Wer tut sich das schon an, für 13.450 Euro im Monat EU-Beamter zu werden?

CHRISTIAN ORTNER (Die Presse)

Nein, die meisten EU-Beamten sind keine arbeitsscheuen Bürokraten, sondern tüchtig und hoch qualifiziert. Sie sind bloß abenteuerlich überbezahlt. Das gehört geändert.

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Es war ein offenbar wirklich unsittliches Ansinnen, das die Regierungen in Berlin und London da vorbrachten: Angesichts der in ganz Europa notwendigen Einsparungen möge auch die Verwaltung der EU um ein paar Milliarden verschlankt werden, verlangten Frau Merkel und Herr Cameron im Vorfeld der Beratungen über das EU-Budget in dieser Woche.

Was in jedem Unternehmen Europas tagtäglich selbstverständlich praktiziert wird – nämlich die Kosten etwas zu senken, wenn die Zeiten schwierig sind –, versetzte die Beamten und deren Gewerkschaften in Brüssel auf der Stelle in maximalen Erregungsmodus. Frisch gestärkt von einer rund sechsprozentigen Anhebung ihrer Nettobezüge zum Jahreswechsel traten tausende Eurokraten sofort in den Ausstand, um eine weitere Verelendung ihrer ohnehin schon so erbarmungswürdigen Lebensumstände durch diese neoliberale, menschenverachtende und sozial eiskalte Einspargesinnung Londons und Berlins hintanzuhalten.

Man muss das verstehen, denn die Beamten der Union leben jetzt schon quasi von der Hand in den Mund. Die deutsche „Welt“ hat erst jüngst berichtet, dass gezählte 8752 EU-Beamte mehr als 13.450 Euro (brutto) im Monat nach Hause tragen und immer noch beachtliche 1760 Mitarbeiter der Union monatlich 18.173 Euro verdienen; alles sehr, sehr einfühlsam mit Steuern und Abgaben belastet, aber dafür mit einem überkompletten Paket an Sozialleistungen versehen, die diese mageren Bezüge auffetten sollen.

Es wird wohl ausschließlich dem ungeheuren Arbeitsethos der EU-Beamten zuzuschreiben sein, sich angesichts derartiger Hungerlöhne nicht massenhaft nebenher als Taxifahrer, Schwarzarbeiter am Bau oder gar Prostituierte zu verdingen, um im Winter nicht in kalten Wohnungen vor leeren Kühlschränken sitzen zu müssen.

Doch zum Glück verfügen Europas Beamte über verständnisvolle Dienstgeber. Die Europäische Kommission „...konkurriere mit der UNO, der Weltbank oder dem Internationalen Währungsfonds...“ um die besten und hellsten Köpfe, verteidigte deren Vizepräsident, Maros Sefcovic, das exquisite Brüsseler Gehaltsniveau; was insofern nicht unoriginell ist, als wir es hier also offenbar vor allem mit einem Lizitationsprozess steuerfinanzierter Bürokratien gegeneinander zu tun haben. Nun wir niemand ernsthaft bestreiten, dass sehr viele EU-Beamte tüchtig, qualifiziert und leistungsbereit sind. Sie als überbezahlte Faulpelze zu denunzieren, wie das gelegentlich populistisch geschieht, ist Unfug.

Doch das taugt nicht einmal annähernd als Begründung für die völlig überzogenen Gagen, die von der EU bezahlt werden. Die Behauptung, tausende EU-Beamte müssten netto etwa so viel verdienen wie ein österreichischer Minister, weil sonst niemand ausreichend Qualifizierter für diese Jobs zu finden sei, ist eine substratfreie Schutzbehauptung zur Verteidigung unhaltbarer finanzieller Privilegien.

Schon allein der Umstand, dass sich für jede frei werdende Stelle in der EU im Normalfall rund hundert meist gut qualifizierte Bewerber finden, deutet nicht auf einen Mangel an rekrutierbarem Personal hin, der nur durch jenseitige Bezüge behebbar ist. Solange Europas Wirtschaft fröhlich brummte, mögen ein paar tausend beamtete Bezieher derart weltfremder Gagen in Brüssel ärgerlich, aber irrelevant erschienen sein. Nach fünf Jahren Wirtschaftskrise ohne Aussicht auf ein Ende ist das nicht mehr bloß ärgerlich, sondern schlicht unzumutbar.


