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Personalpolitische Angststarre: Die ÖVP und Schüssels Fehler 2006

01.02.2013 | 18:26 |  ANNELIESE ROHRER (Die Presse)

SPÖ und ÖVP missverstehen das Festhalten an erprobt suboptimalen Regierungsmitgliedern und Parteimanagern als Ausdruck von Stärke. Noch wäre Zeit für einen Neustart. Es fehlt die Kraft.

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In Michael Spindelegger steckt „nichts von Wolfgang Schüssel“, wie er der „Presse“ in einem Interview versichert hat. Abgesehen von der bisher schärfsten Distanzierung eines ÖVP-Politikers von Schüssel trotz nachgeschobener Bewunderung „für den Reformkanzler“, dürfte es sich aber um eine falsche Selbsteinschätzung handeln. Spindelegger ist nämlich drauf und dran, Schüssels schweren Fehler von 2006 zu wiederholen.

Es gilt inzwischen als gesicherte Erkenntnis, dass die ÖVP 2006 die Nationalratswahl nicht so verloren hätte, wäre Schüssel personalpolitisch weniger borniert gewesen und hätte die ungeliebte Bildungsministerin Elisabeth Gehrer rechtzeitig fallen gelassen. In der Politik schlägt ab einem gewissen Zeitpunkt vermeintliche Loyalität immer in Verbohrtheit um. Zum eigenen Schaden und dem der Partei.

Tatsache ist, dass sowohl SPÖ als auch ÖVP den richtigen Zeitpunkt für eine Neuaufstellung des Teams – und dieses schließt die Parteizentralen mit ein – bereits versäumt haben. Statt nüchtern zu überlegen, in welcher personalpolitischen Konstellation man die bestmöglichen Wahlchancen hat, wird jedes Auswechseln als Schwächezeichen gefürchtet. Und daran zeigt sich eben die ganze Krux der derzeitigen Politik: Es wird nur reagiert und nicht offensiv agiert.

In den Parteizentralen von SPÖ und ÖVP müsste es – ebenfalls nüchtern betrachtet – schon längst Veränderungen gegeben haben. Bei der SPÖ hätte es da gar nicht des Mobilisierungsflops bei der Volksbefragung bedurft oder des monatelangen Abtauchens von Laura Rudas (wer?) aus der öffentlichen Parteiarbeit, um zu erkennen, dass so keine erfolgreiche Nationalratswahl zu schlagen sein wird. Sei's drum, spätestens jetzt müsste Werner Faymann sich doch fragen, warum seine Bundesgeschäftsführerin niemandem abgegangen ist.

Ein ähnliches Bild in der ÖVP-Zentrale. Nicht einmal ein fanatischer ÖVP-Sympathisant wird behaupten, dass Generalsekretär Johannes Rauch ein Glücksgriff ist. Nicht einmal ein Spindelegger-Fan wird einen inhaltlichen Wurf in der Wiener Lichtenfelsgasse in letzter Zeit anführen können. Anti-Grün-Fibeln gelten nicht.

Für einen Regierungswechsel ist es der Papierform nach ohnehin schon zu spät: Verteidigungsminister Norbert Darabos hätte schon 2010 zurücktreten, Unterrichtsministerin Claudia Schmied schon lange ausgetauscht werden müssen. Die ÖVP hätte irgendwann außer Sebastian Kurz wenigstens noch eine Sympathiefigur auf die Regierungsbank holen müssen.

Das Schlimme ist, dass der angebliche Teamgeist bei den Regierungsparteien nur Ausdruck von Personalmangel, geringer Attraktivität, Verzagtheit und fehlender Kraft zu einem Neustart ist. Auch das Problem der Wiederverwendung abberufener Minister(innen) mag eine Rolle spielen.

