25.05.2012 21:40 | Meine Presse Merkliste 0

Stellt euch vor, der ORF wäre plötzlich verschwunden, und keiner merkt es...

CHRISTIAN ORTNER (Die Presse)

Der ORF ist eine Anstalt zur Befriedigung der Bedürfnisse der Politiker und seiner Angestellten. Eine vernünftige ORF-Reform wäre daher, den Laden einfach ein für alle Mal dichtzumachen.

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Die viel diskutierte Frage, ob der ORF just den jungen Pelinka als Büroleiter des Generaldirektors braucht, ist ja durchaus berechtigt und verfügt über manch amüsante Facette. Wesentlich berechtigter und dringlicher erscheint angesichts des höchst bresthaften Gesamtzustandes der nicht nur baulich ziemlich verkommenen Anstalt allerdings mittlerweile die Frage, ob Österreich eigentlich den ORF noch braucht. Oder ob es nicht viel vernünftiger wäre, den ganzen Laden umständehalber einfach dichtzumachen und das staatliche Fernsehen in Österreich schlicht und ergreifend zu liquidieren wie einst den „Konsum“ oder die „AZ“.

Die wesentliche Daseinsberechtigung des ORF liegt – zumindest in der Theorie – ja bekanntlich darin, gleichsam eine öffentliche Infrastruktur für den demokratischen Meinungsbildungsprozess bereitzustellen; und zwar durch die Aufbereitung möglichst umfassender und umfangreicher Information, durch pluralistisch angelegte öffentliche Debatten und das Widerspiegeln unterschiedlichster politischer Standpunkte. Öffentlich-rechtlicher Rundfunk soll dem Wähler ermöglichen, informierte demokratische Entscheidungen zu treffen.

Der real existierende öffentlich-rechtliche Rundfunk ermöglicht seinen geschundenen Konsumenten jedoch höchstens, in tiefen Protestschlaf zu verfallen angesichts der meist überaus tristen TV- Darbietungen der von der Parteipolitik durchseuchten Anstalt. Wer sich je bis ans Ende einer der gefühlten tausend TV-Debatten der Klubobleute am Sonntagabend durchgekämpft hat, weiß, wie weit der ORF von der Erfüllung seines öffentlich-rechtlichen Auftrages entfernt ist. Der Beitrag der Anstalt zur demokratischen Ertüchtigung des Landes ist etwa so groß wie der von McDonald's zur Verbesserung der Volksgesundheit. Tendenz eher noch sinkend.

Damit hat der ORF seine zentrale Existenzgrundlage entsorgt. Wer Lust auf trashiges Privatfernsehen hat, braucht dazu angesichts Dutzender Gratiskanäle den ORF nicht; wer hingegen hochwertige Information und politische Debatte will, kann dazu den den ORF mangels einschlägiger Angebote erst recht nicht gebrauchen.

Wirklich gebraucht wird der ORF trotzdem noch: Freilich nur noch von ein paar hundert Politikern, die dort regelmäßig ihr Gesicht raushalten dürfen, und den Mitarbeitern, deren komfortable Jahresgage von durchschnittlich 75.000Euro eine relativ hohe Leidensprämie inkludieren dürfte.

Mittlerweile ist diese Anstalt fast ausschließlich eine Anstalt zur Befriedigung der legitimen Bedürfnisse ihrer Angestellten und der weniger legitimen Bedürfnisse ihrer politischen Verfügungsberechtigten geworden, eine symbiotische Verstrickung von Politik und Politikunterworfenen mit dramatisch sinkender Relevanz für die Außenwelt.

Den Österreichern weiterhin Jahr für Jahr mehr als 500Millionen Euro wegzunehmen, um diese Bedürfnisanstalt zu betreiben, scheint angesichts der knappen Kassen daher wenig sinnvoll. Staatsfernsehen dieser Art könnten die jungen Medienstars der SPÖ, qualifiziert durch den brillanten Facebook-Auftritt des Kanzlers und das souveräne Handling der Büroleiter-Causa, sicher aus einem Studio am Ballhausplatz mit Standleitung in die Löwelstraße etwas preisgünstiger betreiben. Der ORF hingegen bräuchte eine letzte Reform: die Auflösung der obsolet gewordenen Anstalt.


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("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.01.2012)

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69 Kommentare
 
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großartiger kommentar! vielen dank!


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Schon allein die vielen Postings...

...sind ein Beweis dafür, dass wir Ortner dringend brauchen.

