25.05.2012 21:43 | Meine Presse Merkliste 0

Hauptsache, die Partei und ihre Leute können in die Kasse greifen...

CHRISTIAN ORTNER (Die Presse)

Indem sie auf dringend gebotene Privatisierungen verzichtet, schadet die Regierung dem Steuerzahler massiv. Die gerade die Öffentlichkeit aufwühlende Telekom-Affäre zeigt, warum das so ist.

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Wenn es um Griechenland geht, erinnert sich Christoph Leitl, Chef des ÖVP-Wirtschaftsbundes, sogar für einen Moment an den Begriff „Privatisierung“, der im vergangenen Jahrhundert in seiner Partei noch gelegentlich verwendet wurde. Den Griechen rät Leitl: „Kann man vielleicht ein paar abgelegene, unbewohnte Inseln verkaufen, die viel Geld bringen? Da geht es jetzt gar nicht um das Geld an sich, sondern da geht es um ein Signal, dass man bereit ist, in dieser Situation nicht nur Hilfe von außen anzufordern, sondern auch selbst mögliche Beiträge zu leisten.“ (APA, 15.2.2012) Das ist ja so falsch nicht. Wenn es aber nicht um Griechenland, sondern das potenziell nächste Griechenland, also Österreich geht, scheinen Leitl und die ÖVP von einer Art politischem Alzheimer befallen zu sein: Privatisierung? Wie bitte? Nie gehört, so was!

Anders als mit derartiger Amnesie („Morbus Leitl“) wird nicht zu erklären sein, dass sich das Wort Privatisierung im jüngst vorgelegten Abzock-Paket der Bundesregierung genau null Mal findet und die Privatisierungserlöse in diesem Kontext bis 2016 mit exakt null Euro angesetzt sind. Dass die einstige Wirtschaftspartei ÖVP auch nur höflich versucht hätte, daran etwas zu ändern, ist nicht überliefert. Ein „Signal, dass man bereit ist, selbst mögliche Beiträge zu leisten“ (Leitl), ist offenbar den Griechen zuzumuten, aber nicht sich selbst.

Das ist erstens ganz enorm glaubwürdig, zweitens ökonomischer Unsinn und drittens politisch unklug: Unsinnig, weil hohe Privatisierungserlöse die Staatsschulden und damit die Zinslast erheblich und nachhaltig senken können. Unsinnig ist es, weil die so eingesparten Milliardenbeträge es der Regierung ermöglicht hätten, auf diverse unverschämte Schröpfaktionen zu verzichten und so nicht die Geschäfte Herrn Straches zu betreiben.

Um welche Chance sich die Regierung da selbst gebracht hat, hat das gewiss nicht eben marktradikale Wifo bereits 2010 vorgerechnet. Selbst unter der fragwürdigen Prämisse, dass der Staat bei vielen Unternehmen noch eine Sperrminorität behält, errechnete das Wifo Erlöse von bis zu 25Milliarden Euro – was ziemlich genau dem Volumen des aktuellen Abzock-Pakets entspricht; sogar einschliesslich der herbeihalluzinierten Milliarden wie jenen aus der Besteuerung von Geldüberweisungen oder in der Schweiz angelegter Schwarzgelder.

Würde Österreich bis 2016 etwas ambitionierter privatisieren, als das betuliche Sozialpartner-Wifo vorschlägt, wären insgesamt locker 50 Milliarden zu heben – und damit schlagartig fast ein Viertel der Staatsschulden abzutragen.

Das aber ist politisch nicht erwünscht, weil sonst beide Noch-Regierungsparteien die Möglichkeit einbüßen würden, in staatsnahen Unternehmen ihnen genehme „Büroleiter“ sonder Zahl zu installieren. Wenn es um Macht und Zugang zu den Futtertrögen (Stichwort Telekom) geht, sind die Staatsschulden ÖVP wie SPÖ allemal herzhaft egal.

Dazu kommt natürlich, dass breitflächige Privatisierungen unpopulär und nicht sonderlich Boulevard-kompatibel wären. Der öffentlichen und veröffentlichten Meinung da robust entgegenzutreten, brauchte politisches Spitzenpersonal mit Autorität, Glaubwürdigkeit und Kompetenz. Vielleicht ist das ja der Grund, dass Leitl Privatisierungen nur noch in Athen einmahnt, nicht aber in Wien.


