25.05.2012 21:41 | Meine Presse Merkliste 0

Wie Heinz Fischer Österreich in der Stunde der Not retten könnte

CHRISTIAN ORTNER (Die Presse)

Der Bundespräsident hat Mitgliedern der Bundesregierung hohe Orden überreicht. Die Entlassungsurkunde wäre freilich angemessener und dem Lande dienlicher gewesen.

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George Soros, der legendäre Währungsspekulant, warnt in diesen Tagen eindringlich vor „äußerst schwierigen Zeiten, vergleichbar mit der Depression der 1930er-Jahre“. Europa drohen, so fürchtet er, Chaos und gewalttätige Konflikte, auch den USA prophezeit er Unruhen, ein brutales Reagieren der Staatsmacht und schlimme Einschnitte in die bürgerlichen Freiheiten. Letztlich könne gar das globale Wirtschaftssystem kollabieren.

Angesichts dieser nicht unausweichlichen, aber doch möglichen Katastrophe blieben Österreichs Staatsspitzen nicht untätig, wie ihnen sonst gerne unterstellt wird. Einig in der Stunde drohender Not demonstrierten sie Mut und politische Vision. Und so schritt Bundespräsident Heinz Fischer zur Tat: Kühn und entschlossen verlieh er dem Kanzler, dem Vizekanzler und zahlreichen Kabinettsmitgliedern das „Große Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik am Bande“.

Da kann es eigentlich nur noch eine Frage von Tagen sein, bis auch die Finanzmärkte angesichts dieses spektakulären Schritts erkennen, dass mit dieser Regierung nicht zu spaßen ist, und die Zinsen sinken, die Schulden verschwinden und das Budget wieder saniert ist. Zumal sich die Regierung nebenher ja auch noch neue Steuern für eines der weltweit am höchsten besteuerten Länder ausdenkt.

Hätte Österreich einen Bundespräsidenten und nicht bloß Heinz Fischer, dann wären dieser Bundesregierung nicht irgendwelche Faschingsorden mit oder ohne Bändchen überreicht worden, sondern stattdessen die Entlassungsurkunde. Artikel 70 des Bundesverfassungsgesetzes ermächtigt ihn ja ausdrücklich dazu; auch gegen den Willen der Regierung.

Gründe für einen derartigen Schritt hat die Bundesregierung ausreichend geliefert. Ihre Politik des Durchwurstelns ist angesichts der drohenden Gefahren völlig inadäquat, ja geradezu gefährlich. Ihre Ablösung durch ein Expertenkabinett – ähnlich dem italienischen von Mario Monti – erscheint daher staatspolitisch geradezu dringend geboten. Jeder Tag, den Fischer noch zaudert, ist ein verlorener Tag.

Seiner Partei, der SPÖ, könnte Fischer einen derartigen Schritt als absolute Notwendigkeit im antifaschistischen Kampf erläutern. Denn dass ein Verbleib dieser Regierung im Amt zwingend HC Strache zum nächsten Kanzler machte, steht ja außer Frage. Also ist ihre Ablöse eine historische Notwendigkeit, um Österreich vor einer faschistischen Machtübernahme zu bewahren. Dieses kleine Opfer auf sich zu nehmen, wird die Sozialdemokratie doch bereit sein.

Der ÖVP wiederum könnte Fischer plausibel erläutern, dass jeder weitere Tag in der Regierung ihre Chancen mindert, im nächsten Nationalrat noch vertreten zu sein, ihr Ausscheiden aus der Regierung also überlebensnotwendig sei.

Und beiden Noch-Regierungsparteien wird klarzumachen sein: Ihre künftigen politischen Chancen stehen ungleich besser, wenn sie jetzt einer Expertenregierung wie in Italien die Drecksarbeit des Sanierungsgeschäftes überlassen, bis der Laden wieder flott gemacht ist. Dann können sie ja wieder an die Futtertröge zurückkehren.

Seine Pflicht „nach bestem Wissen und Gewissen zu erfüllen“, hat der Bundespräsident gelobt. Will er dieses Gelöbnis nicht brechen, wird er diesen von der Verfassung vorgezeichneten Weg nicht vermeiden können.


