So viel journalistischer Luxus muss sein: Kärnten heute nicht kommentieren! Es fällt einem nichts mehr ein. Aus Anlass der Eröffnung der Salzburger Festspiele gestern, Freitag, deshalb heute ein Quiz. Kennen Sie die Kultursprecher der fünf im Parlament vertretenen Parteien? Drei davon wenigstens! Nein?
Das sollte Sie nicht weiter belasten, denn Sonja Ablinger (SPÖ), Silvia Fuhrmann (ÖVP), Heidemarie Unterreiner (FPÖ), Wolfgang Zinggl (Grüne) und Stefan Petzner (BZÖ) füllen ihre Funktion als Kultursprecher hauptsächlich als Nachrufspezialisten aus. Bei jedem Sänger, Schauspieler etc. sind sie alle sofort mit Meldungen „zum Tode von...“ zur Stelle. Hie und da eine Gratulation zu einem Preis geht auch noch. Halt! Fuhrmann hat einmal die Freilassung Ai Weiweis aus der Haft gefordert. Das hat Chinas Führung sicher geschockt.
Inhaltliches zur Kulturpolitik Österreichs sucht man aus dem Munde der Kultursprecher meist vergeblich. Das ist bezeichnend. Und so sieht Kulturpolitik auch aus. Kultur wird in Tourismus-Euro berechnet. Petra Stoiber, Chefin der Österreich-Werbung, bezeichnet sie als „größten touristischen Pull-Faktor“. Zehn Prozent der Touristen kämen nur wegen Kultur.
Allein, was versteht man eigentlich hierzulande darunter? Kultur sollte dem Land ein bestimmtes Selbstgefühl geben oder, um mit Botho Strauss zu sprechen, ein „Gefühl von sich selbst“. Das kann doch nicht nur aus dem totalen „Verjodeln“ des Kulturellen bestehen, nur weil in den Sommermonaten in jeder Burg, in jedem Dorf und an jedem Teich irgendein Festspiel stattfindet. Dagegen ist nichts einzuwenden. Jeder Stadt ihre Operette ist aber kein Gütesiegel für Kulturpolitik.
Ein Gefühl von sich selbst ist nicht mit provinzieller Identität gleichzusetzen. Darauf können Sie jodeln! Es wäre vielmehr die Gewissheit, dass Schöpferisches, Unerwartetes und Überraschendes ermuntert, zugelassen und gefördert wird. Kirchen- oder Ruinenfestivals sind nicht gemeint.
Eine Kulturpolitik, die den Namen verdient, muss die Rahmenbedingungen dafür schaffen, dass das Kreative nicht verkommt – und nicht nur Geld flächendeckend verteilen, weil irgendetwas irgendwo eröffnet werden kann.
Die Kulturpolitik, die wir meinen, setzt Kulturelles ein, um Verständigung zu ermöglichen und eine bestimmte Atmosphäre – auch im europäischen Sinn – zu schaffen – und erschöpft sich nicht in Personalentscheidungen, Gewährung oder Streichung von Subventionen, je nachdem. Jedem Intendanten, jedem Museumsdirektor sein „Reich“ zu übergeben und sich sonst keine Gedanken zu machen ist das Gegenteil von Politik im Kulturbereich. Sollte irgendwo etwas Außergewöhnliches auftauchen, dann nicht wegen, sondern trotz der Kulturpolitik.
Verwundern sollte das nicht. Kulturpolitik wird zurzeit ja nicht gerade von einem Klub der Feinsinnigen mit ausgeprägtem Sinn für die Künste verwaltet – von Kulturministerin Claudia Schmied bis zu den genannten Parlamentariern und diversen Landespolitikern. Auch in den meisten Medien hat sie total an Stellenwert verloren. Kaum jemand zerbricht sich den Kopf, worauf wir eigentlich stolz sein sollen, nicht einmal die Kulturschaffenden. Aber warum sollte ausgerechnet dieser Bereich nicht sträflich vernachlässigt werden – außer gerade in Salzburg natürlich? Aus Gründen der Selbstachtung.
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("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.07.2012)















