25.05.2012 21:38 | Meine Presse Merkliste 0

Das kollektive Defraudantentum Europas und seine geistigen Väter

CHRISTIAN ORTNER (Die Presse)

Vor uns liegt vermutlich ein Jahrzehnt, in dem wir deutlich mehr arbeiten und deutlich weniger konsumieren werden, um die Spuren der Schuldenparty der letzten Jahrzehnte zu beseitigen.

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Die Europäer, behauptete jüngst der schottische Historiker Niall Ferguson, seien heute „die Faulpelze der Welt. Im Durchschnitt arbeiten sie weniger als die Amerikaner und viel weniger als die Asiaten.“ Weltweit wirklich führend, feixt der Professor, seien die Europäer bloß bei der jährlichen Anzahl der durch Streik unproduktiv gemachten Tage; die Zahlen geben Ferguson recht.

Warum Europas Wohlstand – oder besser gesagt: scheinbarer Wohlstand – trotz dieser latenten Neigung zur Minderleistung bisher auf ziemlich hohem Niveau verharrt ist, beschreibt der tschechische Außenminister Karl Schwarzenberg in der Hamburger „Zeit“: „Die Politiker in Europa haben über Generationen mehr Geld ausgegeben, als sie eingenommen haben. Politiker haben vor Wahlen Zuckerln verteilt. Dass diese bezahlt werden müssen, haben wir geflissentlich vergessen.“ Schwarzenberg nennt das korrekt den „moralischen Urgrund der Krise“. (So einen Politiker hätte man gern in diesem Lande, nebenbei.)

Legt man die Analysen Schwarzenbergs und Fergusons nebeneinander, wird gut sichtbar, was Europa krankgemacht hat: Die Europäer fressen zu viel und arbeiten zu wenig, die Differenz zwischen dem (niedrigeren) erarbeiteten und dem (höheren) konsumierten Wohlstand nehmen sie Jahr für Jahr als Kredit bei ihren Gläubigern auf, in der stillen Hoffnung, ihre Kinder würden dereinst die von den Eltern hinterlassenen Rechnungen begleichen. Deutsche weniger, Griechen oder Österreicher mehr, aber die Tendenz ist europaweit die gleiche.

Den intellektuellen Unterbau für dieses kollektive Defraudantentum haben seit den 1960er-Jahren die Sozialdemokraten in allen Parteien, Vulgär-Keynesianer, christlich-soziale Umverteilungspolitiker, rechte „Kleine-Leute-Versteher“ und all die anderen Architekten des feisten Wohlfahrtsstaates auf anderer Leute Rechnung gelegt. Die zentralen Dogmen dieser ökonomischen Voodoo-Lehre: Weniger Arbeit schafft Wohlstand, Konsum auf Pump schafft Wohlstand, der Staat schafft Wohlstand. Und notfalls bedrucken wir halt Papierzettel bunt („Geld“), und alles wird gut.

Geglaubt wurde und wird dieser Unfug so gern, weil er das kollektive Defraudantentum zur staatspolitischen Tugend umdefiniert hat und damit die Faulpelze und Schuldenjunkies zur ökonomischen Avantgarde erhebt. Konsum auf Pump als moralisch hochwertiger Dienst an der Allgemeinheit – da glüht die Kreditkarte doch gleich viel unbeschwerter.

Was derzeit unter dem irreführenden Titel „Eurokrise“ zu besichtigen ist, das ist nicht weniger als der Kollaps dieser schon ein halbes Jahrhundert vorherrschenden Ideologie der Verantwortungsentsorgung in das Endlager „Zukunft“. Es wird noch viel Vermögen und Erspartes vernichtet werden unter den Trümmern dieses politischen Lügengebäudes, doch am Ende dieses Zusammenbruchs wird wenigstens eine gute Nachricht stehen: die vom Ableben des bisherigen Wohlfahrtsstaates nach Schuldenmacherart. Nicht aus Einsicht der Politiker, sondern schlicht mangels Kredits. Und das ist gut so.