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("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.02.2013)

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17 Kommentare
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Man glaubt es einfqach nicht! Unpackbar!


Der Karren ist verfahren.

Und zwar so verfahren, dass ich nicht weiss wie lange dieser Wasserkopf in Brüssel noch zu finanzieren ist. Wie lange lassen es sich die Steuerzahler in den einzelnen Mitgliedsländern noch gefallen, für diesen Moloch und anderen Mitgliedsstaaten, die unfähig sind sparsam zu wirtschaften, geschröpft zu werden. Der Euro ist bei derartigen unterschiedliche Wirtschaftsleistungen unhaltbar. Nur damit die Beamten in Brüssel sich deppert verdienen, dazu brauchen wir die EU sicher nicht.

tüchtig, qualifiziert, leistungsbereit?

Herr Ortner, warum so schmeichelnd? Jeder weiss doch, wie die Besetzung von EU Posten funktioniert. Hat sich ein Politgünstling in einem Mitgliedstaat lange genug dadurch ausgezeichnet, nie als besonderes ambitioniert oder kreativ aufzufallen und dafür aber umso grössere expertise in der kunst der analakrobatik gezeigt, dann wir er oder sie nach Brüssel weggelobt. Wie soll es da tüchtige, qualifizierte und leistungsbereite EU Beamte geben?

we pay coconuts and get monkeys....


Aber nicht nur in Brüssel !! Die "her mit dem Zaster"-Kaste in Ösistan, geschützt von Erzengel Fritz mit dem Streikschwert in der Hand, könnten geheilt werden. Ab in einen Gewerbebetrieb als Abteilungsleiter mit voller Verantwortung.

Schweiz: 7000 Franken für AHS-Lehrer & projektverantwortliche Facharbeiter.

Doch die von den unSozialpartnern geduldete Steuerzahler & Kinder-Ausplünderung wird weitergehen...

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Wer tut

Wer tut such das schon an, wenn man mit einer Wöchentlichen Kolumne in der Presse auch ganz gut komfortabel leben kann.

"..dass gezählte 8752 EU-Beamte mehr als 13.450 Euro (brutto) im Monat nach Hause tragen"

in ö sind mit diesen brüsseler höchstpositionen am ehesten die sektionschefs zu vergleichen. davon haben wir ~100. bezogen auf die eu-bevölkerung sind das ~6500 'sektionschefs' in brüssel.
sind die plus 2000 zuviel angesichts der viel umfangreicheren kompetenzen von brüssel im vergleich zu wien?

ein sektionschef kommt inkl zulagen auf 14 x ~10.000 euro. ich sehe auch hier keinen großen unterschied zu den +13.450.

"Schon allein der Umstand, dass sich für jede frei werdende Stelle in der EU im Normalfall rund hundert meist gut qualifizierte Bewerber finden"

wollen sie kleingeld machen, indem sie gehälter auf ö-niveau kürzen? wieviele der aktuell 100 bewerber würden sich dann bewerben? ein hochqualifizierter, der bereits erfahrung auf diesem level hat, wird bei gleichem gehalt kaum an einem wohnsitzwechsel samt aller damit verbundener probleme interessiert werden.

wischen sie sich den schaum vom mund, herr ortner. bedenken sie, was für spitzenpositionen andernorts, zb auch in der wirtschaft von der sie ja so viel verstehen, bezahlt wird.
"if you pay peanuts you will get monkeys!"

Re: "..dass gezählte 8752 EU-Beamte mehr als 13.450 Euro (brutto) im Monat nach Hause tragen"

Die Hochrechnung ist völlig sinnlos.

Erstens kann man die Notwendigkeit von Bürokratie nicht einfach analog zur Bevölkerung hochrechnen. Ein 60 mal so großer Staat hat ja nicht automatisch 60mal so viele Agenden zu erledigen - also auch nicht zwangsläufig 60mal so viele Sektionen. Was man übrigens auch daran erkennt, dass Brüssel in Ihrer Rechnung zwar 60 mal so viele "Sektionschefs" hat als wir, aber insgesamt nur ein Drittel an Mannstärke (40.000 EU Beamte vs. 130.000 Öffentliche Bedienstete in Österreich - nur Bund gerechnet!).

