24.05.2013 15:38 Merkliste 0

Wer glaubt, das Schlimmste hinter sich zu haben, wird es vor sich haben

CHRISTIAN ORTNER (Die Presse)

Die Wirtschaftskrise ist noch lange nicht vorbei, auch wenn Herman Van Rompuy das behauptet. Und Politiker, die damit fortfahren, Wählerbestechung zu betreiben, handeln grob fahrlässig.

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Die schlimmste Phase der Finanzkrise, diagnostizierte Herman Achille Van Rompuy, Präsident des Europäischen Rates, dieser Tage, liege nun endlich „hinter uns“. Famous last words, möglicherweise. Denn Van Rompuy erinnert stark an den seinerzeitigen US-Präsidenten Herbert Hoover, der im Mai 1930, kurz nach dem Beginn der Weltwirtschaftskrise, erklärt hatte: „Das Schlimmste liegt nun hinter uns.“ Das war, wie wir heute wissen, eine reichlich voreilige Einschätzung der Lage.

Nun kann man ja verstehen, dass der Mensch in vorweihnachtlicher Stimmung und nach über vier Jahren im permanenten und ziemlich ermüdenden Krisenmodus ein gewisses Bedürfnis nach Entwarnung hat. Das Problem dabei ist bloß: Zur Entwarnung gibt es derzeit keinen Anlass.

Im Gegenteil: Immer mehr Indizien deuten darauf hin, dass nach der akuten Phase der Finanzkrise nun eine Rezession vor uns liegt, der die Politik mangels Kredits kaum noch etwas entgegenzusetzen hat. Der Ökonom Bernd Felderer, Chef des Staatsschuldenausschusses, warnt: „Wenn wir glauben, dass die Krise schon vorbei ist, werden wir ein Problem kriegen.“

Wobei Felderer insofern irrt, als wir das Problem nicht kriegen werden, sondern bedauerlicherweise schon haben – in Österreich genauso wie in der EU. Angesichts der weit verbreiteten Fata Morgana vom Krisenende gilt offenbar das Motto: „Es gibt genug zu tun, lassen wir es sein“.

Anstatt die Eurozone endlich zügig so zu renovieren, damit der Euro wetterfest wird, neigen etwa die EU-Staatschefs erneut zum Verschieben unangenehmer, aber notwendiger Entscheidungen in die Zukunft, wie der jüngste, weitgehend ergebnisbefreite EU-Gipfel belegte. Sich darauf zu einigen, dass man sich einigen wird, Verschuldungsexzesse der Mitgliedstaaten künftig zu verhindern, ist ja nicht wirklich sehr überzeugend.

Noch schwerer wiegt in diesem Zusammenhang, dass die Kombination aus herbeiimaginiertem Krisenende und der staatlich lizensierten Geldfälschung durch die Europäische Zentralbank gerade die südeuropäischen Krisenländer wieder zunehmend in der Illusion bestärkt, sich unerfreuliche und unpopuläre Umbauarbeiten schenken zu können. Das gilt freilich, und ganz besonders angesichts des Superwahljahrs 2013, hierzulande im Grunde genauso.

Leider deutet wenig darauf hin, dass die völlig unsinnige Erhöhung der Subventionen für Pendler im Wege zusätzlicher Staatsschulden der einzige Schritt in die fiskalisch völlig falsche Richtung bleiben wird. Wenn die Zeit vor einer Wahl stets „eine Periode fokussierter Unvernunft“ (Michael Häupl) ist, so wird die vor uns liegende Zeit von fünf Wahlgängen wohl eine Periode besonders dramatisch fokussierter Unvernunft sein. Und das ergibt erfahrungsgemäß für den Staatshaushalt eine lebensbedrohliche Lage.

Mit seinem törichten Gerede vom nahenden Krisenende trägt der Präsident des Europäischen Rates nicht dazu bei, die illusionsbasierte Politik in Österreich und anderswo zurückzudrängen – ganz im Gegenteil: „Was an einem Tag aussah wie das Ende des Verfalls, stellte sich am nächsten Tag als dessen Beginn heraus“, schrieb der US-Ökonom John Kenneth Galbraith über die wirtschaftliche Lage 1930, als Präsident Hoover das Schlimmste hinter sich wähnte. Das kommt uns nicht ganz unbekannt vor.


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("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.12.2012)

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11 Kommentare

großartiger kommentar des

bedauerlichen ist-zustandes!

0 2

Und Doomsday-Christian reitet wieder...

Bekommt man auch Geld für die ewig gleiche Leier?

So lange die Wettbewerbsfähigkeit des europäischen Südens nicht wieder hergestellt ist, kann die Krise nicht enden, sondern immer nur schlimmer werden!

In Südeuropa gab es immer eine Ausgabenpolitik, die nur durch regelmäßige Währungsabwertungen tragbar war. Wegen dieses Wärungsrisikos waren die Schuldzinsen dort immer im zweistelligen Bereich. Der Euro brachte plötzlich die Möglichkeit, sich Geld zu Minimalzinsen zu beschaffen, was kräftigst genutzt wurde. Es ergab sich eine Geldschwemme, die die Preise (z.B. in Griechenland um 60%) explodieren ließ, was ein Ende der Wettbewerbsfähigkeit verursachte.