Es wird vermutlich ein Jahrzehnt oder länger dauern, bis die Spuren der Schuldenparty und des grassierenden Morbus Faulpelz in Europa getilgt werden können. Es wird ein Jahrzehnt sein, in dem mehr gearbeitet und weniger konsumiert werden wird – eine Zeit des Sparens und des Verzichts.


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("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.12.2011)

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68 Kommentare
 
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So sehr Ortner

bei der Analyse der Schuldnerseite immer zuzustimmen ist, so sehr ärgert es einen, dass immer die Gläubigerseite ausgeblendet wird.

Denn irgenwem schulden "wir" ja das Geld. Wer sind diejenigen, welche? "Wir" etwa? Kommen die wie die Jungfrau zum Kinde, weil wir ihnen unsere Zinszahlungen aufdrängen, oder nehmen die da etwa Einfluss auf die Schuldenaufnahme

So viele Fragen wären da offen.

Gast: Febobo
18.12.2011 23:09
3 1

Wir sind die Faulen

Die Europäer sind also die Faulen, soso.

Blöd nur dass die "fleißigen" Amerikaner und die "noch viel fleißigeren" Japaner noch mehr Schulden angehäuft haben, wie wir, bei weitem sogar.

Aber das stört natürlich einen Ortner nicht, das sind doch nur Fakten, Tatsachen, Zahlen. Aber was doch wirklich zählt, ist die Ideologie, nicht wahr?

Hypolit
18.12.2011 23:01
4 2

Antwort

Als ich vor einiger Zeit gefragt wurde, warum ich die Presse nicht abonnieren wolle, nannte ich nur 3 Namen: Fleischhacker, Novak und Ortner.
Besonders der Letzgenannte bestätigt mich immer wieder.

Antworten wmaurer
19.12.2011 10:53
2 0

Re: weil Ortner uns einen Spiegel vorhält


ist er ein besonders Böser, weil so schlimme Fratzen herausschauen aus dem Spiegel! Man muss ihn meiden, zumindest bezahlterweise. Online gelesen ist`s ja wieder ganz etwas Anderes.

3 2

Ein vielsagender Blick in Ortners schräge Welt...

Erst der Casino-Kapitalismus hat den Weg in die Schuldenhölle freigelegt. Im SPIEGEL gab es vor Jahren eine Statistik, wonach die auf den Finanznärkten verzockten virtuellen Summen all das, was die Realwirtschaft in Form von Produktionen und Dienstleistungen GLOBAL an Werten schafft, um eine Vielfaches übersteigt. Insofern läßt sich alsio allein mit "mehr arbeiten" und "weniger konsumieren" rein gar nix aufholen und kompensieren...

Einmal davon abgesehen, daß, wenn jeder nur noch wie verrückt arbeitet und kaum noch etwas selbst konsumiert, praktisch eh nur "auf Halde" produziert werden wird, weil europaweiter totaler Konsumverzicht kaum mit höherem Einnahmen und damit "Schuldenabbau" einher gehen dürfte.

Die eigentliche Ironie besteht jedoch darin, daß genau das, was Ortner uns allen als Ratschlag zum Schuldenabbau vorgibt, die Griechen etwa den deutschen Arbeitern zum Vorwurf machen: Sie produzieren ZUVIEL und verdienen ZUWENIG! Auf diese Weise, so ihr Argument, würden sie den hellenischen Markt mit billiger Ware überschwemmen und selbst nichts von den Griechen kaufen!

Tatsächlich ist die Situation auf dem Arbeitsmarkt der "Geberländer" und "Rettungsschirm"-Aufspanner immer mehr prekär: Zuweilen müssen Menschen zwei, drei oder gar vier Jobs annehmen, um finanziell über die Runden zu kommen. Zum "streiken" haben die wirklich keine Zeit! Allen konträren Meinungen schrulliger Professoren und realitätsabgehobener adeliger Politiker zum Trotz!

