25.05.2012 21:16 | Meine Presse Merkliste 0

Wegen des großen Erfolgs verlängert: Eine demokratiepolitische Posse

03.02.2012 | 18:22 |  ANNELIESE ROHRER (Die Presse)

Faymann und Spindelegger wiederholen die Fehler ihrer Vorgänger, Abgeordnete im Untersuchungsausschuss die eigenen, und wir Journalisten spielen Straches Spiel wie seinerzeit Haiders.

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Österreichs Innenpolitik ist wirklich einzigartig. Hier versucht man nicht, Erfolge zu wiederholen, sondern Misserfolge. Auf allen Ebenen – Regierung, Parlament, Medien – ist man zurzeit geradezu versessen auf das Motto: Es war schon einmal kein Erfolg, daher probieren wir es noch einmal!

So hat man in der rot-schwarzen Koalition aus vergangenen Fehlern nichts gelernt: Mit starrem Blick auf den jeweils eigenen parteipolitischen Vorteil wird eine Einigung auf die notwendigen, aber unpopulären Budgetmaßnahmen nur mit Hängen und Würgen, Streit und Gehässigkeit zustande kommen. Ein solches Verhalten hat sich schon unter Gusenbauer/Molterer und Faymann/Pröll als schädlich erwiesen. Deshalb bleibt man dabei? Wie klug!

Oder der Verkauf der eigenen Politik, sofern vorhanden: Schon Viktor Klima hat sich vor mehr als zehn Jahren von Andreas Rudas einreden lassen, nur auf die Reichweiten eines Mediums zu achten und Qualitätsmedien Interviews zu verweigern – mit durchschlagendem Erfolg: Desaster für die SPÖ 1999, Klima weg.

Und erst recht die Strategie der Verweigerung von Information und Nichtbeantwortung von Fragen von Journalisten, von Wolfgang Schüssel zur Perfektion getrieben. Die Abkapselung nach außen war einer der Gründe für seine Niederlage 2006. Deshalb wird sie jetzt wieder als Erfolgsstrategie gehandelt.

Wie lernresistent dürfen Politiker eigentlich sein? Im Parlament das gleiche Schauspiel: Am Mittwoch dieser Woche traute man seinen Augen und Ohren im Korruptionsuntersuchungsausschuss nicht. Die gleichen parteipolitischen Geplänkel wie in früheren U-Ausschüssen, die gleichen kindischen Querelen um die Geschäftsordnung, der gleiche Verdacht, es ginge gar nicht um Aufklärung, sondern um Selbst- und Parteidarstellung. Der Schaden an Glaubwürdigkeit, den Eurofighter- und Spitzel-Ausschuss bereits angerichtet haben, wird so wiederholt. Niemand denkt da offenkundig an die Folgen für die Demokratie.

Wirklich schlimm wird es aber in der Medienlandschaft. Da ist die kollektive Amnesie ausgebrochen. Unter Jörg Haider haben wir in den Neunzigerjahren bereits den singulär erfolgloser Versuch unternommen, seinen Aufstieg mit Daueraufregung um irgendwelche Sager zu verhindern.

Wir Journalisten haben ihnen damals ständig breiten medialen Raum gegeben, statt Haiders Politik, seine Wahrheiten und seine Lügen zu beschreiben. Unser Fehler: Wir dachten, unsere Kritik kommt bei den Wählern an. Welch ein Irrtum! Haider hat davon profitiert.

Jetzt wird seit Wochen über einen Ball und einen Sager von Heinz-Christian Strache geschrieben, beides in zahllosen Sendungen besprochen – und die FPÖ lacht sich ins Fäustchen. Statt sich über den WKR-Ball aufzuregen, sollte man über das wichtige Thema, einen Martin Graf in höchster Staatsfunktion, reden. Statt Strache stundenlang dementieren zu lassen, wäre die geeignete Reaktion: Inakzeptabel! Basta! Wir spielen Straches Spiel, wie wir Haiders gespielt haben.

Heute vor zwölf Jahren fand die Angelobung von Schwarz-Blau statt. Nach der nächsten Wahl könnte es Blau-Schwarz geben – mit freundlicher Unterstützung der derzeitigen Regierung, der Parlamentarier und der Medien.


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("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.02.2012)

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21 Kommentare
Dagobert
07.02.2012 12:02
3 0

Guter Artikel

Leider ist die Selbsterkenntnis eine verspätete.

