25.05.2012 21:30 | Meine Presse Merkliste 0

Von Lockjuden und Friedensschiffen

CHRISTIAN ORTNER (Die Presse)

Um die Stimmen von 200.000 in Wien lebenden Muslimen abzukassieren, macht Michael Häupl einen auf Karl Lueger light.

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Wenn Israel die Schiffe einer angeblichen „Friedensflotte“ mit Verbindungen ins terroristische Milieu entert, beschließt der Wiener Gemeinderat – eine bekanntlich außenpolitisch weltweit renommierte Institution – sofort eine superknallharte Resolution gegen den Judenstaat. Michael Häupl auf den Spuren Karl Luegers, sozusagen.

Wenn hingegen in der belgischen Stadt Antwerpen der gewalttätige Antisemitismus derart ansteigt, dass die dortige Tageszeitung „Staandard“ schreibt: „Die Juden verlassen Antwerpen“, dann ist das dem Wiener Gemeinderat nicht einmal eine Silbe der Entrüstung wert.

Man muss das irgendwie verstehen: Während die Stimmen der paar tausend Juden in Wien bei den kommenden Wahlen völlig irrelevant sind, leben fast 200.000 Muslime in der Stadt; ein Milieu, dem Antisemitismus nicht gänzlich unbekannt ist. Was soll sich da der Wiener Gemeinderat ausgerechnet um die Juden in Antwerpen scheren, wenn er sich eh schon um die Palästinenser in Gaza so aufopferungsvoll kümmert?

Mit dieser Mischung aus übelkeiterregender Bigotterie und alberner Aufgeblasenheit sind die Provinzpolitiker aller Fraktionen im Wiener Rathaus freilich nicht allein in Europa; ganz im Gegenteil. Verlogen an den Gedenkstätten für die toten Juden ein rituelles „Wehret den Anfängen“ & „Nie wieder Faschismus“ absondern, aber seelenruhig dabei zuzusehen, wie an vielen Orten in Europa ein in vielen Fällen migrantischer Mob lebende Juden bedrängt, ist eine in Europa verbreitete Haltung.

Deshalb juckt es die außenpolitischen Kapazunder im Wiener Rathaus natürlich auch nicht die Bohne, dass etwa im holländischen Fernsehen jüngst zu sehen war, wie drei orthodoxe Juden von jungen Herren mit Migrationshintergrund angespuckt, beschimpft und mit dem Rat versehen wurden, die „Drecksjuden“ mögen sich „in ihre Heimat scheren“, begleitet vom Hitler-Gruß. Derartige Vorfälle sind in Antwerpen so häufig, dass die dortige Polizei jetzt „Lockjuden“ einsetzt, um der Täter habhaft zu werden. Dass mittlerweile viele Juden Antwerpen verlassen und nach London emigrieren, ist dem Wiener Gemeinderat natürlich ebenso schnuppe, schließlich ist er ja vor allem für die reibungslose und unbürokratische Versorgung von Gaza City mit Heimwerker-Materialien auf dem Seeweg verantwortlich.

Wenn Juden aus Kontinentaleuropa nach London ins Exil gehen, weil sie sich hier nicht mehr sicher fühlen, dann ist das kein gutes Zeichen für die Freiheit in Europa. Und wenn sich der Wiener Gemeinderat gleichzeitig als Schutzmacht jenes Gazastreifens geriert, von dem aus jahrelang Israel mit Raketen beschossen worden ist, um ein paar Migrantenstimmen einzusacken, ist heftiger Brechreiz nur schwer zu unterdrücken.

Christian Ortner ist Journalist in Wien.

christian-ortner@chello.at

www.ortneronline.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.07.2010)

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32 Kommentare
 
1 2
Gast: Ottenbacher
05.10.2010 09:45
0 0

Thomas Bernhard lebt

Dieser Blog ist mehr, als Realsatire.

Eher schon Sprechtheater.

Stimmen nachts in der Luegerkirche am Zentralfriedhof - mit ein paar erläuternden Einblendungen (neo-con-freunde, Wambo, der Knieriem ...)

Thomas Bernhard lebt.

fellini-nc
06.07.2010 21:41
2 0

Punschkraperl

aussen rot innen braun und a bisserl angsoffen

Gast: _klartext
05.07.2010 16:42
2 2

Wie ich schon mehrmals schrieb, ....

