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Kärntens Schicksal liegt in den Händen seiner Bürger, nicht jenen der Politiker

03.08.2012 | 18:48 |  ANNELIESE ROHRER (Die Presse)

So hilflos, wie die Kärntner tun, sind sie nicht: Bei der nächsten Landtagswahl – wann immer – können neue Gruppen kandidieren. Nur 400 Unterstützungserklärungen sind erforderlich.

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Valosn, valosn, wie a Stan auf da Stroßn...“ Wer sich dieser Tage im südlichsten Bundesland umhört und -sieht, dem geht dieser Text des traurigsten aller Kärntner Lieder nicht aus dem Kopf. So groß ist die Ratlosigkeit unter den normalen Wählern.

Da hat man dann nicht einmal das Herz, sie darauf aufmerksam zu machen, dass sie mit ihrem Wahlverhalten drei Mal – 1999, 2004 und 2009 –, ihrer kritiklosen Bewunderung der Verschwendungspolitik seither und ihrer „Schon-wieder-nichts-gewusst“-Mentalität die Situation jetzt selbst zu verantworten haben. Wie schlimm diese ist, merkt man erst, wenn jemand mit Hang zu Nationalem sagt: „Ich würde heute sogar Grün wählen, wenn die wen Attraktiven hätten!“ Verzweifelter geht's in Kärnten wohl nicht – vor allem, wenn man bedenkt, dass den Grünen in Kärnten ständig ihre Slowenen-Freundlichkeit vorgeworfen wird.

Aber nicht nur die Grünen haben in den Augen vieler Wähler keinen Spitzenkandidaten mit Erfolgshabitus, auch SPÖ und ÖVP zur Stunde nicht, und vom Rest-BZÖ ist hier überhaupt nichts zu sehen und hören. Mit gutem Grund.

Wer SPÖ-Chef Peter Kaiser beim Trillerpfeifen-Konzert Donnerstagabend in Klagenfurt beobachtet hat, konnte sich über das Linkische eines Spitzenpolitikers nur wundern. Vote-Getter treten anders auf, reden anders, wirken glaubwürdiger. Dem neuen ÖVP-Chef in Kärnten, Gabriel Obernosterer, ist zwar mit dem personellem Kahlschlag, also den Rücktritten, eines Landesrats, Klubobmanns und eines Geschäftsführers, eine Überraschung gelungen. Doch als Spitzenkandidat, der bei einem TV-Auftritt keinen geraden deutschen Satz hervorbringt, nicht einmal im Dialekt, wäre auch er kein wirklich vertrauenerweckendes alternatives Angebot zur FPK.

Valosn, der Kärntner Wähler also, valosn. Im Übrigen auch von den Bundesparteien SPÖ und ÖVP, die jahrzehntelang Sterbehilfe für ihre Landesparteien betrieben haben. Das Argument, keine Bundesführung habe Einfluss auf oder Durchgriff in einer Landespartei, war/ist nichts als eine faule Ausrede.

Die Ablehnung von Neuwahlen durch die FPK ist nur mit deren arroganter Borniertheit zu erklären. Denn je rascher die Kärntner zur Urne gerufen werden, je weniger Zeit den anderen zu einer personellen Neuaufstellung bleibt, desto sicherer ist ein neuer FPK-Sieg. Ohne populäre Spitzenkandidaten, ohne Mobilisierungskraft der ÖVP und wegen des Grauens, mit dem sich jetzt viele Kärntner von der Politik überhaupt abwenden, könnte die Wahlbeteiligung unter 50 Prozent sinken. Teilnehmen würden dann vor allem die fanatisierten Sympathisanten der FPK und jene, die durch deren Machtverlust persönlich etwas zu verlieren haben – auch nicht wenige.

Die einzigen, die dieses FPK-Spiel verderben können, sind die Kärntner Bürger selbst. Laut Landesverfassung kann jede „wahlwerbende Gruppe“ kandidieren, die 400 Unterstützungserklärungen vorlegt. Sie benötigt keine Partei, keine Statuten, nur seriöse Kandidaten mit Engagement und Erfolgsaussicht. Es wäre die Stunde der Bürger.

