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Auch das ist Misshandlung von Jungen: Bildungschaos ruiniert ihre Zukunft

01.06.2012 | 18:22 |  ANNELIESE ROHRER (Die Presse)

Die EU-Kommission weiß es, die Wirtschaft weiß es, die Studenten wissen es – nur Schmied und Töchterle geben sich ahnungslos. Es geht um Inhalt und Qualität der Ausbildung. Gefahr in Verzug.

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Im normalen Leben würde man an dem Punkt, an dem die Bildungsdiskussion jetzt angelangt ist, sagen: „Entweder Sie wollen es nicht verstehen, oder Sie können es nicht.“ Ansprechpersonen wären die beiden Parteichefs Werner Faymann (SPÖ) und Michael Spindelegger (ÖVP), nicht nur die beiden Minister für Bildungschaos, Claudia Schmied und Karlheinz Töchterle.

Was sie offenbar nicht verstehen können: den Zusammenhang zwischen Wirtschaftsleistung, Wohlstand und Bildungsniveau. Erst diese Woche hat die EU-Kommission Österreich schwere Mängel und Missstände im Bildungsbereich vorgehalten. Sollten die Bürger nicht schlauer werden, wird das Land nicht konkurrenzfähig.

Das anhaltende Chaos in der Schulpolitik – von der schlecht vorbereiteten Zentralmatura bis zu Täuschen und Tarnen bei Neuer Mittelschule und Gymnasien – und die totale Konfusion an den Universitäten bezüglich der Studiengebühren kommen eigentlich einer Misshandlung der Schüler und Studenten gleich.

Für das Herumlavieren entlang ideologischer Gräben in der Schulpolitik ist Schmied verantwortlich, für die entwürdigenden Unsicherheiten an den Universitäten Wissenschaftsminister Töchterle. Viele, auch Medien, wollten ihn so gern als originelles und freundliches Gesicht der ÖVP sehen und schrieben ihm mehr Erfolge zu, als er tatsächlich vorzuweisen hat. Das planlose und wenig durchdachte Abschieben der Studiengebühren in die Verantwortung einzelner Universitäten, das folgende Durcheinander auf Kosten der Jungen und das Warten auf das Höchstgericht sind ein Armutszeugnis für den Wissenschaftler und Politiker Töchterle.

Was sie offenbar nicht verstehen wollen: Eine Regierung, die sich so wenig darum kümmert, dass die nächste Generation zukunftsfit wird, handelt fahrlässig. Aber vielleicht verstehen sie das: Es wird heute als Fehler Wolfgang Schüssels angesehen, dass er Bildungsministerin Elisabeth Gehrer nicht rechtzeitig ausgetauscht hat. Bildungsverantwortliche haben also durchaus das Potenzial, anteilsmäßig Wahlniederlagen zu verursachen. Vielleicht schreckt sie das.

Als wäre der Niveau- und Leistungsverlust durch das Herumpfuschen an den Schulen nicht schon schlimm genug, erwies sich auch die Behandlung des Bildungsvolksbegehrens im Parlament diese Woche als inferior: nicht der Hauch eines politischen Willens, auch nur irgendeine inhaltliche Reform zu verwirklichen. Man muss schon sehr naiv sein, um „eine Reihe von Entschließungsanträgen“ im Nationalrat als Erfolg zu sehen. Solche Anträge sind nämlich genau gar nichts wert. Sie sind so schnell vergessen, wie sie im Plenum beschlossen werden.

Wie die EU-Kommission der Regierung begreiflich machen wollte, geht es aber um die Qualität der Ausbildung. Die setzt exzellente Schulen und Unis voraus. Das haben Schmied, Töchterle und Konsorten aber völlig aus den Augen verloren.

Anfang Mai hat Bundeskanzler Faymann bei einer Tagung der Nationalbank vor einer „verlorenen Generation“ gewarnt. Dieser Begriff bezog sich ursprünglich auf „respektlose und besoffene“ Exilamerikaner wie Ernest Hemingway im Paris der 1920er-Jahre. Das wird Faymann wahrscheinlich nicht wissen. Wie war das mit der Bildung? Schwerer wiegt, dass er für die junge Generation heute nichts tut.


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("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.06.2012)

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29 Kommentare
 
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Töchterle ahnungslos?



Dass ich nicht lache.
Eine unverschämte Anmaßung einer halbgebildeten Journalistin.