Aber weshalb sollten die jungen Journalisten in ihrer linksgrünen Borniertheit auf sie hören, wenn sie doch von ihnen teilweise die Ignoranz gegenüber der Realität gelernt haben?

Antworten Gast: USer
17.02.2012 00:16
0 0

Re: Guter Artikel

Die Überschrift ist falsch.

Richtig ist, dass die Selbsterkenntnis zu spät gekommen ist
Richtig ist auch, dass Frau Rohrer die Ignoranz gegenüber der Realität gepflegt und an die jungen - grünverblendeten Journalisten tradiert hat.

Ka und Realitätsferne ist es auch zu meinen, dass es möglich ist gegen ca 30% der Wähler mit der Verherrlichung der Mainstream-Politiker mit ihrer Versager-Politik anzustinken.

Antworten Gast: USer
17.02.2012 00:07
0 0

Re: Guter Artikel

Die Überschrift ist falsch!

Richtig ist, dass die Selbsterkenntnis verspätet gekommen ist.
Weiter ist es richtig, dass Frau Rohrer zumindest in letzter Zeit durch ihre Artikel die Ignoranz gegenüber der Realität gepflegt und an die jungen -grünverblindeten Journalisten weitergegeben hat.

Kegele
07.02.2012 11:06
0 0

Beide sind im Unrecht

Wenn LINKE mit Gewalt auftreten, Brandsätze und Waffen zu einer Demo schleppen, Schaufenster einschlagen und sich mit der Polizei prügeln, so ist das zutiefst verabscheuungswürdig.
Wenn ein RECHTER Spitzenpolitiker eine solche Aktion jedoch mit einem Reichs-Pogrom vergleicht, so ist auch der zutiefst im Unrecht.
Das eine; eine Gruppe von hirnlosen, gewaltbereiten Demonstranten. Das andere; ein leider ebenfalls hirnloser Spitzenpolitiker.
Von den einen kann man nichts anderes erwarten. Von einem Spitzenpolitiker aber sehr wohl.

Gast: Na und?
07.02.2012 10:15
4 0

Nur damit ich das jetzt verstehe:

Wenn linke Demonstranten den WKR-Besuchern mit Mord und Totschlag drohen sind die WKR-Besucher die Bösen?

Bei WEM sind Waffen und Brandsätze sichergestellt worden? Wer hat sich mit der Polizei geprügelt, Schaufenster eingeschlagen usw?

Wenn Faymann und Spindelegger anständige Politik machten, wäre der Anteil der Protestwähler in Ö nicht so groß. HC und Haider wären bei 3 %, nicht bei bald 30 %!

teifl eini
06.02.2012 13:32
2 0

über selbstmörder, die sich vor die u-bahn werfen, wird auch nicht berichtet

... aus gutem grund. das koma-trinken wurde auch erst zum richtigen problem, als die medien darüber breit zu berichten begannen oder unterhaltungsshows wie saturday night daraus machten.

warum sollte man daher über faschingsveranstaltungen wie den wkr-ball oder die linke gegendemo berichten? gilt doch für politiker und b-promis der satz: über mich wird berichtet, also bin ich.

teifl eini
06.02.2012 13:19
1 2

völlig richtig: auf die inhalte der fpö, nicht deren ablenkungsmanöver eingehen

ja, völlig richtig! man sollte die inhaltlichen festlegungen der fpö thematisieren. das interview mit herrn kurzmann letzten sonntag in der kleinen zeitung sprach bände. kurzmanns antworten lassen den schluss zu, dass es ihm schlicht zu blöd ist, sich um sachlich fundierte argumente zu bemühen:

fragen der kleinen zeitung an kurzmann, dessen antworten (und meine kommentare dazu):
1. warum haben sie die förderung der vorschul-fahrradkurse gestrichen? - wegen der budgetknappheit. (alles eine frage der prioritäten, ok; s.a. punkt 2)
2. warum haben sie dagegen die förderung des vignettenkaufs belassen? - aus sicherheitsgründen (sic!!! wohl damit die autofahrer "sicher" fpö wählen; pkt. 1 und 2 legen die klassische klientelpolitik marke blau offen: autofahrer vor kinderschutz)
3. warum lassen sie alte taxi-stinker doch noch einen monat länger im verkehr obwohl die feinstaub-werte schon wieder jenseitig sind? - wegen der wirtschaftskrise. (ja die wirtschaftskrise, die ist schuld an allem ... na wenn die lage bei den grazer taxlern so kritisch ist, dann gibts doch sowieso überkapazitäten, die man abbauen sollte; warum sagt er nicht ehrlich, dass ein monat mehr oder weniger sowieso egal ist; von der wk-intervention ganz zu schweigen)

und solche intellektuellen flachwurzler wollen ernsthaft regieren?

