Die Malaise beim politischen Personal in Österreich einmal anders gesehen

18.05.2012 | 18:35 |  ANNELIESE ROHRER (Die Presse)

Beispiel „Tätschn-Debatte“: Endlosschleife immer gleicher Themen mit freundlicher Unterstützung der Medien. Wer aber „öffentliche Angelegenheiten“ solchen Politikern überlässt, ist selbst schuld.

Drucken Versenden AAA
Schriftgröße
Kommentieren

Es muss für Politiker in Österreich so etwas wie eine Dummheitsgarantie für mediale Aufmerksamkeit geben: Ein blöder Spruch garantiert tagelange mediale Aufregung. Man muss zugeben, dass im blau-orangen Lager seit Jörg Haiders Zeiten davon am häufigsten Gebrauch gemacht wurde und wird.

Jüngstes Beispiel sind „die klanen Tätschn“, die der Kärntner Vize-Landeshauptmann für „sinnvoll und gut“ hält. Fehlte nur noch, dass im ORF oder sonst wo Experten zum Unterschied zwischen Tätschn, Watschen, Tachtel, Fotzn, Flaschen und Ohrfeigen befragt wurden oder die verschiedene Schreibweise von Tetschn und Tätschn zu erklären hatten.

Dabei ist die ganze Diskussion nichts als ein Echo aus längst vergangenen Zeiten. Schon 1984 und dann wieder 1989 verlief sie ganz gleich, weil Harald Ofner (FPÖ) als Justizminister bei einer „g'sunden Watschen“ keinen Schaden erkennen konnte. Sind wir seither nicht weitergekommen? Wir verdammen uns selbst zu den immer gleichen Themen.

Bei Scheuch hätten – wenn überhaupt – ein paar Zeilen genügt. Bei der Verteidigung Scheuchs durch Landeshauptmann Gerhard Dörfler muss man sich fragen, ob er nicht doch Schaden an den eigenen „g'sunden Watschn“ genommen hat. Der Rest ist Mitleid mit den Kärntnern für so ein politisches Personal.

Damit wäre man bei dem – neben dem Verhalten der Medien – eigentlich wichtigen Punkt angelangt: eben beim politischen Personal. Wegen dessen mangelnder Qualität erhebt sich seit Jahren ein Klagelied. Vor allem Wähler/Bürger belieben es immer lauter anzustimmen: „Bei diesen Politikern“ lautet ihre Standardfloskel.

Aber schlag nach beim zweiten US-Präsidenten John Adams (1797–1801) vor fast 300 Jahren. „Öffentliche Angelegenheiten“, so schrieb er, „müssen immer von irgendjemandem erledigt werden.“ Und weiter: „Es wird immer den einen oder anderen geben, der das macht. Wenn weise Männer es ablehnen, werden andere es übernehmen. Wenn ehrliche Männer sich verweigern, andere werden es nicht.“ Gut, heute muss man Weisheit und Ehrlichkeit geschlechtsneutral sehen. Das Zitat selbst aber behält gerade in Zeiten mangelnder politischer Klugheit und anhaltender Korruption seine zeitlose Gültigkeit.

Der allseits wichtige Österreich-Bezug liegt darin: All die Bürger, die sich so sehr über das schlechte Personal auf der politischen Bühne alterieren können – und da gehören auch Bankdirektoren und andere Leistungsträger dazu –, könnten ja selbst Aufgaben in „öffentlichen Angelegenheiten“ auf allen Ebenen übernehmen. Die meisten von ihnen würden das aber wohl als unsittliches Ansinnen zurückweisen.

Die Angelegenheiten müssen aber zu allen Zeiten von irgendjemandem erledigt werden. Für die Bürger/Wähler ist es leichter zu klagen, als sich den Kopf darüber zu zerbrechen, warum das Land auf die Scheuchs etc. (herunter-)gekommen ist. Gleiches gilt für uns Journalisten in dieser Medienlandschaft, in der wirklich jeder Unsinn Raum hat.

Vielleicht ist auch die Malaise beim politischen Personal der Grund, warum Frank Stronach nun doch nicht mit dem BZÖ auf ein Kampfmandat will. Ein anderes wird er aber nicht finden, solange viele Österreicher nur „die anderen“ an die öffentlichen Angelegenheiten heranlassen.


Reaktionen senden Sie bitte direkt an: debatte@diepresse.com


Zur Autorin:

Anneliese Rohrer
ist Journalistin in Wien: Reality Check http://diepresse. com/blog/rohrer.
Das Jahrestreffen der Mutbürger findet am Montag, 11. Juni, um 17 Uhr im Wiener Burgkino statt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.05.2012)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

15 Kommentare
Gast: Andreas, St. St
21.05.2012 17:49
0

Was lernen wir daraus?