Sollte sich wieder niemand finden, weil alle so angewidert sind, dann sind die Kärntner selbst schuld. Dann können sie zum „Kirchlan“ gehen und: „Durt kniea i mi nieda und woan mi hålt aus“, wie es im traurigsten aller Kärntner Lieder heißt.


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Zur Autorin:

Anneliese Rohrer
ist Journalistin in Wien: Reality Check http://diepresse. com/blog/rohrer

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.08.2012)

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11 Kommentare
Gast: suupa
06.08.2012 19:54
1 0

Super

400 Unterstützungserklärungen! Ist ja super! Auf, ihr Kärntner! Zeigt Gestaltungswillen und räumt auf mit dieser Bagage!

Gast: kaw
06.08.2012 19:52
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Genau

Genau: Ktns Schicksal kann nur durch deren Bürger (allesamt ordentliche, anständige Leute, die ich dort kennengelernt habe) saniert werden. Von den dortigen Politikern kann man nichts erwarten - aber nicht nur von den Dortigen...

Gast: Niederösterreicher
04.08.2012 16:27
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Nicht, daß ich Fleischhacker eine Träne nachweine ...

aber besser wäre es, die Rohrer hätte die Presse verlassen ....

Kann ein vom Bürgertum unterstütztes Medium nicht mit mehr Biß sich gegen linke Schmutzkübel-Kampagnen wehren? Schließlich war der "Schüssel-Kurs" nicht ganz unbeteiligt an der heutigen guten wirtschaftlichen Lage Österreichs! Oder will jemand ernsthaft behaupten, daß eine rot-grüne Regierungskoalition die Schüssel-Reformen in der Vergangenheit umgesetzt hätte?

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Re: Nicht, daß ich Fleischhacker eine Träne nachweine ...

Was hat der Bericht über Kärnten mit einem Schlechtmachen der Schüssel-Regierung zu tun? Dass in Kärnten vieles schlecht gelaufen ist, ist doch nun wirklich kein Geheimnis mehr, dazu muss man kein Linker ist. Ich bin übrigens nicht nur kein Linker, sondern auch Kärntner.

Antworten Gast: EKO
04.08.2012 21:02
1 2

Re:... daß eine rot-grüne Regierungskoalition die Schüssel-Reformen in der Vergangenheit umgesetzt hätte?

Die da wären?

Ach ja das erlogene Nulldefizit eines Finanzministers gegen den jetzt die Unschuldvermutung gilt.
Und die Zusammenlegung von Polizei und Gendamarie eines Innenministers gegen den jetzt die Unschuldvermutung gilt.
Da gabs ja auch eine Unterrichtsministerin - was hat die reformiert.
Und einen Minister der ein ganz harter Schuhkäufer war/ist.
Und eine Ministerin die hat da so Gesichtsmasken gekauft - für sie gilt auch die Unschuldsvermutung.
Ach ja, da war noch ein Minister der eine ganz tolle, also das hat er wirklich, eine umfassende, also eine Reform im Wesen, also das Wesen der Justiz ist schon ein Wesen.
Ja ja da ist was weitergegangen. Wo ist er übrigens so heimlich still und leise hinverschwunden?

Antworten Antworten Gast: Niederösterreicher
06.08.2012 22:34
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Re: Re:... daß eine rot-grüne Regierungskoalition die Schüssel-Reformen in der Vergangenheit umgesetzt hätte?

