner Politik ist zwar unappetitlich, aber nicht staatsgefährdend, die Bundesregierung aber sehr wohl!

Gast: Jugend aus Kärnten
15.07.2012 09:41
3 2

Wann gebt es endlich Neuwahlen?

Um den Schaden nicht noch weiter zu vergrößern sind Neuwahlen der einzige Ausweg!

Die FPK richtet enormen Schaden am Tourismus- und Wirtschaftsstandort Kärnten an!

Daher Neuwahlen sofort und weg mit den FPK Chaoten!

ausgerechnet die övp soll kärnten retten?

es war doch die övp bzw schüssel, der kärnten in dieses abenteuer gehetzt hat: die erlaubnis zum 'anything goes' war der preis für kanzlerposten und die alleinregierung im bund.

wenn jetzt schon wieder die övp rumpfuschen soll, dann ist endgültig der bock als gärtner geadelt.

Gast: P.Gerhardus
14.07.2012 13:36
3 2

.. und aus demselben Grund auch Neuwahlen zum Nationalrat!

Es haben auch vier Mitglieder der Bundesregierung genau SO mit der Justiz zu tun, obwohl dies von der Mehrheit der österreichischen Presse verheimlicht wird! Denn es handelt sich um Personen der SPÖ....

Antworten Gast: Ignotus
15.07.2012 07:41
0 0

Re: .. und aus demselben Grund auch Neuwahlen zum Nationalrat!

wer sind diese vier Regierungsmitglieder ?

Antworten Gast: zwickerl
14.07.2012 22:06
0 0

Re: .. und aus demselben Grund auch Neuwahlen zum Nationalrat!

Faymann, Ostermaier, Schmied.. wer ist die vierte Person?

Gast: Gast: Leser
14.07.2012 13:31
4 3

Rot-grün?

Nach den Erfahrungen von Rot mit Grün in Wien, würde ich immer noch 3x Scheuch vorziehen, bin aber zugegebenermaßen kein Kärntner.
" ... mit SPÖ und Grüne ... " ist auch nicht gerade großartiges Deutsch.

Ja, Scheuch müsste sich nur...

... auf Baldur umtaufen lassen;)

Re: Ja, Scheuch müsste sich nur...

Warum? Damit Loki ihn austrickst?

Gast: Kärntenboy
14.07.2012 08:17
0 1

Wozu brauchen wir überhaupt eine Landesregierung?

Abschaffen?
oder Neuwahlen mit verkleinerter Landesregierung!

Antworten Gast: Niederösterreicher
17.07.2012 15:57
1 0

Re: Wozu brauchen wir überhaupt eine Landesregierung?

... schließlich genügt uns der Faymann mit seinem Herr und Meister Häupl!

Gast: Luzifer
14.07.2012 00:45
3 1

Wie man endlich zu einer linksalternativen Regierung kommt:

Sollen die einmal zeigen, was sie können: Dollfuß als "Putschist", Karl Lueger als Erfinder des "Antisemitismus", der Berufsrevoluzzer Koloman Wallisch als Wahrer der Demokratie.
Die Landschaft mit Wind-Gullotinen und glitzernden riesigen Glasflächen "verzieren", deren Energieproduktion der Konsumenten gefälligst zum doppelten Tarif abzunehmen haben, andernfalls wird phasenweise der Strom abgeschaltet! Die Autobahnen rückbauen und die Maut vervielfachen, bis dem Autofahrer (zb. Pendler) die Fahr mit dem eigenen PKW vergällt ist. Wer dumm genug ist, sich anzustrengen und seinen Gewinn auch noch zu versteuern, sollte gefälligst seinen Zaster herausrücken! Die persönliche Freiheit kann man dafür bei Lust und Liebe austoben. Und wenn es doch noch Kinder geben sollte, wären die bei den staatlichen Kindergrippen abzugeben, um sie besser einheitlich zum neuen "sozialistischen Menschen" zu züchten!

Bin nur neugierig, wie lange dieses links-alternative Gesellschaftsmodell von rot und grün floreren wird. Die Blauen werden sicherlich einen entsprechenden Betrag zur neuen "gerechten" Ordnung in Österreich leisten!

Und wie das geht: Frau Rohrer hat es schon vorgezeichnet. Die Medienkonsumenten rechtzeitig über die schwarzen Finsterlinge, die nur das Verderben des "arbeitenden Volkes im Sinne haben, aufklären!

Gast: Gast2176
13.07.2012 22:36
0 0

In

Artikel 14 der Landesverfassung steht der Teil, wie die vorzeitige auflösung von statten geht. Ohne die FPK kann der Landtag nicht aufgelöst werden. Wer es nicht glaubt, bitte einfach nachgoogeln.

Gast: 1. Parteiloser
13.07.2012 20:06
0 0

Nicht einmalig, typisch für Österreich!

Man braucht es doch nur mit den Vorgängen der Bundesregierung zu vergleichen!

Da haben wir schon mal einen, sehr mutmaßlich, korrupten Inseratenkanzler, welches es auch mit der Justiz zu tun hat!

Dann haben noch einen, sehr mutmaßlichen, amtsmissbrauchenden Vizekanzler (Diplomatenpässe!), welche herrlich den Misthaufen ergänzt.

Dann haben wir auf Bundesebene ein wahrlich galaktisches Versagen beim Wirtschaften wie der laufende Budgetvollzug deutlich zeigt.

https://www.bmf.gv.at/budget/akthh/2012/201205hauptueberblicke.htm

Periode Jan-Mai 2012, Vergleich zum Vorjahr:
Ausgaben:.31.202,6 Mio. Euro (+6,7%!)
Einnahmen:24.170,9 Mio. Euro (-0,3%)

Defizit:...7.032 Mio. Euro (5 Monate!). Das sind +40% zum Vorjahr!

Interessant ist, dass das trotz dem vollen Abkassieren der kalten Progression so gekommen ist.

Die 17 Mrd. Haftungen aus Kärnten werden bei einer Gesamtbetrachtung der Verpflichtungen der 2. Republik, nach einer Berechnung im Auftrag der EU Kommission, einfach nur lächerlich.

Es geht in Österreich ja schon um über 400% des BIP, also um 1.200 Mrd. Euro!
http://www.wiwo.de/bilder/schuldenkrise-staatsverschuldung-in-europa/4725424.html

Eventuelle Mehrheitsverhältnisse spielen doch heute keine Rolle mehr, die Regierungsfarben auch nicht.

Der demokratische Misthaufen, weil Parteienwahlrecht, der schillert in allen Farben und macht Österreich immer mehr kaputt. Mit demokratischen Mittel haben die Ö keine Chance auf die Korrekturen!

Gast: oupos
13.07.2012 19:46
3 2

Bravo!

Genau, Frau Rohrer - blöderweise hat Spindelegger keine Zeit, die Presse zu lesen - er ist viel zu beschäftigt mit den lichtvollen Erkenntnissen seines Generalsekretärs...

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