Reaktionen senden Sie bitte direkt an: debatte@diepresse.com


Zum Autor:

Christian Ortner ist Kolumnist und Autor in Wien. Er leitet „ortneronline. Das Zentralorgan des Neoliberalismus“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.02.2012)

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32 Kommentare
 
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sir007
17.02.2012 15:06
0 0

Schwäche für Geschenke

Ich wage die provokante Behauptung, dass unsere Volksvertreter REPRÄSENTATIVE Vertreter des Volkes sind. Nicht in dem Sinn, dass die Österreicher ein Volk von latent Kriminellen wäre. Aber der Österreicher hat eine Schwäche für Geschenke in Form von staatlichen Geschenken, etwa Förderungen, Gratiseinrichtungen oder Sozialleistungen. Erfolgreich sind jene Parteien, die am schamlosesten Geschenke verteilen (Faymann vor der letzten Wahl, Haider seinerzeit in Kärnten...).

Antworten Gast: MH
19.02.2012 17:06
1 0

Re: Durchschnittsbürger bekommt keine Geschenke

Die staatlichen Förderungen die ein Durchschnittsösterreicher in Anspruch nehmen kann die hat er vorher mittels Gebühren und Steuern überbezahlt. Er holt sich also nur einen Teil zurück.


Antworten Antworten Gast: Zen Su Riert
20.02.2012 14:56
1 0

Re: Re: Durchschnittsbürger bekommt keine Geschenke

falsch: üblicherweise hat nicht der jeweilige empfänger die leistungen zuvor überbazahlt sondern jemand anderer. so funktioniert sozialismus: nimm es von denen, die es erarbeitet haben und kauf dir (nachdem du selbst reichlich zugelangt hast) damit die stimmen deiner nichtsleistenden klientel.

Antworten Antworten sir007
19.02.2012 18:27
1 0

Re: Re: Durchschnittsbürger bekommt keine Geschenke

Völlig richtig- das wollte ich damit auch ausdrücken: in Summe bekommen die Brüger weniger raus als sie einzahlen, weil die Umverteilungs-Bürokratie ein großen Brocken Steuergeld verschlingt.

Antworten Dr.Schwejk
17.02.2012 15:41
1 1

So sehe ich das auch!


liber
17.02.2012 12:55
0 1

Leitl

Kasse greifen...
Herr Ortner,
schauen Sie sich einmal an, was der Obmann der SVA der Gewerblichen an Ausgaben dort als Lobbyist der Ärzte treibt!
Und das alles auf Kosten der 700.000 Versicherten.


Antworten okasper
17.02.2012 21:08
0 0

Re: Leitl

Dieses Gefasel kann nur von einem kommen, der überhaupt keine Ahnung davon hat

Meter50
17.02.2012 12:29
1 0

Ja was verlangen Sie da?

von einem Kämmerer? Noch dazu Wirtschaftkämmerer, der von Pflichtbeiträgen lebt. Dass die AK um nichts besser ist entschuldigt die Existenz einer PFLICHTMITGLIEDSCHAFT für die WK in keiner Weise. So lange die kündigungsgeschützen Beamten auf Kosten tausender Unternehmer leben, hat ein Leitl zu absolut nichts seinen Senf zu geben. Jeder Grieche und jeder Österreicher, sofern er nicht Beamter ist, trägt ein unendlich größeres Risiko als der Herr WKÖ Präsident Leitl.

Meter50
17.02.2012 12:21
0 0

Ja was verlangen Sie da?


Gast: Gast: Leser
17.02.2012 10:54
1 0

Privatisieren?

Ortner schwadroniert zwar vom "Privatisieren", sagt aber vorsichtshalber nicht, was da noch privatisiert werden soll. Das ist verständlich, gibt es doch wohl kaum noch staatliche (oder mehrheitlich staatliche) Unternehmen, die attraktiv sind un Gewinne abwerfen; im Gegenteil, die meisten haben ja Milliadendefizite. ASFINAG? Wiener Bühnen? Oder gar die ÖBB? Wer soll die kaufen? Und, weiters, wer hat denn soviel Geld, dass sich das für die Republik auszahlt? Die "Reichen", die ja jetzt weiter geschröpft werden? Oder die Banken, denen es ja alles andere als gut geht? Privatisieren ist zwar gut und schön, aber nur dann, wenn es etwas zu privatisieren gibt.

0 0

Re: Privatisieren?