Da ist die EU ratlos, sie muss die Wirtschaft der Südländer durch vom Norden aufgenommenes Geld für Rettungsschirme künstlich vor dem Totalzusammenbruch bewahren! Das bessert aber die Lage im Süden nicht und schwächt den Norden, weil dieses Geld bei nützlichen Investitionen fehlt.
Auch der Versuch der EU, die Preise in Griechenland durch Lohnkürzungen wieder zu senken, hat nur zu katastrophaler Verarmung der Bevölkerung aber nicht zu genügenden Preissenkungen geführt.

Dieser andauernde Geldfluss von Nord nach Süd muss aber ein Ende finden, wenn auch der Norden so weit überschuldet ist, dass ihm niemand mehr etwas borgt. Das führt unweigerlich zum Zusammenbruch der ganzen EU!

Den Kopf in den Sand stecken und so tun, als sei alles in Ordnung, ist das einzige Mittel, das der EU dagegen einfällt! Wie lange wird das noch gehen?

Krisenangst


Am besten , wir kehren erst vor unser Tür.
Dieser aufgeblähte Verwaltungsstaat mit 3 mal soviel Beamte , wie die Schweiz , daß kann nicht mehr lange gutgehen.
Oder 120 000 Teilzeitarbeiter (Lehrer) mit 18-20
Wochenstunden.
3 Monate Urlaub - 2 500 Euro Nettopension-
das nach ca. 30 -35 Dienstjahren.

13 3

Unsere bunten Führer nehmen uns die Demokratie.

Sie nehmen uns den Rechtsstaat. Sie nehmen uns unser Geld. Sie werden uns unser Land nehmen.

Und:
Sie nehmen uns unsere Kultur und damit unsere Identität.

Aber bedenkt:

Noch sitzt Ihr da oben, Ihr feigen Gestalten, vom Feinde bezahlt und dem Volke zum Spott.
Doch einst wird wieder Gerechtigkeit walten, dann richtet das Volk und dann gnade euch Gott. (Theodor Körner 1791-1813)

Solange unsere Beamten & Pensionisten/Ruhegenüssler


Einkommenssteigerungen OHNE Mehrleistungsnachweis haben...

18 Mrd für KAUM gedeckte Ruhegenüsse/Pensionen u. MINDESTENS das Gleiche für eine IRRE aufgeblähte, schwer überbezahlte Mehrfachverwaltung !!

Das werte Kinder, Steuerzahler & Leistungsträger nennt man/frau "gelebte unSozialpartnerschaft".

Wird als Brechmittel in der Schweiz & Schweden verwendet !!!!!!

Rompuy...

Also wirklich jetzt, Rompuy ist doch völlig anerkanntermaßen eine bloße Marionette, die von den Regierungschefs vorgeschoben wurde, weil der neue EU-Vertrag halt eine solche verlangt. Bei Problemen kann man ihn fallenlassen und keinen wirds interessieren. Rompuy ist der personifizierte Missstand der gesamten EU-Politik.

Auf dem Papier gibts zwar EU-Institutionen, in Wahrheit ist die EU aber weiter nichts anderes als ein überdimensionierter Sandkasten, in dem sich mittlerweile 27 Staats- und Regierungsschefs gegenseitig Kübel und Schauferl wegnehmen, um jeweils die nächste nationalistische Sandburg zu bauen, die beim nächsten Tröpferlregen zu Matsch wird.

6 12

Ende der Krise niemals!

Da der Weltuntergang heute doch nicht stattfindet, beschwört Ortner zumindest den Wirtschaftlichen Untergang herauf. Statt positive Vorschläge zu machen wartet er auf die Pleite um zu beweisen, dass er recht hatte.
Kann ja auch nicht anders kommen wenn die Kevins den Leistungsträgern, welche ihr sauerverdientes Vermögen in Liechtenstein veranlagen müssen, die Butter vom Brot fressen!

Jetzt hat Herr Ortner

den Hermann van Rompuy doch glatt an der Achillesferse erwischt, sozusagen am falschen Fuß ;-)))

In seiner Heimat trägt er ja den Spitznamen "die Sphynx"; also möglicherweise nicht wegen seines mysteriösen Lächelns, sondern weil er manchmal in Rätseln spricht???

Wen überrascht das

Dieses Nullerl Herman ( das sich Achill zu nennen wagt !)hat doch keine Ahnung oder lügt.
Das kennen wir ja. Aber egal, die Geschichte wird ihn wegschwemmen wie ein Sandkorn.

Wen überrascht das

Dieses Nullerl Herman ( das sich Achill zu nennen wagt !)hat doch keine Ahnung oder lügt.
Das kennen wir ja. Aber egal, die Geschichte wird ihn wegschwemmen wie ein Sandkorn.

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