Sinnlose Salzburger Schnürltränen: Versäumte Rücktritte, hohle Phrasen

14.12.2012 | 18:43 |  ANNELIESE ROHRER (Die Presse)

Hätten sich Landeshauptfrau Burgstaller und ihr Finanzlandesrat vergangene Woche anders verhalten, hätten sie den Schaden begrenzen können. Fünf Gründe, warum Salzburg wirklich zum Weinen ist.

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Wieder wird ein ehernes Gesetz in der Politik bestätigt: Es sind nicht der Vorfall, der Skandal, die Affäre an sich, die Politiker untragbar machen, sondern deren Umgang damit und Verhalten danach. Als hätte es noch eines Beweises bedurft, Salzburgs Landeshauptfrau Gabi Burgstaller und ihr Finanzlandesrat David Brenner lieferten ihn unbeirrt eine ganze Woche lang – und fünf gute Gründe, warum die Krise des Landes Salzburg tatsächlich zum Weinen ist, gleich mit.

1. Sowohl Burgstaller als auch Brenner hätten sofort nach Bekanntwerden der Zockerei mit Steuergeld zurücktreten müssen. Stattdessen belästigten beide die Salzburger und Rest-Österreich mit Phrasen wie „Weglaufen, das geht jetzt gar nicht. Man muss Verantwortung tragen“ (Brenner) oder: „Jetzt zu gehen, würde heißen, sich vor der Verantwortung zu drücken“ (Burgstaller). Die Sinnlosigkeit einer solchen Reaktion musste Brenner schließlich am Freitag doch einsehen. Wähler können nicht fortgesetzt für dumm verkauft werden.

Hätten beide sofort ihre Ämter zur Verfügung gestellt, zugleich den Leiter der Finanzabteilung, Eduard Paulus, suspendiert, wären sie aus der Affäre besser ausgestiegen als jetzt. Erstaunlich ist, dass Paulus als Präsident der Österreichischen Offiziersgesellschaft nicht sofort wusste, was zu tun ist. Mit seinem Mangel an Ehrgefühl zieht er „seine“ ÖVP tiefer in den Finanzsumpf hinein, als dieser lieb sein kann.

2. Burgstaller ist nicht so krisenfest wie manche in den unteren Rängen der SPÖ erhofft haben, die sie schon als Alternative zu einem Wahlverlierer Werner Faymann gesehen haben. Burgstallers Reaktion Anfang der Woche auf die Involvierung der Bundesfinanzierungsagentur in die Aufklärung der Salzburger Vorgänge: Das sei eine „Chance für den Bund zu zeigen, dass er die Länder gut beraten kann“. Da Burgstaller nicht für Sarkasmus bekannt ist, hat sie offenbar aufgrund des Drucks bei dieser Aussage nicht klar denken können. Je nach Temperament blieb einem die Luft weg, oder es stiegen einem Tränen in die Augen.

3. Apropos Tränen: Burgstaller galt bisher als eher authentische Politikerin. Die Tränen, die sie diese Woche im Landtag ob des Schadens für die Steuerzahler zerdrückte, wirkten aber eher wie Schmiere. Sollten sie dennoch echt gewesen sein, dann hat die Salzburgerin den Frauen in der Politik einen ganz schlechten Dienst erwiesen, weil sie alle gängigen Klischees über diese bediente. In einer Krisensituation kann der geplagte Bürger auf die Entschuldigung eines Häufchen angeblichen Elends verzichten.

In der Sache selbst ist – viertens – der Umgang mit Steuergeld wirklich zum Heulen, ob in Salzburg oder anderswo. Als Konsequenz aus Salzburg muss nun die Frage beantwortet werden, wieso Bundesländer so viel Geld haben, das sie nicht unmittelbar benötigen, um es dann ins Casino der Finanzmärkte zu tragen. Wieso nicht einfach die Steuerlast reduzieren?