0 0

Warum sieht das sonst niemand so?

Das ist mir aus der Seele gesprochen! Herrn Strache & Co wird regelmäßig ein Forum geboten, um sich auch noch zu wiederholen, statt dass man - so wie Fr. Rohrer schreibt, derartige Aussagen einfach als inakzeptabel qualifiziert. Aber scheinbar ist es für die Medien auch profitabler, Empörung über zusätzliche Auftritte der entsprechenden Personen zu zeigen. - Die ZIB2 mit Herrn Strache letzte Woche hatte überdurchschnittlich viele Zuseher.

wmaurer
05.02.2012 11:58
4 1

befremdlich


dass man in diesen Foren hemmungslos auf BK Schüssel eindreschen darf. SP - Abgeordnete im Korruptionsausschuss, mit dunklen Flecken in ihrer politischen Vita genießen hier jedoch den journalistischen Schutz der "Presse". Warum wohl?

Resistance
04.02.2012 16:48
22 1

Drehen wir

die Sache doch mal um.

Angenommen, gegen eine - fiktiven - "Ball der Linken" würde demonstriert. Rechte Demonstranten würden im Vorfeld verlautbaren, bei der Demo "Linke zu schnitzeln". Ballgäste würden bespuckt, tätlich angegriffen, ein Sprengsatz sichergestellt, Brandanschläge verübt.
Auf dem Ball selbst würde ein eingeschleuster Journalist einen Sager wie "in Stalins Lagern wurde wenigstens noch gearbeitet" o.ä. aufnehmen.

Worüber würde wohl berichtet? Über den Sager, der die Opfer des Kommunismus verhöhnt? Oder würde nicht vielmehr die Schlagzeile von rechter Gewalt durch ganz Europa gehen?

Diese Einseitigkeit der Berichterstattung lässt sich nicht allein durch die zweifellos gebotene Sensibilität angesichts der jüngeren Geschichte erklären. Sie haben recht, Frau Rohrer: Es ist eine Posse. Aber eine politische, keine demokratiepolitische. Und die Österreicher sind nicht so blöd, wie es die SPÖ gerne hätte.

Gast: Vogel Strauss
04.02.2012 16:46
6 0

Die linken Medien ...

... allen voran der Rotfunk tragen mit Schuld, wenn Strache in die Regierung kommt! Anstatt ihn zu ignorieren kommt er täglich auf die Titelseite ... da ist die linke Journaille wirklich selber schuld!

Antworten Gast: mh
04.02.2012 18:38
8 0

Re: Die linken Medien ...

Sie haben Recht, die rot-grüne Propaganda ist nicht gut angekommen.

Demokratisch gewählte Parteien und ihre Vertreter sollten weder hofiert noch ignoriert noch diffamiert werden sondern von Journalisten in gleicher Weise sachlich befragt und mit Respekt behandelt werden.

Leider dürfte das zuviel verlangt


Gast: Auch ein Bürger
04.02.2012 15:46
10 2

Oberflächliche Einschätzung

Richtig !Manche Medien meinen, wenn sie ein an und für sich völlig unbedeutendes Ballereignis als ur-Bedrohung hinstellen und irgendwelche Sager wiederkäuen, dass sie damit Politik machen können. Sie unterschätzen Wähler grundsätzlich, denen sie nicht zutrauen sich mit Inhalten auseinandersetzen zu können.

