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Ein Kari Schwarzenberg muss her – mit Humor, Wortwitz, Selbstironie

11.05.2012 | 18:26 |  ANNELIESE ROHRER (Die Presse)

Wenn sich Österreichs Politiker auf allen Ebenen über das Desinteresse an ihren Reden wundern, dann sollten sie sich einmal selbst zuhören: verkrampft, aggressiv und fast nie authentisch.

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Zugegeben, die Lage ist ernst. Es gibt „in Zeiten wie diesen“ nichts mehr zu lachen. Mark Twain bemerkte einmal, dass „Schlagfertigkeit etwas ist, worauf du erst 24 Stunden später kommst“. Für österreichische Politiker – früher und jetzt – ist diese Frist mit Sicherheit zu kurz. Sie kommen in Tagen, Wochen, Monaten, ja Jahren nicht mehr „darauf“.

Moment! Das ist ungerecht. Schlagfertige gab es schon – ÖVP-Seniorenchef Andreas Khol gehörte dazu, auch Alexander Van der Bellen von den Grünen einmal oder der jüngere Josef Cap von der SPÖ, bevor er begann, Humor mit tiefem Wiener Dialekt zu verwechseln. Aber wann hat man sich zuletzt über den Ausspruch eines Politikers wirklich amüsieren können?

Die zwei Sprüche, die in diesem Zusammenhang spontan einfallen, waren zwar witzig, die Heiterkeit, die sie auslösten, aber eher unpassend. Als der etwas hölzerne Fred Sinowatz im Presseclub Concordia 1986 zur „Kenntnis nahm, dass nicht Kurt Waldheim bei der SA war, sondern sein Pferd“, brach Gelächter aus. Wir Journalisten reagierten unangebracht.

Als Ex-Finanzminister Rudolf Edlinger „lieber seinen Hund auf die Wurst aufpassen“ ließ als die „ÖVP auf das Geld der Steuerzahler“ lachten wir Journalisten wie befreit auf – nach Tagen des verkrampften Hin und Her zwischen SPÖ und ÖVP.

Da rollte die Nostalgiewelle schon. Was hatte doch Bruno Kreisky für einen Wortwitz? Wie konnte man sich über Helmut Zilk amüsieren? Seit der staatstragenden Starre eines Franz Vranitzky aber pendelt die Politik zwischen verbalem Krampf und realer Groteske hin und her.

Es ist bezeichnend, dass die Politiker-„Sager“, die seither in Erinnerung geblieben sind – von Jörg Haider, Wolfgang Schüssel, Michael Häupl oder Heinz-Christian Strache –, in die Kategorie „aggressiver Witz auf Kosten anderer“ fallen. Entweder wurden ganze Gruppen, die jeweils andere Partei oder auch Einzelpersonen der Lächerlichkeit preisgegeben. Mit Finesse hatte das nichts zu tun.

Der raffinierte politische Humor, der geschliffene Wortwitz sind abhandengekommen – und bei den derzeit Agierenden wie Werner Faymann und/oder Michael Spindelegger auch gar nicht mehr vorstellbar. Der ÖVP-Chef könnte bei der Österreich-Rede am Montag das Gegenteil beweisen. Das wäre eine Überraschung.

Bezeichnend ist, dass seit Langem nur mehr unfreiwillige Komik – nein, eher Peinlichkeit – Belustigung hervorruft. Ein ehemaliger Vizekanzler fühlt, dass „the world in Vorarlberg too small“ für ihn ist und trägt den Wunsch nach „consulting and lobbying“ im Juli 2007 auch noch an einen Politiker in London heran (Hubert Gorbach); ein Ex-Finanzminister erklärt im TV, man halte ihn eben „für zu schön, zu intelligent, zu reich“ und verfolge ihn deshalb (Karl-Heinz Grasser); Finanzministerin Maria Fekter ist auf ihre mangelnden Englischkenntnisse auch noch stolz, weil ihr „shortly without von delay“ international bekannt geworden ist.

Mehr zum Weinen als zum Lachen also. Keine Rede, die man mit Vergnügen oder Gewinn verfolgen könnte. Ein österreichischer Kari Schwarzenberg (Tschechiens Außenminister) muss her, der witzig und mit viel Selbstironie über Politisches spricht. Schmunzeln in Zeiten der Ernsthaftigkeit, das hätte schon was. Allein, Esprit hat man – oder nicht.


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("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.05.2012)

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15 Kommentare

woher, frau rohrer, kommt ihr faible für showmaster in der politik?

showmaster, sofern nicht eh schon ausgestorben, gehören ins hauptabendprogramm am samstag-abend. aber nicht in die politik. was sie dort anrichten mit ihrer 'unterhaltung', hat doch exemplarisch der großmeister dieser sparte, jörg haider, bewiesen: die show war grandios, doch die kulissen haben sich als pappmaché herausgestellt.

ps.: sie zitieren in ihrem kommentar fred sinowatz. sie zitieren einen schenkelklopfer-gag von ihm. doch wohlweislich ignorieren sie den von ihm stammenden spruch, dem allergrößte weisheit innewohnt: "es ist alles sehr kompliziert..."
ja, das kommt in der showbranche nicht an. denn die wahrheit hat keine chance in dieser glitzerwelt.

