18.06.2013 08:06 Merkliste 0

Das europäische Friedensprojekt als Bedrohung des europäischen Friedens

CHRISTIAN ORTNER (Die Presse)

Frankreichs nun eingeschlagener Weg in den Staatsschuldensozialismus könnte am Ende dazu führen, dass einander Deutsche und Franzosen wieder so richtig hassen lernen.

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Die Franzosen haben gerade mit klarer Mehrheit einen sozialistischen Staatspräsidenten und eine sozialistische Regierung gewählt, die zügig und mit großem Engagement daran arbeiten, das Land wirtschaftlich gegen die Wand zu fahren.

Angesichts eines künftigen Spitzensteuersatzes von 75 Prozent für Topmanager erwägen Konzernzentralen bereits, ins nichtsozialistische Ausland abzuwandern, wohlhabende Private emigrieren in die Schweiz. Angesichts prohibitiver Strafzahlungen bei Kündigungen wird von Firmen kaum noch Personal engagiert. Trotz einer Staatsquote von 56 Prozent und exzessiver Staatsschulden sollen noch zehntausende neue Beamte eingestellt und das Pensionsalter gesenkt werden.

Man braucht keinen Hauptschulabschluss, um zu erkennen, wo dieser staatschuldensozialistische Kurs eher früher als später hinführen wird: in ein völliges wirtschaftliches Desaster – so wie schon nach 1981 der erste Versuch französischer Sozialisten unter François Mitterrand, eine Art charmantere DDR mit guter Rotweinversorgung auf französischem Boden zu errichten.

Nun ist es das gute Recht der Franzosen, nichts aus der Geschichte zu lernen, sich einen ökonomischen Sprengstoffgürtel umzuschnallen und per demokratischer Wahl zu zünden. Blöderweise aber versucht die Eurozone unter dem Druck ihrer Gläubiger gerade desperat, so etwas wie eine Schuldenwohngemeinschaft zu werden, in der letztlich alle für alle haften und die Schulden aller die Schulden aller sind, auch wenn sich Deutschland da noch sträubt. Dadurch wird der französische Wirtschaftssuizid aber endgültig eine Problem der ganzen Euro-WG. Denn am absehbaren unerquicklichen Ende des Staatsschuldensozialismus wird der Versuch Frankreichs stehen, sich zum Zwecke der Konkursvermeidung Angela Merkels (oder wer auch immer dann Bundeskanzler sein wird) Gold Card zu schnappen; so wie das heute Griechen, Portugiesen und Spaniern ja recht erfolgreich gelingt.

Da stellt sich ernsthaft die Frage, ob in dieser europäischen Schuldenunion, die noch dazu am Rande der demokratischen Legitimität erzwungen wird, nicht zusammenwachsen wird, was ganz und gar nicht zusammengehört.

Es wird ein historisch überaus interessantes Experiment sein, wenn Deutschland unter den Bedingungen einer Fiskal- und Schuldenunion in ein paar Jahren das von den Sozialisten in die Pleite geführte Frankreich großflächig alimentieren muss – und sich die Grande Nation, atomare Siegermacht des Zweiten Weltkrieges, von einem als Brüssel getarnten Berlin die Kürzungen seines Budgets diktieren lassen muss.

Jener Hass, der Deutschland und seiner Kanzlerin nicht nur in Athen in diesen Tagen entgegenschwappt, war vermutlich eine harmlose Kostprobe jener Antipathien, die dann zwischen Deutschen und Franzosen hochlodern würden: ein wahrer Triumph des Friedensprojektes EU.

Da stellt sich mittlerweile – leider – die Frage, ob ein Ausstieg Deutschlands und des ihm verbundenen Stabilitätsblocks (inklusive Österreichs) aus der Eurozone nicht ein größerer Beitrag zum Frieden in Europa wäre als die Errichtung einer Schuldenunion mit den französischen Freunden und ihren suizidalen ökonomischen Ambitionen.


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("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.06.2012)

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34 Kommentare
 
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Das Friedensprojekt

Die Selbsternennung der EU zum Friedensprojekt war immer eine Lüge. Da ist es nur konsequent, dass es schlußendlich wie oben beschrieben ausgehen wird.

Mittlerweile kann der Bürger nur noch resignieren, weil: die EU in ihrem Lauf hält weder Ochs noch Esel auf.

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"in ein paar Jahren"

Prinzipiell alles richtig und pointiert dargebracht!

