Wer tut sich das schon an, für 13.450 Euro im Monat EU-Beamter zu werden?

Nein, die meisten EU-Beamten sind keine arbeitsscheuen Bürokraten, sondern tüchtig und hoch qualifiziert. Sie sind bloß abenteuerlich überbezahlt. Das gehört geändert.

Es war ein offenbar wirklich unsittliches Ansinnen, das die Regierungen in Berlin und London da vorbrachten: Angesichts der in ganz Europa notwendigen Einsparungen möge auch die Verwaltung der EU um ein paar Milliarden verschlankt werden, verlangten Frau Merkel und Herr Cameron im Vorfeld der Beratungen über das EU-Budget in dieser Woche.

Was in jedem Unternehmen Europas tagtäglich selbstverständlich praktiziert wird – nämlich die Kosten etwas zu senken, wenn die Zeiten schwierig sind –, versetzte die Beamten und deren Gewerkschaften in Brüssel auf der Stelle in maximalen Erregungsmodus. Frisch gestärkt von einer rund sechsprozentigen Anhebung ihrer Nettobezüge zum Jahreswechsel traten tausende Eurokraten sofort in den Ausstand, um eine weitere Verelendung ihrer ohnehin schon so erbarmungswürdigen Lebensumstände durch diese neoliberale, menschenverachtende und sozial eiskalte Einspargesinnung Londons und Berlins hintanzuhalten.

Man muss das verstehen, denn die Beamten der Union leben jetzt schon quasi von der Hand in den Mund. Die deutsche „Welt“ hat erst jüngst berichtet, dass gezählte 8752 EU-Beamte mehr als 13.450 Euro (brutto) im Monat nach Hause tragen und immer noch beachtliche 1760 Mitarbeiter der Union monatlich 18.173 Euro verdienen; alles sehr, sehr einfühlsam mit Steuern und Abgaben belastet, aber dafür mit einem überkompletten Paket an Sozialleistungen versehen, die diese mageren Bezüge auffetten sollen.

Es wird wohl ausschließlich dem ungeheuren Arbeitsethos der EU-Beamten zuzuschreiben sein, sich angesichts derartiger Hungerlöhne nicht massenhaft nebenher als Taxifahrer, Schwarzarbeiter am Bau oder gar Prostituierte zu verdingen, um im Winter nicht in kalten Wohnungen vor leeren Kühlschränken sitzen zu müssen.

Doch zum Glück verfügen Europas Beamte über verständnisvolle Dienstgeber. Die Europäische Kommission „...konkurriere mit der UNO, der Weltbank oder dem Internationalen Währungsfonds...“ um die besten und hellsten Köpfe, verteidigte deren Vizepräsident, Maros Sefcovic, das exquisite Brüsseler Gehaltsniveau; was insofern nicht unoriginell ist, als wir es hier also offenbar vor allem mit einem Lizitationsprozess steuerfinanzierter Bürokratien gegeneinander zu tun haben. Nun wir niemand ernsthaft bestreiten, dass sehr viele EU-Beamte tüchtig, qualifiziert und leistungsbereit sind. Sie als überbezahlte Faulpelze zu denunzieren, wie das gelegentlich populistisch geschieht, ist Unfug.

Doch das taugt nicht einmal annähernd als Begründung für die völlig überzogenen Gagen, die von der EU bezahlt werden. Die Behauptung, tausende EU-Beamte müssten netto etwa so viel verdienen wie ein österreichischer Minister, weil sonst niemand ausreichend Qualifizierter für diese Jobs zu finden sei, ist eine substratfreie Schutzbehauptung zur Verteidigung unhaltbarer finanzieller Privilegien.

Schon allein der Umstand, dass sich für jede frei werdende Stelle in der EU im Normalfall rund hundert meist gut qualifizierte Bewerber finden, deutet nicht auf einen Mangel an rekrutierbarem Personal hin, der nur durch jenseitige Bezüge behebbar ist. Solange Europas Wirtschaft fröhlich brummte, mögen ein paar tausend beamtete Bezieher derart weltfremder Gagen in Brüssel ärgerlich, aber irrelevant erschienen sein. Nach fünf Jahren Wirtschaftskrise ohne Aussicht auf ein Ende ist das nicht mehr bloß ärgerlich, sondern schlicht unzumutbar.


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("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.02.2013)

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