Woher kommt denn der Druck, unser Bildungssystem zerstören zu müssen? Richtig, von der OECD und der Wirtschaft, und zwar mit folgenden Zielen:

1. Öffentliches qualitativ hochwertiges differnziertes Schulsystem abbauen
2. Gesamtschule als Zwangsschule für die meistsen einführen wollen
3. teures Privatschulwesen aufbauen und daran mitverdienen
4. Jugendarbeitslosigkeit erhöhen
5. Gesamtarbeitslosigkeit erhöhen
6. Angst vor Arbeitslosigkeit ausnutzen um Folgendes durchzusetzen:
6.a. Senkung der Löhne
6.b. Senkung von Sozialleistungen
6.c. Senkung von Krankenständen (Arbeit auch bei Krankheit)
6.d. Möglichkeit der Kündigung von Mitarbeitern, ohne Grund nennen zu müssen
6.e. Arbeitende Menschen als Gnadenempänger und Parasiten zu erachten
6.f. Erhöhung der Arbeitszeit
6.g. Einführung kostenlos zu haltender Überstunden
6.h. Jederzeitige Verfügbarkeit von Arbeitnehmern
7. Mitverdienen an der Not der Menschen durch weitere Maßnahmen:
7.a. Glücksspiele
7.b. Delogierungen
7.c. Schaffung neuer Abhängigkeiten

Re: Töchterle ahnungslos?


Fantastisch !!
Endlich einer, der die Früchte von 40 Jahren warmherzigster UMVERTEILUNGSGEHIRNWÄSCHE aufschreibt !!

Darf ich Ihren Kommentar bei der nächsten polit. Diskussion zum Thema ökon. Grundbildung heranziehen ??

Entweder kommen sie aus KPDSU-Zentrale in MOSKAU oder aus dem Paralelluniversum öff. Dienst.

Danke zumindest für ihre Ehrlichkeit !!

Re: Nicht nur Töchterle ahnungslos!

Sowohl Ihre Argumentation als auch Ihr Ton gegenüber Frau Rohrer lassen sehr zu wünschen übrig.

Frau Rohrer als "halbgebildete Journalistin" und "Sprachrohr der Großkapitalisten" zu bezeichnen, beweist, dass Sie keine Ahnung haben.


Re: Re: Nicht nur Töchterle ahnungslos!


Rohrers Ton lässt ganz erheblich zu wünschen übrig und zwar mehrfach; ich habe das nur festgestellt.
Wenn ich jemanden als etwas bezeichne, dann hat das einen Grund, den ich in diesem Fall auch genannt habe.

Re: Re: Nicht nur Töchterle ahnungslos!

Verzeihung !

Gehört einen Absatz höher !

Re: Re: Nicht nur Töchterle ahnungslos!


Fantastisch !!
Endlich einer, der die Früchte von 40 Jahren warmherzigster UMVERTEILUNGSGEHIRNWÄSCHE aufschreibt !!

Darf ich Ihren Kommentar bei der nächsten polit. Diskussion zum Thema ökon. Grundbildung heranziehen ??

Entweder kommen sie aus KPDSU-Zentrale in MOSKAU oder aus dem Paralelluniversum öff. Dienst.

Danke zumindest für ihre Ehrlichkeit !!

Re: Re: Re: Nicht nur Töchterle ahnungslos!


Freut mich! Es gibt nichts Wertvolleres im Leben, als sich mit intelligenten Menschen, die sogar Texte sinnerfassend lesen können, auf höchstem Niveau auszutauschen.

Rohrer als Sprachrohr


Rohrer als Sprachrohr der Großkapitalisten, die mit hinterhältigen Forderungen jenen die Bahn freimachen, die mit der Zerstörung eines erfolgreichen Bildungssystems das große Geld machen wollen.

Re: Rohrer als Sprachrohr

was für unsinn
sie sind stagnations spezialist...
neue herrausforderungen sind mit dem alten system nicht zu bewältigen.
ob rohrers kritik die richtige kerbe trifft, sei dahingestellt. ihr replik ist jedoch altguggingmanier

und zwischen den zeilen

das übliche anbeten von zeugnissen, zertifikaten und ähnlichen papierln ohne wert.

ob das nun aus dem hause rohrer, der eu-kommission oder einem parteisekretariat kommt ist egal. es verdient ein: nicht genügend!

Ideologie hat in der Bildungspolitik rein gar nix verloren!

Und dennoch spielt sie dabei vielleicht die allerwichtigste Rolle! Für das Bürgertum war es schon vor 50 Jahren geradezu schockierend, daß Arbeiterkinder ähnliche Bildungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen sollten, wie jenen aus den "besseren Kreisen". Besorgt äußerte man sich zur "Ganztagsschule", sie könnte die armen Kinder zu sehr staatlich vereinnahmen oder gar den Eltern entfremden. Letzteres war für diese "besseren Kreisen" aber nie ein Thema. Selbst schickten sie ihre Sprößlinge in ausländische Nobelinternate; die beste Bildung war für sie gerade gut genug. Und daß sie nur ein- oder zweimal im Jahr während der Semesterferien nach Hause kamen, war ebenfalls kein Problem: Schließlich sollten die Jungen lernen, selbständig zu werden!