Nur eines in ganz sicher falsch:
"... in ein paar Jahren ..."

Das Werkl ist schon jetzt am Auseinanderbrechen.
Nie und nimmer hält das noch Jahre durch.

Aber das dürfen Sie vermutlich nicht schreiben.

Gast: Gast: Leser
04.07.2012 12:17
1 0

"Freunde"

Es ist leider im Großen genauso wie im Kleinen: wenn Freunde beginnen, einander Geld zu leihen, werden sie ganz leicht und schnell zu Feinden.

Gast: TT1
30.06.2012 13:17
0 7

Was ich an Ortner so mag

Er sieht die Welt durch die strikt kapitalistische Brille. Viele Dinge stimmen, bei den meisten Aussagen liegt er jedoch des Öfteren daneben. Aber eh wurscht, der Zynismus bleibt. Natürlich eine komfortable Rolle für einen Journalisten.

Antworten Gast: Luzifer
04.07.2012 11:40
2 0

Re: Was ich an Ortner so mag

Ortner ist wie ein Spiegel. Man sieht darin, wie weit wir bereits pkto Staatssozialismus vorangeschritten sind ...

Re: Was ich an Ortner so mag

ja,ja, ch.o. ist immer wieder schön zu lesen -
eine der wenigen vorhersehbarkeiten in unserem so ungewissen dasein.

Gast: Tourist
30.06.2012 11:55
0 9

Man braucht keinen Hauptschulabschluss

Tja da ist das Problem. Um volkswirtschaftliche Zusammenhaenge zu erkennen braucht man zumindest einen VWL Ablschuss oder eine fundierte Ausbildung in Finanzwissenschaften.

Die schwaebische Hausfrau ist leider nicht in der Lage die Welt zu verstehen. Das Haushalten im Kuhdorf und das Funktionieren des Geldwesens sind zwei verschiedene paar Schuh.

Der Vorschlag dass Oesterreich gemeinsam mit Deutschland aus dem Verein austreten soll, ist eine Vergangenheitsloesung und ist schon zwei mal schief gegangen.

Re: Man braucht keinen Hauptschulabschluss

teile nicht die Meinung dass man einen VWL Abschluss braucht um Wirtschaft zu verstehen. Diese Theorieexperten haben uns das Dilemma eingebrockt. Einfache kaufmännische Grundkenntnisse, gebart mit Haben/ Soll Rechnung würde fürs Erste schon genügen.

Antworten Antworten Gast: lodendodl
02.07.2012 23:47
1 0

Leider Irrtum ...

VWL ist nicht BWL auf einer größeren Bühne. ABer mit diesem Missverständnis musste sich schon Keynes vergeblich herumschlagen, und Fr. Merkel und ihre (drittklassigen) Wirtschaftsberater werden es auch nicht verstehen.

Gast: Tourist
30.06.2012 11:08
3 3

Sozialisten fahren FR mit Spitzensteuersatz von 75% an die Wand. Aha

Roosevelt hat also mit der gleichen Politik (New Deal) Amerika an die Wand gefahren und weder Schulden abgebaut noch die Wirtschaft angekurbelt.

Hier sieht man wie die Sozialisten Amerika an die Wand gefahren haben
http://3.bp.blogspot.com/-Q5wCemP7rkg/T85c3ttZDRI/AAAAAAAACFw/SOhI6PNEZ38/s1600/National-Debt-to-GDP.gif
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Besonders die Demokraten: Truman, Kennedy und Clinton haben die Schulden exlodieren lassen waehrend Raegan und Bush die Staatsschulden signifikan reduziert haben mit Ausnahme von Obama, der die Tea Party im Nacken hat, die erfolgreich Kinjunkturpakete verhindert und ihn so erfolgreich zwingt Schulden abzubauen. Sarkasmus Ende.

Sauce Hollandaise

Nun verspeist er schon zum Frühstück einen Sozialisten mit Sauce Hollandaise.
Als Kärnten im selben Zustand war, hat man von Herrn Ortner nichts gehört, dass Österreich zerfällt.

Antworten Gast: Luzifer
30.06.2012 12:11
5 0

Re: Sauce Hollandaise - was Sie vergessen haben:

Wer hat wohl in Jahrzehnten währender Alleinherrschaft Kärnten so heruntergewirtschaftet? Der Versuch, über eine Landesbank, die im Ausland ihr Geld erwirtschaftet, u.ä. Aktionen kann man jetzt streiten. M.E. hat die Finanzkrise 2008 die Kärntner Wirtschaft "am falschen Fuß erwischt", als sie versuchte, nach dem roten Desaster wieder zu expandieren!

