25.05.2012 21:33 | Meine Presse Merkliste 0

Warum die nächsten „Tage der Wut“ mitten in Europa stattfinden werden

CHRISTIAN ORTNER (Die Presse)

Viele Menschen haben Sorgen um ihr Geld und Angst vor zu viel Islam. Von den Sozialisten wie auch von den Konservativen fühlen sie sich dabei betrogen – nicht ganz zu Unrecht.

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Quergeschrieben

Die Vorstellung, dass im Frühling 2014 der österreichische Bundeskanzler H.-C. Strache in Paris von Frankreichs Staatspräsidentin Marine Le Pen im Élysée-Palast zu einem freundschaftlichen Meinungsaustausch unter Gleichgesinnten über die Optionen eines gemeinsamen Ausstiegs aus der EU und dem Euro empfangen wird, mag aus heutiger Sicht noch eher abwegig erscheinen.

Das ist sie aber nur zum Teil: Sowohl die stramm rechte Marine Le Pen in Frankreich als auch Herr Strache liegen in Meinungsumfragen gleichauf mit ihren jeweiligen konservativen und sozialistischen Konkurrenten. Beide haben vollkommen intakte Chancen, 2013 (Nationalratswahl in Österreich) und 2014 (Präsidentschaftswahlen in Frankreich) als Nummer eins durchs Ziel zu gehen.

Es wäre freilich eine ziemlich törichte Idee, diese bemerkenswerte politische Entwicklung routiniert bloß auf Xenophobie und Fremdenhass einer Bevölkerung zu reduzieren, die es halt nicht besser versteht.

Wenn in so unterschiedlichen Ländern wie Frankreich und Österreich, aber auch schon früher etwa in den Niederlanden, Dänemark oder jüngst in Ungarn Parteien erstarken, die im traditionellen Koordinatensystem als rechts außen, in der Wahrnehmung der Wähler aber vor allem als Stinkefinger gegen die jeweiligen Regierungen verstanden werden, dann deutet das vor allem auf ein massives, nahezu kontinentweites Versagen der politischen Klasse hin. Europa wird derzeit in der Tat schlecht regiert wie schon lange nicht. Es ist dies ein Versagen der Politik, das vor allem zwei vitale Interessen der Wähler betrifft: jenes nach Sicherheit des Geldes und jenes nach Sicherheit vor als negativ empfundenen Auswirkungen moslemischer Migration. Die Leute haben, ganz grob gesprochen, Sorge um ihr Geld und Sorge vor zu viel Islam. Und sie fühlen sich mit diesen Sorgen vom herkömmlichen politischen Angebot nicht ausreichend verstanden.

Sie haben – leider nicht ganz zu Unrecht – immer mehr das Gefühl, dass ihre Währung zum Opfer eines groß angelegten währungspolitischen Betruges („Der Euro wird hart wie die D-Mark“) wird.

Und sie haben – leider ebenfalls nicht ganz zu Unrecht – immer mehr das Gefühl, in eine „multikulturelle“ Gesellschaft gedrängt worden zu sein, die heute zwar von Frau Merkel wie von Herrn Sarkozy abgelehnt wird, die aber blöderweise nicht nur nicht rückgängig gemacht werden kann, sondern die aus demografisch-ethnischen Gründen immer multikultureller wird. Und das wird halt nicht nur als Bereicherung empfunden.

Schließlich haben sie immer mehr den Eindruck, dass es weitgehend gleichgültig ist, ob sie beim nächsten Mal eher bürgerlich-christdemokratische oder sozialistische Parteien mit Mehrheiten ausstatten: ob die Regierung Pröll/Faymann oder Faymann/Pröll heißt, ist unter diesem Gesichtspunkt ja auch genauso irrelevant wie die Frage, ob in Paris künftig Strauss-Kahn von den Sozialisten oder Sarkozy von den Bürgerlichen politisch zugange sind.

In der arabischen Welt nennt man die plötzlichen Entladungen lange aufgestauten Unmutes gegen ein scheinbar alternativenloses Regime mittlerweile die „Tage der Wut“. Wird Europa auch weiterhin so inferior schlecht regiert wie jetzt, werden die Wahltage der nächsten Jahre zu europäischen „Tagen der Wut“ werden.


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("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.03.2011)

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48 Kommentare
 
1 2
Gast: isnogud
16.03.2011 17:14
1 0

angst ums geld

haben die leute nicht wegen dem euro sondern deshalb, weil sie durch unglaublich hohe steuern, die durch die kalte progression bei immer geringeren realeinkommen greifen, kalt enteignet werden. und was tut die regierung dagegen? anstatt die schwellenwerte zumindest inflationsanzupassen (von echten steuersenkungen wagt der steuerzahler ja eh nicht zu träumen) erfindet sie laufend neue steuern um ihre wahnwitzige umverteilungspolitik fortsetzen zu können. nur wird as strache auch nicht anders machen, denn irgendwie muss man ja die stimmen des pöbels kaufen, der einen wählen soll. das ist halt so in der demokratie.

