25.05.2012 21:39 | Meine Presse Merkliste 0

Nicht der Kapitalismus ist gescheitert, sondern die Suche nach Alternativen

CHRISTIAN ORTNER (Die Presse)

Weil gerade Krise ist, hat Kritik am mit Abstand erfolgreichsten ökonomischen Betriebssystem aller Zeiten Hochkonjunktur. Eine Idee, was an seine Stelle treten könnte, hat aber niemand.

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Die Behauptung, dass der Kapitalismus irgendwie genauso gescheitert ist wie der Kommunismus, gehört mittlerweile quer durch alle weltanschaulichen Lager zum Kanon der völlig gesicherten wissenschaftlichen Erkenntnisse.

Wer hingegen – wie etwa diese Woche gleich sechs österreichische Ökonomen der neuen Plattform „ProMarkt“ – öffentlich behauptet, der Kapitalismus sei die beste uns bekannte Art und Weise, das Wirtschaftsleben zu organisieren, kann davon ausgehen, im günstigeren Fall als harmloser Spinner und im schlimmeren Fall als eine Art ökonomischer Gewohnheitskrimineller oder gar als Karl-Heinz-Grasser-Büttel denunziert zu werden.

Deshalb verwenden ja auch Politiker aller Couleurs „Kapitalismus“ mittlerweile ausschließlich als Bestandteil des Begriffs „Kapitalismuskritik“. Dass einer das K-Wort je verwendet hätte, ohne sich im gleichen Atemzug pflichtschuldigst davon zu distanzieren, ist nicht überliefert. Kapitalismuskritik, formulierte jüngst der deutsche Feuilletonist Harald Martenstein in der „Zeit“ treffsicher, „ist das neue Yoga“.

Das ist aus zwei Gründen eher bemerkenswert. Erstens, weil sich der Kapitalismus in den letzten 60 Jahren bekanntlich weltweit als die mit Abstand effizienteste Art der Armutsbekämpfung erwiesen hat, was den Damen und Herren Kapitalismuskritkern aber irgendwie wurscht zu sein scheint. Dass nicht etwa Fünfjahrespläne, Verstaatlichung und Sozialismus dazu geführt haben, dass der Anteil der Bedürftigen in China, Indien und vielen anderen einst bettelarmen Ländern massiv zurückgegangen ist, sondern die Ausbreitung des Kapitalismus in diesen Weltgegenden die Armut nachhaltig zurückgedrängt hat, beeindruckt den glaubensfesten Kapitalismuskritiker wenig. Faktenresistenz ist in diesen Milieus ja ein durchaus angesehener Charakterzug.

Noch bemerkenswerter an dieser Modetorheit namens Kapitalismuskritik ist freilich, dass noch keiner der Kritiker auch nur im Entferntesten eine Alternative zum vermeintlich gescheiterten Kapitalismus anzubieten hatte; noch nicht einmal als Skizze oder Grobentwurf. Dabei wird ja jetzt schon ganz schön lange nach einer derartigen Alternative zum Kapitalismus gesucht.

Aber weder die robusten Versuche Lenins oder der nationaleren Sozialisten von Herrn Hitler erwiesen sich bekanntlich als wirklich überzeugend (wobei Hitlers führender Wirtschaftstheoretiker Gottfried Feder übrigens die ja auch unter zeitgenössischen Kapitalismuskritikern beliebte Trennung zwischen „schaffendem“ und „raffendem“ Kapital in die Debatte einführte und eine Verstaatlichung der Banken forderte).

Auch spätere Versuche Pol Pots in Kambodscha, Maos in China oder Enver Hoxhas in Albanien führten nicht ganz zum gewünschten Erfolg. Und selbst der jugoslawische „Dritte Weg“ zwischen Kapitalismus und Kommunismus, lange Zeit eine große Hoffnung westlicher Kapitalismuskritiker, führte am Ende doch nur zu schlecht gelaunten Kellnern und vergammelten Hotels an der Adria.

Dass seit mehr als hundert Jahren ebenso heftig wie erfolglos nach einer halbwegs brauchbaren Alternative zum kapitalistischen Betriebssystem gesucht wird, könnte einen relativ simplen Grund haben: dass nicht der Kapitalismus gescheitert ist, sondern die Kapitalismuskritik.