Es bleibt Ihnen aber unbenommen, den grünen Miesmachern weiter zu glauben!

Wo ist das Problem ?

Der moderne Geldsozialismus braucht keine Wertschöpfung zum Erhalt des Wohlstands. Es genügt die Druckerpresse u. Umverteilung !!

Soziale Wärme zu Lasten unserer Kinder. Aber solange Hr. Muhm mit seiner gewaltigen, praktischen Wirtschaftserfahrung Berater spielt, ist kaum Hoffnung. Der Weg nach Griechenland wird konsequent gegangen !

Hoffe, dass unsere Kinder noch einige dieser Zyniker ihrer Strafe zuführen !!


Unmut eines glühenden EUropäers

Manschmal habe ich den Eindruck als wären manche unserer EU-Partner der Ansicht sie hätten ein Menschenrecht auf unsere Steuergelder, und wenn wir nicht "solidarisch" sind, zieht man uns Nazi-Uniformen an. So habe ich mir EUropa eigentlich nicht vorgestellt.

Hoffnung

"... von einem als Brüssel getarnten Berlin die Kürzungen seines Budgets diktieren lassen muss..."

Das glaube ich nicht, denn Deutschland ist im EU-Rahmen das Pferd, auf dem Frankreich reitet.

Die CAP ist das offensichtlichste Beispiel dafür. Oder, der Einfluss bei Airbus und ESA. Wo ist die Zentrale von beiden? Na also!
Entgegen der Medienpropaganda hat Deutschland in der EU vergleichsweise wenig zu reden. Übrigens, wie ist der Streit um den EU Patentegerichtshof gerade ausgegangen? Er kommt nicht wie von Fachleuten erhofft nach München, sondern Paris.
Deutschland ist historisch behindert, wenn auch ökonomisch noch herzeigbar. Das Land wird von Paris (und anderen) solange geritten werden, bis es ausgelutscht ist. Dann ist es aus mit dieser Art von EU und Europa (mit Deutschland) bekommt eine neue Chance.

Gast: Vogel Strauss
29.06.2012 15:54
9 1

Das Land an die Wand fahren ...

Für andere Sozialisten in Europa wie z. B. Faymann und seine Spezial-Berater wie Muhm sowie die SPD-Troika Gabriel, Steinbrück u. Steinmeier ist Hollande aber das große Vorbild - wer so einen Wahlsieg einfährt, muß einfach recht haben!

Gast: WFL
29.06.2012 12:22
15 4

der Hass der Nettozahler

Hr. Ortner, Sie haben (leider) wieder mal ins Schwarze getroffen. Denn der Hass der Nettozahler auf die (wie sich abzeichnet: permanenten) Zahlungsempfänger wird dann entstehen und wachsen, wenn es der steuerzahlende Staatsbürger tatsächlich im
eigenen Geldbörsel zu spüren beginnt.
Derzeit führen wir noch Phantom-Debatten:
Die eingegangenen Zahlungsverpflichtungen haben Otto Normalverbraucher noch nicht erreicht.
Aber es wird ihn erreichen, und zwar ganz gewaltig -
denn glauben wir wirklich, die Milliarden, die Österreich, D, NL etc. zu zahlen haben wird, können mit einer "Finanztransaktionsteuer" oder einer "Reichensteuer" bestritten werden?
Es kann nur Massensteuern für die Massen geben, das sind die einzigen, die etwas bringen.
Und wenn der (noch mehr) ausgenommene
Staatsbürger dann weiß, dass diese Milliarden weiterhin nach Griechenland, Sp etc. fließen, dann wird auch der Hass beginnen....
Und alle massenmedialen Manipulierungsversuche a la "Wir müssen Europa retten!" (wir erleben es dieser Tage) werden an ihre Grenzen stoßen....

PS: Gestern vor 98 Jahren wurde der Thronfolger in Sarajewo ermordet. Das war die Keimzelle für den 1. Weltkrieg. Wollen wir hoffen, dass nicht dieser Tage die Keimzelle für den nächsten Krieg gelegt wurde....

