20.06.2013 08:57 Merkliste 0

Warum eigentlich nicht 100 Prozent Einkommensteuer?

CHRISTIAN ORTNER (Die Presse)

Retrosozialistische Visionen wie Arbeitszeitverkürzung, Reichensteuern und Staatsbetriebe kommen wieder in Mode. Man weiß, wie das ausgeht.

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Es gehört zu den zweifellos beklagenswerteren Kollateralschäden der seit 2007 unvermindert tobenden globalen Finanzkrise, dass nun zunehmend ein paar eher unbrauchbare wirtschaftspolitische Ideen plötzlich wieder in der öffentlichen Debatte herumgeistern, die jahrzehntelang mit Recht auf der Müllhalde gescheiterter Ideologien vor sich hin gerottet sind. Dazu gehören etwa – wenn auch (noch) an der Peripherie des Diskurses – die Verstaatlichungs-, Enteignungs- und „Gemeinwohl“- Fantasien diverser ökonomischer Sektierer (wie etwa des „Attac“-Aktivisten Christian Felber und seiner kleinen Gemeinde).

Aber zunehmend treten die gescheiterten ökonomischen Konzepte von gestern und vorgestern auch in weniger esoterischen Zusammenhängen auf: das SPÖ-Wahlkampfprojekt „Arbeitszeitverkürzung“ etwa oder die Forderung, höhere Einkommen mit Grenzsteuersätzen von 70, 80 oder 90Prozent zu belegen, um den Staaten die dringend notwendige Reduzierung ihrer drückenden Schuldenlast zu erleichtern. Schon stellen (meist linke oder sozialdemokratische) Politiker in Europa da und dort die rhetorische Frage, ob derartige Steuersätze nicht angemessen seien.

„Höhere Steuern für die Reichen schaden nicht“, behauptete erst jüngst auch ein Kommentator der „New York Times“ und verwies – historisch korrekt – auf einen Spitzensteuersatz von 90Prozent in den USA unmittelbar nach dem Ende des Weltkriegs und von immer noch erstaunlichen 70 Prozent zu Beginn der 1980er-Jahre. Auch in Nordeuropa – beispielhaft Schweden – waren damals ja derartige Steuerexzesse an der Tagesordnung. In der Praxis dienen solche Steuersätze mit enteignendem Charakter freilich einem einzigen, mäßig edlen Ziel: das Bedürfnis der Wählermehrheit mit geringeren Einkommen nach einer vermeintlichen „Gerechtigkeit“ zu stillen und so die eigene politische Macht zu sichern.

Denn dass Steuern ab einer gewissen Höhe nicht zu steigenden, sondern zu sinkenden Staatseinnahmen führen, wissen wir spätestens, seit der Ökonom Arthur Laffer 1974 im Weißen Haus eine erst ansteigende und dann wieder abfallende Kurve auf eine Cocktailserviette gemalt hat. Ab einem bestimmten Punkt, demonstrierte Mr. Laffer damit, steigt der Widerstand gegen den Steuerdruck so stark an, dass das Steueraufkommen sinkt, obwohl der Steuersatz steigt. Wie das in der Wirklichkeit funktioniert, konnten damals etwa Schwedens Finanzminister kummergeplagt beobachten, deren Besserverdiener (wie etwa die Bestsellerautorin Astrid Lindgren) en Masse das Land verließen – und damit in Schweden überhaupt keine Steuern ablieferten.

Es war ausgerechnet der sozialdemokratische Sozialminister Ferdinand Lacina, der in den 1980er-Jahren die Funktionsweise der „Laffer-Kurve“ klug begriffen hat und konsequenterweise eine spürbare Entlastung gerade gut Verdienender und sogar Reicher (Stiftungen) herbeigeführt hat – mit einigem Erfolg, durchaus auch für den Staatshaushalt. Aus genau diesem Grund wurden ja seit damals von den USA bis Schweden in den meisten Staaten die exzessiv hohen Einkommensteuern sukzessive gesenkt: nicht aus Liebe zu den Gutverdienern, sondern aus ökonomischem Kalkül. Ein Kalkül, das auch nicht dadurch außer Kraft gesetzt wird, dass nächstes Jahr Wahlen stattfinden.