Ein halbes Jahrhundert lang ist also Österreich ein ganzer Fleckerlteppich diversester "Schulversuche", wobei sich kein einziger Testlauf endgültig als geeignester durchsetzen konnte. Die Masse an Schulkindern mit Migrationshintergrund schafft zwangsläufig neue Probleme. Ohne Deutschkenntnisse vermögen diese Schüler dem Unterricht kaum zu folgen. Kein Wunder, daß daß die Wirtschaft mit funktionalen Analphabeten in ihren Betrieben nix anzufangen weiß. Doch das sind genau jende Probleme, die offensichtlich Frau Ministerin Schmied am allerwenigsten interessieren.

Und so blockieren die beiden Regierungspartner einander mit Schulkonzepten, bei denen die jeweilige Partei-Ideologie wichtiger scheint, als eine nüchtern-sachliche Betrachtungsweise!

Wozu Bildung ???


Die Hauptklientel von SPÖVP sind Pensionisten, Beamte, Bauern u. Transferempfänger.
Diese sind zu pflegen. Alles andere ist Nebensache !!

Diese Klientel verbraucht 2/3 aller Staatseinnahmen, somit bleibt fürBildung kaum Geld.

Alleine die Umstellung auf das schweizer Verwaltungs- u. Steuermodell samt schwedischem Pensionssystem brächte 30 Mrd Euro !!

Genug Geld für Spitzen-Ausbildung, Schuldenabbau u. Pflege !!

http://www.nzz.ch/aktuell/schweiz/schweiz_bund_kanton_gemeinde_finanzen_1.15344128.html

Weitere Daten lieferbar !!

Re: Wozu Bildung ???


Ich halte es grundsätzlich für problematisch, wenn Leute mit gestörtem Verhältnis zu Arbeit und Leistung wie Sie darauf schließen, dass es bei anderen auch so ist.

Re: Re: Wozu Bildung ???

Bitte um Stellungnahme zu Link.

http://www.nzz.ch/aktuell/schweiz/schweiz_bund_kanton_gemeinde_finanzen_1.15344128.html

Als Vater u. Unternehmer weiss man irgendwann, wo die Milliarden in Österreich verschwinden !!

Re: Re: Re: Wozu Bildung ???


Es soll ja Unternehmer geben, die in Österreich keine Steuern zahlen, sondern das Geld in die Schweiz transferieren.

Re: Wozu Bildung ???

allein der verweis/vergleich auf die schweiz zeigt:
da ist was schief gelaufen mit ihrer bildung.

keine angst: sie können ja noch den zweiten bildungsweg versuchen!

Re: Re: Wozu Bildung ???


Geh BITTE !, sans so guat u. lieferns Daten !!

DANKE !!

http://www.nzz.ch/aktuell/wirtschaft/uebersicht/schweiz-neu-unter-den-top-drei_1.17103991.html

Re: Re: Re: Wozu Bildung ???

wozu soll ich daten liefern? dass die schweiz und ö zwei grundverschiedene staaten mit grundverschiedener geschichte, bevölkerung und strukturen sind, ist hoffentlich allgemeinwissen!

ich habe eigentlich geglaubt, dass die schweiz-vergleicher mittlerweile schon ausgestorben sind, doch siehe da: illusionisten sind zäh...!

Re: Re: Re: Re: Wozu Bildung ???


Schade, dachte, sie schätzen seriöse Vergleiche...

Na ja, vielleicht wirds noch !

Schönen Abend !

Antworten Gast: Gast lupo
03.06.2012 10:32
0 4

Re: Wozu Bildung ???

Wenn das "richtige" Parteibuch auch genügt.

Lernen: was, wofür und wie?

Unter Bezugnahme auf die EU-Kommission soll „die Qualität der Ausbildung“ in Österreichs Schulen und Universitäten auf konkurrenzfähiges Niveau gehoben werden. Tatsächlich geht es um Ausbildungen unter unmittelbarem wirtschaftlichem Erfolgsdiktat. Offensichtlich in Fortführung einer quantitativ wachstumshörigen Erfolgsgesellschaft. Persönlich tragende und bewegende Bildung wird übergangen. Ein „Zusammenhang zwischen Wirtschaftsleistung, Wohlstand und Bildungsniveau“ ist nicht alles, aber nur mit Ausbildungen ohne Bildung allzu wenig und stark irreführend.

