10.03.2010 11:50 | Meine Presse Merkliste0

Geht Darabos zu Gazprom?

CHRISTIAN ORTNER (Die Presse)

Der Verteidigungsminister handelt gegen das nationale Interesse jener Republik, auf deren Verfassung er vereidigt worden ist.

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Darüber, ob Norbert Darabos als Verteidigungsminister qualifiziert ist oder nicht, kann man durchaus geteilter Meinung sein. Ganz eindeutig qualifiziert hat er sich dagegen letzte Woche für einen anderen Job: den eines wohldotierten Konsulenten beim staatlichen russischen Energiemulti Gazprom. Denn Russlands Präsident Putin zeigt sich ja gerne auf diese Art und Weise erkenntlich, wenn in Europa sozialdemokratische Politiker den Interessen Moskaus dienen anstatt jenen ihres eigenen Landes.

Der deutsche Exkanzler Schröder (SPD) war so ein Fall, nun ist Darabos auch so einer. Dem Interesse Moskaus diente Darabos völlig entbehrliche Anmerkung, der (gegen den Iran gerichtete) US-Raketenschild sei „eine Provokation Russlands“, eindeutig, Putin ließ sich ja sogar dafür bedanken. Dem nationalen Interesse Österreichs hingegen lief diese Anmerkung des auf seine Verfassung vereidigten Ministers zuwider, weil gerade Österreich darauf angewiesen ist, dass die EU sowohl in Fragen der Energieversorgung als auch der Militär- und Sicherheitspolitik möglichst geschlossen und einig den imperialen Ambitionen Putins gegenübersteht.

Leider wissen wir nicht, ob Darabos den Zusammenhang überhaupt versteht, oder ob er einfach nur so dahergeredet hat, was er für opportun hält: Aber indem der österreichische Verteidigungsminister hier die Partei Putins ergreift, unterstützt er aktiv dessen Politik, die EU-Staaten gegeneinander auszuspielen. Darabos agiert damit eindeutig gegen das Interesse der EU und somit auch gegen das nationale Interesse seiner Heimat.

Zu glauben, Moskau derart in den Arsch zu kriechen und damit Nachbarn und EU-Partner wie die tschechische Republik zu verprellen, hätte im Ernstfall eine bevorzugte Zuteilung etwa russischen Erdgases oder andrer Preziosen zu Folge, wäre nicht nur unanständig, sondern auch noch töricht. Denn wer die eigene Partner mit Moskau betrügt, wird irgendwann zwischen allen Stühlen sitzen; ein im Fall einer ernsthaften Krise eher wenig wirtlicher Aufenthaltsort.

Dass die Chuzpe (oder doch nur gedankliche Schlichtheit?) des Verteidigungsministers erstaunlicher Weise noch überboten werden kann, demonstrierte freilich sein SP-Parteifreund Hannes Swoboda, Abgeordneter im EU-Parlament. Der kam Darabos ausgerechnet mit dem Argument zu Hilfe, in ganz Europa würden die bilateralen militärischen Abkommen zwischen den USA und Polen und Tschechen abgelehnt und forderte daher (sinngemäß), Derartiges müsse zwischen der EU insgesamt und den USA geregelt werden.

Weil aber, wie Swoboda sicher weiß, die EU kaum Kompetenzen in militärischen Dingen hat, können die USA derzeit solche Abkommen nur mit Nationalstaaten schließen. Swobodas – an sich ja grundvernünftige – Forderung, dies zu ändern und die Verteidigung in geeigneter Form zu europäisieren, hätte einen zwingenden Nebeneffekt: die sich daraus zwingend ergebende Entsorgung jener Neutralität, die die SPÖ gerade auf die nächsten 100 Millionen Jahre oder so festschreiben will – und die bloß dann nicht gilt, wenn sich der Verteidigungsminister Moskau andienen will. Verlogener geht es kaum.

Christian Ortner ist Journalist in Wien.


christian-ortner@chello.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.08.2007)

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22 Kommentare
Gast: ambrosius
04.09.2007 13:13
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Ortners Sorge um die Verfassung?

