25.05.2012 21:09 | Meine Presse Merkliste 0

Eine Nutzt-nix-Gesellschaft schafft sich selbst ab – her mit Alternativen!

23.12.2011 | 18:01 |  ANNELIESE ROHRER (Die Presse)

Statt über neue Steuern über neue Arbeitsplätze reden. Statt über Unfähigkeit der Politik zu schreiben, konkrete Reformschritte vorschlagen. Statt schwarzzusehen, eigene Zeit in die Zukunft investieren.

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Es würde sich lohnen, in den nächsten ruhigen Tagen einmal über Alternativen zu all dem Negativen der letzten Wochen und Monate nachzudenken und zu reden. Das wäre gar keine so schwere Übung für Politiker, Journalisten und auch Bürger ganz allgemein.

Man kann doch Energie auch anders verwenden: Statt immer neue Belastungen zu erfinden, über konkreten Stimulus für die Wirtschaft reden; statt alles Schreckliche der nahen und fernen Zukunft zu erklären und zu analysieren, spezifische Änderungen vorschlagen; statt sich dauernd Ausreden und Rechtfertigungen für die eigene Apathie auszudenken, konkrete zivilgesellschaftliche Aktivitäten suchen.

Drei Beispiele sollen das veranschaulichen: In letzter Zeit war nur von neuen Steuern oder der Erhöhung vorhandener etwas zu hören und nichts über die Schaffung von Arbeitsplätzen. Statt immer neue Belastungen bis zum Überdruss zu zerreden, kann doch darüber diskutiert werden, wie Innovation, Wirtschaftsbelebung, Arbeitsbeschaffung zu erreichen wären. Dazu kam von der Politik bis jetzt gar nichts, von den zuständigen Experten nur ganz allgemeine Aufforderungen, sich um Wachstum zu kümmern. Konkretes sagen auch sie nicht.

Jeder ist so ständig in der Defensive. Zudem wird eines der Grundübel in Österreich, das ständige Grübeln, warum etwas nicht geht, keinesfalls versucht werden soll und ohnehin nichts bringt, dadurch noch mehr verstärkt. Falls das überhaupt noch möglich ist in einer Nutzt-nix-Gesellschaft. Auch die Medien sollten Wege aus dem Depressionsmodus finden. Jene Energie, die wir Journalisten auf die Analysen der Unfähigkeit der Politik aufwenden, wäre sicher in detaillierte Vorschläge wie etwa zu einer Wahlrechtsänderung und entsprechenden Kampagnen zwecks Druck auf die Politik besser investiert. Es geht nicht darum, Kritik hintanzuhalten, sondern das Kritisierbare in Balance mit Veränderbarem zu halten – als Handlungsanleitung zum Positiven gewissermaßen. Warum nicht Kreativität in das Machbare stecken?

Schließlich der private Bereich: Statt sich in der Ablehnung alles Fremden zu suhlen, jungen Immigranten eine düstere Zukunft vorherzusagen und die erwarteten Probleme zu bejammern, könnte man zwei Stunden der eigenen Zeit pro Woche zur Verfügung stellen.

Lesepaten machen das und wissen: „Ich kann die Welt nicht retten, aber einem Kind auf die Sprünge helfen.“ Einem Kind, das ohne die Hilfe dieser Privatperson mit einer Leseschwäche leben müsste – und irgendwann alle Vorurteile der Gesellschaft aus Frust und Aggression bestätigt. Viele wenden an dieser Stelle ein: „Das bringt doch nichts!“ Sie glauben es zu wissen, ohne je selbst ein paar Stunden fürs Mittun in politiknahen Bereichen „geopfert“ zu haben.

Lesepaten sind glückliche Menschen, erfährt man. Es macht ihnen Freude. Sie bestätigen damit eine Untersuchung in Deutschland, wonach das Engagement den meisten Bürgern wichtiger ist als das Ergebnis ihrer Beteiligung. Die Zufriedenheit liegt in der Überwindung der Hilflosigkeit der Politik gegenüber.