Natürlich wäre auch noch jetzt – acht oder neun Monate vor der Nationalratswahl – ein anderes personelles Angebot an die Wähler möglich: SPÖ und ÖVP würden einerseits die (Selbst-)Sicherheit signalisieren, weiter an der Regierung zu sein – jede getrennt für sich natürlich. Andererseits würden attraktive Kandidaten den Glauben an die Sinnhaftigkeit des Politischen stärken. Ein wenig Experimentalpolitik wäre besser als die derzeitige Angststarre. Auch Schüssel vermochte das einst nicht zu erkennen – mit bekanntem Resultat.


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Zur Autorin:

Anneliese Rohrer
ist Journalistin in Wien: Reality Check http://diepresse. com/blog/rohrer

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.02.2013)

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19 Kommentare

in spindelegger

steckt wahrlich nichts, aber rein gar nichts von schüssel. deshalb ist die ÖVP ja auch dort, wo sie ist. solange die ÖVP weiter versucht, die Sozis links zu überholen, wird ihr Weg weiter in die politische Bedeutungslosigkeit führen. und niemand wird diese partei vermissen.

Schüssel und Haider waren wenigstens Politiker,

was man von den Hampelmännern Fay&Spi ja nicht mehr behaupten kann.

Ach ja und Schulmeister und Bacher waren noch Journalisten......

Re: Schüssel und Haider waren wenigstens Politiker,

schulmeister ja...aber bacher??? hmmm

Frau Rohrer wird immer seltsamer:

Das letzte erfolgreiche Regierungsprogramm gab es unter Schüssel, der bei einer Wahl immerhin 40 % der gültigen Wählerstimmen auf seine Partei vereinen konnte. Und die Roten griffen zum letzten Mittel: Fundamental-Opposition ohne Rücksicht auf das Wohl der Allgemeinheit, Straßendemonstrationen, "Kampfbündnis mit den angeblichen Rechtsradikalten", politischer Opportunismus bis zum Exzeß (Wahlzuckerl unmittelbar vor der Wahl 2006 durch NRBeschl. der vereinigten Roten, Grünen und Strache-Blauen mit einem Ausgabenvolumen von mehr als 2 Milliarden EUR), Diffamierung der demokratisch gewählten Regierung durch die Roten im Ausland (Sanktionen!!!), Kriminalisierung von Regierungsmitgliedern, ORF-Eroberung, etc.

Und als dann tatsächlich Schüssel die Wahl verliert, biedert sich die ÖVP (entgegen dem Erfolgsrezept der SPÖ, nämlich der Fundamentalopposition) den Roten an .... Trotz der eklatanten personellen Schwächen der unerfahrenen SP-Regierungsmannschaft, angefangen mit einem Bundeskanzler,der trotz jahrelangm Studium keine Prüfung in Jus auf der UNI Wien geschafft hat!

Re: Frau Rohrer wird immer seltsamer:

Es dürfte Ihnen nicht bekannt sein, daß nicht die Regierung, sondern der Nationalrat gewählt wird. Die Regierung ist dann das Produkt von Parteiverhandlungen, kann also nie "demokratisch" gewählt sein !
Inwieweit es "demokratisch" ist, als Dritter sich dann mit Haiders Hilfe zum Bundeskanzler zu machen (nachdem man vor der Wahl verkündet hatte in die Opposition zu gehen) kann man nur als blinder Schüsselanhänger glauben.

Verbeissen in Personen

Liebe Frau Rohrer! Sie verbeissen zu sehr in Personen. Was glauben Sie warum ein Herr Treichl nicht in die Politik und warum der derzeitige Präsident der Nationalbank und vormalige Schüsselberater der gewiss des Öfteren Angebote hatte eine Ministerium zu leiten, nicht in die Politik gehen? Sie finde im Kompetenzdschungel des überzogenen Föderalismus und der Ministerien keine Strukturen vor in welchen sie kompetente und verantwortbare Entscheidungen treffen könnnen. Das sind doch keine Funktionärstypen die derartige Strukturen dazu benützen um sich im notwendigen fall Ausreden suchen zu können.