Wenn Ortner sich Sorgen um unsere Verfassung macht, dann soll er sich doch mit dem EU-Grundrechtevertrag auseinandersetzen. Die Annahme dieses Vertrages (ohne Volksabstimmung ) ist die Selbstauschaltung des österreichischen Parlaments und eine Abgabe der gesetzgebenden Macht an die Brüsseler Komission. Es wäre das Ende des freien, souveränen Staates Österreich.

miss chief
03.09.2007 17:26
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im kampf gegen die 'zionistisch-kapitalistische bestie'

ist den kummerl nachfolgern nichts zu dreckig, dass sie es nicht in den mund stecken würden. der vaterlandsverrat dieser schwachköpfe hört bei der sicherheitspolitik nicht auf, er geht weiter über die gesamtschulkatastrophe, bis hin zum kulturellen supergau durch den beinahe schon zwanghaften import ungebildeter und fauler moslems, deren hauptleistung darin besteht, per gebärbeckendjihad unsere sozialkassen zu plündern.

Gast: ai
02.09.2007 10:23
0 0

mein irrtum

ortner anfänge in trend+profil sahen anfangs vielversprechend aus. jetzt habe ich eher den eindruck er will sich als nachfolger staberls etablieren.

kama
01.09.2007 19:21
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Bravo

Ein dreifaches Hoch auf diesen Artikel. Sie haben für diesen burgenländischen Rotztrottel genau die richtigen Worte gefunden. Es ist zum Speiben, wie dieses rote Gesindel den nationale Interressen zuwiderhandelt. UHBP Fischer, Sandkistenkanzler Gsi, der Darabosche und dazu noch der deutsche Prolo Schröder. Es ist wirklich der letzte Dreck, der hier in Putins Arsch kriecht. Leider sind die Ösis viel zu sehr vertrottelt um hier die Zusammenhänge zu begreifen. Schade, daß Leute wie Schwarzenberg nicht in Österreichs Diensten stehen.

Gast: donjoe
31.08.2007 20:48
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Arschkriechen?

Ganz im Gegenteil. Es zeigt offensichtlich Courage, wenn ein westeuropäischer Politiker es wagt, das Kind beim Namen zu nennen und die bewährte Taktik der Bush-Administration - bewusste Manipulation durch Fehlinformation - nicht mitspielt. Aber anscheinend sehen sehr viele, die sich für weitsichtig oder integer halten, die USA immer noch durch eine rosarote Brille.
In Osteuropa stationierte Raketenschilder sollen iranische Raketen abwehren? Wo sollen die Iraner hinschießen? Mit welchem Raketentyp? Warum? Ein Schild gegen den Iran würde in Saudi Arabien oder im östllichen Mittelmeerraum Sinn machen, aber sicher nicht in Osteuropa.
Auf mich wirkt dieser Artikel eher wie "Arschkriecherei" bei der "Wirtschaftsgroßmacht" von der wir alle abhängen. Aber in Wirklichkeit ist das ein Fehler, diese Abhängikeit gilt es loszuwerden. Falsche Fuffziger beim Namen zu nennen ist hier durchaus ein wünschenswerter Beitrag.

miss chief
03.09.2007 17:35
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Re: Arschkriechen?

das wirklich arge ist, dass ich bis vor ein paar jahren diesen schwachsinn selbst geglaubt habe.

glaub mir, johnny, die einzigen die hier manipuliert werden sind enthusiastische jungidealisten wie du, und zwar von einer selbst bereits ähnlich indoktrinierten generation von mittlerweile eigentlich klüger geworden sein müssenden altidealisten ;)

nach vielleicht sucht dich die vernunft ja noch heim, irgendwanneinmal, wer weiß ?

Antworten Gast: schnauz
01.09.2007 20:53
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Re: Arschkriechen?

Ja, man hätte eigentlich gedacht, daß perverse soziale Normen, wie daß man das Offensichtliche nicht aussprechen darf, nur in Märchen, Kafka-Romanen und stalinistischen Diktaturen vorkommen -- aber, nicht so.

