"Spielt er den Trottel, oder ist er einer?" Nein, von ORF-Chef Alexander Wrabetz war im ZDF bei Maybritt Illner nicht die Rede. PR-Berater Klaus Kocks meinte Deutschlands Bundespräsidenten Christian Wulff und dessen Krisenmanagement in eigener Kreditsache.
Da ist Österreich noch gut dran. Hier stellt sich die Frage in der üblich abgeschwächten Variante („Ist er so dumm, oder tut er nur so?“) bei Wrabetz. Seit dem 23.Dezember immer wieder und seit dem ZIB-2-Interview des ORF-Chefs am Donnerstagabend immer dringlicher. Viel schlechter kann der Chef eines Medien- und somit Kommunikationsbetriebes rhetorisch Krisenmanagement gar nicht betreiben.
Jetzt muss Bundeskanzler Werner Faymann einmal recht gegeben werden: Vor Kurzem hat er in einem Radiointerview zur Causa Niko Pelinka gemeint, man solle über den ORF-Generaldirektor reden, nicht über dessen Büroleiter. Wie wahr! Auch wenn er es anders gemeint hat.
Also reden wir über den ORF-Chef: Jeder Manager, der die formalen Kriterien (Ausschreibung) vor einer sensiblen Personalentscheidung nicht kennt, muss sich die oben gestellte Frage gefallen lassen. Und noch eine andere: Welchen Personalchef hat er bestellt, wenn dieser ihn nicht einmal von so einer Blamage abhält?
Reden wir weiter über Wrabetz: Der Marktanteil des ORF ist in seiner Geschäftsführung von 43,1Prozent auf 37,1Prozent gesunken. Sicher haben da Veränderungen in der internationalen Medienlandschaft eine Rolle gespielt, das Faktum bleibt. Das heißt, der Eigentümer (Staat und Zwangsgebührenzahler) müssen immer mehr Geld für ein Produkt zuschießen, das sich am Markt nicht behauptet. Offenbar fehlt in der Chefetage die nötige Kreativität, auf Veränderungen zu reagieren. Und wessen Verantwortung ist das denn, wenn nicht die des Chefs?
Also gut, reden wir daher weiter über Wrabetz: Die Belegschaft attestiert ihm in aller Öffentlichkeit, den Betrieb beschädigt zu haben. Einzelne Dienstnehmer geben ihn der Lächerlichkeit preis. In jedem anderen Unternehmen würde der Chef mit einer Verwarnung reagieren; müsste sich der Dienstnehmer zwischen Verbleib und Abgang entscheiden. Wrabetz blickt traurig in die Kamera.
Mit seiner gespielten oder tatsächlichen Hilflosigkeit hat Wrabetz den Anschein zerstört, den ORF leiten zu können. Wenn man sogar einem Politiker wie Gerald Grosz vom BZÖ recht geben muss, dann ist Gefahr in Verzug. Der Steirer hat im Parlament am Donnerstag völlig richtig auf die Groteske der Pelinka-Debatte im Licht der Wirtschaftskrise hingewiesen.
Also reden wir weiter und negieren die heuchlerische Kritik jener Medienleute, die Wrabetz 2006 jubelnd auf den Schild gehoben haben. Gäbe es so etwas wie Anstand im polit-medialen Biotop Österreichs, würden sie jetzt wenigstens den Mund halten; würde Wrabetz von sich aus die Konsequenzen aus seiner professionellen Überforderung ziehen und zurücktreten; hätte sich im ORF-Stiftungsrat ein Mitglied zu einem Antrag auf Abberufung ermannt. Seine Wiederbestellung war ein Fehlgriff, Korrektur möglich.
Das wäre das logische Ergebnis jenes Gespräches über Wrabetz, das Faymann ja führen will. Bei all den nachweislichen Managementfehlern doch nicht so schwer zu verstehen, außer man spielt einen... (siehe oben).
Reaktionen senden Sie bitte direkt an: debatte@diepresse.com
Zur Autorin:
Anneliese Rohrer
ist Journalistin in Wien: Reality Check http://diepresse. com/blog/rohrer
Der nächste
Mutbürger-Stammtisch findet am kommenden Montag, den 13. Februar, um 17 Uhr im Burgkino in Wien statt.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.01.2012)















