25.05.2012 21:27 | Meine Presse Merkliste 0

Holocaust 2.0, ein utopisches Projekt

CHRISTIAN ORTNER (Die Presse)

Frage an Radio Hamas: Wie schließt man Frieden mit jemandem, der einen umbringen will?

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Kein vernünftiger Mensch würde wohl auf die krause Idee kommen, die USA oder der Westen müsse eine „politische Einigung“ mit al-Qaida und Osama bin Laden erzielen, um deren Terror zu beenden. Zahllose vernünftige Menschen in Europa vertreten hingegen derzeit die Meinung, Israel müsse eine Art politischer Einigung mit der Hamas herbeiführen, um deren Raketenterror ein Ende zu setzen.

Nicht, dass das nicht in gewisser Weise wünschenswert wäre. Das Problem dabei ist nur, dass die Annahme, mit der Hamas könne Israel einen politischen Ausgleich zum Nutzen aller Streitparteien finden, ein bisschen euro-naiv ist. Denn was die Hamas mit al-Qaida verbindet, ist (unter anderem) das tief sitzende Bedürfnis, Israel und die Israelis auszulöschen, das heißt, physisch zu vernichten. Jener politische Ausgleich, der von Israel eingemahnt wird, ist deshalb das Allerletzte, was die Hamas erreichen will.

Viele Europäer wollen oder können das nicht zur Kenntnis nehmen und interpretieren den Konflikt zwischen Israel und Hamas daher wie eine Art Streit zwischen zwei Nachbarn, die jeder ihre mehr oder weniger legitimen Interessen verfolgen.

Wäre es so, wäre tatsächlich die Forderung nach einer „politischen Lösung“ gerechtfertigt. Nur: Wie einigt man sich bitte „politisch“ mit einem Nachbarn, dessen öffentlich erklärtes Ziel ist, einen selbst und seine Familie auszurotten – und der immer wieder, um die Ernsthaftigkeit seiner Absichten zu untermauern, vom Nachbargrundstück ins Kinderzimmer schießt?

Selbst in Österreich ist in diesen Tagen zu spüren, dass nicht nur ein paar verrückte militante Extremisten Israel und die dort lebenden Menschen vernichten wollen. Wenn etwa in einem Wiener islamischen Gebetsraum der Prediger (ein Herr Adnan Ibrahim) Israel „...die eigentliche Bestie“ nennt (wie verfährt man mit einer Bestie? – eben) oder auch der Präsident der hiesigen Islamischen Glaubensgemeinschaft, Anas Schakfeh, die Vernichtung Israels „eine Utopie“ nennt (also offenkundig einen eher wünschenswerten, wenn auch nicht machbaren Zustand) – dann kann man sich ziemlich gut vorstellen, was die Hamas für ihre jüdischen Mitbürger empfindet.

Dazu kommt, dass im Verständnis des radikalen Islam (nicht nur der Hamas) „Friede“ bloß dann wünschenswert ist, wenn man als Muslim gerade zu schwach ist, um weiterzukämpfen – und diese Zeit nutzt, um sich auf den nächsten Angriff vorzubereiten. Islamistischen Terrorgruppen eine politische Lösung anzubieten, heißt in deren Gedankenwelt daher, die eigene Schwäche einzugestehen und sie einzuladen, sich für den nächsten Waffengang zu rüsten.

Mit solchen Gegnern ist ein tatsächlicher „Friede“ im uns geläufigen Sinn leider aus logischen Gründen nicht möglich; ein derartiger Gegner ist bestenfalls mit massiver Gewalt dazu zu bewegen, nicht weiter anzugreifen. Für die meisten Europäer ist das ein völlig unnachvollziehbarer Gedanke – für Israel ist er alltägliche Realität.

Christian Ortner ist Journalist in Wien.


christian-ortner@chello.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.01.2009)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo
Als Gast kommentieren

...oder einloggen um als registrierter Benutzer zu kommentieren (Vorteile dieser Variante)


Mit dem Absenden Ihres Kommentares erklären Sie sich mit den Forenregeln einverstanden.