Zweitens hat Brüssel deutlich WENIGER Verwaltung zu erledigen als Wien. Klar, in Brüssel werden inzwischen die meisten Gesetze geschrieben, aber der Vollzug dieser Gesetze liegt trotzdem fast ausschließlich bei den Mitgliedsstaaten, einschließlich der ganzen Verwaltung die ein solches Behördennetz dann rein organisatorisch noch mit sich bringt.

Re: Re: "..dass gezählte 8752 EU-Beamte mehr als 13.450 Euro (brutto) im Monat nach Hause tragen"

das ist jetzt aber nicht fair, bei den wiener beamten die polizisten, lehrer und bh-beamten usw mitzuzählen.

die arbeit in brüssel ist äusserst anspruchsvoll. erst kürzlich (anlässlich der wasserrichtlinie) meinte ein eu-vertreter, für eine DURCHSCHNITTLICHE materie müssen 1000 abänderungsanträge 'eingearbeitet' werden. das zusammen mit den von ihnen erwähnten 'meisten gesetzen' scheint einen höheren aufwand als in wien zu rechtfertigen.

however: der UNTERSCHIED, den ortner nicht benennt aber zwischen den zeilen als riesig groß darstellt, ist ein recht kleiner.

Re: Re: Re: "..dass gezählte 8752 EU-Beamte mehr als 13.450 Euro (brutto) im Monat nach Hause tragen"

Warum sollte das nicht fair sein? Sie haben bei Ihrer Hochrechnung ja auch alle Sektionschefs mitgezählt, völlig unabhängig davon ob die für Abänderungsanträge oder die Verwaltung von Schulgebäuden zuständig sind.

Aber gut, wenn Sie jetzt selber draufkommen, dass das Argument per Hochrechnung Unsinn ist dann können Sie jetzt gerne erklären, wieso man für das Einarbeiten von Abänderungsanträgen 6000 "Sektionschefs" braucht statt entsprechend viele Sachbearbeiter - die hierzulande auch existieren und bei denen der Abstand im Gehalt doch ein deutlich größerer ist.

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Re: "..dass gezählte 8752 EU-Beamte mehr als 13.450 Euro (brutto) im Monat nach Hause tragen"

"If you pay peanuts you will get monkeys".
Ja, aber die EU bringt das Gegentiel zusammen, nämlich Halbaffen mit fürstlichen Gagen anzulocken. Die Auswahl erfolgt keineswegs nach Leistungskriterien, sondern nach politischen Beziehungen. Ich kannte einige von diesen Günstlingen und ihre Arbeitsbedingungen und -leistungen persönlich und könnte ein Lied davon singen, leider ein sehr trauriges. Diese Leute hätten in der Privatwirtschaft keine Chancen auf einen mäßig bezahlten Bürojob.

Re: "..dass gezählte 8752 EU-Beamte mehr als 13.450 Euro (brutto) im Monat nach Hause tragen"

Mir fällt bei den Kommentaren des Keinstein auf,daß sie immer und ausschließlich die Position der EU verteidigen.Da es bei einem tatsächlich intelligenten Menschen äußerst unwahrscheinlich ist,daß er nichts Kritikwürdiges an der EU findet und er außerdem immer sofort irgendwelche Statistiken zur Hand hat,hege ich den Verdacht,daß wir es mit einem bezahlten Schreiberling einer EU-nahen oder einer von der EU abhängigen Institution(zB die Vertretung des EU-Kommission in Österreich)zu tun haben.Auch andere(von der EU profitierenden) EUfanatics könnten beschlossen haben,die zahlreichen meist negativen Kommentare in den Foren(auch eine Art Öffentlichkeit) zur EU und zum Euro zu neutralisieren oder zumindest Verwirrung zu stiften.Quasi eine Art Gegenpropaganda im Kampf um die öffentliche Meinung. Das ist nicht verwerflich, wenn es offen geschieht.Daß in der EU auch monkeys viel Geld bekommen,weiß in der Zwischenzeit jeder.Mir fällt dazu zB Madame Cresson(eine franz. ExPremierministerin),eine EU-Kommissarin ein,der Fehlverhalten(Freunderlwirtschaft) mit negativen finanziellen Folgen für den EU-Haushalt nachgewiesen wurde.Konsequenzen:keine,da sie ja eh schon zurückgetreten war.Highlights ihres Wirkens:Alle Engländer sind schwul, alle Japaner sind(arbeiten)wie Ameisen.Ihre Freunderln von ähnl.Qualität. Auch Kommissar Verheugen half einer Dame bei der EU.Das muß uns etwas wert sein.