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debatte@diepresse.com


Zum Autor:

Christian Ortner ist Kolumnist und Autor in Wien. Er leitet „ortneronline. Das Zentralorgan des Neoliberalismus“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.12.2011)

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39 Kommentare
 
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Alternative zum Kapitalismus, KREDITISMUS

Nicht der freie oder gesteuerte Kapitalismus ist an der Krise schuld, sondern der Geldmangel im Volk und deren Unternehmen, der durch ungerechte Kreditbedingungen und der Forderung nach dinglicher Besicherung für das ausgeliehene Geld-Kapital entsteht. Da in der CH-Verfassung in Art. 2 steht, "Der Staat sorgt für möglichst grosse Chancengleichheit und ausgewogenen Wohlstand" , dieses Gebot von den Banken nie eingehalten werden kann, besteht hier nie Chancengleichheit und ausgewogener Wohlstand. Daher sind dieser Banken-Kapitalismus, deren Kredit-Vergaberegeln verfassungswidrig und ungerecht. Ein Geldsystem, das zur ungerechten Verteilung neigt, ist zu verbieten und durch ein Kreditvergabe-System zu ersetzen, das die Leistungsfähigkeit in die Zukunft bereits als Geburtsrecht akzeptiert. Die dafür erforderliche Ware ist bereits seit 1996 im Überfluss vorhanden. Wir betreiben Geld- und Wirtschaftskrise bei Überproduktion und vor vollen Tellern, und dies weltweit! Einer solchen Zivilisation muss man das Wort „zivil“ absprechen und sie als Barbarren bezeichnen oder als Analphabeten, den für solche wurde unser heute noch praktiziertes Geldsystem vor 2600 Jahren erfunden. Eine tragische Komödie oder sogar Lachnummer, was wir uns hier einbilden auf unser „katastrophales“ Banken- und Geldsystem. Beides muss so schnell wie möglich abgeschafft werden. Eine alternative, heute erst machbare Lösung, finden Sie auf www.kreditie.at


geoz
31.01.2012 12:46
0 0

Roland Baader: "Schlußendlich werden sie alle fallen, weil das gesamte System marode ist"

http://youtu.be/i8tcqRBn3D4

Gast: Febobo
28.12.2011 11:48
1 1

Bekämpfung der Armut?

Lachhaft.

Die Bekämpfung der Armut ist auf Pump erfolgt, überall auf der Welt.

Wenn ich einem Bettler eine Million Euro Kredit gewähre, wird er ein Luxusleben führen. Solange eben, bis Zahltag ist.

Unser Wohlstand muss verzinst zurückgezahlt werden und dann stehen wir wieder am Start. Mit "Kapitalismus" hat das alles nichts zu tun.

Gast: Nadine Binsberger
26.12.2011 18:27
1 8

Kapitalismus = hohe Kunst der maximalen Ineffizienz

Warum setzen sich auf dem Markt Produkte durch, die möglichst weit in der Welt herumgekarrt wurden? Warum setzen sich Produkte auf dem Markt durch, die die grössten energetischen Fussabdrücke aufweisen? Antwort: Nur Ineffizienz bringt Umsatz, Arbeit und Rendite, d.h. nur Ineffizienz ist kapitalismusfreundlich. Wenn hingegen in allen Wirtschaftsbereichen Effizienz realisiert würde, dann würde eine weltweite Wirtschaftskrise ausbrechen. Das Wachstum würde ins bodenlose runterfahren, die Arbeitslosigkeit würde in den Himmel steigen, die Renditen würden sich in Luft auflösen und die Staaten könnten keine Steuern mehr einziehen. Ein unendliches Wehklagen würde durch die Welt gehen - und das, obwohl wir dank Effizienz alles hätten, was wir wollten. Die Bürger der Welt entziehen sich heute ihrer gesellschaftlichen Verantwortung und lassen die "unsichtbare Hand des Marktes" alles mögliche entscheiden, wie eine Art humaninduzierter Zufallsgenerator. Dadurch entstehen diese höchst ineffizienten pseudo-ökonomischen Outputs. Alternative: gesunden Menschenverstand einschalten und die freie direktdemokratische Vernunft des mündigen Bürgers entscheiden lassen. Die Gesellschaft sollte in allen Bereichen, die sie etwas angehen, direktdemokratisch strukturiert sein, also auch in der Wirtschaft. Oder will irgendjemand behaupten, Wirtschaft sei Privatsache?

periskop
24.12.2011 14:00
12 0

Der "Kapitalismus" kann gar nicht scheitern!