Gast: Sehr nachdenklich
15.03.2011 14:11
4 0

Danke, ein sehr guter Kommentar


Gast: GAST
13.03.2011 23:43
0 0

Die Präsidentschaftswahl in Frankreich

findet allerdings bereits 2012 statt!

galli leo
13.03.2011 16:15
1 10

nicht wutbürger, sondern dummbürger!

wie heute an anderer stelle zu lesen war, würden die österreicher lt. repräsentativer umfrage gern leute wie niki lauda, hermann maier und natürlich strache in der regierung sehen.

so etwas können nur leute wollen, die entweder von natur aus verblödet sind, oder die vor lauter wut dumm geworden sind.

sollte also tatsächlich der wutbürger in europa mal das sagen haben, dann wird in geschichtsbüchern diese epoche als "diktatur der deppen" verzeichnet sein...

Antworten protagoras
15.03.2011 13:05
3 0

Re: nicht wutbürger, sondern dummbürger!

nicht, dass ich die zwei in der regierung sehen möchte, aber was genau würde niki lauda oder hermann maier schlechter machen als werner faymann und josef pröll?

ihre naive gläubigkeit in unsere derzeitigen politiker wäre amüsant, wäre sie nicht so deprimierend...

der grund, dass es leute gibt, die sich maier und lauda in der regierung wünschen, sind nämlich unsere politiker, nicht die mangelnde intelligenz der wähler. wenn es die parteistrukturen nur zulassen, dass unteres mittelmaß nach oben gespült wird, dann darf man sich nicht wundern, wenn die wähler da nicht mehr mitmachen.

galli leo
13.03.2011 16:09
0 9

ich vermisse in letzter zeit die hinweise, dass ortner etwas zu tun hat mit neocon-kreisen.

früher jedenfalls war das immer am ende seiner kommentare zu lesen.

ist es etwa aus mit der unterstützung und sicherung des lebensunterhaltes durch die neocons?
unterbleiben deshalb in letzter zeit beiträge zum thema wirtschaft?

wird ortner seit neuestem von xenophoben kreisen finanziert und liefert daher entsprechende artikel ab?
sollte es so sein: ein hinweis darauf (so wie früher) wäre angebracht!

Tom93
12.03.2011 16:58
2 12

immer dasselbe

vor 100 jahren wars halt eine andere religiöse minderheit die mit den "werten des abendlandes" angeblich nicht konform ging, die angeblich nicht integrierbar war, die angeblich eine gefahr darstellte, die angeblich alles immer mehr dominierte und überflutete.

das ergebnis kennen wir.

Antworten Gast: Lobito
12.03.2011 18:44
10 3

Re: immer dasselbe

und die selbe gruppe wird seid ihrer existenz von einer gewissen religion versklavt und niedergemetzelt, aber wehe ihnen reichts dann sind sie plötzlich feindbild nummer 1.


Tom93
12.03.2011 16:55
4 11

außer rot stricherln habts ihr nix zu bieten

kein argument, nur ressentiment.

wo seid ihr denn, ihr angeblichen verteidiger des abendlandes? seid ihr nicht fähig in eine diskurs zu treten euere sache zu vertreten, zu argumentieren, zu debattieren?

aber argumente zu entwickeln ist halt schwieriger als einfach seine xenophobie per mausklick auszuleben.


Antworten Ch. Seidl
13.03.2011 23:09
1 4

Re: außer rot stricherln habts ihr nix zu bieten

Von mir ein grünes Stricherl für Sie aus Überzeugung.

Antworten Gast: zyni
12.03.2011 19:23
0 4

Re: außer rot stricherln habts ihr nix zu bieten

bitte nicht füttern

Tom93
12.03.2011 15:31
1 13

ortner übernimmt die agenda der extremen rechten

die "sicherheit des geldes" ist also laut o. in gefahr! aber wer hat denn schon geld? die allerwenigsten! von presse&wiener zeitung ausgehaltene freunde der marktwirtschaft haben bestimmt was auf der hohen kante, aber der rest der gesllschaft ist betroffen von prekarisierung, schlechter bezahlung, jobunsicherheit.

aber diese problem ignoriert ortner lieber, denn er goutiert ja lohnkürzung, sozialabbau und alles was das leben für die breite masse noch schlechter macht, also dass was in seinem jargon "reformen" sind.

viel lieber spricht der freund des turbokapitalismus ortner daher davon, dass wir angeblich "zu viel islam" haben.

dass die mehrheit der zuwanderer bei uns nicht religiös sind ignoriert er. aber den bedingunsglsoen kapitalismus-anbetern ist halt jedes mittel recht um das system, dass die reichen immer reicher macht und immer mehr menschen verarmen lässt zu schützen.

da schrecken dann "liberale" wie ortner auch nicht davor zurück, die agenda der extremen rechten zu übernehmen und alle migranten aus muslimischen ländern zu "problemfällen" und einer "gefahr" zu erklären.

unser problem ist unsere wirtschaftsordnung und nicht zuwanderer!