Die letzte Zeit hat gezeigt, dass wir mit der Einstellung „Nix nutzt was, nix bringt was, und alles ist ach so sinnlos“ nichts erreichen und dabei auch noch extrem unfröhlich sind. Wie wäre es mit dem Gegenteil? Das Positive so lange üben, bis es klappt.


Reaktionen senden Sie bitte direkt an: debatte@diepresse.com


Zur Autorin:

Anneliese Rohrer
ist Journalistin in Wien: Reality Check http://diepresse. com/blog/rohrer

Ihr neues Buch: „Ende des Gehorsams“ (Verlag

Braumüller).

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.12.2011)

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16 Kommentare
Gast: hätti - wari
28.12.2011 16:55
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thema bildung geht alle etwas an

und sollte sich daher nicht nur auf das besserwissen und "verheizen" der schulen und lehrer beschränken - sinnvoller wäre eine sachliche diskussion, eine objektive berichterstattung (warum muss das thema bildung als lückenfüller und ablenkungsmanöver für politik und medien dienen?) und die rückbesinnung der eltern auf ihre erziehungsaufgaben

Gast: Machmuss Verschiebnix
26.12.2011 14:52
0 0

Unbestreitbar kann positives Herangehen ungeahnte Kräfte mobilisieren! In welche Richtung könnte dieser Denk-Anstoß von Fr. Rohrer weiter rollen ?


Wir setzen uns also nicht mehr GEGEN sondern FÜR etwas ein ?
Wir lassen das Alte hinter uns und bauen was Neues auf ?
Völlig neue Strukturen also, und ein revolutionäres neues Abgaben-System,
welches für uns alle transparent und nachverfolgbar anzeigt, worfür die
gemeinsame Finanz-Kraft verwendet wird ?

Ätsch - schon rausgeflogen, aus der Reform-Kurve !

Auch wenn es nur allzu GERECHT wäre, den alten Moloch finanziell
austrocknen zu lassen, aber eben dieser Moloch, dieser Filz aus Parteien,
Gewerkschaften und zahlreichen anderen Organisationen "für unser Wohl"
(vielleicht ganz früher mal ohne Anführungszeichen ), der würde sich mit
Zähnen und Klauen gegen sein eigenens "ausscheiden" aus der Macht-Struktur
zur Wehr setzen !

Lassen wir uns das mal auf der Zunge zergehen: wir müssen zahlen, für
den Erhalt einer Macht-Struktur, deren einziges Ziel es (geworden) ist,
sich selbst zu erhalten.

NICHT provozieren, sondern ins Bewußtsein rufen, will ich hier !

Zuallererst MUSS uns allen klar sein, der Moloch ist reformresistent,
denn der einzige Grund für Reformen wäre seine eigene Finanzierbarkeit,
die aber kann er uns sowieso per Dekret vorschreiben (so what - says
Mr. Häupl) !

Den Moloch von innen heraus erneuern ? Wer die hohen Voraussetzungen
dafür erfüllt, der ist längst auch intelligent genug, sich so eine
Sisyphos-Aufgabe nicht freiwillig anzutun.

Sorry - Fr. Rohrer - irgendwie krieg ich die Kurve zum positiven
Ansatz nicht hin.

Antworten Gast: Der Notar
27.12.2011 18:54
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Lenin würde das Konzept

in der Luft zerreißen: ein revolutionärer Akt ist die logische und einzig mögliche Konsequenz. A.R. denkt halt in alten Schematas.

Antworten Antworten Gast: ludenser
30.12.2011 09:49
0 0

Re: Lenin würde das Konzept

wen interessiert Lenin? Die Wirklichkeit sieht anders aus und DIE muss bewältigt werden, mit realistischen Mitteln!