Gast: Ignorant
31.08.2007 19:45
0 0

RICHTIG

Aber ich glaube, dass Darabos eher Gazprom-Portier wird. Oder dass er dort das Essen austeilt. Jeder, wie er kann.

Gast: kurti blahowetz
31.08.2007 13:13
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der herr ortner weiss ja alles!

ob er aber auch augenzeuge war beim arsch kriechen in moskau?
und warum sollte ein politiker nicht die ansicht der überwiegenden mehrheit der bevölkerung öffentlich machen? ein schweigen könnte als a...kriechen interpretiert werden, es wär halt ein anderer a.
und schadet darabos mit seiner aussage der republik? hat seinerzeit kreisky's völlig konträrer kurs bezüblich der palästinenser der republik geschadet? im gegenteil, das war für österreichs image weit wichtiger als all die diplomaten-cocktail-einladungen der letzten 50 jahre zusammen!
ich bin über solch 'grade' statements wie das von darabos sehr glücklich, die diplomatisch-hinterfotzige und schleimige art ist weder im privaten, noch im politisch-diplomatischen bereich zu ertragen.
also: darabos (und hoffentlich bald viele andere auch), weiter so!

Gast: schera
31.08.2007 11:28
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Gratulation

Gratulation zu diesem zutreffenden Kommentar!
Armes Österreich, das solche Politiker hat!

Gast: konrad
31.08.2007 09:50
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geistesblitze v.hr. Darabos

die roten können es nicht verwinden, dass der marxismus totalen schiffbruch erlitten hat. die sozoialistische nostalgie klingt bei den äusserungen des hr. darabos ungeschminkt durch. auch die liebe un¿seres hr. sozialministers zu uba ist typisch dermittelatand darf arbeiten und steuern zahlen die konzerne vertreiben wir mit der wiedereinführung der vermögenssteuer nur die. die zum grossteil nicht wollen, den en zahlen wir negativsteuern und dann die mindestsicherung. und am besten mit 30 in die rente. herr ortner hat nur zu recht mit seinen ausführungen.

Gast: schnauz
31.08.2007 08:05
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Hättiwari

Wäre ich Norbert Darabos, ich würde die ganze Auflage der "Presse" von heute einziehen lassen, und auf der sofortigen Kündigung des Vertrages von Herrn Ortner bestehen. Irgendwo muß Schluß sein.

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Re: Hättiwari

N o c h haben wir n i c h t sowjetische Verhältnisse in der Medienlandschaft. N o c h werden bei uns k e i n e Journalisten wegen abweichender Meinung von der hohen Politik und der Staatsdoktrin umgebracht!
Passen wir auf, daß es so bleibt!
Warum sollen nur die Roten und die Grünen ihre Meinung verbreiten dürfen? Haben d i e immer recht?? Keinesfalls!!

Ortner unterzieht sich, meine Meinung, nicht der erwünschten SELBSTZENSUR. Er ist einer der wenigen, mir fällt noch Andreas Unterberger ein, die noch kritisch schreiben und nicht bejubeln und beweihräuchern. Das ist s e h r erfreulich und hat Lob und Dank verdient!

Ophicus
31.08.2007 07:40
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Herr Ortner, sie haben es nicht verstanden

Die üblen Folgen die sie den Handlungen des Herren BM hier voraussagen sind beabsichtigt.
Wir MÜSSEN zwischen allen Stühlen sitzen. Das nennt sich Neutralität.

Gast: fenrir
31.08.2007 05:24
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Zum Thema Arschkriechen, unter anderem:

"It takes one to know one.", wie der Amerikaner sagt.

Viper 007
30.08.2007 22:15
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Gut gebrüllt, Ortner

wie so oft...

in einem Punkt bin ich mir allerdings nicht so sicher, die haben zwar sicher jede Menge Vollkoffer bei der Gazprom auf der Payroll, und können sich das bei den Öl- und Gaspreisen auch (noch) leisten, aber der Herr Darabos erfüllt nicht einmal die Minimum IQ Requirements für die Gazprom..