Tom93
11.03.2011 23:10
1 21

"sorge um zu viel islam"...

...hat natürlich nix und null mit xenophobie zu tun! also überhaupt nicht! wer das behautet ist ein böser, böser linkslinker multikultutalist und wahrscheinlich islamist obendrein!

Antworten Gast: zyni
12.03.2011 12:47
15 1

Re: "sorge um zu viel islam" ....

Viele Leser werden Sie mit ihren Belehrungen nicht überzeugen: Keiner wird verstehen, dass er in Zukunft in einer islamischen Gesellschaft leben soll: Über das Leben von Christen in islamischer Umgebung sollten Sie sich mal mit chaldäischen Christen, Kopten oder Armeniern unterhalten. Das könnte Ihren Horizont erweitern .....

Antworten Antworten Tom93
12.03.2011 15:22
0 14

was für islamische gesellschaft?

wovon reden sie? die meisten migranten aus mehrheitlich muslimischen ländern sind säkular und nicht religiös.

abgesehen davon sind sie eine minderheit. und die religiösen unter ihnen machen noch mal eine minderheit aus.

warum sollen wir also jemals eine "islamische gesellschaft" werden????


Antworten Antworten Antworten Gast: Jössas
15.03.2011 14:08
1 0

das stimmt nicht - siehe Studie der GFK

Im Gegenteil ca. 50% wünschen, dass islamisches Recht in die säkulare österreichische Rechtsordnung fließen solle.

Antworten Antworten Antworten Gast: Lobito
12.03.2011 15:49
11 1

Re: was für islamische gesellschaft?

ich musste herzlichst lachen, es muss verdammt hart sein sich jeden tag seine lügen vorzureden bevor man aus dem bett aufsteht damit seine märchenwelt nicht auseinanderbricht und man in die realität schlittert.

tja deswegen steht man erst spät auf um zum ams zu watscheln bei einem normalen beruf hätte man ja nicht die zeuit für sowas

Antworten Antworten Antworten Antworten Tom93
12.03.2011 16:48
0 9

Re: Re: was für islamische gesellschaft?

also argument haben sie keins? außer mich zu beschimpfen?

schwach...aber typisch rechts und hilfos.

Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: Nun denn
16.03.2011 08:50
0 0

Links/rechts hat heute keine Bedeutung mehr

Es gibt nur vernünftig oder unvernünftig, verblendet oder realitätsnah - das gilt für Linke wie Rechte

Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: Lobito
12.03.2011 17:49
9 0

Re: Re: Re: was für islamische gesellschaft?

klar oh rechts und dumm wie öd ist diese hilflosigkeit in schreibform.

Gut wenn man es aber mit argumenten will, es gibt natürlich migranten die säkular sind und sich hier eine existenz aufbauen will, diese menschen waren früher als einwanderer bei uns in der mehrzahl.
Nur das märchen vom allesgebenden sozialstaat hat sich rumgesprochen, es gibt diese säkularen einwanderer aus islamischen ländern die den terror dort entkommen wollen, aber es ist eine verschwindende minderheit geworden.

Wir haben vorzugsweise einwanderer aus solchen ländern die hierherkommen mit der absicht im luxus zu leben ohne leistung, und genau solche menschen sind das problem, die statistiken beweisen es nunmal klar und deutlich in jedem europäischen land, in amerika gehören einwanderer aus islamischen ländern mit mexikanern zu den top ten der verbrechergruppen.

Wie gesagt es gibt die guten einwanderer die hierherkommen mit dem ziel, man baut sich ein leben auf und will das seine kinder was tolles werden und ihre talente ausschöpfen, und, genau diese menschen fallen nicht auf, sie versuchen sich in verbände zu organisieren um sich klar abzugrenzen, werden aber mit mordrohungen und anschlägen bekämpft sie kriegen keine unterstützung des staates usw.

Fakt ist aber, das die heutigen einwanderer hierherkommen mit falschen vorstellungen und um den staat und die "ungläubigen"auszunutzen, und sich organisieren in verbände mit der fantasie den staat zu stürzen und einen gottestaat zu errichten.

es ist so..

