19.06.2013 20:54 Merkliste 0

Und als Nächstes Zwangsanleihen und Reichsfluchtsteuer?

CHRISTIAN ORTNER (Die Presse)

Je mehr die Schuldenkrise eskaliert, umso ungenierter wird der Rechtsstaat von den Eurorettern zur Disposition gestellt. Erstaunlicherweise, ohne dass sie sofort besachwaltert würden.

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Die Nachricht wirkt ein bisschen, als hätte ein längst verblichener Redakteur sie 1922 verfasst und in eine Schublade gelegt, aus der sie 2012 irrtümlich an die Öffentlichkeit gelangte. Ihr Inhalt: Ökonomen des Deutschen Institutes für Wirtschaftsforschung (DIW) schlagen vor, sogenannte „Reiche“ sollten zur Zeichnung einer staatlichen Zwangsanleihe verpflichtet werden, die erst zurückgezahlt würde, wenn sich die Lage der Staatsfinanzen deutlich gebessert habe. „Reich“ ist nach den Vorstellungen des DIW jeder, der mehr als 250.000 Euro besitzt, Eigentumswohnungen und ähnliche Oligarchenreichtümer eingeschlossen.

1922 hat es eine derartige Zwangsanleihe übrigens tatsächlich gegeben; und die Sache ging für die unfreiwilligen Anleihezeichner gar nicht gut aus. Dank Inflation und Hyperinflation verloren sie alles. Wer diese Anleihe zeichnete, war anschließend gezeichnet.

Wenn nun deutsche Ökonomen 2012 die abermalige Einführung derartiger Zwangsanleihen fordern, klingt das zwar nach Drogenmissbrauch in den Denkerstuben , ist aber durchaus politisch geerdet. Hohe Funktionäre sowohl der Sozialdemokratie als auch des Deutschen Gewerkschaftsbundes haben derartiges in den letzten Jahren immer wieder gefordert; erstaunlicherweise, ohne umgehend besachwaltert worden zu sein.

Es wäre deshalb erstaunlich, würde die Idee nicht binnen kürzester Zeit auch in Österreich ihre Liebhaber finden. Der oberösterreichische SPÖ-Chef Josef Ackerl, die „Her-mit-dem-Zaster“-Innenministerin Mikl-Leitner von der ÖVP oder H.C. Strache von der „Es-gilt-die-Unschuldsvermutung“-FPÖ sind naheliegende Anwärter für den Job des Generalimporteurs derartigen Unfugs.

Dass dergleichen heute wieder öffentlich erörtert werden kann, ist ein deutlicher Hinweis auf die unguten Zustände, auf die man sich für die nächsten Jahre besser schon heute gedanklich einstellt. Denn je weiter die Schuldenkrise eskalieren wird, umso weiter werden sich die vorgeschlagenen Lösungen von den Prinzipien des Rechtsstaates, der politischen Verlässlichkeit und des Grundrechtes auf Eigentum entfernen; natürlich immer unter Verweis auf die vermeintliche Alternativenlosigkeit. Vom Einbekenntnis der damaligen französischen Finanzministerin Christine Lagarde, „Wir haben jeden Paragrafen des Maastricht-Vertrages gebrochen“, zieht sich eine durchaus logische Linie zu von Zwangsanleihen und darüber hinaus.

In Frankreich kann man in diesen Tagen studieren, wohin ein derartiges Klima führt: Dort hat eine kleine Auswanderungswelle von Vermögensbesitzern in Richtung London und Genf begonnen, weil die neue Regierung unter Hollande den Spitzensteuersatz auf 75 Prozent anheben will. Mit dem absehbaren Ergebnis, dass Frankreich von diesen Exilanten in Hinkunft eben gar keine Steuern mehr kassieren wird können, was als Beitrag zur Konsolidierung der Staatsfinanzen eher nicht so geeignet erscheint. Zwangsanleihen, wie sie nun die Berliner Ökonomen vorschlagen, könnten ganz ähnliche Konsequenzen haben.

Aber die Verfechter derartiger finanzieller Zwangsmaßnahmen werden dann sicher eine Abgabe für aus der EU Auswandernde einführen wollen. Früher hieß das „Reichsfluchtsteuer“, wurde aber 1945 umständehalber abgeschafft. Vielleicht nur vorübergehend.