Er wird der SPÖ also erhalten bleiben..

Als Verteidigungsminister einer westlich orientierten freien Demokratie war er berits vom Tag seiner Angelobung an untragbar...

Gast: Martin Klein
30.08.2007 21:27
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Herr Ortner, so apodiktisch, wie Sie..

..schreiben, outen sie sich als Biertischpolitiker des Kalten Krieges.
Ab zur FPÖ mit Ihnen. Die sind auch so unreflektiert anti.

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Wer denkt eigentlich noch "europäisch"?

Herrn Ortner zur Erinnerung: Begonnen, die EU-Europäer auseinander zu dividieren hatte bereits früher die Bush-Administration. Ex-Verteidigungsminister Rumsfeld teilte sie in "alte" und "neue" Europäer auf. Die alten, das sind jene, die sich weigerten am Irak-Abenteuer des Weißen Hauses mit zu machen; die "neuen" lieferten hingegen ganz begeistert personelle Untersüttzung; in der Hoffnung, es werde auch für sie etwas von der versprochenen "Beute" abfallen. Inzwischen hören Prag und Warschau aufmerksam auf jeden Wink aus Washington; Sarkozy wiederum überschüttet Gadaffi mit Unmengen an Kriegsgerät der modernsten Fertigung und schließt sogar mit Libyen einen besonderen "Verteidigungspakt"; gegen wen eigentlich? Mein persönlicher Eindruck ist halt der, daß jedes EU-Mitglied selber schaut, wo es bleibt. Solange genügend Geld aus Brüssel fließt, tut man halt weiter so, als wäre einem nichts wichtiger als die "gemeinsamen Werte"; oder so ähnlich.Aber ansonsten geht jeder seiner eigenen Wege!

Gast: JFK
30.08.2007 21:10
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Wie ist das mit Arschkriechen?

Herr Redakteur, natürlich ist es berechtigt, den österreichischen Verteidigungsminister des Arschkriechens zu bezichtigen, wenn in dieser hochlöblichen Zeitung ein absolut objektiver Beitrag der amerikanischen Botschafterin erschienen ist, der klar den Nichtzusammenhang der Raketenabwehr mit Rußland bewiesen hat...
Es ist wirklich schön zu wissen, daß es für jedes reaktionäre Themenfeld einen willfährigen Schreiber in der Presse gibt, der ohne jegliche sachliche Fundierung seine billige Propaganda losläßt. Offensichtlich hört der große Horizont doch recht bald beim eigenen Suppenteller auf.

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Re: Wie ist das mit Arschkriechen?

Hat es sich noch nicht zu Ihnen herumgesprochen, dass Denken vor dem Posten nicht schadet ? Wie sollen 10 ! Abfangraketen 100.e Langstreckenraketen abfangen können - und dass daher diese Abfangraketen nicht gegen Rußland gerichtet sein können ? Und außerdem ist ja Rußland ganz friedenstrunken, warum sollte daher dieses Gazprom-Land mit einem lupenreinen Demokraten an der Spitze irgendjemand angreifen wollen ???

Antworten Antworten Gast: schnauz
31.08.2007 11:24
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Re: Re: Wie ist das mit Arschkriechen?

Stellen wir uns hilfsweise vor, die Russen stellen irgendwo ein paar Raketen auf, die nichts ausrichten können -- in Kuba, zum Beispiel.

Gast: GeierSturzflug
30.08.2007 18:46
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Nach dem gestrigen ZIB II

Interview bin ich mir sicher, a) er versteht aber so was von Nichts von geoglobaler Strategie, daher b) ist er abhängig von dem, was im Einflüsterer und seine Lieblingszeitungen stecken, außerdem c) ist ihm das alles egal, weil er - siehe seine Verweise auf MEINUNGSUMFRAGEN - sowieso dauernd auf Vox populi schielt und RESUMEE daher ungeeignet ist Minister zu sein. Diese Meinung wird ihn zwar kalt lassen, zum Nutz und Fromm der Österreicher ist er aber so schnell wie möglich zu entfernen.

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