Antworten Gast: asdfjklö
20.01.2012 08:21
0 1

Re: Schon allein die vielen Postings...

so dringend wie einen Kropf ....

Gast: nurmut-BE
15.01.2012 13:18
0 0

Machen sie das, Herr Ortner

wenn Sie irgendwas gegen eine politische(?) Postenbesetzung in der Zeitung "DiePresse" haben, lieber Herr Ortner, dann machen Sie sowas wie die ORF-Journalisten gegen Ihren Chef.

In 3:02 Min sind Sie Ihren Vertrag los.....

Hier der Original-TV-Beitrag

http://tvthek.orf.at/programs/1211-ZIB-2/episodes/3433457-ZIB-2/3433467-Protest-gegen-Postenvergaben-im-ORF


Gast: nurmut-BE
15.01.2012 12:54
0 12

Ortner daneben

würden die Krone-Journalisten soetwas wagen, wie die ORF-Journalisten?

Nämlich zur besten Sendezeit 4 Min lang berichten, welchen Aufstand gegen die Geschäftsführung wegen einer Postenbestellung entsteht? Sicher nicht!

Ortner mit seiner gehässigen Art will aber alles privatisieren....

ich unterstütze, was in diesem Forum schon stand:

".....die frage, wie man unabhängigen, kritischen jorunalismus ermöglicht, gilt es anzugehen. aber marktfanatiker wie ortner et al. interessiert das ja nicht....."

Antworten Gast: oder?
30.01.2012 01:40
0 0

Re: Ortner daneben

brot und spiele na?

Antworten mig29
16.01.2012 13:24
8 0

Re: Ortner daneben

Fühlen Sie sich nur weiter wohl in dieser staatsgelenkten Demokratie! Das Problem ist nämlich das dieser Sender Zwangsgebühren von Allen (so viel ich weiß, die höchsten in Europa) kassiert, politisch einseitig dominiert wird, fiesen Postenschacher betreibt und öffentliche Gelder verprasst! Wenn man sich das alles so auf der Zunge zergehen läßt wird man zwangsweise zum "Marktfanatiker"!

Gast: nurmut-BE
15.01.2012 12:11
0 10

Ortner daneben

http://www.boerse-express.com/cat/postings/thread/738942#post_738949

Otto Normalinvestor

> Muss Partei für den ORF ergreifen,2012-01-15 09:51:17

ein paar interessante Sendungen, die dem Bildungsauftrag entsprechen, gibt es: Z.B. "Bürgeranwalt", "Schauplatz Gericht".

, Nr. 2
antworten
nurmut
4188 Postings
seit 2007-10-22
>> Re(1): Muss Partei für den ORF ergreifen,2012-01-15 12:00:06

der Ortner liegt wieder einmal völlig daneben, auch wenn er in der "Presse" schreibt.

Ich kenne viel Münchner, die sich irgendwie eine ORF-Karte besorgen, damit sie den ORF sehen können, denn was sich in den Deutschen werbefinanzierten Kanälen abspielt, ist oft letzter Schund, unterbrochen alle 15 Min durch 7 Min. Werbung (zur Erholung).

Der ORF ist zB in Sportübertragungen Weltklasse, Universum etc sind erstklassig, Bürgeranwalt detto, nicht zu reden von Neujahrskonzert usw. Am Nachrichtensektor mögen n-tv oder N24 ausführlicher sein, ob dadurch besser, das sei dahingestellt.

Aber es tut einem Schreiberling halt wohl, das Wort "bresthaft" irgendwie unterzubringen....


Antworten Gast: lou
19.01.2012 16:57
0 0

Re: Ortner daneben

es ist leicht bei sportübertragungen weltklasse zu sein, wenn man das geld für die übertragungsrechte, der bevölkerung wegnimmt anstatt wirtschaflich arbeiten zu müssen.

Gast: Glaubensstark
15.01.2012 09:42
0 10

Die Daseinsberechtigung

Ortner : " Öffentlich-rechtlicher Rundfunk soll dem Wähler ermöglichen, informierte demokratische Entscheidungen zu treffen "

Wer glaubt dass das privatisierte Fernsehen und privatisiertes Radio diese Forderung nur annähernd so erfüllen kann wie schon jetzt der öffentlich-rechtliche Rundfunk, der glaubt an den Osterhasen.

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stellt euch vor, christian s. ortner's kolumne wäre plötzlich verschwunden...