Der Kapitalismus ist ja nicht wirklich ein "System", denn es gbt bei ihm keine Dogmen oder sonstige unveränderliche Wahrheiten. Was heute als Kapitalismus bezeichnet wird, hat mit dem, was sich sein Erfinder Karl Marx vor mehr als eineinhalb Jahrhunderten vorgestellt hat, so gut wie gar nichts mehr zu tun!

Als Kapitalismus wird heute alles bezeichnet, was die in der Wirtschaft tätigen Menschen freiwillig und ohne Bindung an irgendeine Ideologie machen! Und weil es immer Menschen geben wird, die sich nicht an eine Ideologie binden wollen, die sie dazu zwingt, immer wieder den selben Fehler zu wiederholen, wird es auch immer wieder freie Menschen und damit auch den "Kapitalismus" geben!

Alle Alternativen zum Kapitalismus sind Systeme, die die Menschen durch Zwang und Unterdrückung zu einem unnatürlichen Verhalten bringen wollen. So etwas muss früher oder später scheitern, die Freiheit, die man heute "Kapitalismus" nennt, wird auf lange Sicht immer obsiegen!


Antworten Gast: int er e s s e
30.01.2012 01:27
0 0

Re: Der "Kapitalismus" kann gar nicht scheitern!

interessante sichtweise mit der ideologiefreiheit (die gottlob immer populärer wird)

Antworten Gast: gggggggggg
24.12.2011 15:59
6 0

Re: Der "Kapitalismus" kann gar nicht scheitern!

Stimme Ihnen völlig zu - und verstehe absolut nicht, warum diePresse mein posting (im wesentlichen) desselben Inhalts nicht veröffentlich hat. (Ich war etwas ausführlicher und habe versucht klarzulegen und zu begründen, dass und warum Ideologien aller Spielarten scheitern MÜSSEN und dass diejenigen, die gegen den Artikel Ortners posten, das einfach nicht verstehen - weil sie sich der Realität verweigern und in einer Scheinwelt leben - wie Ideologen das eben tun. Sollten in der Presseredaktion mehrheitlich - und ziemlich empfindliche - IdeologInnen sitzen? Meinungsfreiheit?)

Gast: Christian Felber
23.12.2011 23:59
1 8

Augen auf!

Lieber Herr Ortner,

ihr Satz

"... dass noch keiner der Kritiker auch nur im Entferntesten eine Alternative zum vermeintlich gescheiterten Kapitalismus anzubieten hatte; noch nicht einmal als Skizze oder Grobentwurf."

ist nur bei geschlossenen Augen richtig. Hier ist ein Grobentwurf, der schon von fast 500 Unternehmen mitgetragen wird:
www.gemeinwohl-oekonomie.org

Mit postkapitalistischen Grüßen
(die ebensowenig etwas mit Planwirtschaft zu tun haben - es gibt nicht nur Schwarz und Weiß)
Christian Felber

ihr gekrieche vor den unternehmern wird ihnen nichts nutzen, herr felber


sie haben ja selber offenbar die postdemokratische odnung schon so internalisiert, dass sie auf ihrer gemeinwohlseite unter der rubrik "unterstützer" eine richtige hierarchie von unterstützern haben:

"1.Unternehmen
2.PolitikerInnen
3.Organisationen/Vereine
4.Privatpersonen
5.BotschafterInnen"

"unternehmer" sind für die marktliberalen die krone der schöpfung, die helden des kapitalismus, quasi gottgleiche wesen, die durch ihre genialität, ihre risikobereitschaft, ihren "unternehmergeist", die welt jeden tag aufs neue aus dem nichts erschaffen. alle anderen sind dagegen nur spreu...