Re: Verbeissen in Personen

in der oenb gibt es keinen präsidenten und der derzeitige gouverneur dr. ewald nowotny war nie berater von schüssel und ist obendrein spö-lastig

Re: Re: Verbeissen in Personen

Organisationsplan

Stand per 1. Jänner 2013
Präsident
Dkfm. Dr. Claus J. Raidl

Vizepräsident
Mag. Max Kothbauer



Re: Re: Re: Verbeissen in Personen

das ist nicht der präsident der OeNB
sondern des generalrates

Re: Re: Re: Re: Verbeissen in Personen

In meinem Posting ging es um Personen die eine politische Funktion gut ausfüllen könnten, es aber nicht tun, da ihnen der Kompetenzdschungel zu dicht und das politische Hick-Hack zuwider ist. Es ist also völlig gleichgültig ob Dr. Raidl Präsident der ÖNB oder dessen Generalrat ist. Es ist aber für mich geradezu typisch für derartige Diskussionen in Österreich, dass die Fehlersuche wichtiger ist als der Inhalt. Das wird wahrscheinlich an unserem Schulsystem liegen, das auch in erster Linie auf Korrektur von Fehlern orientiert ist.

Re: Re: Re: Re: Re: Verbeissen in Personen

nein es liegt in erster linie am hang zur schlamperei..siehe ihr posting

Re: Re: Positionen in der OeNB

Jawohl es gibt in der OeNB einen Präsidenten des Generalrates, aber ohne jede Macht! Der Gouverneur ist sowohl Generaldirektor wie auch mit fast allen Kompetenzhen der früheren OeNB Präsidenten ausgestattet!

Schüssel

hat deswegen verloren, weil er NICHTS, aber die SPÖ ALLES versprochen hat - und, naaaa? , was ist draus geworden, aus den vielen roten Versprechungen ????

4 1

Fallen gelassen?

Zur Richtigstellung Frau Rohrer: BM Gehrer hatte bereits 2004 Schüssel ihren Rücktritt angeboten.
Schüssel bat sie, zu bleiben!
Und die Journalisten sind auf die alte SPÖ Masche hineingefallen: man nehme eine erfolgreiche Ministerin (Minister) und prügle auf ihn ein, damit alle möglichen Sympathiewerte verschwinden!
JournalistInnen wie sie, haben da kräftig mitgeholfen!?

Re: Fallen gelassen?

Sie wollen doch nicht ernstlich Frau Gehrer als erfolgreiche Ministerin bezeichnen ?

Personalpolitische Angststarre

Sie irren Frau Dr. Rohrer,
Michael Spindelegger scheut sich nicht Personen auszutauschen. Wie man hört wird er den durch mehr als hunderttausend Vorzugstimmen ins EU-Parlament berufenen Othmar Karas austauschen. Bei günstigem Ausgang der Berufungsverhandlung steht vielleicht Ernst Strasser wieder zur Verfügung?
Mit dem Hinweis auf Gehrer mögen Sie recht haben doch wäre es vielleicht nicht schlecht hätte Spindelegger etwas vom Rückgrat Schüssels.
Mit herzlichen Grüßen
Horst Preisinger

So manchem Politiker und Funktionär

rettet nur die dünne Personaldecke der Partei den Kopf.

Und da macht man halt aus der Not eine Tugend und spricht von Erfahrung, Kontinuität....

Frau Rohrer hat natürlich recht, aber was sollen denn die Parteien tun, wenn sie keinen besseren Ersatz haben?

Re: So manchem Politiker und Funktionär

in spindelegger steckt nichts von schüssel....leider wahr.
die niederlage von 2006 der gehrer in die schuhe zu schieben ist nicht besonders intelligent....liesl war kein wahlscvhlager, das ist wahr..aber die ursachen für die niederlage lagen ganz woanders..zum beispiel an schüssels vorstellung vom dankbaren wähler...noch dazu in österreich.

hoffentlich haben sie die parteisekretariate

nicht aufgeschreckt, dass sie doch noch personal austauschen.
eines wage ich zu behaupten. die damen auf der regierungsbank sind sich zu gut, um wahlzukämpfen.

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