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Olympia 2012: Wo Ex-Terroristen über Gedenken an Terror-Opfer bestimmen

CHRISTIAN ORTNER (Die Presse)

Dass der Toten der Münchener Olympiade 1972 nicht bei der Eröffnung von London 2012 gedacht wurde, ist der opportunistischen Feigheit des Internationalen Olympischen Komitees zu danken.

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Wenn am Sonntag die Olympischen Spiele in London zu Ende gehen, dann ist es fast genau 40 Jahre her, dass in München (September 1972) arabische Terroristen ein Blutbad unter israelischen Sportlern anrichteten, bei dem 17 Menschen zu Tode kam.

Das zeitliche Zusammentreffen der Spiele und des runden Jahrestages war freilich für das „Internationale Olympische Komitee“ (IOK) und dessen Präsidenten, Jaques Rogge, noch lange kein Grund, die Erfordernisse menschlichen Anstandes und Taktgefühls einzuhalten und der Toten von München mittels einer kurzen Trauerminute im Rahmen der Eröffnungszeremonie zu gedenken; stattdessen wurde das Gedenken in eine eigene – durchaus gelungene – Veranstaltung outgesourct wie ein Callcenter nach Indien. Dass der Deutsche Bundestag, das Kanadische Parlament und die Knesset, Präsident Obama und der belgische Sportminister um eine symbolische Geste gebeten hatten, ließ den Belgier Rogge unbeeindruckt.

Noch unguter als diese posthume Missachtung der Opfer des Anschlages von München ist freilich der tiefere Grund dieser Fehlentscheidung. Denn als ruchbar geworden war, dass deutsche und israelische Parlamentarier eine derartige Schweigeminute monieren würden, drohten mehrere arabische Staaten und das „Palästinensische Olympische Komitee“ (ja, so was gibt es tatsächlich) mit einem Boykott der Spiele von London. Nicht sehr glaubwürdig – den Palästinensern war extrem wichtig, ihre Fahne in London wehen zu sehen –, aber der Belgier knickte wie gewünscht ein und untersagte das Gedenken für die Toten im Rahmen der Eröffnung.

Es ist dies eine Form des mutlos-opportunistischen vorbeugenden Nachgebens, die seit dem Streit um die Mohammed-Karikaturen einer dänischen Tageszeitung im Westen immer wieder zu beobachten ist: im Zweifelsfall die eigenen zentralen Werte zur Disposition zu stellen, um Ärger mit übellaunigen und leicht erregbaren Gegnern dieser Werte zu vermeiden. Genau das machte auch der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees: Um Ärger mit der arabischen Welt, der noch dazu höchstwahrscheinlich eh ausgeblieben wäre, ja nicht zu riskieren, opferte Rogge die angemessenere Form des Totengedenkens. Das ist nicht gerade sehr anständig.

Leider wissen wir nicht, ob Rogge wenigstens ein wenig peinlich war, dass Jibril Rajoub, Chef des Palästinensischen Olympischen Komitees, diese Unanständigkeit in einem persönlichen Brief an ihn überschwänglich gelobt hat. Sport, schrieb der Palästinenser da, sei „...eine Brücke der Liebe und dazu da, Frieden zwischen den Nationen“ zu befördern.

Mit Brücken der Liebe und Frieden zwischen den Nationen dürfte sich Rogges neuer Bewunderer Rajoub ganz gut auskennen: israelischen Medienberichten zufolge ging der palästinensische Olympia-Funktionär in seiner Jugend dem in diesem Milieu beliebten Beruf des Terroristen nach. Offenbar nicht ganz erfolglos, denn dafür verknackten ihn die Israelis zu insgesamt 20 Jahren Knast.

Dass Herr Rajoub angesichts dieser Biografie kein überbordendes Interesse hatte, dass im Rahmen einer Schweigeminute auch nur indirekt an die Schweinereien seiner (früheren?) Gesinnungsgenossen erinnert wird, ist nachvollziehbar. Dass jedoch der Präsident des IOC dem nachgegeben hat, spricht nicht für ihn.


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Christian Ortner ist Kolumnist und Autor in Wien. Er leitet „ortneronline. Das Zentralorgan des Neoliberalismus“.

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.08.2012)

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11 Kommentare

Warum sollte eine Gedenkminute während der Eröffnungszeremonie die einzig angemessene Form des Totengedenkens sein und alles andere Anstand und Taktgefühl verletzen, ja sogar einer posthumen Missachtung gleichkommen? Ihre exaltierten, einseitigen Worte reichen als Begründung sicher nicht aus.


Zu allererst handelt es sich hier ohnehin um einen 40 Jahre alten Zwist, denn bereits seit den Olympischen Spielen 1976 in Kanada bestehen die Hinterbliebenen auf eine Gedenkminute während der Eröffnungszeremonie. Ein „runder Jahrestag“, wie Sie taktlos schreiben, verleiht der Causa aber keine größere moralische Dimension. Außerdem wurden andere „Jubiläen“ wie der 20er in Barcelona auch missachtet und das ohne Empörung.

