Angestellter eines privaten Unternehmens zu sein, das mit anderen privaten Unternehmen im Wettbewerb steht, ist für die Mehrzahl der Österreicher die normalste Sache der Welt: Tag für Tag arbeiten sie unter diesen in einer Marktwirtschaft ja nicht eben ungewöhnlichen Bedingungen, ohne darüber in lautes Wehgeschrei auszubrechen oder gar lange, weinerliche Leserbriefe an Tageszeitungen zu verfassen.
Nur einer einzigen, besonders gut ausgebildeten und für die Zukunft des Landes ganz besonders wichtigen Berufsgruppe treibt offenbar schon die bloße Vorstellung, unter Wettbewerbsbedingungen arbeiten zu müssen, die Zornesröte und/oder den Angstschweiß ins Gesicht: den (meisten) Lehrern dieses Landes.
Anders ist nicht zu erklären, dass jedes öffentliche Plädoyer für eine Privatisierung des Schulwesens – wie vergangene Woche in dieser Kolumne – sofort eine Flut von durchwegs ablehnenden Reaktionen von Lehrern auslöst. Deren zentrale Argumente: Geht nicht, haben wir noch nie so gemacht, da könnte ja jeder kommen, und überhaupt. Deutlich scheint dabei auch oft eine tiefe Skepsis gegenüber Markt und Wettbewerb durch, von Ekelbegriffen wie Profit oder Konkurrenz um Kunden ganz zu schweigen.
Unter den gleichen rechtlichen Bedingungen wie jeder Buchhalter oder Industriechemiker arbeiten zu müssen scheinen die meisten Lehrer als Zumutung zu empfinden. Gegen Fakten ist diese Haltung durchwegs immun. Dass in Schweden schon jedes zweite Gymnasium von privaten Anbietern, oft gewinnorientierten Schulkonzernen, betrieben wird, ohne dass Lehrer darben und Schüler verblöden (wie etwa Michael Lingens im Buch „Ansichten eines Außenseiters“ detailliert belegt), macht bei der hiesigen Lehrerschaft überschaubaren Eindruck. Hier gilt das Amt noch immer als die Königin aller Organisationsformen.
Wenn das, was Lehrer regelmäßig an Empörung absondern, sobald auch nur der Gedanke an Privatisierung von Schulen irgendwo auftaucht, einigermaßen repräsentativ ist, dann haben wir ein echtes Problem. Denn hier werden Haltungen und Wertvorstellungen der Lehrerschaft deutlich sichtbar, die zwar legitim sind, aber die vielleicht nicht unbedingt auf schutzlose Kinder losgelassen werden sollten.
Der Verdacht liegt nahe, dass Lehrer, die Konkurrenz vor allem als Burn-out-Auslöser fürchten, Markt für einen Umschlagplatz von Obst und Gemüse halten und bürokratische Schulorganisation als gottgegeben akzeptieren, diese Weltsicht den ihnen anvertrauten Kleinen im Wege der intellektuellen Osmose langsam, aber wirksam einträufeln.
Das ginge auch völlig in Ordnung, ergriffen alle Kinder nach der Schule den Beruf des Lehrers oder träten zumindest sonst wo in den öffentlichen Dienst ein. Für all jene Kids aber, die fit für das Leben unter Wettbewerbsbedingungen gemacht werden müssen, damit sie ordentlich Steuern abliefern können, dürften sich dermaßen wettbewerbsskeptische Grundhaltungen als hinderlich erweisen.
Lehrer, die Arbeit unter den Bedingungen des Marktes als Bedrohung für sich selbst verstehen, werden für die Zukunftstüchtigkeit dieser Kinder eher Teil des Problems denn Teil der Lösung sein. Vielleicht auch ein Grund, warum Reiche ihre Kinder gern in private Schulen stecken.
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("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.11.2011)















