25.05.2012 21:34 | Meine Presse Merkliste 0

Warum fusioniert Genosse Pröll die Volkspartei nicht gleich mit der SPÖ?

CHRISTIAN ORTNER (Die Presse)

Die ÖVP verfügte früher einmal über eine gewisse wirtschaftliche Kernkompetenz. Diesen Makel entsorgt sie gerade entschlossen und mutiert damit zur trachtigeren Sozialdemokratie.

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Es ist vermutlich einer kleinen Sentimentalität zu verdanken, dass sich die Partei Michael Spindeleggers noch immer „Österreichische Volkspartei“ nennt und irrigerweise glaubt, irgendwo im sogenannten bürgerlichen Lager zu stehen. Von ihren politischen Inhalten, soweit erkennbar, ist die ÖVP nämlich längst zu einer zweiten sozialdemokratischen Partei mutiert, so eine Art Trachtensozialismus halt.

Denn wäre die ÖVP noch eine bürgerlich-liberale Partei mit Kernkompetenz Wirtschaft, so hätte der Niederösterreicher Erwin Pröll für seine dreiste Forderung, den Spitzensteuersatz von unanständigen 50 Prozent auf obszöne 52 oder 53 Prozent anzuheben, ein Verfahren wegen parteischädigenden Verhaltens am Hals. Stattdessen führte Genosse Pröll (vom mächtigen raiffeisen-sozialstischen Parteiflügel) den vermeintlichen Parteichef Spindelegger am Nasenring durch die Gegend – unter dem johlenden Beifall der halben ÖVP.

Das war freilich auch durchaus zu erwarten in einer Partei, deren Wiener Klubobmann Fritz Aichinger – als Vertreter des Handels – seine vornehmste Aufgabe darin sieht, Kaufleute am Aufsperren ihrer Geschäfte zu hindern und den Ladenschluss mit den erprobten Methoden der Planwirtschaft zu reglementieren, was sogar gemäßigtere SPÖ-Sozialdemokraten für nicht mehr so ganz zeitgemäß halten. Und es passt schließlich bestens ins Bild einer Partei, deren zukunftsgewandtes, reformatorisches und visionäres Antlitz jenes des Beamtengewerkschafters Fritz Neugebauer ist. Gelingt es Werner Faymann nicht, die ÖVP noch vor den Wahlen 2013 zu einer inhaltlich ja nun naheliegenden Fusion mit der SPÖ zu überreden (zur „Sozialdemokratischen Volkspartei“ oder so), könnten ihm die schwarzen Roten noch ärgerliche Konkurrenz machen. Denn nachdem diese sich des kalten, menschenverachtenden neoliberalen Erbes nun endgültig entledigt haben, kann die ÖVP ja viel unbeschwerter um die Stimmen jener rund sechs Millionen Österreicher werben, die finanziell nicht Systemerhalter, sondern Systemprofiteure sind.

Einfach nur wie der Genosse Pröll höhere Steuern zu verlangen, wird jedoch zu wenig sein, um in diesem Milieu zu punkten. Da böte sich etwa zusätzlich die ökonomisch ähnlich konsistente Forderung an, alle Löhne und Gehälter um, sagen wir einmal, zehn Prozent anzuheben; schließlich „sind die Arbeiter und Angestellten ja nicht schuld an der Krise“, und die Kaufkraft würde dadurch auch steigen.

Zur Senkung der Arbeitslosenrate empfiehlt sich dieser ÖVP, den Zugang zur früheren Pension zu erleichtern – das schafft schließlich Jobs für die Jungen. Als wirksames Instrument im Kampf gegen die Inflation schließlich könnte die ÖVP zum Beispiel ein Einfrieren aller Mieten auf die nächsten fünf Jahre fordern, und die lästigen Preiserhöhungen im Supermarkt wären mit einem gesetzlichen Verbot dieses neoliberalen Übels sicher leicht aus der Welt zu schaffen.

Genau das ist der Weg, den Erwin Pröll, der Voralpen-Chavez aus Radelbrunn, seiner Partei mit dem Vorschlag, die Abgabenlast in einem der weltweit am höchsten belasteten Staaten noch weiter zu erhöhen, geradezu visionär weist. Die ÖVP war einmal eine Partei, die zumindest gelegentlich das wirtschaftlich Vernünftige auch gegen die Launen der öffentlichen Meinung vertrat. Diesen Makel hat sie erfolgreich entsorgt.