Gast: MH
04.02.2012 13:47
13 2

Danke A.Rohrer (Teil 2)

Es mag schon sein, dass die "Kritik -an Jörg Haider/FPÖ..." der Journalisten nicht angekommen ist. Es gab ja auch keine sachliche Kritik sondern regelrechte Schmutzkübelkampagnen mit untergriffigen Kommentaren (pietätlos auch über und nach dem Tod Jörg Haiders), haltlose EU-Sanktionen und ein Messen mit zweierlei Maß wie auch das aktuellste Beispiel der WKR-Ball bewiesen hat wo es zwar die "Daueraufregung um irgendwelchen Sager" eines Rechten gibt aber keinerlei Aufregung über die Drohungen und gewaltsamen Übergriffe von Linksradikalen manche sogar extra angereist aus dem Nachbarland.
Es ist nicht Aufgabe der Medien und damit der Journalisten, Parteipräferenzen (oder Parteiabneigungen) mit irgendwelchen Strategien zu vermitteln sondern sie sollten einzig und allein der Wahrheit verpflichtet sein und die Medienkonsumenten als mündig achten.

Gast: MH
04.02.2012 13:46
11 1

Danke A.Rohrer (Teil 1)

Sie zeigen mit Ihrem Artikel auch (eher unbeabsichtigt) auf, wie Medien ihre eigentlichen Aufgaben - wahrheitsgemäß zu berichten und Meinungsvielfalt zu publizieren - vielfach nicht mehr wahrnehmen sondern Politik machen (wollen oder müssen) entweder im Auftrag von Parteien/Politikern oder aus eigener Überzeugung für die eigene Karriere. Und sie machen unübersehbar fast immer rot-grüne Politik mit entsprechender Ideologie (mit welchem demokratiepolitischen Auftrag?). Man will bestimmen wer "auf-" oder "absteigt" indem man Wähler manipulieren will mit gezielten oder aber auch verschwiegenen Informationen und Meinungen und auch mit Kampagnen (antikirchliche seien auch erwähnt) . Gut und Böse (fast immer nach linker Ideologie) werden von Medien vorgegeben und basta. Journalisten wechseln in die Politik oder kommen im Auftrag von Parteisekretariaten in Redaktionen. Wer bitte soll da noch an unparteiische Medien glauben?

Gast: Karl Schlosser
04.02.2012 12:21
7 0

Politik in den Medien nur Geschwätz ?

Die Medien überfluten uns mit Geschwätzt - anstatt uns zu erklären, was die Politiker konkret tun um Probleme gut oder schlecht zu lösen.
Schon das Bla-Bla um noch ungelegte Eier ist lästig, aber ständige Gesäusel um befürchtete Untaten ist unerträglich.
Was zählt sind im normalen Leben ja Taten und nicht Worte. Klar: "An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen". An was sonst ?

Gast: schlÄchter
04.02.2012 11:14
13 1

sg faru rohrer!

wissen sie warum der fpö mediale aufschreie nicht schaden:

"Wir dachten, unsere Kritik kommt bei den Wählern an."

ich als wähler brauche ihre meist selbstideologisch ausgerichtet kritik nicht, sie , berichten sie, bringen sie fakten! entscheiden werde dann ich.
hören sie mit ihrer selbstüberschätzung auf, beleidigen sie nicht die mündigkeit der wähler.
aber wenn fakten schon zurechtgebogen werden oder mit zweifelhaften täuschungen gearbeitet wird , frau rohrer (moschitz reportage, und jetzt das gedächtn isprotokoll des inkonito-"ermittlers" herrn müller, dem ungeschaut von journalistischer seite gegelaubt wird
ohne die berufsethik auch nur zu hinterfragen) dann verspielen sie jegliche glaubwürdigkeit.


Antworten Gast: schlÄchter
06.02.2012 09:40
0 0

Re: sg faru rohrer!

sg frau rohrer!
entschuldigen sie, gehudelt daher vergessen :

mfg
s.

0 10

Re: sg faru rohrer!

ihr statement beweist, dass SIE mit fakten nichts anzufangen wissen.
und 'aus dem bauch heraus' ihre entscheidung treffen.
vermutlich sagt der bauch: so wie immer!

Antworten Antworten Gast: schlÄchter
06.02.2012 09:46
1 0

Re: Re: sg faru rohrer!

sg herr oberst!
nicht nur mein bauch sagt mir, dass ihr kommentar leider nichts zum thema enthält (weklche fakten?), deshalb erlaube ich mir auch nicht näher darauf einzugehen.

mfg
s.

Kokopelli
04.02.2012 09:50
2 8

Chapeau!

Da ziehe ich den Hut vor solchen Worten! Bravo! Wenn's nur viele hören und verstehen würden!

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