dieser weltsicht haben sie sich offenbar unterworfen, denn wieso sind "Unternemher" bei ihn ansonsten so wichtig, dass sie über der misera plebs stehen, und extra herausgestrichen wird, dass die sie mehr oder weniger unterstützen? abgesehen davon, dass sie unternehmer mit selbstständigen gleichzusetzen scheinen, was glauben sie, was ihnen das bringt?

dieses gekrieche wird ihnen nicht ersparen, von den ortners dieser welt als gefährlicher bolschewik denunziert zu werden, da können sie noch 100.000 unternehmensberater als ihre unterstützer angeben.

Antworten Gast: Der Notar
25.12.2011 12:59
9 0

Interessante Seite

als ich dann den Punkt "Neues Menschenbild" gelesen habe, habe ich mich ausgekannt.

Antworten periskop
24.12.2011 14:09
9 0

Re: Augen auf!

Es hat mich ja recht amüsiert, dass Ihr Leserbrief in der Printausgabe der "Presse" direkt unter Ortners Kommentar steht!
Aber auch Ihr System ist eine Diktatur, in der einige wenige darüber entscheiden, was "Gemeinwohl" ist und alle anderen nur gehorsame Sklaven sein dürfen.
So etwas hat keine Überlebenschancen!

Antworten Antworten Gast: Christian Felber
25.12.2011 16:28
0 8

Re: Re: Augen auf!

Wenn es tatsächlich so wäre, wie sie vermuten?/raten?/befürchten?, dass "wenige darüber entscheiden, was Gemeinwohl ist", dann würde ich mich persönlich *gegen* ein solches Modell engagieren.
Der Kern der Gemeinwohl-Ökonomie ist aber Demokratie. Jeder einzelne Vorschlag der Gemeinwohl-Ökonomie kommt entweder demokratisch oder er *soll* gar nicht kommen! (Im Unterschied zur gegenwärtigen Wirtschaftspolitik, z. B. Zulassung und Rettung systemrelevanter Banken mit Steuergeldern, was zutiefst undemokratisch ist).
Um Ihre Angst vor einem oktroyierten Gemeinwohl zu überprüfen, hilft vielleicht die Durchsicht unserer Vorschläge? Wir fordern einen direkt gewählten Wirtschaftskonvent. Über das Ergebnis entscheidet die Gesamtbevölkerung, keine wie immer gearteten "Wenigen":
www.gemeinwohl-oekonomie.org/uber-uns/inhalte/#punkt14

Demokratische Grüße

Christian Felber

Antworten Antworten Antworten periskop
26.12.2011 09:16
6 0

Re: Re: Re: Augen auf!

Als Demokrat müssen Sie auch Alternativen und freie Wahlen zulassen. Dann wird aber jede Partei - von der SPÖ bis zum BZÖ - sagen, dass die eigene Politik der beste Weg zum Gemeinwohl ist!
Wenn Sie Glück haben, sitzen Sie dann eine oder sogar zwei Gesetzgebungsperioden im Nationalrat, bis die Gemeinwohl-Ökonomie vergessen ist.
Das war es dann schon auch!

Deshalb glaube ich nicht, dass Sie Demokrat bleiben können, wenn Sie Ihre Ziele wirklich durchsetzen wollen!

4 0

Re: Re: Re: Augen auf!

Tja, die volksdemokratische Absegung des Kollektivismus hat sich ja schon oft in der Geschichte bewährt. Der damit verbundene Wohlstand und das Übermass an persönlicher Freiheit hat dann die Leute derart verunsichert, dass scharenweise in Richtung Kapitalismus abgehauen sind.

Antworten Antworten Antworten Gast: Der Notar
25.12.2011 18:36
3 0

Ja ja

schon gut! Kennen wir doch schon. Zuviel Alt 68iger Wein im Jahrgang Post 2000. Irrelevantes Geschwafel. Sozialismus 3.0. ...wird genauso enden, wie 1.0. und 2.0. Auf dem Misthaufen der Geschichte. Aber diesmal ohne Hektabomben an Menschenleben.