*... Pflichtfelder

Sicherheitscode
(Was bringt das?)*



Schwer lesbar?
Neuen Code generieren

Verbleibende Zeichen

53 Kommentare
 
1 2
Gast: Danke Hr. Ortner
20.01.2009 21:08
0 0

Das Beste,

was ich in Österreich je zum aktuellen Konflikt zwischen Israel und der TERRORorganisation Hamas gelesen habe. Dass sie demokratisch, mehrheitlich gewählt ist, macht die terroristische Agenda (Ausrottung des Staates Israel) nicht besser, sondern nur verständlicher, warum es dort Check-Points und alle mögliche "Schikanen" für die "Zivilbevölkerung" gibt.

Antworten Peregrin
22.01.2009 16:15
0 0

Re: Das Beste,

Herr Ortner soll lieber aufpassen, dass er nicht demnaechst wegen "Verhetzung" oder sowas verurteilt wird.

Gast: perkucher
17.01.2009 21:28
0 0

zum nachvollziehen.

http://de.wikipedia.org/wiki/Hamas

http://de.wikipedia.org/wiki/Arabischer_Antisemitismus

http://de.wikipedia.org/wiki/Nahostkonflikt

http://de.wikipedia.org/wiki/Antisemitismus_(nach_1945)

http://www.matthiaskuentzel.de/contents/sprache-der-vernichtung

wollt einfach hinweisen auf die links. einladen zum lesen. nachvollziehen. überlegen wie es einen selbst gehen würde in der situation. beidseitig. und zu fragen, welche schlüsse sich rechtfertigen bzw nachvollziehen lassen.

Gast: evi17
17.01.2009 09:06
0 0

Meinen Kniefall!

Ein nicht verblendeter Journalist!
Was für ein schönes Gefühl!
Danke.

citoyen
16.01.2009 20:09
0 0

Kann Israel jemals in Frieden leben?

Wenigstens ein Journalist in Österreich, der nicht auf den widerlichen "Bashing Israel" Zug aufspringt. Was würden wir sagen, wenn Teile Österreichs aus einem Nachbarland ständig mit Raketen beschossen würden?

Die Hamas will Israel vernichten, ohne wenn und aber. Die journalistischen Geisterfahrer in der ZIB Redaktion mögen das nicht vergessen....

Antworten Gast: Gast
17.01.2009 12:20
0 0

Re: Kann Israel jemals in Frieden leben?

Gegenfrage :Wie schliesst man Frieden mit jemanden, der einem die Lebensader abschneidet indem er keine Lebensmittellieferungen durchlässt(ausser werbewirksam einige Lastwägen vor Kameras), Strom und Wasser sperrt, der als Besatzungamacht der Bevölkerung medizinische Hilfe verweigert und die Grenzen abschottet, einfach wartet bis das Volk am Boden liegt und alles akzeptieren würde , nur um zu überleben?

0 0

Re: Re: Kann Israel jemals in Frieden leben?

Man kann widerlegen wie man will, die Lügen solcher Leute wie Du sind unausrottbar!
nun zum x-ten Male: den P. (und nicht nur der Hamas) ist nix heilig. Sie missbrauchen alles und jedes (Gotteshäuser, UNO-Gebäude, Schulen, Krankenwagen etc.) für ihren Vernichtungskrieg gegen I. und solche einfältigen wie Du werden nicht müde, die Schikanen der I. so darzustellen, als ob die das nur aus purem Sadismus da sind.

0 0

Re: Re: Kann Israel jemals in Frieden leben?

Herr Ortner blendet das wohl aus. Für ihn gibt es nur einen Bösewicht und die Gleichsetzung der Hamas mit globalen Terrororganisationen wie AlQaida zeigen das Unverständnis dieses sog. Journalisten. Die Hamas agiert territorial und tut den Palästinensern mit ihren Terrorakten sicherlich keinen Gefallen, - aber es darf nicht vergessen werden, dass Israel ein normales Leben in Gaza einfach verweigert. Check points, Schikanen usw. begleiten das Leben der Menschen mit dem längsten Flüchtlingsstatus in der jüngeren Geschichten. Alleine der Einsatz von Phosporgranaten ist menschenverachtend und zeigt wie Israel denkt - ich interpretiere es jedenfalls als Zeichen dafür, dass sie Palästinenser nicht als menschliche Wesen betrachten sondern eher als Schädlinge, die vernichtet werden müssen.

0 0

Re: Re: Kann Israel jemals in Frieden leben?