...es wäre nur ein marktfanatischer, unterwürfiger lohnschreiber der reichen weniger da. so what?

von der sorte gibts gerade bei dieser sehr geschätzten zeitung doch genug, warum noch so einer unter der irreführenden rubrik "quergeschrieben" die ewig gleichen platituden von sich geben muss, liegt wohl daran, dass man ortner einfach geld zukommen lassen will. am freien markt ist er wohl nicht überlebensfähig. die presse hat eben doch ein soziales gewissen!

aber jenseits solcher humanitätsduselei sollte man nicht vergessen:
ortner's kolumne ist ein klarer fall von ineffizienz, denn sein job wird bereits mindestens genausogut von anderen presse-kollegen erledigt. daher wäre es gerade in zeiten wie diesen im sinne einer produktivitätssteigerung angebracht,diese kolumne endlich einzusparen! kosten gespart, strukturen verschlankt und keinem wird er fehlen!

Antworten Gast: Pro-Ortner
14.01.2012 21:38
10 1

Re: stellt euch vor, christian s. ortner's kolumne wäre plötzlich verschwunden...

Am Thema vorbei, Schimpfen ist kein Argument. Also warum gehört der ORF doch nicht abgeschafft ?

Re: Re: stellt euch vor, christian s. ortner's kolumne wäre plötzlich verschwunden...


ganz einfach: den orf dichtmachen, also ihn privatisieren oder den fernsehmarkt privaten zu überlassen (in der praxis wohl eher ersteres) hieße nur , anstelle von einflüssen staatlicher organe oder in diesen aufgrund demokratischer wahl einflussreicher parteien, privatwirtschaftliche beeinflussung zu setzen.

auf den punkt gebracht: wieso soll es dem fernseh-journalismus oder der demokratischen kultur dienlicher sein, wenn ein raiffeisen-generaldirektor seinen burli ins vorzimmer des orf-chefs setzt, anstelle des bundeskanzlers? das problem fehlender unabhängigkeit des mediums fernsehen stellt sich in beiden fällen. wobei bei privaten medien ja eh jeder davon ausgehet, dass die so schreiben, wie es der chef will (siehe krone). beim orf ist das ja offenbar doch nicht ganz so, sonst würden die orf-journalisten nicht so auf die barrikaden steigen können.

die frage, wie man unabhängigen, kritischen jorunalismus ermöglicht, gilt es anzugehen. aber marktfanatiker wie ortner et al. interessiert das ja nicht. haben auf alle frageb immer die gleiche antwort: MEHR PRIVAT , WENIGER STAAT! dann wird alles gut... oder eben nicht.


Antworten Antworten Antworten Gast: Martin_S
19.01.2012 09:39
0 0

Re: Re: Re: stellt euch vor, christian s. ortner's kolumne wäre plötzlich verschwunden...

Nun, erstens müsste sich der Privatsender SELBST finanzieren und kann nicht auf Zwangsgebühren zurückgreifen!
Zweitens: Das, was derzeit als "öffentlich-rechtliches" Programm serviert wird, gibts in allen privaten Sendern auch, also wozu dann noch einen Sender haben, der zwangsbeitragunterstützt wird??

10 0

Trefflich analysiert!

Genau so und nicht anders als im Artikel beschrieben, verhält es sich ja leider tatsächlich! Zudem verliert der ORF auch nach und nach ein ihm lange besonders wichtig erscheinendes Programm-Aushängeschild: Den FUSSBALL!

Die Übertragungsrechte der EuropaLiga mußten Puls 4 überlassen werden, jener der heimischen Bundesliga wandern zu atv und ebenfalls Puls 4 (oder ist es atv?) bringt ab Herbst die Auswärtspartien der Nationalmannschaft in der WM-Qualifikation. Wie oft wurde uns erzählt, daß die Sparte "Fußball" geradezu überlebensnötig sei für die "Identität des ORF". Damit würde man die Zuseher quasi "bei der Stange halten".

Das scheint aber inzwischen immer weniger möglich. Entweder hat man wesentlich mehr ständige Mitarbeiter unter Vertrag, als ein Sender, der vornehmlich von keineswegs teuer eingekauften amerikanischen Unterhaltungsserien "lebt" braucht. Oder die vorhandene Marie wurde in ehrgeizige Projekte verbraten, bei denen selbst ein Laie schon vorher wußte, daß daraus nur ein Quotenflop werden kann.

