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Elsner ist frei und der Rest Schweigen In der Causa Bawag vieles unerledigt

08.07.2011 | 18:36 |  ANNELIESE ROHRER (Die Presse)

Was ist mit dem Refco-Kredit, was mit Wolfgang Flöttl, wo sind die Gelder der Bank geblieben? Die Justiz muss noch viele Verfahren abarbeiten, will sie das Vertrauen der Menschen nicht ganz verlieren.

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Wie das Leben so spielt! Zwei Ereignisse, eher ungeplant in zeitlicher Nähe, erhalten durch eben diese Zufälligkeit besondere Bedeutung. Das eine: die Veröffentlichung einer Umfrage zum mangelnden Vertrauen der Bevölkerung in die Justiz. Das andere: die Enthaftung von Ex-Bawag-Generaldirektor Helmut Elsner.

Besser geht's nicht, denn diese Zeitgleichheit wirft neuerlich ein grelles Schlaglicht auf den Zustand der Justiz. Die Umfrage der Niederösterreichischen Rechtsanwaltskammer, wonach 71 Prozent der Befragten der Justiz nur teilweise vertrauen und acht Prozent überhaupt nicht, hätte alle Alarmglocken auslösen müssen. Hören wollte sie aber offenbar nur der Präsident des Verfassungsgerichtshofs, Gerhard Holzinger. „Wenn das Vertrauen verloren geht, ist es eine wahre Katastrophe für den Rechtsstaat“, meinte er. Die meisten anderen stellten sich taub. Der Rest war Schweigen.

Und Helmut Elsner wird offenkundig nur deshalb jetzt enthaftet, weil sich in der Justiz Panik breitgemacht haben dürfte, er könnte in der Haft versterben. Denn schwer krank war Elsner auch schon vor Monaten.

Nur weil sich die breite Öffentlichkeit ihr Rache-Mütchen an dem arroganten Ex-Banker kühlen wollte, war seine überlange U-Haft noch lange nicht jener Beweis für das reibungslose Funktionieren der Justiz, als den ihn manche gern hinstellen wollten. Im Gegenteil. Weil Elsner ohnehin in Haft war, wollte niemand mehr wissen, was eigentlich mit den verschwundenen Bawag-Geldern ist, nachdem sich schon Claudia Bandion-Ortner im Prozess nicht dafür interessiert hat. Auch nicht, was mit allen anderen Mitangeklagten ist, die auf freiem Fuß geblieben sind. Und schon gar nicht, ob es zu einem neuen Verfahren gegen Wolfgang Flöttl kommt, dem ja die verschwundenen Gelder anvertraut worden waren. Urteile waren aufgehoben worden, aber was soll's?

Auch erkundigt sich niemand mehr etwa nach der Verantwortung für den Kredit der Bawag in der Höhe von 425 Millionen Dollar an die insolvente US-Brokerfirma Refco. Seit sechs Jahren wird erhoben. Elsner war ja in Haft. Das zu erreichen war für die SPÖ oberstes politisches Gebot kurz vor dem Wahlkampf 2006 – danach eine schnelle Anklage, Verurteilung, Haft für Elsner und dann noch ein Ministeramt für die Richterin. Was genau hat das mit lupenreiner Rechtsstaatlichkeit zu tun?

So kann das Gütezeichen für das Funktionieren des Rechtsstaates, in dem die Bürger Vertrauen haben sollen, nicht aussehen. In der Causa Libro dauerte es zehn Jahre bis zu einem Urteil, in der Causa Y-Line zehn Jahre – ohne Ende in Sicht. Von den ganzen zivilrechtlichen Verfahren rund um den Bawag-Niedergang ist überhaupt keine Rede mehr.

Und was ist mit all den Verfahren ohne Prominenz? Immerhin fühlt sich nur ein Drittel in der besagten Umfrage von der Justiz fair behandelt.

Elsner ist also frei. Von den Medien ist nun zu verlangen, dass sie ihr Interesse all jenen Aspekten der Bawag-Affäre zuwenden, auf die man in der Politik und offensichtlich auch in der Justiz am liebsten vergessen möchte.

Aus den Augen (Elsner), aus dem Sinn (alle noch anhängigen Verfahren) ist kein rechtsstaatliches Prinzip.


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Zur Autorin:

Anneliese Rohrer ist Journalistin in Wien: Reality Check http://diepresse. com/blog/rohrer

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.07.2011)

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8 Kommentare
Gast: Luzifer
11.07.2011 22:15
0 0

Cui bono? Wem nützt es, wenn Gras über den Skandal

bei der Gewerkschaftsbank wächst?

Nach den Refco-Millionen zu fragen, ist ebenso müßig wie die Frage nach dem Verbleib der "Schiele-Bilder"! Beides haben sich die vom Hegemon USA tatkräftig unterstützten US-Bürger "unter den Nagel gerissen". So ist es nun halt: die mächtigen USA lassen nicht durchgehen, daß US-Bürger in der von ihnen beherrschten "freien" Welt zu Schaden kommen. In Österreich ist das ganz anders. Das kleine Österreich zuckt bei jedem Rülpser eines Potentaten zusammen und beeilt sich (in echter Kellner-Mentalität) zuvorkommend zu sein!. Die Frage nach dem Verbleib der Milliarden der BAWAG-Sparer darf daher nicht gestellt werden.

Nur zum Trost für Frau Elsner und Frau Rohrer: wo das Geld entgültig geblieben ist, ist für die Lösung der Straffrage nicht relevant! Um einen Vergleich zu bringen: Ein Diebstahl ist auch dann nicht erst strafbar, wenn das gestohlen Gut zustande gebracht wird!