Es gäbe schon noch ein paar Privatisierungskandidaten. Beispielsweise 51% des Verbund (knapp 4 Mrd.), 31,5% der OMV (knapp 3 Mrd.), 26% an der Telekom (ca. 1 Mrd.); dazu ca. 10% des österreichischen Waldes (Bundesforste);
Auf Landes- und Gemeindeebene geht das natürlich weiter. 9 Landesenergieversorger, Müll, Wasser, Nahverkehr, Schulen, Bestattungsunternehmen, Altersheime, Spitäler, Gemeindewohnungen ...

1 9

endlich wieder ein bekenntnis zur neoliberalen abzocke!

staatsvermögen in die taschen von ein paar cleveren 'leistungsträgern' verschieben und dann zuschauen beim finalen schließen der werkstore.

privatisierung KANN auch positiv ausgehen. aber es gibt doch viel zu viele abschreckende beispiele, was für ein verlustgeschäft das auch werden kann:
vorgestern semperit, gestern austria tabak, morgen evtl AUA, und übermorgen? "Stichwort Telekom" ?

klar, die dann folgende reduktion auf ZWEI telekomanbieter wird mit sicherheit zu günstigen tarifen führen.

ein khg hat wenigstens bei den privatisierungen einen reibach gemacht. könnte es sein, dass 'prediger' ortner auch irgendwie mitschneidet?

Antworten Gast: Dieser Gastname kann nicht verwendet werden.
20.02.2012 00:09
1 0

Re: endlich wieder ein bekenntnis zur neoliberalen abzocke!

Richtig, die Privatisierung der AUA war ein echtes Verlustgeschäft. Von der Politik ausgequetscht wie eine Zitrone und als Wählerstimmenkaufanstalt missbraucht war ein Gewinn nicht mehr möglich, die Kosten für den Steuerzahler enorm. Und so ein Erfolgsmodell wird verkauft? Wo bitte soll den dann das Steuergeld versenkt werden?
(Nein, Sie brauchen mir keine Steuersenken aufzuzählen - wir haben ja noch genug davon).

Was bitte treibt einen an, den Verkauf einer Steuergeldverbrennungsanstalt als "verlustgeschäft" zu bezeichnen? Wo "schneiden" Sie da mit?

0 1

Re: Re: endlich wieder ein bekenntnis zur neoliberalen abzocke!

warum ignoriern sie meine beispiele?
semperit und austria tabak wurden zuerst privatisiert und später zugesperrt, OBWOHL sie beide schwarze zahlen geschrieben haben (andernorts allerdings konnte unter verwendung von know how und abgebaute maschinen MEHR gewinn gemacht werden). für ö kein verlustgeschäft, wenn statt unternehmens- und personenbezogenen steuern zu kassieren arbeitslosigkeit bezahlt wird?

und bei aua gibt es indizien, dass sich die geschichte wiederholt:
zb hat leitl schon gemeint, schwechat dürfe nicht zum regionalflughafen werden...
ein echter ö weiss, was das heisst: demnächst wird gezahlt, wenn die lufthansa droht ansonsten zu verkleinern/zu liquidieren.

7 0

Re: endlich wieder ein bekenntnis zur neoliberalen abzocke!

Wenn Sie mir hier "mitschneiden" unterstellen, sollten Sie sich vielleicht einmal Gedanken darüber machen, ob Ihre Einschätzung der Anonymität im Netz noch auf der Höhe der Zeit ist (Sie können dazu gerne "bbc, troll" googeln.) C.O.

0 9

Re: Re: endlich wieder ein bekenntnis zur neoliberalen abzocke!

ich habe IRGENDWIE dazugeschrieben.

ich unterstelle ihnen kein agieren a la khg.
aber es steht wohl ausser frage, dass sie interessen bestimmter gruppen propagieren. reiner idealismus? nicht mal immaterielle anerkennung, die sich über umwege auszahlt? dann sind sie deutlich utilitaristischer als ich.

Dr.Schwejk
16.02.2012 20:56
5 0

Privatisierungsvorschläge

Flughafen Wien
Straßenmeistereien
ASFINAG
Wiener Bühnen

0 8

Re: Privatisierungsvorschläge

was werden sie sagen, wenn ausgerechnet vor ihrem haus ein schlagloch entsteht, ihre lebensqualität wegen staub und lärm entsprechend sinkt, und die privatisierte straßenmeisterei sich entschließt: "der gewinn ist uns wichtiger als so ein lächerliches schlagloch! das asphaltieren wir nächstes jahr, oder übernächstes, oder..." ??

was werden sie sagen, wenn sie für die fahrt auf der autobahn der privatisierten asfinag denselben betrag zahlen müssen, wie den privaten betreibern von autobahnen in italien, frankreich usw.?

zuerst denken, dann vorschlagen!