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("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.07.2012)

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40 Kommentare
 
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Das Grundrecht auf Eigentum gilt aber für jeden!

Daher ist jede Steuer von vorneherein ungerecht! Am ungerechtesten ist die Mehrwertsteuer. Wenn man so wenig verdient daß man alles ausgeben muss, dann ist jede Mwst Erhöhung eine Beeinträchtigung! Man kann sich dann nämlich weniger kaufen. Man kann sich aber nicht weniger kaufen - weil man von dem Gekauften lebt.
Es wird also die Lebensgrundlage gerade von Armen eingeschränkt. Die können dann nichts mehr sparen, also Eigentum schaffen. Aber auch solches Eigentum hat einen Grundrechts-Anspruch.

Gast: Held der Arbeit
16.07.2012 12:40
4 0

€ 250k

das erklärte ziel der vereinigten sozialisten europas ist die vollständige enteigung ihrer bürger, denn besitz- und in Zukunft auch rechtlose (siehe den immer dreister werdenden rechtsbruch unter berufung auf die "alternativenlosigkeit) bürger sind leichter zu beherrschen. demokratie und rechtsstaat sind im heutigen europa auslaufmodelle. hässlich wird das ganze nur, wenn die sozis keine kohle mehr haben, um die ganzen alimente zu bezahlen. dann sollte man tunlichst gaaanz weit weg sein.

Einmütig werden Trachten- u. Nadelstreifsozialisten diese Gelegenheit


nützen statt Sinnvolles a la Schweiz zu machen. Diese Pseudosozialisten (echter Sozialismus ist NACHHALTIG) können ihrer Klientel (Beamte, Bauern, ÖBBler, Transferempfänger u. Frühpensionssüchtige, somit Wählermehrheit) die ökon. Wahrheit nicht zumuten. Wohlstand entsteht aus Wertschöpfung durch Leistungsanreiz, nicht durch UMVERTEILUNG !!!

Es geht auch anders:
http://www.nzz.ch/nachrichten/politik/schweiz/schweiz-bund-kanton-gemeinde-finanzen-1.15344128

Irrtum, Herr Ortner

der Cap, das Tschapperl, hat sofort Morgenluft gewittert .
Unfassbar, was für eine Erfolgsgeschichte (hat mir der Neugebauer geschrieben) der Euro ist.
was lassen wir uns eigentlich noch gefallen?

1789...da war doch was....

Gast: Kurti
13.07.2012 20:36
1 2

Die Schwiemu vom Grasser...

die dem Karli mal so 500.000 aus dem Tresor zur testweisen Veranlagung anbietet, wird sich ob solcher Ideen eher nicht zur schnellen Rückkehr aus der Schweiz überreden lassen.

Ich freu mich auch schon auf die weiteren Ideen hinsichtlich Bemessungsgrundlage, Absetzbeträgen und Subjekten der Besteuerung (vermutlich alles Genossenschaftliche ausgenommen).

Heute regiert eine flotte Mischung aus Schildbürgern und Raubrittern.

schöner artikel

nur ein bißchen einseitig, eines fehlt: dass es vermutlich nur eine frage von stunden ist, bis der erste övpler auf den zug aufspringt; so geschehen bereits in deutschland.

Antworten Gast: Held der Arbeit
16.07.2012 12:43
4 0

Re: schöner artikel

ich glaube, herr ortner macht (völlig richtigerweise) den begriff sozialisten nicht an der coleur sondern an der geisteshaltung fest. so gesehen sind in österreich alle politischen parteien sozialisten (mit ausnahme des politisch irrelevanten bzö vielleicht).

Gast: Mao
13.07.2012 17:53
5 0

Bravo

Das Ganze erinnert mich langsam an die Enteignungen durch die Kommunisten. Dass die Sozis nicht mit Geld der anderen umgehen ist ebenso bekannt wie ihr permanentes Bestreben schamlos in die Taschen anderer Menschen greifen zu wollen. Sollte die ÖVP noch einen Rest an ANständigkeit aufbringen sollte sie den Roten schleunigst die rote Karte zeigen !!

Sollte die ÖVP noch einen Rest an ANständigkeit aufbringen sollte sie den Roten schleunigst die rote Karte zeigen !!