4 0

(Teil 2) Außerdem sei gestattet, etwas näher auf die Etymologie des Begriffs "Defraudant" einzugehen: Dieser aus dem Lateinischen "defraudare" (betrügen) stammende Begriff bezieht sich nämlich im deutschen Sprachgebrauch im ursprünglichen Sinne auf Zoll- und Steuerbetrüger.

Im Rahmen der Meinungsfreiheit sei es jedem unbenommen, im Keynesianismus oder Neoliberalismus das Heil der Welt zu sehen. Die Anhänger des Keynesianismus pauschal als Zoll- und Steuerbetrüger zu verunglimpfen, erscheint jedoch ein wenig konstruktiver Diskussionsbeitrag. Demgegenüber sei die provokante Frage gewagt, ob in Zeiten eines den Warenverkehr um das zig-fache übertreffenden Kapitalverkehrs nicht besser jene als "mutmaßliche" Defraudanten (es gilt die Unschuldsvermutung!) zu bezeichnen wären, die Gelder in Steuer-Oasen verschieben, in denen sich Investments jedweder Art aufgrund des Bankgeheimnisses sicher wähnen, und zwar sowohl vor der österreichischen Finanz als auch vor dem hiesigen Staatsanwalt?

In Wahrheit wäre eine Verschuldung des Staates ein geringeres Problem, wenn der Staat bei einem breit gestreuten Teil eigener Bürger verschuldet wäre. Dann würden diese Bürger von der Staatsverschuldung profitieren, indem sie aus den Staatsanleihen Kapitaleinkünfte lukrieren, und der Staat könnte seine Leistungen zurückschrauben. In der Realität profitieren allerdings beispielsweise in Griechenland nur einige wenige griechische Milliardäre sowie vornehmlich deutsche und französische Großinvestoren von der Verschuldung des Staates. Somit ist die Verschuldung im Kern ein Verteilungsproblem: Wenn der Mittelstand so ausgehungert wird, dass er nicht mehr als Geldgeber agieren kann, so profitiert nur mehr eine kleine Oberschicht - was das heutige Dilemma auf den Punkt bringt.

4 0

Obgleich ich die Kommentare von Christian Ortner üblicherweise schätze, fühle ich mich bemüßigt, zu einigen der im obigen Artikel angeführten Punkte Einwände vorzubringen, die nicht auf billiger Polemik sondern auf Fakten und adäquater Recherche basieren:

Erstens sind die Jahresarbeitszeiten in der EU in Wahrheit nicht unähnlich zu jenen anderer OECD Staaten, Quelle http://stats.oecd.org/Index.aspx?DataSetCode=ANHRS Das von Ortner gelobte Deutschland findet sich an drittletzter Stelle, während Länder wie Italien und Polen vor Japan liegen und das von Ortner geschmähte Griechenland den zweiten Platz erringt, im Begriff den bisherigen Spitzenreiter Südkorea aufgrund der dort rasch sinkenden Arbeitszeiten zu überholen.

Auch die Behauptung, Europa wäre bei Streiks führend, darf zumindest hinsichtlich Österreich nicht unwidersprochen bleiben. Die Aussagen des schottischen Professors lassen ergo auf mangelnde Recherche oder Vorurteile schließen. Womöglich handelt es sich einfach um eine von Ortner missverstandene Polemik hinsichtler des auf der Insel bekannten Widerstands gegen die Arbeitszeit-Regelungen der EU.