5. Traurig auch, dass die ÖVP sich schon als Krisengewinnlerin sieht und auf die Rückeroberung Salzburgs und die Schubkraft für die Bundeswahl spekuliert, nicht aber die Kraft hat, per Verfassungsgesetz den Bundesländern in die finanzpolitische Parade zu fahren. Sie hat – wie Burgstaller & Co. – nicht begriffen, dass sich die Zeiten geändert haben. Ihr Umgang mit der Salzburger Krise kann auch die ÖVP noch teuer zu stehen kommen.


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("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.12.2012)

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12 Kommentare

Etwas hart ?

Sehr geehrte Frau Rohrer,

Urteilen Sie nicht etwas hart ? Eine gewisse Schockzeit muss man Menschen zugestehen - auch Politikern. So leicht ist es auch nicht, von heute auf morgen seine ganze Lebensplanung in die Tonne zu werfen. "Erst" nach einer Woche zurückgetreten ?

Was bitte sagen Sie dann zu Niederösterreich, Kärnten, Österreich ? Wie lange haben die Rücktritte in Tirol gebraucht ?

Mit dem "Tränen-Absatz" gehen Sie leider selbst einem Geschlechterklischee auf den Leim. Ich weiß jetzt nicht mehr, wer das alle waren (neben Präsident Obama) : aber in letzter Zeit haben auch etliche männliche Führungspersonen Tränen in den Augen gehabt.

Ich bin bestimmt kein Freund der SPÖ - aber in Salzburg ist eher erstaunlich, wie schnell da kein Stein auf dem anderen bleibt und die Korruptionsstaatsanwaltschaft ermittelt.

Bitte lassen wir die Kirche im Dorf und Salzburg in Österreich.

Wer ist bitte nach all den Unerhörtheiten des abgewürgten Untersuchungsausschusses zurückgetreten ?

Im Gegensatz zu Ihnen sehe ich in Salzburg zaghafte Schritte in die richtige Richtung.


5 0

Die Tränen der Frau Burgstaller

Die übermittelten Bilder waren so stark, dass man offenbar nicht mehr genau hingehört hat, was die Land-Salzburg-Hauptfrau gesagt hat: „Ich möchte mein ehrliches und tiefes Bedauern ausdrücken und mich bei der Salzburger Bevölkerung dafür entschuldigen, dass der Eindruck entstanden ist, wir hätten das Land in die größten Turbulenzen gebracht.“
Fürwahr ein starker Auftritt: Sie hat sich nicht für die vielen verlorenen Millionen entschuldigt, sondern für den entstandenen Eindruck, die entstandene schlechte Optik. Nur nichts zugeben. Auch wenn sie selbst und alle anderen den Verlust schon als Factum ansehen. Es war also Selbstmitleid, dass sie nicht mehr als die "Strahle-Gabi" dasteht, was ihr die Tränen herausgepresst hat und sie mit gebrochener Stimme sprechen ließ.

Re: Die Tränen der Frau Burgstaller

...hätten...sagte sie
wie verlogen darf so ein öffentlicher auftritt sein?

Ein bißchen Hintergrundwissen

würde nicht schaden, denn Frau Burgstaller hat nur den Blick darauf gehabt, die ÖVP zu demoralisieren, indem sie Brenner (der liebe Burli) zum Stellvertreter maqchte und bei jeder Gelegenheit Herrn Dr. Haslauer links liegen ließ. Herr Brenner als Politologe als Finanzreferenten einsetzen, war gelinde gesagt ein Wahnsinn, denn er versteht von Nichts etwas. Aber Frau Burgstaller ließ auch niemanden herauf kommen, denn keiner sollte gescheiter sein als sie, denn dann hätte sie Konkurrenz bekommen. Für eine Ergomanin eine Katastrophe. Wenn man natürlich alles vor dem Koalitionspartner geheim hält, dann kann nichts Gescheites herauskommen. Man kann über Herrn Dr. Haslauer sagen was man will (er ist vor allem nicht der Liebling der Kronenzeitung) aber er hat sich für das Land bemüht, wenn man an MACO im Lungau, die Pinzgaubahn usw. denkt. Er hat etwas aufzuweisen, während Frau Burgstaller nur durch die Abtreigungsklinik und ihr teuer renoviertes Büro in Erinnerung bleiben wird.

