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Der unheimlich fröhliche Figaro Kurz oder: Sehnsucht nach Entschuldigung

17.08.2012 | 18:30 |  ANNELIESE ROHRER (Die Presse)

Der Staatssekretär für Integrationsfragen gab diese Woche für die ÖVP fast den Alleindarsteller in der Öffentlichkeit. Kurz nützt die Chancen seines Amtes optimal und hat bisher keinen Fehler gemacht.

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Figaro da, Figaro dort. Daran erinnerte die Terminliste der ÖVP – als Solo für Staatssekretär Sebastian Kurz. Gut, ein Ministerrat, eine Bootsfahrt der Regierungsmitglieder der ÖVP, ein Termin für Michael Spindelegger, aber sonst nur Kurz – vom „Open Space Direkte Demokratie“ bis zum Bundesentscheid im Pflügen der Landjugend.

Der fröhliche Staatssekretär. Auf seiner Facebook-Seite „freut“ er sich nahezu ununterbrochen auf irgendetwas, auf einen Besuch, auf einen Auftritt, auf die Begegnung mit einer neuen Abgeordneten etc. In einer Zeit, in der viele Politiker angeblich unter der Last der Verantwortung erstarren, ist das wirklich erfrischend. Und die Umfragen geben Kurz auch recht. Da sollte er sich auch nicht beirren lassen, wenn ihn jemand im Internet als „durchgecoachte Wachsfigur“ sieht oder als Beweis dafür, „dass man mit lautem Schreien mehr bewirkt als mit Lernerfolg und Abschlüssen“.

Kurz nützt seine Möglichkeiten als Staatssekretär optimal. Die da wären: etwas vorschlagen, anregen, ansprechen, meist nur positive Dinge. Was von all dem schließlich verwirklicht wird, liegt nicht in seiner Macht und Verantwortung. Das bringt die Natur des Amtes mit sich.

Dieses scheint für ein Kommunikationstalent maßgeschneidert zu sein, weshalb es auch an der Zeit ist, hier eine Entschuldigung anzubringen. An dieser Stelle wurde Kurz bei Regierungseintritt als Provokation für alle jungen Menschen, die sich mühsam einen Berufseinstieg suchen, bezeichnet, mehr als nur Skepsis an seiner Qualifikation nach dem Desaster der Wiener ÖVP bei der Gemeinderatswahl geäußert. Die Provokation bleibt, aber seine Performance – nutzen, was der Posten überhaupt hergibt – räumt die Zweifel vollkommen aus.

Das nährt die Sehnsucht, sich in Zukunft noch öfter entschuldigen zu müssen. Kandidaten dafür gibt es genug. Einer davon ist zum Beispiel Rolf Holub, der grüne Landtagsabgeordnete in Kärnten. Vor zwei Wochen wurde hier berichtet, er werde in Kärnten als Spitzenkandidat für nicht attraktiv genug gehalten. Dann stellte sich in einer Landtagssitzung ohne FPK heraus: Holub ist der beste Rhetoriker von allen anwesenden Landtagsabgeordneten. Ein wirklich gutes Ergebnis der Grünen bei der Landtagswahl muss auf sein Konto gehen. Die nächste Entschuldigung wäre fällig.

Auch im Fall von Gabriel Obernosterer, dem designierten Kärntner ÖVP-Chef, wäre so etwas wie Abbitte fein: Das Gestammle vergessen und über den Elan, mit dem er einer am Boden liegenden Partei Leben einhaucht, staunen – das hätte schon was! Journalisten müssen nicht immer recht haben, sie wollen sich auch von Kritisierten überraschen und eines Besseren belehren lassen. Um des gesamten Ganzen willen. Nichts schmerzt oft so sehr wie die Bestätigung der eigenen Vorurteile.

Könnte nicht SPÖ–Bundesgeschäftsführerin Laura Rudas etwa plötzlich mit authentischen Sätzen überraschen? Am Rande: Kaum, denn dafür ist sie schon zu lange in der Politik, das hätte schon passieren müssen. Oder: Könnte Gesundheitsminister Alois Stöger nicht unerwartet Kompetenz und Durchblick vermitteln?

Der totale Hammer wäre, wenn man sich bei Kurt Scheuch, Kärntens neuem Vize-Landeshauptmann, entschuldigen müsste, weil er sein bisher gezeigtes Niveau plötzlich anhebt und seine Verschlagenheit aufgibt.


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Zur Autorin:

Anneliese Rohrer
ist Journalistin in Wien: Reality Check http://diepresse. com/blog/rohrer

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.08.2012)

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3 Kommentare

Hatten wir das nicht schon einmal

Mit Grasser

Gast: Callisto
19.08.2012 08:12
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Wer nichts macht - macht keine Fehler.

Ein Unnötiger in einem ebensolchen Amt - er gleicht unserem Bundespräsidenten-
Ach was der ganzen Regierung - die verharrt auch in völliger Untätigkeit und Unfähigkeit.
Solche Mitarbietr hätte ich längst gefeuert.

Echt? Sozialhilfeempfänger haben Mitarbeiter? Wozu?

Ganz abgesehen von der Baumschul-Logik. Wenn jemand untätig ist, dann kann man per se nicht feststellen, dass er unfähig ist.

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