Abgesehen davon ist aus wirtschaftspolitischer Sicht nicht die bloße Arbeitszeit alleine entscheidend, sondern vielmehr die Produktivität. Wer in derselben Zeit eine höhere Wertschöpfung erzielt als andere, dem sollte höherer Wohlstand und Verdienst gebühren. In Österreich gab es im letzten Jahrzehnt gewaltige Steigerungen in der Produktivität, Quelle Statistik Austria http://www.statistik.at/web_de/static/produktivitaetsindex_je_geleisteter_arbeitsstunde_basis_2000_021089.pdf denen jedoch real stagnierende Gehälter gegenüber stehen, vornehmlich deswegen weil die erhöhte Arbeitsleistung vom Finanzsektor "abgeschöpft" wird.

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Sorry, Tippfehler.

Es soll natürlich "hinsichtlich des auf der Insel..." heißen.

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Außerdem sei es gestattet, etwas näher auf die Etymologie des Begriffs "Defraudant" einzugehen: Dieser aus dem Lateinischen "defraudare" (betrügen) stammende Begriff bezieht sich nämlich im deutschen Sprachgebrauch im ursprünglichen Sinne auf Zoll- und Steuerbetrüger.

Im Rahmen der Meinungsfreiheit sei es jedem unbenommen, im Keynesianismus oder Neoliberalismus das Heil der Welt zu sehen. Die Anhänger des Keynesianismus pauschal als Zoll- und Steuerbetrüger zu verunglimpfen, erscheint jedoch ein wenig konstruktiver Diskussionsbeitrag. Demgegenüber sei die provokante Frage gewagt, ob in Zeiten eines den Warenverkehr um das zig-fache übertreffenden Kapitalverkehrs nicht besser jene als "mutmaßliche" Defraudanten (es gilt die Unschuldsvermutung!) zu bezeichnen wären, die Gelder in Steuer-Oasen verschieben, in denen sich Investments jedweder Art aufgrund des Bankgeheimnisses sicher wähnen, und zwar sowohl vor der österreichischen Finanz als auch vor dem hiesigen Staatsanwalt?

In Wahrheit wäre eine Verschuldung des Staates ein geringeres Problem, wenn der Staat bei einem breit gestreuten Teil eigener Bürger verschuldet wäre. Dann würden diese Bürger von der Staatsverschuldung profitieren, indem sie aus den Staatsanleihen Kapitaleinkünfte lukrieren, und der Staat könnte seine Leistungen zurückschrauben. In der Realität profitieren allerdings beispielsweise in Griechenland nur einige wenige griechische Milliardäre sowie vornehmlich deutsche und französische Großinvestoren von der Verschuldung des Staates. Somit ist die Verschuldung im Kern ein Verteilungsproblem: Wenn der Mittelstand so ausgehungert wird, dass er nicht mehr als Geldgeber agieren kann, so profitiert nur mehr eine kleine Oberschicht - was das heutige Dilemma auf den Punkt bringt.

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Außerdem sei es gestattet, die Etymologie des Begriffs "Defraudant" zu erwähnen: Dieser aus dem Lateinischen "defraudare" (betrügen) stammende Begriff bezieht sich nämlich im deutschen Sprachgebrauch im ursprünglichen Sinne auf Zoll- und Steuerbetrüger.

Im Rahmen der Meinungsfreiheit sei es jedem unbenommen, im Keynesianismus oder Neoliberalismus das Heil der Welt zu sehen. Die Anhänger des Keynesianismus pauschal als Zoll- und Steuerbetrüger zu bezeichnen, erscheint jedoch ein wenig konstruktiver Diskussionsbeitrag. Demgegenüber sei die provokante Frage gewagt, ob nicht in Zeiten eines den Warenverkehr um das zigfache übertreffenden Kapitalverkehrs nicht besser jene als "mutmaßliche" Defraudanten (es gilt die Unschuldsvermutung!) zu bezeichnen wären, die Gelder in Steuer-Oasen verschieben, in denen sich Investments jedweder Art aufgrund des Bankengeheimnisses sicher wähnen, und zwar sowohl vor der österreichischen Finanz und auch vor dem dem hiesigen Staatsanwalt?

