22.11.2009 06:10 | Meine Presse Merkliste0

Kanzler werden, leicht gemacht

CHRISTIAN ORTNER (Die Presse)

Wann begreift die ÖVP endlich: Von Gusenbauer lernen heißt siegen lernen?

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Hörbar mühselig sucht die ÖVP derzeit nach einer Antwort auf eine im Grunde ganz einfache Frage: Wie jagen wir den Roten wieder das Kanzleramt ab, und zwar molto flotto, wenn's leicht geht? Den ganzen Aufwand könnte sich die schwarze Truppe freilich sparen. Parteichef Molterer bräuchte nämlich lediglich die politischen Debatten dieses Sommers und die bekannten Ursachen des Wahlsieges (SPÖ) und der Wahlniederlage (ÖVP) bei einem Achterl an seinem geistigen Auge vorüberziehen lassen – schon entstünde ein geradezu unbezwingbarer Plan, Gusenbauer zu entthronen. Und zwar indem die ÖVP endlich akzeptiert: Von Gusenbauer lernen heißt siegen lernen.

Daraus ergibt sich folgende „Agenda Molterer 2010“: 1.Die ÖVP lädt alle anderen Parteien ein, zusammen mit ihr am kommenden 26.Oktober in einem feierlichen Akt die ab sofort gültige 1000-jährige, unwiderrufliche Neutralität Österreichs zu beschwören. Weil uns dann alle liebhaben, können wir nicht nur die Eurofighter, sondern alle anderen Kriegsgeräte bei Ebay versteigern. Die Regierung, so die „Agenda Molterer“ weiter, verdoppelt den dabei eingenommenen Betrag und schüttet ihn als „Neutralitätsgeld“ aliquot an jeden Wahlberechtigten aus (in den vier Wochen vor der nächsten Wahl).
2.Vizekanzler Molterer rechnet in einer weltweit beachteten Grundsatzrede mit dem US-Imperialismus, dessen Nato-Schergen und den willfährigen Raketen-Tschechen hart ab. Dabei kritisiert er auch Minister Darabos, der dies bisher immer nur halbherzig angedeutet hatte, und Minister Buchinger, dessen Solidarität mit Kuba es noch deutlich am notwendigen revolutionären Elan gebricht.
3.Um die Folgen des menschenverachtenden Neoliberalismus zu mindern, senkt die „Agenda Molterer“ das Pensionsalter auf 50 und führt eine Mindestpension von 3000 Euro ein. Der Prozentsatz künftiger Erhöhungen errechnet sich, indem Andreas Khol und Karl Blecha einen Prozentsatz nennen; der höhere wird genommen. Liegt er unter zehn Prozent, werden die beiden Forderungen addiert. Das schafft erstens viele zusätzliche Jobs für Junge und erhöht gleichzeitig die Kaufkraft, finanziert sich also eh selbst. Wenn nicht, sollen eben die Reichen zahlen.
4.Weil ja Wasser Leben ist, wird die ÖVP Österreichs „Wasser-Partei“. Dessen Export wird künftig streng verboten (außer in durchsichtigen Fläschchen von weniger als 100 ml Inhalt, die an der Grenze vorzuweisen sind).
5.Das Sozialministerium soll künftig anstatt der Sozialpartner die jährlichen Lohnerhöhungen in der Privatwirtschaft per Verordnung festlegen. Sie betragen mindestens vier Prozent, vor Wahlen auch mehr.
6.Weil die österreichische Bevölkerung sowohl gegen „das Atom“ wie gegen „das Gen“ ist, wird ein „Atom-Gen-Sperrgesetz“ beides überhaupt verbieten; vor allem Atome in Materie und Gene in Menschen. Eine Physiker-Kommission soll klären, wie das geht.
7.Allfällige Einwände der EU gegen diese visionäre „Agenda“ beweisen nur, wie korrupt die in Brüssel sind, und sind mit einem nationalen Schulterschluss zu beantworten.

Die jüngsten innenpolitischen Debatten zeigen: Hielte sich die ÖVP an diese einfache „Agenda Molterer“, müsste die SPÖ glatt um den Wiedereinzug in den Nationalrat zittern.

Christian Ortner ist Journalist in Wien.


christian-ortner@chello.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.09.2007)

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14 Kommentare
miss chief
12.09.2007 10:19
0 0

ortner rocks

die griesgrämigen vor intellektuellem neid triefenden kommentare der paar das presse forum bereichernden roten zecken bestätigen die richtigkeit der von ortner implizit erhobenen vorwürfe gegen die populistische und realitätsferne linke agenda.

Gast: Südafrikaner
10.09.2007 18:14
0 0

Wahlsieg garantiert

Leider ist die Situation so, wie Herr Ortner dies - der Stil sei dahingestellt - feststellt.