Tom93
11.03.2011 23:09
1 18

ausländerhass heißt jetzt islamkritik

und wieso darf man ausländerfeindlichkeit jetzt nicht mehr als solche bezeichnen? warum muss man das jetzt euphemistisch und pseudo-gebildet mit "wird nicht als bereicherung empfunden" umschreiben?

warum sagen sie nicht gerade heraus was sie denken, ortner? einfach ehrlich?

Antworten Gast: Lobito
12.03.2011 15:53
9 1

Re: ausländerhass heißt jetzt islamkritik

und wieso darf man euch möchtegern diktatoren die das volk wie in den guten alten zeiten niederprügeln und andersdenkende erschießen, nicht auch so nennen?

wieso ist die abscheu gegen eine religion die vornehmlich mit negativen dingen schlagzeilen macht, gleichzusetzen mit den hass auf menschen? wenn man seite an seite mit allen hautfarben und ethnien gegen eine idiologie steht ist das für mich eher was anderes.

es ist so lächerlich wenn man sich seine dinge so herumbiegt das man sich damit selbst fesselt, und dan dem punkt seid ihr momentan.

Antworten Antworten Tom93
12.03.2011 16:51
0 9

Re: Re: ausländerhass heißt jetzt islamkritik

bitte? ich bin also ein "möchtegern-dikator"? und wen schießen "wir" (???) bitte nieder? haben sie sich im forum geirrt?

sie können jede religion verabscheuen die sie wollen, aber nicht alle zuwanderer sind religiös! die mehrheit eben nicht! und auch die religiösen entsprechen in den wenigsten fällen ihren und ortners klischee-vorstellungen! darum gehts. sie und ihresglechen erfinden sich ihre feindbilder, erklären alle zuwanderer zu "muslimen" ihrer träume.

Antworten Antworten Antworten Gast: Lobito
12.03.2011 17:56
5 0

Re: Re: Re: ausländerhass heißt jetzt islamkritik

zu den 2ten absatz, siehe weiter oben meine klarstellung, zu punkt 1.

Man wird wenn man gegen eine religion ist, die aber untersützt wird vom staat als faschist hingestellt, wenn man für die freiheit eintritt niedergeknüppelt mit aller macht des staates.

Das sind zeiten wie im kommunismus, warum soll man dann linke die mit aller macht mit der keule schwingen nicht auch so bennenen, das ging nicht gezielt gegen sie sondern allgemein.

Mittlerweile ist jeder der sich gegen die eingeschworene meinung von ein paar politikern die ihr konto mit der förderung von solchen menschen aufbessern, gleich ein böser rechter, und wenn dann rauskommt wo man wohnt hat man die paramilitärische schlägertruppe autoanzündern an seinen fersehn, die auch nichtmehr vor mord zurückschrecken wie in der schweiz.

ich erkläre auch nicht alle muslime zu feinden, ich habe in meinem freundeskreis türken/albaner/bosnier mit denen ich die schulbank geteilt habe, die sich damals weltoffen gegeben haben und nun nicht jammern, sondern sich klar auf die österreichische seite stellen und sich hinstellen wie eine bekannte und im geschäft den türkischen möchtegern macho anschreien das er abhauen soll, weil er meint ungläubigen muss man nichts bezahlen für eine zeitschrift.

Die zeiten sind so, das wir ein problem haben mit einer einwanderergruppe, aber eben nur mit iner bzw, mit einer religion.

Tom93
11.03.2011 23:08
1 17

also die franzosen fühlen sich um ihre d-mark betrogen oder wie?

und die deutschen, die tatsächlich die dm verloren haben , die wählen dann marine le pen zur präsidentin. hab ich das auch richtig verstanden, ortner? oder bin ich jetzt so wirr wie ihre gedankenwelt, die sie hier allwöchentlich ausbreiten?


Tom93
11.03.2011 23:05
0 15

ortner ahnungslos wie eh und je

marine le pen hat genau null chancen "als erste ins ziel zu gehen". denn selbst wenn sie es in den zweiten wahlgang schaffen sollte, was mit 20% möglich, aber nicht sicher ist, muss sie in der stichwahl mehr als 50% der stimmen erhalten - ziemlich unwahrscheinlich wenn nicht gar unmöglich.

der FN ist überdies in der nationalversammlung mit genau NULL mandaten vertreten, eben weil sie keine stimmen jeneits ihrer kernwähler ansprechen können.

also, ganz kurz für ortner zsammengefasst, damit ers auch versteht:

keine mandate+
keine präsidentschaft=
= keine macht!

klar soweit? kapiert?


 
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