Vermutlich ist noch nie so viel Steuergeld mit so wenig politischem Diskussionsaufwand ausgegeben worden wie jene schätzungsweise plusminus 400 Millionen Euro, die die öffentlichen Hände drei Wochen Fußball-Europameisterschaft in Österreich insgesamt kosten wird. Das sind immerhin gute fünf Milliarden Schilling nach altem Geld; deutlich mehr als etwa heuer die mit großem Pomp und Trara verkündete Befreiung der Geringverdiener von den Sozialversicherungsbeiträgen kostet.
Der Grund dafür, dass so viel Steuergeld so wunderbar barrierefrei fließen kann, ist jene ganz spezielle Ökonomie des Fußballs, die durchaus einige Aspekte des perfekten Verbrechens aufweist. Denn am Ende wird ein eigentümlicher Verein nach Schweizer Recht, die in Zürich domizilierte Uefa, um ein paar hundert Millionen Euro reicher sein; letztlich Geld der Steuerzahler, der Konsumenten, der vielzitierten „kleinen Leute“ halt.
Gelingen kann diese Form des perfekten und noch dazu völlig legalen Coups freilich nur, wenn zwei Mittäter angeworben werden können, einerseits die Politik und andererseits die großen Boulevardmedien, papierene wie elektronische. Ihre Komplizenschaft ist notwendig, um das ganz große Ding zu drehen.
Die politische Klasse zum Mittäter zu machen ist simpel. Dafür, dass sie ein paar hundert Millionen Steuergeld aus dem Tresor holen, mit denen ein Großteil der im Zusammenhang mit der Euro 08 entstehenden Kosten abgedeckt werden können, wird den Politikern angeboten, die allenfalls aus der Mesalliance von Sport und Politik generierten Popularitätswerte zu lukrieren. Der Steuerzahler zahlt also dafür, dass die Beliebtheit einzelner Politiker steigt, wenn der Plan aufgeht – ein klassisches Geschäft zu Lasten Dritter. Und gerade deswegen unter Politikern besonders beliebt.
Mit den Millionen des Steuerzahlers in der Tasche lässt sich natürlich ein Ereignis von erheblichem Aufmerksamkeitswert inszenieren. Und damit wird der zweite notwendige Komplize geködert, die Boulevardmedien. Sie müssen unbedingt mitmachen, weil sonst die Politiker ja nicht ihren Teil der Beute einstreifen können; und sie machen gerne und ganz freiwillig mit.
Auch sie profitieren erheblich, denn jenes Spektakel, das da von den Veranstaltern und der Politik mit fremder Leute Geld veranstaltet wird, bringt ihnen ohne allzu großen eigenen Aufwand hohe Reichweiten und Quoten, die sie der werbetreibenden Wirtschaft für gutes Geld verkaufen können. Warum auch nicht, ist ja schließlich ihr Geschäft.
Spielen alle drei Komplizen professionell zusammen, gibt es am Ende nur Sieger: Quote für Medien, Sympathiewerte für Politiker, pralle Geldsäcke für die Uefa in Zürich.
Erstaunlich daran ist eigentlich nur: wie einfach es im Grunde ist, in Zeiten, in denen es ja den „kleinen Leuten“ angeblich von Tag zu Tag schlechter geht und sie nicht mehr wissen, womit das teure täglich Brot bezahlen, derart substanzielle Summen auf Kosten eben jener „kleinen Leute“ zu mobilisieren. Und das, ohne dass die zu murren beginnen; ganz im Gegenteil.
Funktionieren die Fußballonomics so gut wie gerade eben, haben wir es daher mit einem Raub zu tun, bei dem sich die Beraubten auch noch freuen – perfekter kann ein Coup nicht sein.
Christian Ortner ist Journalist in Wien.
christian-ortner@chello.at
("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.06.2008)

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