Um es polemisch zu sagen: Es gibt in Österreich leider zu viel Pöbel, der diejenige Partei wählt, die ihnen das blaueste Blau vom Himmel verspricht. Deswegen hat Österreich seit nunmehr 37 Jahren eine Finanzpolitik, die bei Privatleuten schnell zum Besuch des Exekutors führen würde. In diesem Sog schaffte es auch die schwarz/blaue Regierung nicht mehr, das Budget in Ordnung zu bringen, wohl weil sie zu Recht um die Wiederwahl fürchtete.

Was man braucht ist eine Politik ohne Tabuthemen, die verschiedene sinnvolle Möglichkeiten aufzeigt statt einen Jahrmarkt an Unmöglichkeiten anzubieten.

0 0

*lol*

köstlich

Gast: ai
08.09.2007 23:19
0 0

nur wundern

eigenartig wie einer der sich immer gerne zu den "leistungsträgern" zählt mit so einem stuß sein geld verdient.

Gast: Ich bin ein Elch
08.09.2007 15:11
0 0

Sumpfblüten machen sich breit

Ortner hat leider recht. Seit Gusi und seine SJ Spielgefährten außerhalb der Sandkiste mit dem Schauferl graben dürfen - danke Wolfi, dass Du an deiner Gehrer festgehalten hast - machen sich die skurillen Sumpfblüter in Österreich bemerkbar. Ein besonderes Exemplar macht sich so seine Umverteilungsgedanken im OnlineStandadard. Unter dem Titel Rettender Engel Regionalwährung darf eine gewisse Brigitte Unger ihren Giftmüll abladen: ..deshalb müssen wir um Arbeitslosigkeit und Ungerechtigkeit zu bekämpfen ...(zu den Mittel) INFLATION oder HÖHERE STEUERN greifen. Die von der Linken geförderte Frau Professor möchte wie einst Stresemann 1923 durch Hyperinflation eine gerechte Verteilung erreichen. Alle gleich (arm) - so ihre Vision. Vergißt aber, dass Zeiten der Inflation immer die besten Zeiten für Stinnes und Kreugers waren. Nicht umsonst wurde Stinnes als König der Inflation bezeichnet, während der Mittelstand Kartoffel klauen gehen mußte.

Gast: Molterer
07.09.2007 14:52
0 0

Ortner

Sie sind als mein persönlicher Berater engagiert!

Gast: herr bergmann
07.09.2007 13:54
0 0

Lieber Herr Ortner,

das ist nichts als wirres Gestammel. Sie sollten einen Beruf erlernen.

Gast: monocle
07.09.2007 10:30
0 0

Das wirklich Traurige ist,

dass das nicht nur Ironie, sondern österreichische Realität ist. Solche Wahnsinnsposititionen werden wirklich gewählt (nicht nur die hier genannten der SPÖ; bei jeder Partei kann man sich sicher sein, dass der jeweils dümmste Vorschlag den größten Applaus erhält).

Gast: Hansi Hüpfer
07.09.2007 09:59
0 0

Maxi macht's besser

Mein Meerschweinderl Maxi schreibt besser. Natürlich passiert's, dass man an gewissen Tagen nicht schreiben kann aber, warum veröffentlicht denn die Presse solchen Unsinn?

Gast: artemis von ephesos
07.09.2007 09:37
0 0

wenn journalisten versuchen,

witzig zu sein, geht das praktisch immer daneben! (mir fällt dazu nur mehr ein, wie wir vor jahrzehnten in der schule solches zu kommentieren pflegten: witz komm heraus, du bist umzingelt!)

Gast: Gerhard
06.09.2007 23:44
0 0

Schlechter Kabarett-Nummern-Schreiber

Als Kabarett-Nummern-Schreiber halte ich nach Durchsicht des Kommentars Herrn Ortner für minder begabt.

Ophicus
07.09.2007 10:02
0 0

Re: Schlechter Kabarett-Nummern-Schreiber

Stimmt, er hat vergessen ein paar anzügliche Wortspiele einzubauen.
Vom Zynismus her ist es durchaus nicht das schlechteste Kabarettprogramm.

Antworten Gast: forstmann
07.09.2007 09:41
0 0

Re: Schlechter Kabarett-Nummern-Schreiber

Ich schätze normalerweise die Kommentare von Christian Ortner - diesmal dürfte er aber einen schlechten Tag erwischt haben und schließe mich somit Ihrer Meinung an; wenngleich der inhaltliche Kern den Nagel auf den Kopf trifft.

Antworten Gast: Bimbo
07.09.2007 08:56
0 0

Re: Schlechter Kabarett-Nummern-Schreiber

Interessante Beurteilung!

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