Die FPÖ hat keine neuen Ideen oder Perspektiven! Die wärmen nur den alten SUD auf. MAg für den FPÖ Wähler, dessen Intelligenz nicht als all zu hoch einzustufen ist, funktionieren, aber beim Otto Normalverbraucher zieht dieser Schmäh nicht mehr!
Die FPÖ erspart sich somit Werbegeld und kommt dadurch gratis in die Medien, nur dass die Leute heute auf diesen Schmäh nicht mehr hereinfallen!
So schauts aus!

Gast: Moostaler
20.05.2012 16:55
3

Ergänzung nötig!

Dem Kommentar von Frau Rohrer über die mangelnde Qualität beim staatsführenden Establishment kann man nur zustimmen. Es wäre bloß eine Ergänzung angebracht: Die Malaise, die sie richtig beschreibt, beschränkt sich nicht nur auf das politische Personal, sie trifft – mit wenigen Ausnahmen - unter anderem auch voll und ganz auf die Journalisten in Österreichs Redaktionsstuben zu!

Gast: machmuss verschiebnix
20.05.2012 14:26
4

Die Rolle der Medien ist sogar der maßgebliche Einfluß dafür,

daß es zu solchen schwarz/weiß Exzessen kommt, wie bei diesem Sager
von Scheuch.

Wo es offenbar NIEMANDEN gibt, der selber schon Kinder erzogen hat,
anders kann man es nicht erklären, daß alle zu glauben scheinen, eine
Werte-orientierte Erziehung könne ohne disziplinarische Maßnahmen
"an das Kind" gebracht werden.

Jedes Kind, das nur halbwegs lebhaft - und somit gesund - ist, das
würde mit den Eltern "schlittenfahren", wenn da nichts "handfesteres"
daherkäme, als Walldorf-mäßiges wischi-waschi Geschwätz.

Im Gegenteil, wenn ein Kind so lethargisch ist, und auf so ein Geschwätz
"was gibt", DANN würde ich mir als Elternteil echt Sorgen machen !!!

Im täglichen Zusammenleben ist es unumgänglich, daß einem Kind auch
die Notwendigkeit von Regeln gezeigt wird, von Grenzen die man nicht
überschreiten darf. Jedes gesunde Kind wird in quirligem Überschwang
sofort rangehen, diese Grenzen auszuloten ("um die Watsch'n betteln").
Und vernünftige Eltern werden darauf (hoffentlich) nicht mit sinnloser
Gewalt, sondern mit einer angemessenen disziplinarischen Maßnahme
reagieren - das kann eine Watsch'n sein, nach der das Kind in die andere
Ecke läuft und was anderes "auslotet" (no na), und ganz ohne Trauma,
wird es die nächsten Tage die "Grenze" rechtzeitig, vor der Watsch'n,
erkennen (wetten daß).

Um all das geht es den Linken "Moralaposteln" aber nicht, die nutzen
einfach jede Gelegenheit, um ihre neurotische Aversion gegen Authorität
hervorzukehren.


so ist es frau rohrer!

man könnte all das zu einem einzigen satz komprimieren:
österreich hat kein politik(er)problem - österreich hat ein bürgerproblem!

oder auch:
unsere repräsentative form der politik repräsentiert zu 100% die bevölkerung. alle anschuldigungen sind in wahrheit beschuldigungen der bürger.

Antworten Gast: machmuss verschiebnix
20.05.2012 14:51
1

Re: so ist es frau rohrer!

Werter Oberst Falaffel,

wenn österreichs Politik representativ wäre, dann wäre
seit 10 Jahren W.Schüssel Bundeskanzler. Jedoch wurde der Einzige, der nicht mit populistischen
Versprechungen um sich geworfen hatte, von den öffentlichen
(linken) Medien unter Dauerbeschuß gesetzt .

Sie liegen das ziemlich falsch - was unsere Politik representiert,
ist NICHT die Volks-Meinung, sondern die veröffentlichte Meinung !!!

Österreich ist ein mediokratisch gestützter Ständestaat, wo
Wahlen nur den Charakter eines folkloristischen Zeremoniells
haben.

Gast: Luzifer
19.05.2012 11:12
2

Vermutung:

Könnte es vielleicht sein, daß die unbedachte Äußerung von Scheuch vielleicht deshalb vor allem von den vereinigten Linken aufgegriffen wurde, um an Hand diese Falles den Österreichern (und da wieder den "Österreich"-Lesern) auf eine sehr griffige Weise zu zeigen, wie "gestrig" und "menschenverachtend" eigentlich die freiheitliche "Ideologie" ist. Gleichzeitig betont man damit die Menschenfreundlichkeit der Kritiker.