Aber sicher. Zum Beispiel, indem sie den einheimischen Steuerzahler ganz locker flockig über den Umweg ESM & Spanien als Bürgen für irgendwelche schrägen Banken einsetzen.
Diese Parteien sind das Problem für dessen Lösung sie sich ausgeben.

4 0

Victor Ponta ist dagegen ein Garant der Rechtssicherheit

Lautstark werden (teilweise zu Recht) ungarische und rumänische Regierungen kritisiert, weil sie sich am Rande des Verfassungsbogens bewegen.
In Mitteleuropa mehren sich zeitgleich die Ambitionen, das verfassungsmäßige Recht auf Eigentum massiv zu beschneiden.
Im Vergleich dazu ist Victor Ponta ein Garant der Rechtssicherheit.

Antworten Gast: Kommunist
15.07.2012 10:04
0 1

Re: Victor Ponta ist dagegen ein Garant der Rechtssicherheit

Das verfassungsmäßige Recht auf Eigentum gilt nur dann, wenn ihm kein öffentliches Interesse entgegensteht (z.B. Enteignungen für Straßenbau, Hochspannungsleitungen, Komassierungen, Regressforderungen für die Pflege der Eltern u.s.w.)!

Re: Re: Victor Ponta ist dagegen ein Garant der Rechtssicherheit

Stimmt. Aber nur dann, wenn man laufende Höherverschuldung (vulgo Schuldenspirale) als "öffentliches Interesse" betrachtet.
Was es - wie die Wahlergebnisse beweisen - auch tatsächlich ist.

Gast: Komischer Europäer
13.07.2012 11:49
13 0

Und schwupps

"Es wäre deshalb erstaunlich, würde die Idee nicht binnen kürzester Zeit auch in Österreich ihre Liebhaber finden." (Ortner)

Schon passiert Herr Ortner:

"Der SPÖ-Europaabgeordnete Jörg Leichtfried unterstützt die Idee des Deutschen Wirtschaftsforschungsinstituts, eine Art Zwangsabgabe für Reiche vorzuschlagen. " (Presse v. 13.7.2012)

Gast: benbra
13.07.2012 11:46
1 23

DIW Original lesen Hr Ortner

Der Neo- Ökonom hat wieder einmal den Beweis geliefert, dass die Basis seiner Meinung aus erster Hand stammt ( nämlich aus einem seiner Finger gesogen ) Das DIW hat natürlich nicht die Eigentumswohnungsbesitzer , die ihre Wohnung selbst nutzen im Visier, sondern jene, die vielleicht mehrere besitzen.. Diese Info ist im Originaltext des DIW klargestellt. Der „Querschreiber“ belastet sich natürlich nicht mit Fakten und stoppelt halt seinen Text , jeder journalistischen Sorgfalt hohnsprechend, zusammen.. Die über 100 Ökonomen/ Soziologen im DIW ua. werden sich so ihre Gedanken über den „Querschreiber“ machen , wenn er sich darüber wundert, dass sie noch nicht „besachwaltert“ sind. Oder auch nicht,. Jeden oek. Schmarrn muss man ja nicht lesen.

Ein weiteres Beispiel Ortners Erklärung für das poln. Wirtschaftswunder hat der OeNB Mitarbeiter Mag. F. Nauschnigg sachlich und durch Fakten untermauert als ortnersche Schwurbelei entlarft.
Welche geheime Kraft ermöglicht dem Querschreiber das Kastl am Freitag?


Antworten Gast: Reh Form
13.07.2012 13:25
11 0

Re: DIW Original lesen Hr Ortner

Hier ist das Original DIW PApier - nirgendwo ist irgendwas von einer Ausnahme für Eigentumswohnungen oder Prifathäuser (bewohnt oder vermietet) zu finden!
http://www.diw.de/documents/publikationen/73/diw_01.c.405699.de/12-28.pdf

Hinweis auf "Nirgendwo"

Seite 9 spricht von "Nettovermögen", was wiederum in Fussnote 10 detaillierter dargestellt wird.
Was ist daran missverständlich?

Re: Hinweis auf "Nirgendwo"

Sorry, mein Kommentar hat sich natürlich auf Ihren Vorposter bezogen...