Die in den "oberen Etagen" dahin fuhrwerkenden "Experten haben eben einen besseren Draht zur Politik als zu den gebührenpflichtigen Kunden. Und diese haben nirgendwo eine auch nur halbwegs brauchbare Interessensvertretung. Denn der sog. "Stiftungsrat" ist bestenfalls zum Krenreiben. Und irgendwie erinnert mich seine eigentliche "Funktion" an jene der politischen Feigenblättern in der früheren DDR: Der sog. "Blockflöten", der Parteienstaffage für die SED.

Antworten Gast: asdfjklö
20.01.2012 08:30
0 0

nehmen Sie Ihre Möglichkeiten wahr und wenden Sie sich an den Publikumsrat.


wolflamm
14.01.2012 11:25
12 0

BRAVO!

Volle Zustimmung!!!

16 2

Das Leben ist schöner ohne ORF

Seit einigen Monaten leben wir (5-köpfige Familie) nun ohne ORF. Keiner - auch nicht die Kids - will sich freiwillig das antun und ORF schauen.
Der gute Vorsatz fürs Neue Jahr wurde realisiert und der ORF ABGEMELDET.
Ärgern Sie sich nicht über den ORF - melden Sie ihn einfach ab. Ihre Nerven werden es Ihnen danken.


Gast: Johann Kreuzeder
13.01.2012 23:37
10 0

Einfach abmelden!

Lebe seit Monaten ohne ORF - seit einigen Tagen habe ich den Müll auch endlich abgemeldet.
Das Leben ist schöner OHNE ORF.
Danke für den treffenden Beitrag!

Gast: astray
13.01.2012 22:51
18 0

weg damit

der zwangsgebühren-orf ist nur noch ein einziges ärgernis,ein linkes noch dazu.
nicht einmal wolfgang schüssel hat es geschafft,den linksdrall zu neutralisieren.
also weg mit diesem orf,ersatzlos,er wird niemandem(ausser den linksgrünen)abgehen!

Gast: mens sana
13.01.2012 22:36
16 0

Endlich!!!

Es war Zeit, dass das jemand sagt.

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welch eingeschränkte sichtweise!


"Die wesentliche Daseinsberechtigung des ORF liegt..." in der ausstrahlung von fernseh- und radioprogrammen!

da mag manchem so manches nicht gefallen.
doch wer behauptet, die privaten kanäle seien besser als die öffentlich-rechtlichen KANN kein konsument von beiden sein.

Antworten Gast: die matrix
13.01.2012 21:32
18 0

Re: welch eingeschränkte sichtweise!

Ja, Sie haben ja recht! Doch für die anderen (privaten) muss ich nichts bezahlen. Und mit Werbung werde ich via ORF TROTZ dessen fürstlicher Subventionierung belästigt.

Das Schlimmste am ORF ist allerdings, dass er in punkto Information zu wenig, nicht ausgeglichen und peinlich rot/grün gefärbt berichtet. Sie als erklärter Demokrat müssten solchen Missbrauch ja auch beanstanden! (??)

Antworten Antworten Pete
14.01.2012 17:42
0 7

Re: Re: welch eingeschränkte sichtweise!

Geiz ist geil, lieber matrix

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Re: Re: welch eingeschränkte sichtweise!

wie schon gesagt:
da mag manchem so manches nicht gefallen

überlegen sie aber mal folgenden aspekt:
"zu wenig, nicht ausgeglichen und peinlich rot/grün gefärbt" ändert sich, wenn sich die politischen mehrheiten ändern. denken sie an die zeit lindner/mück.
ein dominierender privat-sender (a la krone im print-bereich) aber passt sich nicht an demokratische verhältnisse an sondern dominiert und bestimmt sie.

es hat schon seine berechtigung, dass es nahezu überall in europa öffentlich-rechtliche sender gibt.

Antworten Antworten Antworten mig29
16.01.2012 19:15
2 0

Re: Re: Re: welch eingeschränkte sichtweise!

Tja nur verhält es sich so, dass gerade die Roten und Grünen besonders aufgeheult haben, als unter Schwarz/Blau umgefärbt wurde und die Unabhängigkeit des Senders "in Gefahr" war. Das ist eine Tatsache. Vor allem die Roten hätten nun die Gelegenheit gehabt zu zeigen, dass sie dies ernst meinten. Taten Sie nicht - im Gegenteil. Der ganze ORF gehört ähnlich wie die BBC entpolitisiert und komplett neu aufgestellt und damit hat Herr Ortner vollkommen recht!

 
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