Gaza hat auch eine lange Grenze zu Ägypten - warum kommen von dort keine Lebensmittel ????? Seltsamerweise werden immer mehr Palästinenser in israel. Spitäler behandelt - wie deckt sich das mit Ihrer krausen Sichtweise? Warum arbeiten die Palästinenser so tatkräftig an der Bevölkerungsexplosion mit, wo der Platz jetzt schon nicht mehr reicht ?

0 0

Re: Re: Re: Kann Israel jemals in Frieden leben?

Weil der Gaza Streifen kein Staat ist, sondern das übriggelassene Territorium eines völkerrechtswidirgen Krieges Israel gegen seine Nachbarn. Die Israelis haben, wenn sie schon den Lebensraum wegnehmen, die Gottverdammte Pflicht diese Menschen wie Menschen zu behandeln und ihnen die wesentlichste Hilfe zu leisten.

Und das Armut in der Regel zu vielen Kindern führt ist eine historische Tatsache.

Einzig und allein muss ich Recht geben, was die Arabische Hilfe untereinander angeht (Ölscheichs die Luxus-Planstädte in der Wüste bauen und verhungernde Menschen in Kriegszuständen).

Solange Israel nicht ihr Verhalten gegen die muslimischen Israelis (sprich Palestinenser) ändert, wird die Hamas wachsen, kämpfen und Leid verursachen.

Antworten Antworten Antworten Gast: Gast
18.01.2009 13:44
0 0

Re: Re: Re: Kann Israel jemals in Frieden leben?

Weil Israel Ägypten als Verhandlungspartner hat.

freeman
16.01.2009 19:49
0 0

Sehr richtig.

Leider eine der wenigen Stimmen in der heimischen Medienlandschaft, die nicht blanke Hamas-Propaganda betreiben.

Der ORF berichtet "empört" vom Beschuß einer UNO-Schule, zeigt aber nciht das Video das die Terroristen beim Abschuß von Granaten von diesem Gelände zeigt.

Dafür daß sich die Hamas feige hinter Zivilisten versteckt, anstatt der IDF "mit offenem Visier" entgegenzutreten, sind die zivilen Opfer wirklich minimal.

Gast: Crusader
16.01.2009 18:50
0 0

Danke Herr Ortner!

Treffend! Ihrer Analyse ist nichts hinzuzufügen!
Nur will die mulsimenfreundliche Gutmenschenwelt dies nicht hören.
Die Antifas und Multikultis als Feinde Israels - eigentlich ein Treppenwitz...

Antworten Gast: Tja
17.01.2009 10:58
0 0

Die Migranten, die man rief

Ich habe mir zufällig ein paar Zeitungsausschnitte von 1989/90 aufgehoben, wo es darum ging, daß die sogenannte Zivilgesellschaft den illegalen Aufenthalt von ungefähr 10.000 Migranten aus Rumänien (Angehörige einer dort durch die Veröffntlichung ihre Anteil an der Kriminalstatistik schwers verfolgten Minderheit) sogar gegen den (schüchternen, verbalen Vorwahl-) Widerstand des roten Innenministers durchgesetzt hat.

Das war der moralische Knick und Kniefall vom mitteleuropäischen Österreich zur multikulturellen Kolonie. Das Tor für immer mehr Migration war geöffnet.

In der Liste der damals hervorragenden Promis und sonstigen Unterzeichner habe ich keine Fundamentalisten und Islamisten gefunden, aber reihenweise betont israelfreundliche Persönlichkeiten.

Und jetzt geht der A auf Grundeis, daß Migranten sich nicht mit dem Ausplündern und Verdrängen der Europäer aus der Evolution begnügen, sondern ausgesprochen undankbare geopolitische Vorstellungen entwickeln.

Gast: mike
16.01.2009 15:42
0 0

So weit erkennbar,

kann es in Palästina nur Frieden geben, wenn entweder Juden oder Palästinenser das Land verlassen haben werden.
Die Frage ist nur : wer und wie ?

Antworten Gast: mau
09.05.2009 11:22
0 0

Re: So weit erkennbar,

wieviele juedische staaten gibt es denn, in die die juden emigrieren koennten? soweit ich weiß, nur einen.
arabische staate hingegen gibt es ringsum, so weit haetten es die palaestinenser gar nicht, um in einem land in frieden u unter gleichgesinnten zu leben. aber. darum geht es nicht. damit frieden herrscht, muesste man israel u seine juedischen einwohner zum mond jagen. selbst wenn eine loesung zwischen palaestinensern u israelis gefunden werden wuerde, waere israel immernoch am falschen ort u ein dorn im auge der benachbarten staaten. traurige wahrheit, die aber gerne ignoriert wird.