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Zum Autor:

Christian Ortner ist Kolumnist und Autor in Wien. Er leitet „ortneronline. Das Zentralorgan des Neoliberalismus“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.01.2012)

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25 Kommentare
 
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Gast: logiker
03.02.2012 11:24
1 0

echter Bundespräsident-Expertenregierung

es wäre tatsächlich eine Möglichkeit Österreich vor dem geistigen und moralischen Politverfall zu retten, allerdings nur von einem echt verantwortungsbewussten BP. Vom aktuellen BP und seiner Ausrichtung wären als Experten jedoch nur Sowjets aus der Löwelstrasse zu erwarten.

1 0

Wäre Fischer ein echter Bundespräsident

mit Verantwortungsbewusstsein, hätte er diese Regierung längst entlassen.

Doch parteiakademische Gehirnwäsche vernebelt wahrscheinlich den Blick auf die Zukunft.

Er ist ja nur ein Geisteskind des roten Umverteilungswahnsinns.

Schon B. Kreisky war ungehalten, dass Fischer bei wichtigen Abstimmungen fehlte.

Ist er vielleicht überhaupt nur ein, von Profilierungsneurosen Getriebener ???

0 0

Gewerkschaftsmitglied Fischer

Eine interessante Variante des politisch Denkbaren.
Dem Amt in der Hofburg solches zuzumuten überschreitet aber die denkbar wildeste Vorstellungskraft.

Der BP würde solches nicht einmal erwägen, wenn die Staatskassen längst von Brüsseler Kommissaren bewacht wären!

Dafür besuchte er noch Ende Dezember 2011 treuen Herzens und voller Stolz Veranstaltungen der Gewerkschaft Öffentlicher Dienst und freute sich mit den Staatsdienern über deren Entschlossenheit im Kampf ums Überleben!

1 0

Es müssten halt Leute

aus einem nicht parteinahen geschützten Bereich sein. Gibts solche in Österreich überhaupt noch?

2 0

Orter in die Expertenregierung!


Antworten Pete
28.01.2012 09:55
2 6

Re: Orter in die Expertenregierung!

Ist ja Fasching!

Gast: svv
27.01.2012 16:30
11 2

Wir haben keinen Bundespräsidenten.

Wir haben einen Gruss-August.

Gast: emantsaG
27.01.2012 15:19
0 2

Sparen alleine tötet die Wirtschaft...

Bin daher auch nicht Ortners Meinung, aber beim zweiten Absatz musste ich lachen :-D

Gast: achimvonarnim
27.01.2012 14:40
1 6

ja, schon schlimm...

ja, schon schlimm, dass demokratisch gewählte regierungen auch noch die frechheit besitzen, im amt zu bleiben.

die presse war mal ein organ des demokratischen liberalismus. mittlerweile treffen beide bezeichnungen nicht mehr auf die blattlinie zu.

gott schütze österreich

1 0

Re: ja, schon schlimm...

Das ist keine Regierung, das ist ein Kasperltheater der Peinlichkeiten!

Gast: Besserer Vorschlag
27.01.2012 13:23
3 0

EHBP tritt ab,

verzichtet auf seine geldwerten Privilegien, insbesondere auf den Teil seiner Politikerpensionen, der über der ASVG-Höchstpension liegt
und
motiviert seine Genossen aus Politik, Gemeinde Wien, sonstigen öffentlichen Einrichtungen und PVA-Dienstpensionisten, ein Gleiches zu tun.

Antworten Gast: Held der Arbeit
30.01.2012 13:59
2 0

Re: EHBP tritt ab,

das wäre dann aber gegen seine sozialistische gesinnung. sozialisten geben immer nur das geld anderer aus, niemals das eigene!

sirgerald
27.01.2012 12:28
0 12

Hätte Österreich

einen Bundespräsidenten, und nicht bloß......
Dieses Geschreibsel qualifiziert sich von selbst.