Re: Re: DIW Original lesen Hr Ortner

dieser Abschnitt ist auch geil:

"Beim Finanzvermögen, also bei Giro- und Sparguthaben,
Aktien, Anleihen sowie anderen Wertpapieren und
Forderungen, lässt sich der Wert zumeist leicht feststellen.
Liquiditätsprobleme spielen keine große Rolle.
Dafür ist die Steuerflucht ein umso größeres Problem.
Der Fiskus müsste unmittelbar nach Bekanntgabe der
Pläne für Zwangsanleihen oder Vermögensabgaben die
entsprechenden Konten bei den Finanzdienstleistern
sichern."

nahezu JEDER dieser "sogenannten reichen" besitzt staatsanleihen!

die meisten indirekt: sie haben ein sparbuch, eine andere sparform. sie haben eine lebensversicherung, ein guthaben bei der abfertigungskasse.

aktuell allerdings ist zwischen staatsanleihenbesitzer und anleihenemittent die finanzindustrie zwischengeschaltet, die sich daran dumm und dämlich verdient.

einen TEIL dieser guthaben in ein direktgeschäft umzuwandeln, ist daher eine gute idee. die finanzindustrie-rendite fällt weg. das wäre ein enormer rückgang der 'spesen'!

der kleine mann wird heute gezwungen, sich solidarisch mit der gesellschaft zu verhalten und den großteil der kosten zu tragen. warum soll nicht auch der "sogenannte reiche" zu solidarität gezwungen werden? gleiches recht für alle!

ps.: die 250.000er grenze schaut sehr niedrig aus. wenn dort allerdings der einstieg mit zb. 100€ pro jahr erfolgt, ist das für keinen besitzer einer eigentumswohnung ein problem.
die zweite äußerung des DIW (die rückzahlung kann eventuell auch entfallen) ist allerdings unsinn: ähnliches wird bei regulären anleihenemissionen auch nicht in den raum gestellt!

nein zu einem enteignungsmodell.
ja zu (eh kostenneutraler!!!) solidarität der 10% ganz oben.

Re: nahezu JEDER dieser "sogenannten reichen" besitzt staatsanleihen!

lieber herr oberst,

sie haben den moralischen kompass eines bankräubers. das zeigt sich in jedem einzelnen ihrer kommentare.

es besteht natürlich die möglichkeit, dass ich ihnen unrecht tue und sie in wirklichkeit nur ein troll sind, der lediglich reaktionen provozieren will. leider befürchte ich allerdings, dass bei ihnen meine erste aussage zutrifft.

in der geschichte waren es stets die leute, deren moralischer kompass nicht richtig geeicht war, die die größten verbrechen (im namen des volkes, der religion oder der menschheit) begingen, aber ebenso jene, die am leichtesten von ersteren manipuliert werden konnten.

ich gebe sie allerdings noch nicht verloren. lesen sie bücher; aber nicht von attac und nicht von bastei lübbe. dostojewski wäre ein guter anfang: verbrechen und strafe.

Antworten Antworten Gast: Gast: Leser
13.07.2012 13:32
0 3

Re: Re: nahezu JEDER dieser "sogenannten reichen" besitzt staatsanleihen!

Beitrag zu Ihrer Allgemeinbildung: Der Roman von Dostojewski, den Sie offenbar meinen, heißt "Schuld und Sühne".

Re: Re: Re: nahezu JEDER dieser "sogenannten reichen" besitzt staatsanleihen!

Sie sind nicht auf dem laufenden, der roman heißt schon längst nicht mehr "schuld und sühne" (wunderbare übers. von swetlana geier!)

0 0

Re: Re: Re: Re: nahezu JEDER dieser "sogenannten reichen" besitzt staatsanleihen!

sondern "Verbrechen und Strafe"

Re: Re: Re: Re: Re: nahezu JEDER dieser "sogenannten reichen" besitzt staatsanleihen!

wie weiter oben von protagoras ja auch schon geschrieben.

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Re: Re: Re: Re: Re: Re: nahezu JEDER dieser "sogenannten reichen" besitzt staatsanleihen!

Stimmt, das hat wer anders ja auch schon geschrieben... hätte genauer hinsehen sollen...

Solidarabgabe-Reichsfluchtsteuer

auf diesen sozialdemokratischen Unsinn kann es nur eine Antwort geben:

Das Land ist nicht mehr zu retten. Nur weg von hier. Lassen wir aus sicher Entfernung die Sektkorken knallen, sobald Österreich im eigenen Dreck erstickt!

Auf und davon, solange es noch geht!

 
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