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Zum Autor:

Christian Ortner ist Kolumnist und Autor in Wien. Er leitet „ortneronline. Das Zentralorgan des Neoliberalismus“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.05.2012)

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22 Kommentare
Gast: Sachbuchleser
20.05.2012 08:56
1 0

Die Lafferkurve und der Durchblicker Lacina

Reagans Wirtschaftspolitik basierte u.a. auf die durch den Ökonomen Arthur B. Laffer angeregten Steuersenkungen. Nach Ökonom Laffers Theorie würden dabei die Steuereinnahmen nicht sinken, sondern sogar steigen.Die Reagan-Regierung senkte mit dem Economic Recovery Tax Act of 1981 den Spitzensteuersatz der Einkommensteuer von 70 % auf 33 %. Auch die Steuern auf Veräußerungsgewinne und Unternehmenssteuern wurden reduziert. Dadurch verringerten sich die Steuereinnahmen deutlich.Welch Überraschung !.Der Nobelpreisträger Prof. Paul A. Samuelson schreibt in seinem Standardwerk “Volkswirtschaftslehre” (15. Auflage, 1998, Seite 376f):“Die sogenannte Laffer-Kurve zeigt die Beziehung zwischen Steuereinnahmen und Steuersätzen. Nach der theoretischen Laffer-Kurve müsste ein Steuersatz von 50% zu maximalen Einnahmen führen. … Gründliche empirische Studien kommen jedoch zu einer anders verlaufenden Kurve.

Arbeitszeitverkürzung

stimmer Herrn Ortner zu... aber die Arbeitszeitverkürzung sollte man nicht verteufeln.
Natürlich kann man dann nicht das gleiche Geld einfordern. aber ich glaube geringere Arbeitszeiten würden die Produktivität erhöhen. Krankenstände wären seltener, man müsste nicht mehr voller sehnsucht auf den urlauv warten.
und man schafft mehr arbeitsplätze.

Re: Arbeitszeitverkürzung

geringere arbeistzeiten sollen die produktivität erhöhen?

wohl kaum, sie würden die produktivität massiv senken, auch wenn man dafür einen geringeren lohn kassiert

denn die lohnnebenkosten sind bei jedem abreitnehmer relativ gleich, schließlich braucht ja auch jemand der weniger abreitet diverse versicherungen (z.b krankenversicherung) für die der arbeitgeber zahlt.

Niedirge arbeitszeiten würden uns massiv wohlstand kosten, es sei denn man kann die produktivität stärker ehöhen, da österreichs industrie jedoch bereits jetzt sehr weit vortgeschritten ist ist eine weitere effektivitätssteigerung defacto nicht merh möglich

fazit:
geringere arbeitszeiten in österreich schaffen bestenfalls im ausland arbeitsplätze, sicherlich nicht in österreich!

Re: Re: Arbeitszeitverkürzung

"denn die lohnnebenkosten sind bei jedem abreitnehmer relativ gleich, schließlich braucht ja auch jemand der weniger abreitet diverse versicherungen (z.b krankenversicherung)"
Und ich dachte, die Krankenversicherung wird 'mit 3,825 % bei Angestellten bzw. 3,7 % bei Arbeiter bemessen' (Wikipedia) und nicht als Fixbetrag - unabhängig vom Lohn.
Ts, ts, wie man sich irren kann ;-)

Recherchegenauigkeit ist nicht Ortner's Stärke

Nicht nur der schon genannte Fehler mit Lacina als Sozialminister ist ihm unterlaufen:
Laffer skizzierte seine Kurve nicht im Weißen Haus, sondern in einem Restaurant zum ersten Mal und Astrid Lindgren hat nicht das Land verlassen, sondern auf einen Fehler im schwedischen Steuersystem hingewiesen. Der Finanzminister reagierte abwehrend und gab erst später den Irrtum zu. Astrid Lindgren rief daraufhin zur Abwahl der Sozialdemokraten auf.
Wäre es nicht ein Kommentar, müsste man den Autor zur journalistischen Grundausbildung schicken.