0 16

es sollte aber schon sichergestellt werden,

dass diese "expertenregierung" hauptsächlich aus den neoliberalen ortner-financiers besteht.

denn DIE wissen, wie man den karren aus dem dreck zieht.

Antworten Gast: General Vernunft
27.01.2012 12:21
9 1

Re: es sollte aber schon sichergestellt werden,

Schon, denn alle anderen haben den Karren in den Dreck gesteuert.

Aber als Kampfposter ist man resistent gegen Argumente, gell?

5 2

Was solls, diese "Auszeichnungen" sind doch schon längst zu Faschingsorden verkommen!

Solange Grasser und Konsorten diese Orden tragen, müsste jeder anständige Mensch diesen ablehnen um nicht mit diesen Typen in einen Topf geworfen zu werden. Zeit wäre es!

Kokopelli
27.01.2012 11:06
2 4

Nicht vollständig, Herr Ortner!

Dass zugleich kritiklos der blauen Operettengarde zugetraut wird, hier auch nur irgendetwas besser zu machen ist ein Mangel dieser Parodie. Ist Ihnen die Aufmachung des Korporiertenballs entgangen? Faschingsuniformen sonder Zahl und jede Menge lustiger Rechtsradikale, Witzbolde der Geschichte. So schaut die Hoffnung auf die Errettung Österreichs aus! Aber ich plädiere dafür, Ihnen dafür den Orden der Blauäugigkeit zu verleihen! Aber sonst ist der Text sehr nahe an der Wirklichkeit.

4 0

Re: Nicht vollständig, Herr Ortner!

Bitte den Artikel nochmals durchlesen. Schaut ganz so aus dass Sie den Sinn nicht erfaßt haben.

Arethas
26.01.2012 23:27
6 0

Europäische Experten

Ein Auszug aus der Liste europäischer Experten, die den Karren aus dem Dreck ziehen sollen:

Mario Monti ... ist internationaler Berater bei Goldman Sachs

Lukas Papademos - in seine Amtszeit als Gouverneur der griechischen Notenbank fiel der Übergang von der Griechischen Drachme zum Euro. Wer hat damals noch beim Bilanzfälschen geholfen...?

Mario Draghi - war Vizepräsident bei Goldman Sachs in London.

Der neue spanische Wirtschaftsminister Luis de Guindos saß im Vorstand der spanischen Tochter der Investmentbank Lehman Brothers. Ab 2006 war er Chief Executive Officer des Unternehmens in Spanien und Portugal.

Zweifellos wissen Böcke, wie man den Garten so richtig schön abgrast, aber etwas nachpflanzen?!



Antworten Gast: Vogel Strauss
27.01.2012 14:39
5 0

Re: Europäische Experten

Jean-Claude Juncker - war von Anfang an dabei, als 'unsere' Währung gegründet wurde und ist als Luxemburger Regierungschef den Investmentbanken hörig ...

Arethas
26.01.2012 21:36
9 0

Die Idee...

.... mit dem Rücktritt der Bundesregierung ist vielleicht nicht schlecht, aber wenn man bedenkt, was in Östereich so alles an Experten kreucht und fleucht, ist eine Expertenregierung dann doch keine so gute Idee.

Pete
26.01.2012 18:41
2 22

Ordner geifert wieder

Herr Ordner was soll Herr Stache bitte besser machen? Die Korruption der blauschwarzen Regierung ist legendär und beschäftigt noch heute die Staatsanwälte. Bitte stellen sie sich dümmer als sie sind.

Antworten Gast: logiker
06.02.2012 14:14
0 0

Re: Ordner geifert wieder

wenn Staatsanwälte beschäftigt sind geht es um Erhebungen und nicht um Urteile. Bis dato gibt es tatsächlich festgestellte und durch Urteile bewiesene Korruptionen nur im roten Bereich.

Re: Ordner geifert wieder

Glauben Sie wirklich, dass Ortner mit "Experten" Strache gemeint hat?

Antworten Pete
26.01.2012 18:50
1 4

Re: Ordner geifert wieder

Pardon. Sollte natürlich Ortner und Strache heißen, die automatische Rechtschreibprüfung hat so ihre Tücken

 
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