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Zum Autor:

Christian Ortner ist Kolumnist und Autor in Wien. Er leitet „ortneronline. Das Zentralorgan des Neoliberalismus“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.10.2011)

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47 Kommentare
 
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Gast: Gast 2011
21.10.2011 21:37
0 0

die ÖVP gibt es nicht mehr

sie ist längst in SPÖVP aufgegangen und fühlt sich wohl als Steigbügelhalter für überaus intelligente rote Kanzler. SPÖVP haben sich eine schöne sogenannte "repräsentative Demokratie" gezimmert wo sie ungestört schalten und walten können. Nicht umsonst hat man die Kammern in den Verfassungsrang gehoben und die Legislaturperiode verlängert. Wahlen sind nur lästig und Entscheidungen des Volkes sind für die blühende Korruption in SPÖVP nur Hemmschuhe.

starclimb
12.10.2011 16:45
1 0

Leider ist dieser Kommentar in jedem Punkt wahr

Wer die Pröll-ÖVP wählt kann gleich die Faymann-SPÖ wählen (dann hat man wenigstens die emotionale Befriedigung auf der Seite des Wahlgewinners zu stehen)

PS.: Schade ist nur um Politiker wie Fekter oder Mitterlehner. Ich hoffe die springen bald ab und es kommte eine wirkliche bürgerliche Partei

1 0

brillanter und - leider - zutreffender kommentar!


Dr.Schwejk
09.10.2011 20:33
1 0

nicht Systemerhalter, sondern Systemprofiteur

ist auch Christian Ortner.

aquilo
08.10.2011 16:27
1 0

raiffeisen-sozialstischer Parteiflügel = Gamsbartkommunisten


Gast: pensionär
08.10.2011 15:10
1 0

parteiübergreifend

Wann I an Schwarzn siech, da siech i rot und bei an Rotn siech i schwarz. Die Grünen sind a echte Greane und blau is a ka Modefarb.

Am besten is Weiß, aber die habn zwar die weitaus größten Wahlerfolge, aber sie dürfen nicht gewählt werden, sonst müssten's a a Partei gründen.

ambrosius
08.10.2011 14:40
2 0

Ganz schön mutig Herr Ortner,

denn der stets finster blickende Onkel Erwin versteht bei sowas keinen Spass. Aber recht haben sie, wir sogenannten Bürgerlichen suchen schon lange eine neue Heimat, Strache wählen ist nur ein vorübergehender Ersatz, ein Protest gegen die Zustände in der ÖVP.

Antworten Dr.Schwejk
09.10.2011 20:35
0 2

Es ist ziemlich dumm

Strache als Protest über die Zustände in der ÖVP zu wählen.

Antworten Antworten ambrosius
12.10.2011 08:46
2 0

Re: Es ist ziemlich dumm

Es ist noch dümmer wieder rot oder schwarz zu wählen ...

Antworten Antworten Antworten Gast: sapere_aude
21.10.2011 21:00
0 0

Re: Re: Es ist ziemlich dumm

Und deswegen wählt man halt den Hetzer?

Antworten Antworten Antworten Antworten ambrosius
24.10.2011 08:00
0 0

Re: Re: Re: Es ist ziemlich dumm

Den politischen Gegner ohne faktischer Grundlage permanent als radikal und faschistisch zu bezeichen ist eine besonders perfide Form der Hetzerei - solche Politiker sollten sie auch nicht wählen ...

Geldfux
08.10.2011 00:11
0 0

Ortners Erkenntnisse sind gar nicht so neu!!

Schon vor 30 Jahren bezeichnete man die ÖAAB Parteigenossen der ÖVP als die "Herz-Jesu-Sozialisten". Sie waren schon damals Gegner der Freien Marktwirtschaft und wollten schon damals, dass man auch an Samstagen die Geschäfte schließen solle. Gute ÖAAB-ler sind eben so gut organisiert, dass sie auch Montag bis Freitag während ihrer Arbeitszeit Gelegenheiten fanden, um ein wenig shopping zu gehen, natürlich nur für die Kinder und die Familie!

Gast: lessismore
07.10.2011 23:51
0 0

Hugo Chavez ...

kämpft gegen die Großgrundbesitzer, Erwin Pröll für sie.

3 0

nach 40 Jahren Umverteilungsgehirnwäsche

durch Pseudosozialisten aus SPÖVFP haben wir endlich Wohlstand aus Wertschöpfung mit Leistungsanreiz durch Umverteilung u. Kaufkraft ersetzt.
DANKE für den Artikel !
Leider wird ihn die GÖD net amol ignorieren. Somit bleibt nur die Hoffnung auf die "Verschweizerung" Österreichs.

0 0

afd

asd

Gast: Antideologe
07.10.2011 18:13
3 0

Ortner wieder mal zum Küssen...

allein der ´Voralpen-Chavez aus Radlbrunn´... (!!!)

(Wenn ich das mit der konzentrierten Primitivität der über den orf verstaatlichten Linxskabarettisten von Scheuba bis Grissestermann vergleiche....)

Allerdings bleibt mir bei manch einem Ortnerartikel das Lachen im Halse stecken, denn seine (wie ich wohl annehme satirischen) Übertreibungen sind keine!

Und die ÖVP hat u.a. und vor allem Erwin Pröll! Gegenüber dieser Erscheinung sind alle Übertreibungen noch eine Verharmlosung.

Die Steigerung von gefährlich? Gefährlich-Faymann-ErwinPröll.