Recherchegenauigkeit ist nicht Ortner's Stärke

Nicht nur der schon genannte Fehler mit Lacina spricht für die Schlampigkeit des Autors:
Laffer hat seine Kurve nicht im Weißen Haus erstmalig skizziert, sondern in einem Restaurant und Astrid Lindgren hat nicht das Land verlassen, sondern auf Fehler in der schwedischen Steuergesetzgebung hingewiesen. Der Finanzminister reagierte abwehrend. Astrid Lindgren rief daraufhin zur Abwahl der Sozialdemokraten auf. Diese wurden bei der nächsten Wahl auch abgewählt.
Wär es nicht ein Kommentar, müsste man ihn zurück in die Grundausbildung schicken.

Gast: Gast: Leser
18.05.2012 18:32
2 0

Sozialminister?

So ganz scheint Herr Ortner die 80er Jahre nicht zu kennen; sonst wüsste er z.B., dass Lacina keineswegs Sozialminister war, sondern Finanzminister. Als Sozialminister hätte er übrigens auch keinerlei Kompetenz für Steuern gehabt.

1 0

Angemessen

Herr Ordner sie ahn die Forumsteilnehmer die sie sich verdienen!!

Antworten Gast: Bademeisterin
18.05.2012 15:20
2 0

Re: Angemessen

Sie müssen noch ein bissl üben, irgendwann gehts dann so halbwegs. Für den Anfang wars aber ganz ordentlich!

"her mit dem Zaster"-Kranke kapieren es auch nicht !!


Die Übergut-Umverteilungs-Mehrbesteuerungs-Sozialisten aus der SPÖVP und ihre "vom Arbeitsleid" gezeichnete Klientel samt schwer überbezahltem ((c) Prof. STREISSLER) öff. Dienst werden das Kinder-Ausplünderungsprogramm schon noch einige Zeit "erfolgreich" fortsetzen.

Für ökon. Halbgebildete kommt das Geld aus dem Bankomat u. einfüllen tuts die Bank u. nicht die Wertschöpfer !!

Gast: nestbeschmutzer
18.05.2012 08:11
3 1

naja

wenn man den "Reichen" (wer ist das? der normale Einkommensbezieher wohl, denn die Superreichen erreicht man kaum, aber der etwa für seine Altersversorgung was zur Seite legt, also dem wegnimmt ("gerecht umverteilt!"), wird man die Rechnung sehr schnell am Tisch haben (siehe Schweden). Und die Reichen, die ihr Geld in Arbeitsplätze veranlagt haben, klar, die gehören geschröpft! Und die, die sich extravagantes Spielzeug wie Luxusvillen, Yachten und Jets zugelegt haben, haben damit eine ganze Heerschar von Arbeitern Jobs gebracht. Aber auch : Wegnehmen, Enteignen, usw. Wer die Nutznießer der Aktion ist: schaun wir doch mal zu den Paddeibonzen... (der kleine Mann ist da bei der Verteilung der Beute sicher nicht dabei! Und der würde sich wundern, wie wenig das bei der Aufteilung über alle ist. Also Enteignung aller, die mehr als ein Einheitseinkommen verdienen; nur so kanns gehen, oder mich beißt was...) EWs lebe die Sozialistische Dikatatur..
Freundschaft!

"Man weiß, wie das ausgeht."

~30 jahre jenes systems, dem ortner zugeneigt ist, gehen zu ende: man weiß ja, wie das ausgegangen ist.


6 1

Re: "Man weiß, wie das ausgeht."

. un wie ging das System aus, dem Ortner nicht zugeneigt ist?

Re: Re: "Man weiß, wie das ausgeht."

ganz im vertrauen: JEDES system geht über kurz oder lang zu ende.

1 0

Re: Re: Re: "Man weiß, wie das ausgeht."

Natürlich - meist an seiner eigenen Dekadenz!