Antworten Antworten Antworten Antworten periskop
25.12.2011 19:30
0 0

Re: Ja ja

Vor einem Notar, der Hektabomben erfindet, würde ich mich aber schon fürchten!

begges
23.12.2011 22:25
2 0

Eine Systemkritik ist berechtigt!


Herr Ortner,
wenn Sie mit "Kapitalismuskritik" das dumpfe, undifferenzierte Bashing zur Marktgesellschaft meinen, dann ist Ihrer Kritik-Kritik nur zuzustimmen. Der Begriff "Kapitalismus" jedoch ist schlechterdings nirgends klar definiert, missbraucht in versch. histor. Kontexten leistet er keinen Beitrag zum aufklärerischen Nachdenken. Können wir ein Bankensystem, dass mit einer zentralen Planungsbehörde an der Spitze durch künstliche Kreditausweitung, der Geldschöpfung aus Nichts und durch
Zinssatzmanipulation die Marktwirtschaft regelmässig in die Irre treibt als der Weisheit letzter Schluss ansehen? Sicher nicht!!!
Ein Markt gründet auf Rechtsprinzipien und
da selbst kein System, wie @Murray unten ausführt, ist er einer Kritik entzogen -
aber unser Wirtschaftssystem, dass das Verletzen von Rechtsprinzipien (von Gesetzes wegen!) zum System macht, mitnichten!
"Systemkritik" ist berechtigt, auch wenn dieser Begriff aus dem verstaubten Rhetorikinventar der Altlinken stammt, die selbst nie eine fundierte ökonomische Theorie hatten u nie haben werden.

Antworten Gast: zwickerl
24.12.2011 08:37
0 0

Re: Eine Systemkritik ist berechtigt!

zur Begriffsdefinition empfehle ich:
Oswald von Nell-Breuning: "Kapitalismus - kritisch betrachtet" Herder, 1986!! (Neuauflage).

1 0

In einem hat Ortner implizit recht:

die beste (und einzige wirkliche) Kritik wäre, es besser zu machen. Aber den Kapitalismus nur mit einer Fehlplanungswirtschaft (sprich "Realer Sozialismus") u.ä. zu vergleichen, ist natürlich auch nicht sehr phantasievoll. Mehr eine Aktion Pappkamerad.

Gast: Echtliberaler
23.12.2011 14:12
2 8

Kapitalismuskritik

Nicht die Kapitalismuskritik ist gescheitert , sondern die die rabiate Variante der wildgewordenen Neokonservativen , Unterabteilung Finanzakrobaten, in Europa oftmals als Neoliberale bezeichnet.

Antworten Murray
23.12.2011 15:17
6 1

Re: Kapitalismuskritik

In Europa werden als als "Neoliberale" benannt, die keine Keynesianer sind. Darunter fallen die Neoklassiker ebenso wie die Monetaristen und die Anhänger der Österreichischen Schule, die - zum Beispiel in Bezug auf Konjunkturtheorie - recht unterschiedliche Positionen vertreten. Eine Zusammenfassung dieser Richtungen unter "neoliberal" ist grober Unfug. Noch gröberer Unfug ist der unterstellte Konnex zu den Neokonservativen, die mit liberal überhaupt nichts am Hut haben.

wir leben in der besten aller welten

...der markt ist unfehlbar, er bekämpft armut, er macht uns zu besseren menschen, er bringt sonnenschein und vertreibt die bösen gewitterwolken. und wer eventuell auf den absurden gedanken verfällt, dass dieses system nicht ganz so toll, unfehlbar und perfekt ist, z.b. weil es gerade in die größte krise seit 80 jahren geführt hat, der kann ja nur ein pol-pot-anhänger sein.

einziges problem das wir haben, räumt ortner ein, ist, dass es leider, leider noch länder gibt, wo etwa alle menschen zugang zu gesundheitsversorgung haben, staatliche sicherungsysteme für armut alter und krankheit existieren. schimm! aber dafür hat er auch eine lösung: einfach weg mit dem umverteilungkrempel! arme sollen wieder richtig arm sein, reiche richtig reich, jeder ist seines glückes schmied. frohes fest!