Re: der Hass der Nettozahler

wer in der ermordung des thronfolgers die "keimzelle" für den I. WK sieht, muss sich sehr umfassend mit geschichte befasst haben.. *rofl*

"Deutschlands und des ihm verbundenen Stabilitätsblocks (inklusive Österreichs!!!)"


moment, moment!

wir sind doch das land das, wenn man ortner glauben schenken kann, seit jahr & tag einen "staatschuldensozialistische Kurs" fährt. wir sind doch schon seit vierzig jahren (kreisky!), mit kurzer unterbrechung durch die "reformregierung" schüssel/grasser, mit einem fuß im sozialistischen schuldensumpf und versinken permanent darin.

wir machen nur schulden, schulden, schulden, haben dauernd viiiel zu hohe lohnerhöhungen, kurz, gegen uns ist doch nordkorea ein hort der marktwirtschaft, zumindest hab ich das hier immer so gelesen.

wie kann es passieren, dass dieses versozte österreich, in dem die meiste zeit nur sozialisten an der macht sind, ja sogar die nicht-sozi-parteien von "trachtensozialisten" beherrscht werden (ausnahmen wie dr. schüssel+KHG bestätigen die regel), wir nun plötzlich im markwirtschaftlichen ALLERHEILIGSTEN, im europ. "stabilitätsblock" liegen?

wie ist das möglich?


Re: "Deutschlands und des ihm verbundenen Stabilitätsblocks (inklusive Österreichs!!!)"

Weil unsere Sozis links reden und pragmatisch handeln (so ist es auch richtig)

Antworten Antworten Gast: Luzifer
30.06.2012 12:04
0 0

Re: Re: "Deutschlands und des ihm verbundenen Stabilitätsblocks (inklusive Österreichs!!!)"

Wenn ich Sie richtig verstehe: es ist gut, wenn man ständig sozialistische Phrasen drischt und dann konservative Werte übernimmt?

Mir sind Politiker lieber, die auch sagen, was sie denken, und darnach handeln!
Alles andere wäre wohl Wählertäuschung!

Re: Re: Re: "Deutschlands und des ihm verbundenen Stabilitätsblocks (inklusive Österreichs!!!)"

So mögen ja durchaus Recht haben, aber für mich ist pragmatisches Handeln primär wichtig, nicht irgendwelche Ideologien.

Antworten Gast: Luzifer
29.06.2012 12:42
5 2

Re: "Deutschlands und des ihm verbundenen Stabilitätsblocks (inklusive Österreichs!!!)"

Was hätten Schüssel/Grasser Ihrer Meinung nach machen sollen? Mit einer unsicheren Regierungsmehrheit politisch nicht durchsetzbare Reformen angehen?
Seien Sie doch froh, daß er wenigsten die wichtigsten Reformen (Pension, Verkauf der Pleite-Verstaatlichten etc.) durchgebracht hat. Das hat ihm ohnehin eine Wahlniederlage (2006) eingetragen! Oder glauben Sie, er hätte mit einem Hinaufsetzen des Pensionsalters auf 70 u.dgl. "populär" werden können?

Re: Re: "Deutschlands und des ihm verbundenen Stabilitätsblocks (inklusive Österreichs!!!)"

Ich habe dieses dynamische Duo auf eigener Haut erlebt, "Reformen" durchziehen um jeden Preis, oft ohne Augenmaß, Gewinnler in den eigenen Reihen, ja und jetzt sehen wir noch mehr..... Ich habe diese Leute schlicht und einfach satt.

Antworten Antworten Antworten Gast: Luzifer
05.07.2012 14:31
0 0

Re: Re: Re: "Deutschlands und des ihm verbundenen Stabilitätsblocks (inklusive Österreichs!!!)"

Auch ich habe durch die Reformen viel Geld verloren. Aber lieber ist es mit, einen Teil meines Geldes zu verlieren, als durch eine kriminell herbeigeführt Inflation alles ...

Sie sollten endlich zur Kenntnis nehmen, daß man - wie im Schachspiel - manchmal ein "Bauernopfer" erbringen muß, um die Schlacht zu gewinnen. Es ist meine feste Überzeugung, daß wir uns ohne die Schüssel (u. Haider) jetzt in der Gesellschaft der südeuropäischen Pleitestaaten wiederfinden würden...

Gast: Der Notar
29.06.2012 11:02
0 0

Richtige Analyse

und nicht vergessen, die 20iger Jahre jedes Jahrhunderts waren immer spannend. 1910-1920/1810-1815/1610-1620 ....

 
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