Die Forderungen Kanadas und der USA sind ohnehin an Scheinheiligkeit kaum zu überbieten, da sich die beiden 76 bzw. 96 ihre Eröffnungszeremonie ebenfalls nicht durch eine Gedenkminute vermiesen ließen.

Weder befindet sich das IOC seit 40 Jahren in arabischer Geiselhaft noch hatten die Araber 1976 in Kanada den entsprechenden Einfluss etwas zu unterbinden. Insofern handelt es sich hier nicht primär um einen den Mohammed-Karikaturen analogen Fall westlichen Opportunismus. Sicherlich wollte man arabische Sponsoren nicht verärgern, aber jede Nichterfüllung israelischer Forderungen als mangelnde Standhaftigkeit des Westens zu stilisieren ist übertrieben.

Ein Gedenken bedarf auch immer eines würdigen, passenden Rahmens und eine fröhliche, heitere Feier bietet ihn meiner Meinung nach nicht. Zuerst stilles Gedenken und dann Mr. Bean? Dann doch lieber eine separate Veranstaltung, die wie Sie schreiben durchaus gelungen war.

0 4

Bitte, nicht so sehr zu insistieren, dass der Herr Rogge Belgier ist.

Guter Artikel, mehr kann man nicht tun. Österreicher ist der Rogge bestimmt nicht, da sind Sie sich ganz sicher ?

Gast: Steeevyo
10.08.2012 11:51
5 9

Ortner wie alle anderen Ueberkorrekten

Ortner kapiert es nicht wie die Mehrheit der Ueberkorrekten. Die Olympischen Spiele setzen sich zum Ziel unpolitisch zu sein. Das funktioniert nicht immer wie die Geschichte zeigt. Aber politischer wie das Gepolter, das Frau Spitzer seit Wochen veranstaltet geht es ja wohl nun wirklich nicht mehr. Dass es eine Gedenkveranstaltung gab auf der die Dame dann pauschal das IOC als antisemtisch beschimpfte das wird von Ortner auch abqualifiziert als eine minderwertige Veranstaltung. Minderwertig hat diese Veranstaltung alleine Frau Spietzers unwuerdiges Benehmen gemacht.

"...mittels einer kurzen Trauerminute im Rahmen der Eröffnungszeremonie zu gedenken"

dem ortner muss ja mächtig fad sein, wenn er nichts besseres zu tun hat, als sich eröffnungszeremonien anzuschauen...

simple shows for simple minds.

Antworten Gast: mir reichts
10.08.2012 09:02
11 1

Re: "...mittels einer kurzen Trauerminute im Rahmen der Eröffnungszeremonie zu gedenken"

dir muß auch mächtig fad sein, denn sonst würdest nicht so viel im forum schreiben.

Antworten Antworten Gast: Hansi Hüpfer
10.08.2012 11:14
1 5

Re: Re: "...mittels einer kurzen Trauerminute im Rahmen der Eröffnungszeremonie zu gedenken"

Wieso KURZE Trauerminute? Gibt's auch eine LANGE, z.b.: für die Palestinenser im KZ-ähnlichen Gazastreifen oder gar der Westbank?

Antworten Antworten Antworten Gast: Konservativer
10.08.2012 18:11
4 0

Re: Re: Re: "...mittels einer kurzen Trauerminute im Rahmen der Eröffnungszeremonie zu gedenken"

Der Gaza-Streifen ist wohl eher mit einem Club Med zu vergleichen.

Antworten Antworten Antworten Gast: Sengal
10.08.2012 12:24
3 1

Re: Re: Re: "...mittels einer kurzen Trauerminute im Rahmen der Eröffnungszeremonie zu gedenken"

Hansi Hüpfer!
Hör' auf mit deinen Lügenverbreitenden Kommentare. Es wird nicht wahrer, wenn du Lügen anderer gebetsmühlenartig wiederholst.

Gast: Mag. Bacher
10.08.2012 08:04
3 9

Lieber Herr Ortner,

ich bin ansonsten Ihrer Meinung, aber heute nicht. Die Sache ist 40 Jahre her, die meisten Athleten waren damals noch nicht geboren. Man soll eine Freudenfeier für diese jungen Sportler nicht beeinträchtigen. Ich fände es auch unpassend! Und es gäbe wohl genügend gegenwärtige Verbrechen von Teilnehmerstaaten an der Menschlichkeit, die Grund zur Trauer sind. Müssen wir diese Konflikte auch noch in den Sport tragen?

Gast: Lausbub
10.08.2012 00:14
4 10

Man könnte die Argumente auch umdrehen?

Warum werden die Olympischen Spiele nicht abgesagt, wenn ganze Völker von ihren Besatzern mit militärischer Gewalt niedergehalten werden?

gratuliere

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