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Ist er so dumm, oder tut er nur so? Stiftungsrat soll Wrabetz abberufen

20.01.2012 | 18:21 |  ANNELIESE ROHRER (Die Presse)

Die Fehler im ORF-Management haben an sich mit Parteipolitik nichts zu tun. Wer die einfachsten Regeln nicht einhalten kann, liefert den Nachweis: Er ist mit der Betriebsführung überfordert.

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"Spielt er den Trottel, oder ist er einer?" Nein, von ORF-Chef Alexander Wrabetz war im ZDF bei Maybritt Illner nicht die Rede. PR-Berater Klaus Kocks meinte Deutschlands Bundespräsidenten Christian Wulff und dessen Krisenmanagement in eigener Kreditsache.

Da ist Österreich noch gut dran. Hier stellt sich die Frage in der üblich abgeschwächten Variante („Ist er so dumm, oder tut er nur so?“) bei Wrabetz. Seit dem 23.Dezember immer wieder und seit dem ZIB-2-Interview des ORF-Chefs am Donnerstagabend immer dringlicher. Viel schlechter kann der Chef eines Medien- und somit Kommunikationsbetriebes rhetorisch Krisenmanagement gar nicht betreiben.

Jetzt muss Bundeskanzler Werner Faymann einmal recht gegeben werden: Vor Kurzem hat er in einem Radiointerview zur Causa Niko Pelinka gemeint, man solle über den ORF-Generaldirektor reden, nicht über dessen Büroleiter. Wie wahr! Auch wenn er es anders gemeint hat.

Also reden wir über den ORF-Chef: Jeder Manager, der die formalen Kriterien (Ausschreibung) vor einer sensiblen Personalentscheidung nicht kennt, muss sich die oben gestellte Frage gefallen lassen. Und noch eine andere: Welchen Personalchef hat er bestellt, wenn dieser ihn nicht einmal von so einer Blamage abhält?

Reden wir weiter über Wrabetz: Der Marktanteil des ORF ist in seiner Geschäftsführung von 43,1Prozent auf 37,1Prozent gesunken. Sicher haben da Veränderungen in der internationalen Medienlandschaft eine Rolle gespielt, das Faktum bleibt. Das heißt, der Eigentümer (Staat und Zwangsgebührenzahler) müssen immer mehr Geld für ein Produkt zuschießen, das sich am Markt nicht behauptet. Offenbar fehlt in der Chefetage die nötige Kreativität, auf Veränderungen zu reagieren. Und wessen Verantwortung ist das denn, wenn nicht die des Chefs?

Also gut, reden wir daher weiter über Wrabetz: Die Belegschaft attestiert ihm in aller Öffentlichkeit, den Betrieb beschädigt zu haben. Einzelne Dienstnehmer geben ihn der Lächerlichkeit preis. In jedem anderen Unternehmen würde der Chef mit einer Verwarnung reagieren; müsste sich der Dienstnehmer zwischen Verbleib und Abgang entscheiden. Wrabetz blickt traurig in die Kamera.

Mit seiner gespielten oder tatsächlichen Hilflosigkeit hat Wrabetz den Anschein zerstört, den ORF leiten zu können. Wenn man sogar einem Politiker wie Gerald Grosz vom BZÖ recht geben muss, dann ist Gefahr in Verzug. Der Steirer hat im Parlament am Donnerstag völlig richtig auf die Groteske der Pelinka-Debatte im Licht der Wirtschaftskrise hingewiesen.

Also reden wir weiter und negieren die heuchlerische Kritik jener Medienleute, die Wrabetz 2006 jubelnd auf den Schild gehoben haben. Gäbe es so etwas wie Anstand im polit-medialen Biotop Österreichs, würden sie jetzt wenigstens den Mund halten; würde Wrabetz von sich aus die Konsequenzen aus seiner professionellen Überforderung ziehen und zurücktreten; hätte sich im ORF-Stiftungsrat ein Mitglied zu einem Antrag auf Abberufung ermannt. Seine Wiederbestellung war ein Fehlgriff, Korrektur möglich.

Das wäre das logische Ergebnis jenes Gespräches über Wrabetz, das Faymann ja führen will. Bei all den nachweislichen Managementfehlern doch nicht so schwer zu verstehen, außer man spielt einen... (siehe oben).


Reaktionen senden Sie bitte direkt an: debatte@diepresse.com


Zur Autorin:

Anneliese Rohrer
ist Journalistin in Wien: Reality Check http://diepresse. com/blog/rohrer

Der nächste

Mutbürger-Stammtisch findet am kommenden Montag, den 13. Februar, um 17 Uhr im Burgkino in Wien statt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.01.2012)

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13 Kommentare
Gast: lou
26.01.2012 16:15
0 0

er wird sich so verhalten

wie es notwendig ist um diesen job zu behalten.

Andere manager müssen wirtschaften, er hintern kriechen.

Finanzieren tuts eh die bevölkerung, da brauchts keine marktanteile oder wirtschaftliches denken, reicht das budget nicht werden die gebühren erhöht. Sinken die marktanteile und somit die werbeinnahmen werden die gebühren erhöht.

Gast: tempa
23.01.2012 20:27
0 0

Wer hat eigentlich Interesse an

einem starken ORF-Chef(der einen unabhängigen Kurs fährt und eigenständige Ideen für den künftigen Kurs des Medienunternehmens ORF hat)?