Kaum mehr zu glauben, daß Leopold Figl ein Niederösterreicher war,

wenn man das Pröllistan von heute betrachtet!

Gast: Antideologe
07.10.2011 17:56
2 0

Ortner wieder mal zum Küssen...

allein die hinreißende Bezeichnung ´Voralpenchavez aus Radlbrunn´ hat mehr Witz als sämtliche Scheubastermangrissemannusw Primitivitäten zusammen. Allerdings bleibt mir das Lachen im Halse stecken, denn Ortners satirisch gemeinte (nehme ich wohl an) Übertreibungen sind keine!

Und insbesondere gegenüber E.Pröll sind selbst alle Übertreibungen noch eine Verharmlosung.

Die Steigerung von gefährlich? Geht so: gefährlich-Faymann-Erwin Pröll.

Gast: funeoliberalism
07.10.2011 16:33
1 4

So einfach kann die Welt sein...

"...rund sechs Millionen Österreicher ..., die finanziell nicht Systemerhalter, sondern Systemprofiteure sind"

So einfach ist die Welt der Neoliberalen: Es gibt Leistungsträger (damit sind nur die gemeint, die viel Steuern zahlen) und Sozialschmarotzer: die, die "nichts" zahlen (laut Neoliberalen). Schwarz weiß. Gut und böse.
Blem blem? Neoliberale sagen durchaus wichtige Dinge, über die man diskutieren muss. Aber würden die die absolute Mehrheit haben, würde es wohl wieder in Richtung Ständestaat gehen... Zensuswahlrecht. Arbeitslose wollen ja eigentlich gar keinen Job. Sozialfälle sind alle selber Schuld an ihrer Misere. (Warum steigen die nicht gleich bei Scientology ein?)
Gesellschaftliche Kälte wäre das, nett ausgedrückt - oh, und ja, ich weiß, dass das für Neoliberale keine Kategorie ist. Wer leidet, hat's auch verdient...

Antworten ambrosius
08.10.2011 14:46
0 0

Re: So einfach kann die Welt sein...

Arbeitslose und Sozialfälle wollen aber staatliche Unterstützung. Und wer soll die finanzieren? Jene 40% der Österreicher die keine Lohnssteuer bezahlen? Man sollte die Hand durch die man gefüttert werden will nicht zu stark beißen.

Antworten Antworten Dr.Schwejk
09.10.2011 20:56
0 0

Steuern

Wie groß war das Mehrwertsteueraufkommen in Österreich im Jahre 2010?
Wie groß war das Lohnsteueraufkommen in Österreich im Jahre 2010?
Darf man aus den Zahlen schließen, dass jene, die trotz einer 40-Stunden-Arbeitswoche keine Lohnsteuern zahlen trotzdem Systemerhalter sind, weil ja bei jedem Einkauf Mehrwertsteuern anfallen, oder passt das nicht in Ihr eindimensionales Weltbild?

Re: Steuern

Die Mehrwertsteuersätze sind eher Peanuts, es sind die Sozialversicherungsbeiträge, bei denen auch die unteren Einkommensschichten voll zur Kasse gebeten werden.

Antworten Antworten Antworten Antworten ambrosius
11.10.2011 09:06
0 0

Re: Re: Steuern

20% von dem was jedem netto bleibt sind Peanuts? Da die Sozialversicherungsbeiträge von der Höhe des Einkommens bemessen werden zahlen Besserverdiener auch mehr für die gleiche Leistung der sogenannten Versicherung.

Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Dr.Schwejk
11.10.2011 19:52
0 0

Re: Re: Re: Steuern

Was soll das:
"...zahlen Besserverdiener auch mehr für die gleiche Leistung der sogenannten Versicherung. "
Sie sollten wissen, dass das nicht stimmt. Für Besserverdiener sind die Sozialbeiträge gedeckelt. Die Aufhebung der Höchstbeitragsgrundlagen werden seit Jahren diskutiert und nicht umgesetzt. Besserverdiener zahlen also genauso viel.
Sie haben aber immerhin zugegeben, dass 20% für Schlechtbezahlte keine Peanuts sind, denn die Aussage "20% vom Nettoeinkommen" gilt wohl nur für jene, die ihr ganzes Gehalt in Konsum umsetzen (müssen).

Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten ambrosius
12.10.2011 08:41
0 0

Re: Re: Re: Re: Steuern

20% von verschieden Summen sind nicht gleich viel für die gleiche Leistung einer Behandlung. Es handelt sich deshalb um keine klassische Versicherung, sondern um eine lohnabhängige Steuer. Eine Lösung wüßt ich für ihr Problem, die Einführung des Einheitsgehalt zur Aufhebung aller Ungerechtigkeiten. Viel Spass mit Ärzten die eine Art Mindestsicherung als Entlohnung für ihre Leistung bekommen.

Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Dr.Schwejk
12.10.2011 20:00
0 0

Re: Re: Re: Re: Re: Steuern

... und die Tatsache der Höchstbeitragsgrundlage haben Sie geflissentlich ignoriert ...

 
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