Es ist doch nicht zu übersehen, daß zut Zeit die PR-Abteilungen der Linken (mit Hilfe ihrer US-Berater?) in der Tagespolitik sehr erfolgreich sind. So ist es ihnen glänzend gelungen, das zu Schüssels Zeiten sehr gute Image der ÖVP-Politiker zu demontieren. Dazu eigneten sich Einzelfälle, wie sie jetzt Scheuch geliefert hat, vorzüglich. Man erinnere sich nur an die öffentliche "Hinrichtung" der klugen Liesl Gehrer nach ihrer Äußerung über die modernen Frauen u.ä. Fälle. Jetzt sind halt die Freiheitlichen dran ...

Ich meine, langsam wird es Zeit für das ÖVP-Generalsekretäriat, aufzuwachen und nicht der Linken die PR zu überlassen!


Antworten Gast: Luzifer
19.05.2012 22:19
0

Re: Vermutung:

Wer es nicht glaubt, wie durch Verdrehungen und Halbwahrheiten die öffentliche Meinung manipuliert wird, möge bitte des Presse-Interview mit Fekter nachlesen

Re: Vermutung:

lass deine linksphobie endlich mal behandeln. sie verstellt dir die sicht und macht offenbar dein leben dir zur qual.

Re: Re: Vermutung:

es ist keine phobie, es ist eine haatscharfe analyse

Antworten Antworten Gast: Luzifer
19.05.2012 12:03
3

Re: Re: Vermutung:

Störend sind nur deine unsachlichen und beleidigenden Einlassungen, lieber Oberst Kichererbsengericht!

Gast: Gast: Leser
18.05.2012 19:22
2

"fast"

Für Frau Rohrer sind 211-215 Jahre (Zeitspanne seit der Amtszeit von John Adams bis heute) "fast 300 Jahre". Demnach hat vielleicht auch Vranitzky vor fast 100 Jahren regiert und sie selbst ist "fast 150 Jahre" alt. Ihre Mathematiknoten möchte ich eher nicht sehen.

Antworten Gast: rundundxund
22.05.2012 13:12
0

Re: "fast"

Na ja Rechnen ist hierzulande noch nie besonders verbreitet gewesen. Für die meisten Hauptschul-Absolventen ist 1/4 mehr ist als 1/3. Und gerundet ergibt 215 eben 300. Was kann man von der Bevölkerung erwarten, wenn das "elitäre" journalistische Personal so ist wie es ist.

Re: "fast"

warum nicht "korinthenkacker" als gastname?

Antworten Antworten Gast: freund?
19.05.2012 12:25
1

Re: Re: "fast"



warum nicht 'rekrut' als gastname`?

Re: Re: Re: "fast"

gefreiter a+rsch im letzten glied

Top-News

  • Udo Jürgens ist tot
    Der 80-jährige Sänger und Komponist brach während eines Spaziergangs im Schweizer Gottlieben zusammen und starb wenig später im Krankenhaus.
    Heer: Zusätzliche Mittel in Etappen
    Eine Einigung beim Heer hängt unter anderem noch am Sozialplan. Doch Verteidigungsminister Klug wird hinsichtlich einer Lösung ungeduldig. Für die Koalition geht es darum, eine Blamage abzuwenden.
    Nordkorea droht USA mit "ultra-hartem Reaktionskrieg"
    Nach dem Pjöngjang zugeschriebenen Cyberangriff hofft Washington auf Hilfe aus China. Doch der „große Bruder“ Nordkoreas hält sich zurück.
    Faymann: Unruhe in der SPÖ normal
    Der Bundeskanzler sieht sich fest im Sattel und pocht auf die Einführung von Millionärssteuern. Der Koalitionspartner ÖVP reagiert mit ungewöhnlich scharfer Kritik.
    Energie: Richter bremsen Wirtschaftsministerium aus
    "Presse" exklusiv: Reinhold Mitterlehner muss einen neuen Wächter der Energieeffizienz suchen. Das Verwaltungsgericht erklärt die erste Vergabe für nichtig.
    Keine Toleranz für Faymanns Panik
    Die SPÖ wandelte auf ÖVP-Spuren und startete eine Debatte um den Parteichef. Dafür haben wir aber leider weder Zeit noch Nerven übrig.

Umfrage

Wir möchten mehr über die Nutzung erfahren und bitten Sie, zwei Fragen zu beantworten. Die Umfrage ist absolut anonym und lässt keine Rückschlüsse auf die Teilnehmer zu.


Zur Umfrage »

AnmeldenAnmelden