Antworten Antworten Gast: Der Advokat
30.12.2011 09:42
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Re: Lenin würde das Konzept

aber genau das ist das typisch österreichische Gejammer! Nichts tun, sudern, mit der geballten Faust in der Tasche anonyme Postings vom Stapel lassen...statt mal sich selbst in den Spiegel zu sehen! wir alle sind der Staat, "das System" was auch immer und im eigenen kleinen und kleinsten Bereich kann jeder etwas ändern und bewirken!Da hat A.R. schon recht, sie ist ja auch selbstkritisch, wie man liest. Die ungenierten Absahner von Grasser, den Pelinkas, Gusenbauer abwärts sollen im eigenen Saft vertrocknen!

Antworten Antworten Gast: Machmuss Verschiebnix
29.12.2011 12:26
0 0

Re: Lenin hat auch bewiesen, daß die Revolution ihre Kinder frißt !


Aber wie wär's mit Evolution ?

Was spricht eigentlich dagegen, daß wir g'scheiter werden, oder
zumindest gescheit genug, um statt der viel versprechenden Verführungs-
Künstler die g'scheiten Macher-typen ans Ruder zu lassen ?

Sie wollen doch nicht den Genossen dazu befragen <LOL>

Der Hacken liegt bei der über Jahrzehnte hinweg betriebenen
sozialistischen Umerziehung. Es bedarf dringendst einer Gegen-
Aufklärung. Deshalb muß als erster Schritt auch die Unabhängigkeit
der Medienlandschaft hergestellt werden.

DAS wäre mir sogar Extra-Kosten wert (!!), denn der allgemeine
Trend läuft hin zu sozialistischer Unterjochung der Medien UND
des Bildungs-Systems.

Wir mußten immer wieder miterleben, wie zu Vorwahlzeiten die
Meinungs-Maschine in übelster Weise für politische Zwecke misbraucht
wurde. Solche Aktionen müssen zukünftig unter Strafe gestellt werden.

Nach allem, was die mitteleuropäischen Völker mitgemacht hatten, ist
es ja geradezu pervers, daß nicht gleich nach Kriegsende wirksame
Maßnahmen gegen die VERFÜHRUNG DER MASSEN eingeleitet wurden !

Ja - Hirn einschalten und selber denken, dann würden's die Leute
auch erkennen, daß es diesmal kein nationaler Sozialismus, der die
Massen verführt !


Gast: dirge
25.12.2011 21:41
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die presse will sich dem thema bildung

vermehrt zuwenden, habe ich kürzlich gelesen. diese absicht ist lobenswert. recht wäre halt dabei ein wenig hinter die kulissen zu schauen und die leute, die an der front stehen, vermehrt zu fragen. nicht kritiklos die meinung und die subventionen des ministeriums übernehmen.

Gast: Vogel Strauss
25.12.2011 20:36
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Wozu selber denken bei so teuer bezahlten Politikern und Experten??


periskop
24.12.2011 20:11
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Die Bürgergesellschaft braucht auch die richtigen Ziele!

So sehr ich auch Frau Rohrer recht gebe, eines muss ich kritisieren:
"Lesepaten" sind der falsche Weg! Wir haben ein besonders teures Schulsystem, welches seit kurzem nicht mehr das leistet, was zwei Jahrhunderte selbstverständlich war: die Kinder Lesen zu lehren! Ohne diese grundlegende Kulturtechnik ist aber genügend Wissensvermittlung unmöglich, ein Mensch, der nicht ordentlich Lesen gelernt hat, ist sein Leben lang ein Ausgestoßener!
Deshalb muss der Hebel beim Schulsystem angesetzt werden, wo offensichtlich seit Jahren ein falsches Paradigma herrscht: nicht "soziale Kompetenz" oder gar nur Spaß beim Lernen sind wichtig, sondern Lesen, Schreiben und Rechnen! Das muss unbedingt vermittelt werden, auch dann, wenn es vielleicht nicht "Spaß" macht!
Hier müsste sich die Bürgergesellschaft einbringen und nicht selbst als Lehrer dilettieren!

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Re: Die Bürgergesellschaft braucht auch die richtigen Ziele!