Gast: das hirn
18.05.2012 07:42
2 0

etkettenschwindel

sgh ortner,
vorweg :sie haben völlig recht.
dennoch ist es falsch herrn lacina als sozialdemokraten zu bezeichnen, insbesondere anfang der 80ger jahre. die umbenamsung von sozialist auf sozialdemokrat fand 1992 statt als die sozialisten mit zusammenbruch und pleite des (realen)sozialismus begonnen haben sich für diesen sozialismus zu genieren. das war übrigens das letzte mal, dass sich sozis geniert haben. dieser etikettenschwindel hat bei den roten besser funktioniert als bei den neunazis, die sich von nsdap auf ndp umgepu..... haben. am rande sei bemerkt, dass lacina finanzminister war und nicht sozialminister.

Gast: das hirn
18.05.2012 06:32
0 0

etkettenschwindel

sgh ortner,
vorweg :sie haben völlig recht.
dennoch ist es falsch herrn lacina als sozialdemokraten zu bezeichnen, insbesondere anfang der 80ger jahre. die umbenamsung von sozialist auf sozialdemokrat fand 1992 statt als die sozialisten mit zusammenbruch und pleite des (realen)sozialismus begonnen haben sich für diesen sozialismus zu genieren. das war übrigens das letzte mal, dass sich sozis geniert haben. dieser etikettenschwindel hat bei den roten besser funktioniert als bei den neunazis, die sich von nsdap auf ndp umgepu..... haben. am rande sei bemerkt, dass lacina finanzminister war und nicht sozialminister.

Der asoziale Sozialist


Herrn Ornter ist nur zuzustimmen.

Die Meinung Wohlstand entstehe indem man ein paar wenigen ( "den Reichen" ) beinahe alles (über 50%) wegnimmt, ist nicht nur ökonomischer Unsinn sondern moralisch falsch. Warum sollte nicht jemand mit besonderen Fähigkeiten ( z.B sehr guter Fußballspieler ), ein besonders hohes Einkommen erzielen dürfen?

Diese hohen Steuersätze sind reine Neidbefriediger, sonst nichts. Diese Sozialisten sind asozial!

Re: Der asoziale Sozialist

ausgerechnet das beispiel fussball bringen sie? peinlich!

fussball ist ein mannschaftssport, so wie das leben generell auch.
und wenn es in einer mannschaft nicht läuft, dann argumentiert der trainer/kritiker oft so: das mannschaftsgefüge stimmt nicht.
die schlecht bezahlten wollen einfach nicht mehr die 'drecksarbeit' für den toll bezahlten star leisten. und die mannschaft verliert spiel für spiel....

nur wer ein einzelsportler ist, kann so denken und argumentieren.
daher meine frage: leben sie (ähnlich wie ortner) ganz allein in ihrem universum?

Re: Re: Der asoziale Sozialist

wenn man mit Gruppen arbeitet (in Schulähnlichen Situationen), merkt man, das der Einzelne oft nur zu motivieren ist, wenn ein Anreiz da ist, zb in form von Wettbewerb, prämieren von siegern. es ist oft erstaunlich wie die lethargischsten Personen plötzlich motiviert werden, wenn man eine Wetttbewerbssitation gestaltet. ohne solche Anreize waren diese Personen "bequem" und kaum zu motivieren...
Für Zweifler: sprechen sie mit Personen, die das Vergnügen hatten, den Kommunismus live zu erleben. die einzige Motivation war dort die Korruption: also in der Firma Seife stehlen und sie dann am schwarzmarkt teuer weiterzuverkaufen...

Gast: pipi45
17.05.2012 21:01
5 0

Astrid Lindgren war ja eine Linke

Aber als sie für ein Buch 102% Steuer hätte zahlen sollen, war es aus mit der Liebe.

Man sieht so ein richtiger Steuerstaat hört auch bei 100% nicht auf. Auch wenn bei der Kurve nach unten noch eine 2. Serviette benötigt wird.

Ist zwar nicht möglich, denn nach Laffer: Bei 100% Steuer gibt es genau null Steuereinnahmen.


Gast: freund?
17.05.2012 19:03
5 1

kommt alles- 100% einkommenssteuer



und lebensmittelmarkerl, damit WIR den südländern den lenz finanzieren können, die diktatur in brüssel füttern, und vielleicht sinnlose einsätze in schmuddelländern, die mit dem begriff 'demokratie' genausowenig anzufangen wissen, wie sozis und ÄÄUU-ler !

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