Gast: einste1n
16.01.2009 13:32
0 0

bravo

endlich mal jemand der das problem der naiven europäer erkannt hat.

Antworten Gast: Christian
16.01.2009 15:36
0 0

Re: Welche Naivität? Daß es ohne Gewalt auch geht?

Verzweiflung erzeugt Extremismus und mündet in Terror!
Und da soll jetzt militärischer Terror helfen?

Ein alter friesischer Spruch lautet: "Lever död üs slav"!
(lieber tot als Sklave)

Antworten Antworten freeman
16.01.2009 19:41
0 0

Das ist Blödsinn.

Terroristen werden nicht die Verzweifelten, sondern die Gelangweilten - das sollte sich doch mittlerweile herumgesprochen haben.

Warum schafften es die europäischen Länder, trotz enormer Kriegszerstörungen, Millionen von Flüchtlingen und Vertriebenen binnen kürzerster Zeit zu integrieren, während die fast zur selben Zeit geflüchteten Palästinenser noch immer in "Lagern" leben und sich dort prächtig vermehren?

Antworten Antworten Antworten Gast: Gast
17.01.2009 12:23
0 0

Re: Das ist Blödsinn.

Tynischer kann man das Problem der verhungernden Palästinenser nicht schildern.

0 0

Re: Re: Das ist Blödsinn.

Sie meinen wohl ehrlicher und richtiger - nur das paßt halt nicht ins Bild unserer Verbohrten !

Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: Gast
18.01.2009 13:50
0 0

Re: Re: Re: Das ist Blödsinn.

Ehrlich und richtig soll die Verhinderung eines erträglichen Zustandes im Gazastreifen sein, das darf dich nicht wahr sein, zynischer geht es nicht. Nun hat es endlich alle Welt begriffen, die von Israel hochgezüchtete Hamas ist nicht das palästinensische Volk, sondern eine Folge der Verweigerung einer vernünftigen Politik von USA und Israel.

areopagit
16.01.2009 13:27
0 0

Stimmt, aber ...

Hervorragende Analyse, die zwei Aspekte vernachlässigt:
1. Palästina war jüdisch-christlich-muslimisch bis Israel (wieder-)erstand. Nunmehr ist Palästina weithin muslimisch-christlich und Israel jüdisch-christlich. Einige - zuviele - Radikale sind an einer friedlichen Lösung nicht interessiert ("Es wird zurückgeschossen" - "Israel gehört vernichtet"). Europa sollte sich - nachdem Europa Israel wiedererstehen hat lassen - massiv für Friedensprojekte einsetzen. (Ein arabischer palästinensischer Anwalt engagiert sich im Holocaust-Museum, das bisher keine Informationen auf arabisch hatte: Viele Palästinenser habn so erstmals vom Leid der Juden im Holocaust erfahren).
2. Der Angegriffene soll Frieden suchen? Das ist tatsächlich ein utopisches Unterfangen. Aber es täte gut auch die Frage zu stellen: Was hat den Angreifer so sehr die Hoffnung genommen, dass er die Flucht in die Gewalt angetreten ist? Sowohl Bin-Laden und seine Mittäter als auch die Hamas.

Antworten Gast: Christian
16.01.2009 15:38
0 0

Re:Alte Konversationslexika geben oft unverdächtig Auskunft!

Schauen Sie etwa bei "Meyer" nach, wieviele Juden um 1900 in Palästina gelebt haben.

Antworten Antworten LePenseur
18.01.2009 22:09
0 0

Re: Re:Alte Konversationslexika geben oft unverdächtig Auskunft!

Sie meinen vermutlich: wie wenige.

Arethas
16.01.2009 13:01
0 0

Hamas und Israel

Ausnahmsweise (!) muss ich Herrn Ortner recht geben: Kein vernünftiger Mensch wird von Israel verlangen, mit der Hamas eine politische Einigung zu erzielen.
Eine Einigung erzielen sollte Israel aber schon aus wohlverstandenem Eigeninteresse mit den Palästinensern insgesamt. Die simple Parole "... von jetzt an wird zurückgeschossen ...." scheint mir ein wenig taugliches Zukunftskonzept zu sein.

 
1 2

Mehr Quergeschrieben:

Top-News