Gast: verzweiflung
11.07.2011 08:53
0 0

Elsner ist frei

Das Vertrauen in unsere Rechtssprechung kann man auch als - nur durch die Medien informierter-verlieren, die Entscheidungen im Falle Elsner sind lachhaft, wenn es nicht so traurig wäre, er hat sich bereichert, die Bankengelder verschleudert bezw. verschleudern lassen, ja sogar verschenkt (im Nylonsackerl) an eine Person, die am Konkurs eines Grossuntrnehmens beteiligt war- die kleinen Sparer damals die ihren Teil an diesem Unternehmen geleistet haben ihre Beiträge verloren.Nun ist er ein freier Mann, darf sich auch in andere Länder begeben ,die attestierte Krankheit hat schon vielen anderen, arbeitenden Menschen die Existenz gekostet und eine Frühpension mit geringerem Einkommen beschert, Fall Zwettler, verurteilt, jedoch nicht haftfähig, warum werden jahrelange kostspielige Verfahren geführt, die keinen Schuldigen ergeben???? Schuldig am Papier!!! Da könnte viel eingespart werden.

cerberus
10.07.2011 18:23
0 0

Y-Line dämmert der Verjährung entgegen

unter tatkräftiger Unterstützung mehrerer Minister(innen), die natürlich nur mündlich ihre Wünsche via Büroleiter an die Staatsanwaltschaft weitergaben. Wenn mittlerweile der vierte oder gar fünfte Staatsanwalt mit der Causa beschäftigt ist, und noch immer keine Anklage erhoben wurde, stinkt die Sache zum Himmel.
Die Böhm-Grasser Connections halten offensichtlich trotz gegenteiliger Beweislage bis heute an. Daraus kann der gelernte Österreicher schliessen, daß beide Herren vieles voneinander und auch ggf. über andere ehrenwerte Herren wissen, was diese möglicherweise hinter Gitter bringen könnte. Und da ist es ja für das Volk gut, ein Bauernopfer namens Elsner hinter Gitter zu haben, damit die Mensdorffs, Meinls etc. ungestraft ihr Leben in Freiheit geniessen können.

Gast: Gast: Leser
10.07.2011 08:54
1 0

Vergesslich?

Frau Rohrer hält die Leser offenbar für sehr vergesslich oder gar total bescheuert: "...schnelle Anklage, Verurteilung, Haft für Elsner und dann noch ein Ministeramt für die Richterin" - das war doch wohl die ÖVP und nicht die SPÖ?

Antworten Gast: machmuss verschiebnix
10.07.2011 20:01
1 0

Re: Vergesslich?

ÖVP und SPÖ - sind das zwei verschiedene ?
Ich dachte das ist EIN Ensemble wie "Dick und Doof"

galli leo
09.07.2011 09:36
0 0

"..wonach 71 Prozent der Befragten der Justiz nur teilweise vertrauen .."

hier muss man differenzieren:

zum einen die leute/befragten, die praktisch in keinerlei kontakt mit der justiz gekommen sind: wessen meinung plappern diese leute nach? die meinung der medien, die meinung diverser hassprediger?

zum anderen die leute, die persönliche erfahrungen mit der justiz gemacht haben: nun, was das für leute sind, kann man ja regelmäßig im "schauplatz gericht" bewundern.

meine frage daher: was macht es für einen sinn, leute die entweder keine ahnung/erfahrung mit der justiz haben bzw leute mit einem klescher über ihr vertrauen in die justiz zu befragen?

Antworten Gast: Grummelbart2
11.07.2011 09:39
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Re:

Und, weiterführend:

Die späte Enthaftung wird von der Autorin weiter als Zeichen für das begründete Misstrauen gewertet - dabei verhält es sich doch ganz andersrum - man muss sich nur im bekanntenkreis umhören, was die Leute zur nunmehrigen Enthaftung zu sagen haben! "Die richten es sich schon wieder", etc.

Ich glaube, Frau Rohrer schätzt den "gemeinen Österreicher" als objektiver ein, als er tatsächlich ist. Frau Rohrer, gehens mal an einen Stammtisch, und lauschens den "Österreichern". Sie werden erstaunt sein.

Gast: Luzifer
09.07.2011 00:51
0 0

Frau Rohrer hat Recht: beim BAWAG-Skandal

ist uns der Aufdeckungs-Journalismu einiges schuldig geblieben.

Herr Pilz war im Verein mit seiner Fraktionskollegin Moser unermüdlich bemüht, alle Unkorrektheiten etwa des früheren Finanzministers Grasser (der im Gegensatz etwa zu seinem Vorgänger Androsch im Amt keineswegs reich wurde) aufzuzeigen. Mangels "Substanz" ist bei den Ermittlungen nichts herausgekommen außer ein paar hinterfragenswerte Patzer der StA bei Hausuntersuchungen und Verletzungen von Amtsgeheimnissen durch rechtswidrige Veröffentlichungen von Vernehmungsprotokollen.

Bei den BAWAG-Malversationen, wo es immerhin um Milliarden geht, ist es um den Aufdecker auffällig still. Er scheint sich damit zu begnügen, daß am einen (allerdings nicht schuldlosen) "Sündenbock" befunden hat, weshalb die Mitwirkung der anderen roten Bankfunktionäre, die nach Wiedereroberung der Macht wieder an der Futterkrippe sind, dezent im Halbdunkel dieser Macht bleiben sollen.

Liebe Frau Rohrer, wie wärs, wenn in der Causa BAWAG einmal Sie die Rolle einer "Aufdeckerung" übernehmen würden. Eine Auflagensteigerung der "Presse" wäre garantiert. Machen`s doch einmal was Nützliches aus dem Götzen "Redaktionsgeheimnis"! Ode trauen Sie sich nicht?

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