....wir befinden uns im Zeitalter der Pharisäer. Widerliche Heuchlerei und Scheinaktivität unserer Politiker und "Prominenten", wo man hinsieht - und der Häupl ist da dick dabei.
Man kann gar nicht so viel fressen, wie man kotzen will.
Danke, Hr. Ortner, Ihr Artikel gibt ein wenig Hoffnung....

galli leo
05.07.2010 11:40
5 4

seltsame logik:

weil sich die wiener administration für eine region, in der großes unrecht geschieht, engagiert, muss sie sich für all das andere unrecht auf diesem planeten auch interessieren und irgendwie eingreifen?

warum nur engagement für die antwerpener juden?
warum nicht auch.......(die punkte stehen für eine nahezu unendlich lange liste von grauslichkeiten in allen gegenden der welt)?

ps.: für wen engagieren sich eigentlich die neo-con-freunde von ortner?

franzmann
05.07.2010 09:53
3 1

danke für den kommentar

die spö ist eine partei die aus politischer korrektheit den lueger ring umbenennen will, dann aber eine aktion unterstützt, deren einziges ziel die delegitimation des staates israel war. wann wird die kultusgemeinde darauf reagieren?

Antworten Arethas
10.07.2010 20:34
0 0

Re: danke für den kommentar

Gar nicht.
Dr. Muzicant ist selbst SPÖ-affin und wird diese kleine Krot leicht schlucken, wenn dafür nur sein Spezi Häupl an der Macht bleibt.

Aufschlussreich:
"Der Müll, die Stadt und der Tod" von Fassbinder.

franzmann
05.07.2010 09:53
3 2

danke für den kommentar

die spö ist eine partei die aus politischer korrektheit den lueger ring umbenennen will, dann aber eine aktion unterstützt, deren einziges ziel die delegitimation des staates israel war. wann wird die kultusgemeinde darauf reagieren?

Arethas
03.07.2010 21:38
1 0

Schlimm

Ja, seit Häupl diesen palästinensischen Wahlkampfberater, Greenberg oder so, engagiert hat, ist er wirklich nicht mehr zum derkennen...

Antworten diogenes
11.07.2010 00:52
0 0

Re: Schlimm

dem Namen nach ist dieser Berater ein ....

Gast: cuidada
02.07.2010 22:52
4 1

danke

für diesen Kommentar, Herr Ortner.

Es ist beruhigend zu sehen, dass es doch noch ein paar vernünftige Stimmen in Europa gibt.

Antworten Arethas
10.07.2010 20:35
0 0

Re: danke

Gibt es, aber was hat Lohnschreiberling Ortner damit zu tun?

3 0

Sehr guter Kommentar, danke!

Die Situation ist einfach krank.

Arethas
02.07.2010 13:48
3 0

Andere Stimmen

"...wie drei orthodoxe Juden von jungen Herren mit Migrationshintergrund angespuckt, beschimpft (...) werden".

Und wer demonstriert auf dem Heldenplatz für mehr Einwanderung: Rudolf Scholten, Robert Misik, Robert Menasse, Isolde Charim, Doron Rabinovici, Hanno Loewy, Markus Kupferblum, Michael Schottenberg etc.?!
Dr. Ariel Muzicant: " Wenn Sie also wollen, dass die Muslime wirklich gute Österreicher werden, dann geben Sie ihnen doch die Chance, sich als Muslime zu organisieren,
ihre Kultur und ihre Religion zu pflegen (!)."
(http://www.open-speech.com/threads/253201-Muzicant-Unglaubliche-Vorteile-duch-Einwanderung)

Noch Fragen?

Antworten Gast: Addendum
03.07.2010 10:59
0 0

Re: Andere Stimmen

Und welche Zeitung führt seit Jahrzehnten die Migrationslobby an?

Antworten Antworten Arethas
03.07.2010 21:45
1 0

Re: Re: Andere Stimmen

Richtig kritisch ist sowieso keine.

Gast: Zyni
02.07.2010 13:35
1 0

Heimwerker Bestelliste für Gaza

Wir bestellen:
Zement
Stahl (Bewehrung)
Stahltüren
Entlüfter
und ganz besonders diesen speziellen Tacker http://www.clipfish.de/video/2186509/schnellste-waffe-der-welt/ der die Dichtbahnen abschliessen kann.

Ka_Sandra
02.07.2010 13:22
7 2

Häupl ist leider nicht der Einzige,...

...der in Sachen Israel mit zweierlei Maß misst.

Wer Israels Haltung gegenüber den Palästinensern zu Recht kritisiert, darf andererseits den Terror der Hamas nicht bedingungslos tolerieren, rechtfertigen, totschweigen oder verharmlosen. Dass radikale Moslems als Anwort auf israelische Aktionen jüdische Mitbürger in europäischen Städten attackieren, ohne dass dies Politiker zu stören scheint, ist erschreckend und ziemlich entlarvend.

Ich finde es gut, dass Christian Ortner diese Heuchelei gekonnt anprangert. Wenn dieses Messen mit zweierlei Maß überdies dem billigen Stimmenfang in Wahlzeiten dient, ist es besonders verwerflich.