Im Übrigen bleiben bei der Schullastigkeit die besonderen Stärken der Dualen Berufsbildung der Lehrlinge völlig außer Betracht. Auch mit ihren beachtlichen internationalen Erfolgen.

An der „inferioren“ parlamentarischen Behandlung des „Bildungsvolksbegehrens“ beklagt Frau Dr. Rohrer den Mangel, „eines politischen Willens, auch nur irgendeine inhaltliche Reform zu verwirklichen“. Dazu müssten die „inhaltlichen Reformen“ in dieses Begehren wohl erst eingebracht werden.

Wo ist das „Bildungschaos", ist die "Misshandlung" tatsächlich zu lokalisieren?

Gast: machmuss verschiebnix
02.06.2012 12:22
2 0

Die sog. Bildungs-Politik ist kein Drama, sondern ein Verbrechen !


Warum ?

Weil es auch hier nur um partei-taktisches Kalkül geht, welches auf
dem Rücken der Kinder ausgetragen wird. Wann wird dieses bescheuerte
Polit-System endlich abgeschafft und gesetzlich verboten ?

Auch Aktionen wie herabsetzen des Wahl-Alters zielen in eine Richtung,
wo man erwartet, die Wähler noch leichter "formen" zu können.

Dabei verwundert mich immer wieder, warum man uns überhaupt noch wählen
läßt, wenn das Ergebnis dann sowieso solange hingetrimmt wird, bis
es dem Apparat wieder einigermaßen paßt.

Gast: Hupfingatsch
02.06.2012 11:39
13 0

Perfide

Sehr geehrte Frau Rohrer,

so sehr ich ihre durchaus hintergründigen Kommentare meistens schätze,
eine Schmied jedoch, mit Karlheinz Töchterle über einem Kamm zu scheren, hat schon etwas sehr Perfides an sich.

Das ist einer Schmied zu viel Ehre und Ihrer sonst fundierten Arbeit nicht würdig!

Die Ausbildung war in Österreich

in allen Bereichen immer SPITZE! Es nützt gar nichts den Jungen alle möglichen Titel zu ermöglichen und sie dann mit 1200€ Gehalt nach Hause zu schicken!
Akademiker mit Handelschülergehalt sind heute fast schon alltäglich.............aber wenn man in einer geschützten Werkstätte sitzt und zu den Sehr-Gut-Verdienern gehört, fehlt einem wahrscheinlich der Draht zu dem was man schreibt!

Ich bin bestürzt,

dass Frau Rohrer in die gleiche Kerbe schlägt wie der diffamierende ZIB 1 Beitrag von gestern, der vom „katastrophalen Zustand“ unseres Bildungssystems spricht und sich dabei auf den Bericht der EU-Kommission beruft.

Was der ORF allerdings verschweigt, ist Folgendes:

- In ebendiesem EU-Bericht wird Österreich gelobt, weil die hiesige Drop-out-Rate unter 10% liegt (nur 7 EU-Staaten schafften dies!).

- Österreich weist mit 9% eine der niedrigsten Jugendarbeitslosigkeitsraten aller EU-Staaten auf! (EU-15: 22%).

- Laut einer Studie reihten 300 Topmanager Österreich unter die fünf attraktivsten Standorte für Betriebsansiedlungen innerhalb der EU, wobei die gute (Aus)bildung in österreichischen Schulen einen wichtigen Faktor darstellt.

- Und dies, obwohl Österreich für das Bildungswesen weniger ausgibt als im OECD-Durchschnitt; die Skandinavier wenden gar ein Drittel mehr dafür auf als wir!

Natürlich ist unser Bildungswesen nicht perfekt und bedarf ständiger Verbesserung. Dass es allerdings nicht so schlecht ist wie von manchen behauptet, stelle ich immer wieder fest, wenn ich ausländische Gäste mit halbwüchsigen Kindern habe, oder wenn ich selbst im Ausland mit Jugendlichen spreche.

Leider unternimmt Ministerin Schmied die größten Anstrengungen, mit ihren Pfuschereien dieses Niveau nach unten zu drücken. Sie ist auf dem besten Weg dazu, Stichwort Gesamtschule.

Man kann nur hoffen, dass es ihr nicht gelingt, die AHS vollends auszuhungern und abzuwürgen.

Re: Ich bin bestürzt,


Danke für Ihren Beitrag!

An anderer Stelle habe ich es auch schon festgehalten:
Wenn halbgebildete Journalisten und Weltverbeserer als Sprachrohr jener herhalten, für die unsere Kinder nur ein Kapital sind, das es auszuschlachten gilt, dann läuft etwas grundsätzlich falsch.

 
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