In Wahrheit wäre eine Verschuldung des Staates ein geringeres Problem, wenn der Staat bei den eigenen Bürgern verschuldet wäre. Dann würden die Bürger von der Staatsverschuldung profitieren, indem sie aus den Staatsanleihen Kapitaleinkünfte lukrieren, und der Staat könnte seine Leistungen zurückschrauben. In der Realität profitieren allerdings beispielsweise in Griechenland nur einige wenige griechische Milliardäre sowie vornehmlich deutsche und französische Großinvestoren von der Verschuldung des Staates. Somit ist die Verschuldung im Kern ein Verteilungsproblem: Wenn der Mittelstand so ausgehungert wird, dass er nicht mehr als Geldgeber agieren kann, so profitiert nur mehr eine kleine Oberschicht - was das heutige Dilemma auf den Punkt bringt.

Gast: nurmut-BE
18.12.2011 15:04
4 2

Schwachsinn

Ich habe diesen Artikel im Börse-Express gelesen, dor folgenden Kommwtar abgesetzt:
".....
dem eindimensional denkenden komischen Christian Ortner sind im Original-Presse-Artikel schon genug abfällige Antworten gegeben worden.

Ich wiederhole hier nicht, er möge für das Honorar für seine 60 Zeilen Weisheitskommentar weniger am Graben einkaufen...that's something else.

Aber ein ganzes Volk (mit Ausnahme einiger ihm bekannter "Haberer") als Defraudanten, also Betrüger, zu bezeichnen - echt stark....!

Dabei vergisst der Kerl, dass ja auch Werte geschaffen wurden. ok, sind mit den Krediten noch nicht ganz abgezahlt.

Aber die Kommunikationsnetze, Autobahnen, das AKH, die gesamte Infrastruktur....unsere Häuser, ....das vererben wir auch unseren Nachkommen, nicht nur die offenen Schulden.

Klar, dass für Konsum mehr auszugeben als einzunehmen heißt, auf Schulden zu leben- schlecht. Aber das ist nicht die ganze Welt, Herr Ortner!

Herr Ortner vergisst bei der persönlichen Diffamierung auch zB die Sparguthaben eines ganzen Volkes.

Nie was gehört von 143 Mio Sparguthaben, Herr Ortner?

Und das war vor Jahren, haben Sie seither nur Kolumnen vollschrieben und nix sonst mitbekommen, Herr Ortner?

http://www.finanz-blog.at/10/05/oest...
" target="_blank">http://www.finanz-blog.at/10/05/oest...


nurmut
4129 Postings
seit 2007-10-22

Nachtrag:

".....
143 Mrd, Hr Ornter......ihre Argumente müssen 1000 mal besser werden, lol.

Gast: Dr Peter Pichler
18.12.2011 14:54
1 0

Obgleich ich die Kommentare von Christian Ortner üblicherweise schätze, fühle ich mich bemüßigt, basierend auf adäquater Recherche zu einigen der im obigen Artikel angeführten Punkte entsprechende Einwände vorzubringen:

Erstens sind die Jahresarbeitszeiten in der EU in Wahrheit nicht unähnlich zu jenen anderer OECD Staaten (Quelle http://stats.oecd.org/Index.aspx?DataSetCode=ANHRS)." Das von Ortner gelobte Deutschland findet sich an drittletzter Stelle, während Länder wie Italien und Polen vor Japan liegen und das von Ortner geschmähte Griechenland den zweiten Platz erringt, im Begriff den bisherigen Spitzenreiter Südkorea aufgrund der dort rasch sinkenden Arbeitszeiten zu überholen.

Auch die Behauptung, Europa wäre bei Streiks führend, darf zumindest hinsichtlich Österreich nicht unwidersprochen bleiben. Die Aussagen des schottischen Professors lassen ergo auf mangelnde Recherche oder Vorurteile schließen. Womöglich handelt es sich einfach um eine von Ortner missverstandene Polemik hinsichtler des auf der Insel bekannten Widerstands gegen die Arbeitszeit-Vorschriften der EU.