Knieriem
02.07.2010 12:54
5 0

Lockjuden und Friedensschiffe?

Man könnte ja polemisch meinen, daß die Holländer selbst schuld sind, da sie in ihrer vorgeblichen Liberalität ungebremst Muslims in ihr Land gelassen haben. Es sind ja, wenn man die europäischen Gazetten liest nicht "nur" Juden betroffen, sondern immer mehr auch die liberalen Eingeborenen. Dies nicht nur in Antwerpen, sondern in vielen Großstädten Europas, z.B. Brüssel, Paris, Berlin. Ob London tatsächlich für Juden so ein sicheres Pflaster ist, mag dahingestellt sein. In Udo Ulfkottes www.akte-islam.de bekommt man da eine andere Sicht der Dinge. Eine Sicht jenseits einer durch eine politisch correcten Politik und einer artverwandten Journaille vermittelten - und alles durch Links belegt. Jedenfalls ist die rote wiener Stadtregierung seit einiger Zeit dabei, uns zu verkaufen. Daß andere Parteien, vor allem die ÖVP seit der junge Pröll Parteiführer ist, den Linken so auf den Leim gehen, ist eigentlich unfaßbar. Beliebigkeit wird sich nicht bezahlt machen! Diese Resolution gegen Israel ist, eine Riesensauerei. Nicht weil Israel so arm oder schutzbedürftig, auch nicht unschuldig ist, sondern, weil dieses Schiff eine offensichtliche Provokation war. Jedem, der sich mit dieser Sache beschäftigt hat, muß klar gewesen sein, daß da nicht Friedenstauben am Werk sind. Man hat immer mehr das Gefühl, daß sich die SPÖ zu einer Vorfeldorganisation islamischer Interessen entwickelt. Was uns erwarten könnte, sieht man beim Blick über den Tellerrand in Länder, die schon "weiter" sind!

Antworten diogenes
11.07.2010 00:57
0 0

Re: Lockjuden und Friedensschiffe?

Hab garnicht gewusst, dass der Knieriem ein "Insriger" ist:
"uns zu verkaufen."

Antworten Antworten Knieriem
11.07.2010 17:28
0 0

Re: Re: Lockjuden und Friedensschiffe?

Insriger? - nein, sicher nicht. Bitte genau lesen! Mit "uns" meinte ich die Athochthonen. Trotzdem habe ich ein gewisses Verständnis für die israelische Aktion, aber überhaupt kein Verständnis für die Resolution des Wiener Gemeinderats. Was ich von denen halte, würde sowieso zensuriert.

Gast: Gast
02.07.2010 08:18
4 7

Es gibt viele Brechreize

Z.B. ist ein solcher wenn Herr Ortner die Finanzwirtschaft trotz des angerichteten Magadesasters weltweit diese samt den Neokonservatismus schönredet.

Antworten Pete
02.07.2010 13:03
0 0

Re: Es gibt viele Brechreize

Und darum müssen die Sozis auch immer was abkriegen

Antworten Knieriem
02.07.2010 12:54
8 1

Re: Es gibt viele Brechreize

Themaverfehlung! Nicht Genügend! Setzen!

Gast: Gehirnforscher
02.07.2010 08:02
2 11

Niemand ist bislang nach London gefüchtet!!

In Gaza werden die Einwohner systemetisch beschossen, gebombt und ohne der Möglichkeit gelassen, die von den Isr. zerstörten Häuser wieder aufzubauen. In Antwerpen hingegen haben ein paar Diamntenhändler ANGEBLICH gedroht, nach Londom zu ziehen um ihr Luxusleben dort ungestört weiterzuleben.
Aufgeregt die Diamantmillionäre zu bedauern und gleichzeitig die Gazamenschen zu verhöhnen, ist eine Chuzpe, die nicht einmal dem isr. Propagandaministerium eingefallen wäre!

Antworten Pete
02.07.2010 13:01
1 6

Re: Niemand ist bislang nach London gefüchtet!!

dem Herrn Ortner geht es in Wirklichkeit gar nicht um die Juden, der wahre Beweggrund dürfte wieder einmal sein die Sozis anzupatzen

Antworten branko
02.07.2010 11:21
9 5

Re: Niemand ist bislang nach London gefüchtet!!

Ekelhaft wie Sie das alte Bild des mächtigen Juden beschwören und damit sagen wollen, dass wenn es solche Menschen trifft nur halb so schlimm sei.

Und übrigens, in Gaza hindert die Hamas den Wiederaufbau. Verwahrloste Palästinenser lassen sich besser in die Luft jagen und sind weniger aufmüpfig. Außerdem ergibt das bessere Bilder für die dümmlichen Westler.

 
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