Selbst wenn man von "geschönten" Budgetzahlen ausgeht, ist das Defizit immer noch sehr niedrig und wurde von keinem anderen Fianzminister erreicht (übrigens "schönt" unser rotes Sozialministerium nicht laufend die Statistik über die Arbeitslosigkeit in Ö. durch "Pseudo-Umschulungs-Programme"?) Und was macht die Ex-Pleite-Bankerin Schmied mit "ihrer" Schulreform: statt vernünftig zu sparen, wirft sie bei schrumpfenden Schülerzahlen das Geld durch Verdreifachung der Klassenlehrer und und Schaffung von neuen Schultypen, für das sie nicht die notwenigen Schulgebäude hat, nach echt sozialistischer Manier beim Fenster hinaus! Das ist der Unterschied zwischen Sozis und sparsamen Vorarlbergern, die trotzdem gute Erfolge erzielen!. Und das Mediengeschrei hätte ich gerne gehört, wenn bei uns, wie von Fachleuten prognostiziert, massiv die Vogelgrippe zum Ausbruch gekommen wäre. Gott sei Dank ist es anders gekommen und dafür kann man die Gesundheitsministerin nicht beschimpfen. Die Grippe-Masken sind auf unbegrenzte Zeit haltbar und man könnte sie auch für andere Zwecke (Staubschutzmasken etc.) verwenden. Voraussetzung wäre aber, daß das hysterische Mediengeschrei endlich verstummt, in das die mit so viel Lust mit eingestimmt haben!!

Antworten Antworten Antworten Gast: Honesty58
07.08.2012 16:03
0 1

Re: Re: Re:... daß eine rot-grüne Regierungskoalition die Schüssel-Reformen in der Vergangenheit umgesetzt hätte?

Der Schüssel hat das ganze Gesindel groß gemacht und seine politische Leistung war vor allem, die Reichen noch reicher zu machen. Dem Strasser wollen wir ihm nicht ankreiden, denn der wurde ja von unserem niederösterreichischen Oberkaiser Pröll protegiert und installiert. Als Unternehmer kann man sich nur wundern, wie es bei der ÖVP derzeit zugeht und es ist echt schmerzlich zu erleben, wie es möglich ist, dass auch in der ÖVP selbst derartig minderwertige Subjekte an die Hebeln der Macht kommen konnten. Ein wenig klarer Blick mit einem Schuß Selbstkritik könnte außerdem auch den fanatischsten ÖVPlern nicht schaden. PS.: Auf uns KMUs pfeifft die ÖVP offensichtlich seit geraumer Zeit, was sich besonders unter Hr. Schüssel gesteigert und bemerkbar gemacht hat. Wo ist der eigentlich? Beim Abkassieren?

Antworten Antworten Antworten Gast: kindagoatn
06.08.2012 23:42
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Re: Re: Re:... daß eine rot-grüne Regierungskoalition die Schüssel-Reformen in der Vergangenheit umgesetzt hätte?

So a Kindergarten hier. "Er hat... aber er hat... aber Herr Lehrer..."

Demkokratie braucht .....

..... Sauerstoff!!!

Vote-Getter

Liebe Frau Rohrer, auch Sie wünschen sich also den "großen Vote-Getter", der jedem dem er begegnet gnadenvoll die Hand über die Schulter legt und ihm verspricht, dass er all seine Probleme lösen wird, wenn nur irgendwie möglich mit öffentlichen Mitteln. Aber den hatten die Kärntner schon. Vielleicht ist der Herr Obernosterer - jedenfalls im Moment - mit seinen ungeraden Sätzen in kärntnerischer Mundart glaubwürdiger als eine Person die mit feiner Schriftsprache und medientaulicher politisch korrektet Sprache. Offensichtlich erwarten sich nicht wenige Damen und Herren Journalisten diese medientauglichen, im System seit Jahren als Sekretäre angepassten die Typen, die sich durch einen Dschungel von Abhängigkeiten hochgekämpft haben. Bis ein junger Mensch der mit Veränderungswillen und guten Vorsätzen, dort ankommt wo er Gestaltungsmacht hätte, ist er oder sie oft bereits in einen Netz verstrickt, das ihm/ihr nicht mehr sehr viel Spielraum lassen. Lösung: Mehrheitswahlrecht mit häufigem Wechsel zwischen Regierung und Opposition, wann ist dieser Gedanke endlich durch?

Antworten Gast: einedlerritter
04.08.2012 14:36
0 0

Re: Vote-Getter

endlich jemand der die ursaCHEN ERKENNT::::DANKE

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