Die Pärrerei in Salzgurg ist zum kotzen...

...der Schausberger hat das wohl als politisches Erbe hinterlassen.

Danke Frau Rohrer!

ad 3.

Das hätte in dieser Klarheit kein Mann schreiben dürfen, ohne sofort in der Luft zerrissen zu werden.

2 1

Noch mehr Schmiere gefällig?

Inkompetenz hat einen Namen! Nur damit man einen Eindruck hat, womit Gabi Burgstaller so ihren Tag als Landeshauptfrau verbracht hat: ZB im September 2011

http://www.salzburg.spoe.at/index.php?pid=8713&id=4598

” … Nicht regulierte Finanzmärkte und die Gier der Spekulanten stürzten die Welt beinahe in den Abgrund. Nur der massive Einsatz öffentlicher Mittel konnte den Zusammenbruch verhindern. Salzburg hat rasch reagiert und frühzeitig entsprechende Anstrengungen unternommen, …”


Na ja

Frau Rohrer sei Dank, dass sie dieses in Häuflein an politischem Elend, das bisher durch mundwerkliche Fähigkeiten von den Medien gehypt wurde, so "frauenfeindlich" abhandelt.

Richtig, auch diese Dame ist nicht krisenfest. So ähnlich auch, wie weiland die steirische Vorzeige-LH Waltraud Klasnic, die sich noch als "Starke Frau im starken Land" plakatieren ließ, als ihre ganze Hilflosigkeit angesichts der Umtriebe ihrer Freundin und (Nicht-)Gräfin Herberstein offenbar wurden. Wo sie "enttäuscht" sich davor entziehen wollte.

Auch in Kärnten hatten wir doch auch so ein heulendes Elend in Person der SP-LHStv. Gaby Kanduth-Schaunigg, die zuerst vollmundig den Jörg Haider zu entzaubern und stürzen versprach - und dann unter Tränen mit der Begründung aus dem Amt flüchtete, der Jörgele sein so grauslich zu ihr gewesen...

Ja, ja mit den medial und quotal gehypten "Powerfrauen" ist's schon ein Krampf...

Wie sagte meine Mühlviertlerin bodenständig? "Dass es genug unfähige Männer in der Politik gibt weiß ich eh - aber warum dann auch noch die deppertsten Wei... dort hinauf kommern, das versteh' ich nicht"!

Re: Na ja

Zweifellos richtig. Ich glaube allerdings auch nicht an "Krisenfestigkeit" der männlichen Kollegen. Das beliebte Mauern unter dem Motto "mir lassen uns da keinen rausschießen" oder das trotzige "jetzt reichts" haben nichts mit Krisenmanagement zu tun.

fieberkurve

die beiträge von dr. rohrer sind der fieberkurve gleich..woran das liegen mag?
vor wenigen tagen war spingelegger der suppenkoch, weil er den stillstand der letzten zwei jahre kritisierte..wieso bleibt sie schuldig.
heute im quergeschrieben dieser hervorragende beitrag...aus der rohrer wird keiner klug...sie selbst möglicherweise auch nicht

Re: fieberkurve

Die Rohrer verdient sich eben durch "Schreiben" ihr Zeilengeld. Dabei kommt natürlich nicht immer was Gescheites heraus ...

Warum alleweil die Burgstaller?

Wo bleibt denn da der Faymann mit seiner Inseratenaffaire? O (der ist der durch "Krone", "Heute" und die gesamte Fellner-Presse unangreifbar (Dank der Inserate)?

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