"Wir haben ein besonders teures Schulsystem, welches seit kurzem nicht mehr das leistet, was zwei Jahrhunderte selbstverständlich war: die Kinder Lesen zu lehren!"

unsinn!
ich habe nicht in der schule lesen gelernt.
nur die allerwenigsten mir bekannten leute haben in der schule lesen gelernt.

wir haben lesen gelernt, weil
1. unsere eltern sich in den entsprechenden monaten mit uns hingesetzt haben und
2. (weil grad weihnachten ist) unterm baum bücher lagen und nicht spielekonsolen.

die schule leistet heute viel mehr als seinerzeit!
die gesellschaft hingegen ist äusserst säumig.

Antworten Antworten periskop
25.12.2011 12:29
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Re: Re: Die Bürgergesellschaft braucht auch die richtigen Ziele!

Wenn man zulässt, dass Kinder von den Eltern lernen, so entsteht Ungleichheit, da werden die Kinder gebildeter Eltern immer bessere Chancen haben als die anderen, was heute verhindert werden soll. Deshalb wird die Ganztagsschule, in der Chancengleichheit herrscht, nicht zu verhindern sein.
Da muss die Schule aber dafür sorgen, dass das Lesen in der Schule genügend geübt wird, was in allen Gegenständen möglich ist, weil in den meisten Fächern ausreichende Kenntnisse nur mit Lesen erworben werden können.

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Schon wieder so ein Traummännlein

der von Chancengleichheit träumt. Es gibt Chancengerechtigkeit und die soll gepflegt werden. Wollen sie denn allen Eltern die Kinder abnehemen damit alle die gleiche bildung erfahren oder was machen sie wenn Eltern auf Lernen Bildung Lebenstüchtigkeit und dergl. Wert legen. ??? Strafen für Diese ???? Bei ihnen scheinen sowohl elterliche Erziehung als auch schulische Bildung total vorbeigegangen zu sein.

Antworten Antworten Antworten Antworten periskop
25.12.2011 22:41
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Re: Schon wieder so ein Traummännlein

Geschrieben habe ich, welche Ziele die auf Gleichheit versessene Bildungspolitik und die dazu passenden ExpertInnen heute anstreben. Leider habe ich nicht verdeutlicht, dass ich das mindestens genau so schädlich finde wie Sie!

Gleichmacherei ist ja immer Nivellierung nach unten. Die Ganztagsschule muss auch zur Unterdrückung besonderer Begabungen führen. Als Beispiel möchte ich Musiker, besonders Geiger nennen, die nur zu wirklich tüchtigen Musikern werden können, wenn sie schon von Kindheit an täglich mehrere Stunden mit ihrem Instrument arbeiten. Die Ganztagsschule macht so etwas unmöglich und verhindert nach meiner Meinung außergewöhnliche Leistungen, die für das Ansehen unserer Gesellschaft unverzichtbar sind!

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Re: Re: Re: Die Bürgergesellschaft braucht auch die richtigen Ziele!


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Es gibt zuviele Nutznießer, die ohne Stress versorgt werden müssen !!

Pensionisten, die mehr "rausholen" als sie jemals eingezahlt haben. Beamte, die auf die nächste, wirtschaftlich unerklärbare, Vorrückung warten usw. usw.

Somit bleibt als einzige Hoffnung die VERSCHWEIZERUNG Österreichs, wo nicht mehr Beamte in der Legislative sitzen u. sich ihr Gehalt selbst bestimmen oder jede Reform im Keim ersticken.

Die Macht muss dem Volk zurückgegeben werden, wie in der Verfassung stehend.

Parteibuchbesitzer sind meistens "Wahlterminzombies", die kein Verständnis für Transparenz, Fairness u. Leistung haben.

saddam
23.12.2011 18:58
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Statt leere Phrasen zu dreschen

einfach dokumentieren: Das ist eine nutzt nix Regierung, möglichst schnell weg damit.

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