Abgesehen davon ist aus wirtschaftspolitischer Sicht nicht die bloße Arbeitszeit alleine entscheidend sondern vielmehr die Produktivität. Wer in derselben Zeit eine höhere Wertschöpfung erzielt als andere, dem sollte höherer Wohlstand und Verdienst gebühren. In Österreich gab es im letzten Jahrzehnt gewaltige Steigerungen in der Produktivität (Quelle Statistik Austria http://www.statistik.at/web_de/static/produktivitaetsindex_je_geleisteter_arbeitsstunde_basis_2000_021089.pdf) denen jedoch real stagnierende Gehälter gegenüber stehen, vornemlich deswegen weil die erhöhte Leistung vom Finanzsektor "abgeschöpft" wird.

1 0

Möchte mich wegen der wiederholten Postings entschuldigen.

Bin erst seit kurzem hier registriert, und musste erst erlernen, dass es öfters ein bisschen dauert, bis ein Beitrag veröffentlicht wird.

arbeitscheue faulpelze und minderleister...

...sind vor allem diejenigen, die nicht mehr "leisten" als jämmerliche 6000 zeichen die woche abzutippen und in kläglihen zwei kolumnen zu publizieren. solche leute sind wahrlich nicht dazu berufen über "leistung" und "arbeit" zu dozieren.

wenn ortner weniger konsumiert...

...dann wird man ihn in zukunft wohl seltener im meinl am graben sehen. dort pflegt der theoretiker des verzichts (für die anderen) nämlich gerne zu konsumieren, was das zeug hält. es lebt sich halt nicht schlecht als serviler untertan und auftragsschreiberling von industrie & kapital.

Antworten Gast: Konservativer
18.12.2011 23:33
0 3

Eigentor

Dort kann ihn nur sehen, wer dort selber tafelt.

Re: Eigentor

Na und?

mehr arbeiten und weniger konsumieren...

...das blüht vielleicht der misera plebs, aber doch sicherlich nicht den wahren LEISTUNGSTRÄGERN wie KHG...und christian s. ortner.

obwohl: weniger arbeiten als jetzt, wo er zwei kolumnen pro woche schreiben muss, geht ja wohl gar nicht mehr. außer die industriellenvereinigung hat ortner eine kleine apanage ausgesetzt, damit er genug muße hat um gegen den wohlfahrststaat vom leder zu ziehen. dann ist er natürlich auf erwerbsarbeit nicht angewiesen.


Gast: Presseleser*
17.12.2011 12:46
7 4

An alle jene die meinen hier ginge es gegen den Sozialstaat

Nach meinem Verständnis hat Herr Ortner noch nie den Sozialstaat als solches angegriffen. Ich meine ganz im Gegenteil nur eine vernünftige Finanzpolitik mit Schuldenbremse kann diesen langfristig erhalten.

4 3

fett, faul und arbeitsscheu

Gratulation, Herr Ortner! Angesichts der unzähligen dummen und verblendeten Kommentare dieser Tage, und den wenigen Guten, ist Ihr Kommentar so etwas wie ein einsamer Fixstern in der tiefen Schwärze geistiger Umnachtung. Nicht wenige versteigen sich ja auf die Meinung, die Finanziers der gelebten Verschwendungskultur, die jetzt um ihr Geld bangen, seien an der Misere schuld. Faymann und rot/grüne Genossen hingegen hoffen, die Unkultur des kollektiven Defraudantentum über höhere Steuern (für "Superreiche" - was sie selbst ausnimmt! -) retten zu können. Und nicht 'unsere Kinder' sollen die Schuldenberge einst abtragen müssen, sondern, so fantasiert man sich vor, die Superreichen, deren Vermögensberge den Schuldbergen der Wohlfahrtsapologeten entsprechen. Macht in Saldo null, so die Milchmädchenrechnung, und das Dolce Vita kann weitergehen.