Antworten Antworten Dr.Schwejk
17.02.2012 15:36
2 0

Re: Re: Privatisierungsvorschläge

1. Das war alles halb ironisch gemeint.
2. Für das Schlagloch vor meiner Haustür ist nicht die ASFINAG, sondern die Gemeinde zuständig (wie war das mit "zuerst denken"?) und die kümmert sich nicht besonders um dieses Schlagloch (leider, leider).
3. Zum Rest hat schon "joquer" weiter unten alles gesagt.

mfg

Antworten Antworten Antworten Dr.Schwejk
17.02.2012 15:37
0 0

Re: Re: Re: Privatisierungsvorschläge

Nachtrag:
Wenn Sie wenigstens die Kultur und nicht die Schlaglöcher verteidigt hätten :-(

Antworten Antworten Gast: zensuriert doch mal wen anderen
17.02.2012 11:24
2 0

ja ja

wirklich gute qualität liefern ja doch nur staatliche unternehmen (zB ÖBB, ASFINAG, ORF). Private können das eben nicht. Deshalb sind ja zB auch alle privat gemanageten italienischen Autobahnen voller Schlaglöcher und nur die, die vom staat unterhalten werden sind top in schuss. jaja, so wie man halt in der löwelstrasse die welt sieht. gehens halt nur ja nicht vor die tür, damit ihre illusionen ich tplatzen.

0 5

Re: ja ja

"Deshalb sind ja zB auch alle privat gemanageten italienischen Autobahnen voller Schlaglöcher"

nein, sind sie nicht. aber weit kommen sie in italien nicht, wenn sie für die maut nicht mehr ausgeben wollen als den preis für unsere vignette.

Antworten Antworten Antworten Antworten joquer
17.02.2012 12:08
1 0

Re: Re: ja ja

Wenn man dafür Steuern spart, die notwendig sind um die diversen staatsnahen Betriebe zu stützen wäre es mir das durchaus wert. Und wenn weniger Auto gefahren wird wäre das ja auch noch hochökologisch. 2 Fliegen mit einer Klappe also.
Noch ein Vorschlag: Telekom Austria.
Falls nur 2 Wettbewerber zu wenig sind könnte sich die Wettbewerbsbehörde darum kümmern, das wäre wohl günstiger.

0 4

"wäre es mir das durchaus wert."

tarvis - verona = 327 km = ~ schwechat - salzburg.

das kostet 20,50 €.

der preis der vignette reicht also nicht mal für 2x nach salzburg und retour.
sehr lobenswert, dass sie im interesse von weniger staatsausgaben für jeden weiteren autobahnkilometer ihre börse weit öffnen wollen!

Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: Dieser Gastname kann nicht verwendet werden.
20.02.2012 00:15
0 0

Re: "wäre es mir das durchaus wert."

Sie haben sich vermutlich noch nie gefragt, wer die vermeintliche Differenz bezahlt, oder? Vermeintlich, weil zur reinen betriebswirtschaftlichen Differenz ja auch noch die Effizienz dazu kommt. Aber in Ihren Augen ist der Staat ja viel Effizienter - und die bösen privaten Unternehmen haben Wirtschaftlichkeit noch immer nicht nötig (oder so ähnlich) ...

Christkind, Osterhase und Vater Staat - die großen und selbstlosen Geschenkebringer.

8 0

DANKE, DANKE Herr ORTNER !


Auch "Morbus Griechenlandensis" ist nach 40 Jahren Umverteilungsgehirnwäsche tief in die Gehirne der unSozialpartner u. der von ihnen zwangsbeglückten Untertanen vorgedrungen.

Nur noch neoliberal Verführte glauben an Wohlstand aus Wertschöpfung durch Leistungsanreiz !!

Auch unsere getürkte Arbeitslosenquote spricht Bände !!

Nach schweizer Rechnung haben wir mind. 15% ARBEITSLOSE. (alle unter 65 Jahren bei proz. gleich viel Invaliden)

Ists Bösartigkeit oder nur Dummheit ??

 
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