Antworten Murray
23.12.2011 15:25
5 0

Re: wir leben in der besten aller welten

Den "Markt" gibt es in Wirklichkeit nicht, die Bezeichnung ist eine Kurzzusammenfassung für Handlungen von Menschen. Er ist auch nicht wirklich ein System, eher die Abwesenheit eines solchen. Den Zugang zur Gesundheitsversorgung haben wir teuer (und das ist nicht nur metaphorisch gemeint) erkauft; es ist im übrigen der Kapitalismus, der es ermöglicht, Rechnungen darüber anzustellen, wie teuer, im Sozialismus ist das unmöglich.
Dass es überhaupt möglich ist, Gesundheitssysteme und Pensionskassen zu finanzieren, hängt alleine mit den Produktivitätssteigerungen zusammen, die der Kapitalismus zuwege gebracht hat. Der Kapitalismus produziert Brutkästen für Frühgeborene, im Sozialismus gibt es einen Kübel mit Wasser.

Gast: Bin beim googlen
23.12.2011 13:15
0 0

zufällig auf den Begriff der

"RAUMORIENTIERTEN VOLKSWIRTSCHAFT" gestoßen.

Was ist davon zu halten?

Antworten Gast: Ausatmer
23.12.2011 15:12
2 0

Re: Wir leben in der besten aller Welten

@CJFox: Haben in Deutschland nicht alle Menschen Zugang zur Gesundheitsversorgung? Existieren in D nicht auch diese staatlichen Zwangssicherheitssysteme? Ach, natürlich... Deutschland ist ja dank des von Ortner mit Recht beklagten linksgrünen Zeitgeist auch auf dem Weg zum Sozialismus, in dem nicht mehr die leistung des Einzelnen für die Gesellschaft zählt, sondern nur, wie man mit Handaufhaltementalität und Subventionitis (eine gesamteuropäische Volkskrankheit) am besten schmarotzen kann. Wie das auf niedrigem Besitzniveau hervorragend geht, hat die DDR ins gesamtdeutsche Erbe eingebracht. Deshalb Freiheit für die Entwicklung des Einzelnen, der Idden und des Fortschritts, dass geht nur , wenn die Frage "Was hab ich davon?" mit einer überzeugenden materiellen Perspektive beantwortet werden kann. Dazu bedarf es keiner Umverteilung und Gleichmacherei, sondern genau dieser Unterschiede zwischen arm und reich, die den Kapitalismus auszeichnen. Er ist am erfolgreichsten, wenn es keine Privilegien zu ererben, sondern nur zu erarbeiten gibt. Solange bürokratische Monster wie Verbote, Zwang, Einschränkungen, Genehmigungsverfahren ihn einengen und kontrollieren wollen, verkommt er zum versteckten Sozialismus. Das sind die waren Ursachen der Krisen. Und.. Neid hat noch nie Leistung ersetzen können. Intensives nachdenken und Nacheifern dagegen kann zu eigener höherer Leistung führen.

Grüffelo
23.12.2011 13:10
0 3

unterscheidung

hier liegt der punkt: kapitalismus als ökonomisches betriebssystem bringt manchen fortschritt und bringt etlichen wohlstand. als gesellschaftssystem ist er aber bei weitem nicht so erfolgreich wie von ortner dargestellt, weil der fortschritt und wohlstand sehr massiv auf kosten sehr vieler erwirtschaftet wird. weltweit betrachtet schneiden andere systeme zumindest in dem rahmen in dem sie angewandt werden wesentlich besser ab. die produzieren aber weder unterhaltungselektronik noch bauen sie herzschrittmacher oder führen transplantationen durch. es ist halt schon eine frage was man will. nur das im kapitalismus die überwältigende mehrheit in den ländern des südens absolut keine wahl hat. ich hab keine ahnung welche statistiken sie lesen, aber die "zahl der bedürftigen" in indien und china geht nicht "massiv" zurück, es ist eine frage wer unter diesem begriff erfasst wird. aber hauptsache uns gehts gut, gell hr. ortner...

 
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