Die von einer linken Politsekte in Wien einst propagierte Parole "fett, faul und arbeitsscheu" scheint mir gar nicht so sektiererisch zu sein. Man frönt dieser Losung in höchsten Rängen der Parteipolitik.

Antworten Gast: Febobo
18.12.2011 23:21
2 0

Re: fett, faul und arbeitsscheu

Nunja, wir leben in einem Kreditgeldsystem, d h Geld wird als Schuld erzeugt und ist durch doppelte Buchführung sowohl Soll als auch Haben.

Abbau von Schulden heißt deshalb automatisch und zwingend Abbau von Guthaben. Woher soll das Geld für den Guthabenabbau kommen, wenn nicht von denen die Guthaben besitzen?

Oder anders formuliert, rein rechnerisch hätten diese Leute die Guthaben überhaupt nicht anhäufen können, würde sich nicht auf der anderen Seite jemand in gleicher Höhe verschulden.

Das geht rein mathematisch gar nicht.

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Brillanter Kommentar! BRAVO!


5 5

Die Europäer, behauptete jüngst der schottische Historiker Niall Ferguson, seien heute „die Faulpelze der Welt.

genieren sie sich eigentlich nicht, herr ortner?

dem historiker kann ich es ja nachsehen, dass er als basis für seine schlüsse die arbeitsstunden der verschiedenen kontinente/staaten verglichen hat.
aber sie als 'wirtschaftsexperte' sollten doch den fehler sofort erkennen: als basis für solche vergleiche muss natürlich die arbeitsPRODUKTIVITÄT genommen werden!

uns geht es so gut, weil wir gute arbeit leisten!

doch ortner stellt uns generalisierend als faul und verantwortungslos hin.
eh klar, dass wir durch "ein Jahrzehnt [ ], in dem mehr gearbeitet und weniger konsumiert werden wird – eine Zeit des Sparens und des Verzichts" bezahlen müssen was von anderen verursacht wurde und wovon diesselben letztlich profitiert haben:
*der riesenanstieg der verschuldung in den letzten 3 jahren ist einzig und allein einem von den profiteuren ausgelösten ereignis zuzuschreiben!
*der normale bürger hat durch die strukturellen schulden der vergangenheit und gegenwart natürlich seinen lebensstandard deutlich erhöht. doch überproportional profitiert haben von durch die schulden ausgelösten impulse die höchsten einkommensschichten. jede verteilungsstatistik zeigt dies überdeutlich.

unglaublich, wie ungeniert tatsächliche ereignisse und ursachen umgedichtet werden, passend in ein neoliberales weltbild.
als hätte das noch immer nicht genügend schaden angerichtet!

Antworten Pete
17.12.2011 09:22
3 1

Re: Die Europäer, behauptete jüngst der schottische Historiker Niall Ferguson, seien heute „die Faulpelze der Welt.

Dazu ist noch eine Frage anzumerken: Welcher Arbeit geht eigentlich der Herr Ordner nach? Das wöchentliche kanns ja wohl nicht sein.

Antworten petlah
17.12.2011 08:17
3 2

Re: Die Europäer, behauptete jüngst der schottische Historiker Niall Ferguson, seien heute „die Faulpelze der Welt.

...und was nützt die Arbeitsproduktivität und Leistung von einer Minderheit, wenn zu viele Ö. zu lange studieren, zu früh pensionieren, zu wenige Stunden pro Jahr arbeiten, zu viel Sozialleistungen konsumieren...;

es tut ab und zu eine Vernunftstimme wie die des Herrn Ortner zu hören

Danke Herr Ortner - machen Sie so weiter!

Re: Re: Die Europäer, behauptete jüngst der schottische Historiker Niall Ferguson, seien heute „die Faulpelze der Welt.

Vierl nützt das. Wenn ich doppelt so produktiv arbeite, muss ich nur die halbe Zeit arbeiten.

 
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