Re: Re: "..dass gezählte 8752 EU-Beamte mehr als 13.450 Euro (brutto) im Monat nach Hause tragen"

schön dass ihnen bei meinen beiträgen was auffällt...
leider kann ich das kompliment nicht erwidern, da ich weniger fanatisch die beiträge anderer zähle und analysiere.

können sie mir verzeihen, dass ich mich für ihre beiträge weniger interesse aufbringe, als sie für die von mir?

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Re: "..dass gezählte 8752 EU-Beamte mehr als 13.450 Euro (brutto) im Monat nach Hause tragen"

1. der Vergleich mit Österreich ist so, als würde sich ein Telekom-Unternehmen mit der Telekom Austria vergleichen, um zu messen, ob es effizient arbeitet.
2. plus 2000 wären im Vergleich immerhin fast 30% mehr 14*10.000/12=11.667. Wieder ein nicht zu vernachlässigender Unterschied.
3. Inwiefern sind die Kompetenzen viel umfangreicher? Und ist es überhaupt sinnvoll, dass alle diese Kompetenzen in Brüssel liegen?
Man sollte bei dem ganzen nicht vergessen, dass die EU eine zusätzliche Ebene bildet. Die vielen verschiedenen Verwaltungsebenen sorgen, da die Zuständigkeiten oft nicht eindeutig sind, für zusätzlichen Overhead.

Re: Re: "..dass gezählte 8752 EU-Beamte mehr als 13.450 Euro (brutto) im Monat nach Hause tragen"

30% mehr oder weniger sind für einen Sozialisten wie Herrn Keinstein keine messbare Grösse, weil das Geld ja eh vom Steuerzahler kommt. Da ists doch wirklich wurscht. Solche Leute, die offenbar noch nie in ihrem Leben etwas gleistet haben, haben halt ein sehr distanziertes Verhältnis zu Geld (ausser dem Geld anderer natürlich, da besteht wiederum ein extrems Naheverhältnis;-). Nicht immer so kleinlich sein;-)

Re: Re: "..dass gezählte 8752 EU-Beamte mehr als 13.450 Euro (brutto) im Monat nach Hause tragen"

1. das tun unternehmen meist: sie messen sich mit anderen.

2. 2000 mehr: würden SIE nach brüssel übersiedeln, wenn sie dort gleich viel wie in wien verdienen würden?

3. wenn zuviele verwaltungsebenen vorhanden sind, dann muss gekürzt werden. angesichts des umfangs und der bedeutung der aufgaben wäre allerdings die nationale verwaltungsebene jene, wo gekürzt werden sollte.

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Re: Re: Re: "..dass gezählte 8752 EU-Beamte mehr als 13.450 Euro (brutto) im Monat nach Hause tragen"

ad 1: das haben Sie ganz richtig erkannt. Allerdings würde ein Telekomunternehmen, das im Vergleich feststellt, dass es "eh fast so effizient wie die Telekom Austria" ist, wahrscheinlich eine Menge Gelächter ernten (und nicht lange überleben). Die TA ist auf diesem Gebiet (durchaus auch stark altlastenbedingt) eher nicht der Benchmark.
ad 2: Gehalt und Arbeitsort sind nicht die einzigen Parameter, die die Jobauswahl beeinflussen. Und nicht jeder EU-Beamte kommt aus Wien.
3. Die Einsparung von Verwaltungsebenen hängt leider an politischen Entscheidungen, die dazu getroffen werden müssten - wie soll die EU in Zukunft aussehen? Wo sollen welche Entscheidungen sinnvollerweise getroffen werden? Wie werden die Kompetenzen verteilt? Einfach die Bereiche auf nationaler oder regionaler Ebene zu streichen, für die auf EU-Ebene schon jemand zuständig ist, ist aus meiner Sicht nicht der beste Weg.

Re: "..dass gezählte 8752 EU-Beamte mehr als 13.450 Euro (brutto) im Monat nach Hause tragen"

The problem is we pay coconuts and get monkeys....
wie man an den diversen, auch von den Beamten ausbaldoverten Richtlinien erkennen kann.

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