Re: woher, frau rohrer, kommt ihr faible für showmaster in der politik?

die vorstellung einer politik ohne showeffekte ist reichlich naiv

Re: woher, frau rohrer, kommt ihr faible für showmaster in der politik?

politik IST show..wer das nicht versteht oder nicht das nötige talent hat, hat in der politik nichts verloren

Gast: doctor pepperl
14.05.2012 21:52
1 0

was machen eigentlich...

was machen eigentlich die revolutionären wut-, mut-, cutebürger, frau rohrer? treffen die sich immer noch im flotten kino und hegen umstürzlerische gedanken?
und wird die von ihnen gefoderte revolution noch in diesem jahrhundert starten?
in banger erwartung des kommenden und mit vor spannung ganz zerbissenen fingernägeln verbleibe ich ihr
doctor pepperl

Re: was machen eigentlich...

in diesem zusammenhang ein weiteres politikerzitat.
alfred gusenbauer bei einer veranstaltung in (wenn ich mich recht erinnere) kapfenberg:
"sind die suderanten auch schon da?"

Re: Re: was machen eigentlich...

das zitat ist falsch

Re: Re: Re: was machen eigentlich...

wird das heute was ordentlichen in donawitz oder das übliche gesudere

Humorlose PolitikerInnen für...

...humorlose JournalistInnen. Was ist daran so unlogisch? Und der KS soll seine Witze in Tschechien reißen.
Zynismus fände ich viel besser - das würden die PolitikerInnen auch perfekt zu vielen JournalistInnen passen.

Gast: Astrud Gilberto
13.05.2012 00:42
0 1

Karinostalgie

Kari war mal... Inzwischen gefallen Durchlaucht sich beim Deutschreden mit dezentem Bömakel-Hautgout und pflegen sich Karel zu nennen.

Bezeichnend...

.... dass Frau Dr. Rohrer kein einziges angeblich witziges Zitat bringt...

so witzig ist Ihro Durchlaucht nämlich gar nicht.

Gast: thomas grün
12.05.2012 15:52
1 0

witzig waren auch...

witzig waren auch die worte des damaligen nationalratspräsidenten benya, die er von seinem erhöhten sitz im parlament den nationalräten zurief:"...halts doch endlich die goschn da unten....!"
oder war der spruch ernst gemeint?

Gast: Hinsichtlich & Rücksichtlich
12.05.2012 13:57
2 0

Das Allerwichtigste haben Sie vergessen Frau Dr. Rohrer!

Die Kameraden lügen wenn sie den Mund aufmachen. Na wen soll das schon interessieren?

Gast: Niederösterreicher
12.05.2012 11:43
1 1

Der Fürst kennt kein Vaterland ...

Das in zahlreiche souveräne Staaten zersplitterte ehem. Heilige Römische Reich lieferte bei Bedarf an viele Staaten Europa und in Übersee Herrscher-Dynastien: Sachsen-Coburg (Bulgarien), Coburg (Belgien), Hannover/Battenberg (Großbritannien) usf.
Mit der Thronbesteigung gaben diese Dynastien ihre bisherige nationale Identität auf.

Unter dem Hochadel erwiesen sich die Schwarzenberg als besonders wendig. Obwohl mit der österr. Geschichte besonders eng verbunden ("Schwarzenberg-Platz") optierten die Schwarzenbergs, die unter der österr. Monarchie riesige Güter in Böhmen und Mähren erwerben konnten, nicht wie die 1/3 der Einwohner zählende deutschsprachige Minderheit für das Deutsche Reich, sondern für deren Unterdrücker Tschechoslowakei. Und erwarben in weiser Voraussicht (obwohl deutschsprachiger österr. Uradel) auch noch die schweizer Staatsbürgerschaft. Das konnte zwar die Enteignung und Vertreibung aus Tschechien nicht verhindern, führte aber nach der Abkehr der Tschechen vom Kommunismus zur Rückgabe eines Teils ihrer böhmischen und mährischen Güter (im Gegensatz zu ihren entschädigungslos enteigneten sudetendeutschen Landsleuten)!

Man kann nur sagen: wirklich geschickt gemacht!

Antworten Gast: hchannel
15.05.2012 13:23
0 0

Re: Der Fürst kennt kein Vaterland ...

Nationalstaaten sind ein post-feudales Phänomen. Die europäischen Traditionsadelshäuser sind naturgemäß auch heutzutage feudalistisch geprägt. Daher kennen weder die Schwarzenbergs noch die Habsburgs oder Liechtensteins Staatsgrenzen sondern nur feudale Einflußsphären.

Antworten Gast: Global Krainer
13.05.2012 00:45
1 0

Re: Der Fürst kennt kein Vaterland ...

Fast richtig, aber nicht österreichischer, sondern fränkischer Uradel.

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