Die Belegschaft eines Unternehmens(das keine Monopolstellung hat und sich im Markt behaupten muss) hat normalerweise schon aus puren Selbsterhaltungstrieb Interesse an einem kompetenten und tatkräftigen Manager, der letztlich die eigene berufliche Existenz sichert.

Der ORF verliert nun schon seit längerer Zeit Marktanteile. Gleichzeitig ist das Überleben des ORF, die berufliche Existenz der ORF-Mitarbeiter gesichert. Es liegt im Interesse der Politik, das der ORF weiter besteht.Sie tut das ihrige,das finanzielle Überleben des ORF zu sichern.

Die Politik hat Interesse an einen geschmeidigen Herrn in der Führung.
Die Schwäche von Wrabetz ermöglicht aber auch Freiräume für die Belegschaft(deren berufliche Sicherheit ohnehin garantiert ist).

Eigentlich fällt mir niemand ein, der Interesse an der Ablösung von Wrabetz hat.

Dagobert
23.01.2012 12:00
0 0

Einer Meinung

Liebe Fr. Rohrer es kommt ausgesprochen selten vor, dass wir einer Meinung sind.

Dies ist so ein Moment.

3 11

mei ist des lustig!

...wenn die unfähigen vertreter eines unfähigen mediums den unfähigen vertretern eines anderen unfähigen mediums unfähigkeit vorwerfen !!!

SIE, frau rohrer, als seinerzeitige leitende mitarbeiterin der enorm wichtigen vierten kraft (die unsagbar große schuld auf sich genommen und grandios versagt hat)sollten in medienfragen besser schweigen und in ruhe ihre pension konsumieren !

Antworten modestus
23.01.2012 08:30
1 0

Re: mei ist des lustig!

thema verfehlt

Antworten Antworten koberre
23.01.2012 14:13
5 0

Re: Re: mei ist des lustig: Oberst Falaffel...

... hat noch nie ein thema mit seinen kommentaren getroffen.

Pete
22.01.2012 10:51
1 10

Dumm sind sie

Ein Glück dass sie ihre Weisheiten fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit im Presse-Biotop veröffentlichen

modestus
21.01.2012 13:42
1 1

excellent

ich kann natürlich nicht immer einer meinung mit ihnen sein...aber oft genug..
in diesem falle, ja es ist durchaus möglich dass der herr GI tatsächlich ein trot+tel ist
oder aber auch nur ein spatzenhirn hat, was der name (richtig VRABEC) ja andeutet.

andererseits ist die möglichkeit, dass der entscheidungsspielraum von parteimarionetten so eng ist, das dieser vetrottelte eindruck entsteht

3 1

Nun ja, Frau Rohrer, wer wollte Ihnen widersprechen?

Jedoch: Wie ist's dazu gekommen? Und was kann man, können die Gebührenzahler tun, um das Dilemma zu beenden. Ich meine, es sind vor allem jene zur Verantwortung zu ziehen, die 2006 zusammen geholfen haben, um Wrabetz zu installieren. Es war jene unheilige Allianz der Wadlbeisser, die meinte, die ÖVP "zerlegen" zu müssen: die SPÖ mit ihrer Vorfeldorganisation in Grün, alliiert mit den Braunen, in den Schattierungen Blau und Orange und aus zahlreichen Redaktionsstuben ("Lindner! Oh Gott!"). Das Dumme: Die ÖVP glaubt in diesem Intrigantenstadl mitspielen zu müssen; statt eine Gemeinschaft der GIS-Gebühren-Verweigerer zu günden und mit entsprechendem Rechtsbeistand auszustatten.

0 7

Re: Nun ja, Frau Rohrer, wer wollte Ihnen widersprechen?

hilfe, mein gedächtnis lässt mich im stich!
können sie mir helfen?
wie hat denn "jene unheilige allianz der wadlbeisser" geheissen, die lindner/mück gewählt hat?

kann es sein, dass sie demokratie fordern, aber nur akzeptieren, wenn es in ihrem sinn 'ausgeht'?

Antworten Gast: nona
20.01.2012 21:47
5 1

Re: Nun ja, Frau Rohrer, wer wollte Ihnen widersprechen?

Folgende mail hatte ich nach Empfang der unverfrorenen Benachrichtigung der GIS geschrieben:

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich sehe die Änderung des ORF-Gesetzes als Einschränkung meiner Rechte als Staatsbürger an. Ich muß als freier österr. Bürger nicht für etwas bezahlen, das ich nicht konsumiere und auch nicht konsumieren werde. Derlei Praktiken erinnern mich an internet-shopping der unteren Lade.
Ich überlege mir, dagegen zu klagen und eventuell bis zum höchsten österr. Gericht zu gehen.
Einstweilen entziehe ich Ihnen die Einzugsberechtigung von meinem Konto.
Ich hätte im Übrigen nichts gegen eine Gebühr, wenn nicht das hiesige TV-Programm mittlerweile eines der schlechtesten wäre, das ich in meinem Leben - in mehr als sechs Staaten - erleben mußte.

Mit freundlichem Gruß,

0 0

Empfehlung - auswandern...

... in einen der mehr als sechs Staaten.

Antworten Antworten Antworten Gast: nona
24.01.2012 15:30
0 0

Re: Empfehlung - auswandern...

Gut gebrüllt, allerdings - der ORF ist hierzulande von geringstem Einfluß auf die allgemeine Lebensqualität. Also, wozu auswandern, auch in weniger als sechs Staaten??

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