25.05.2012 21:45 | Meine Presse Merkliste 0

Es wird sich alles relativieren

ERNA LACKNER (Die Presse)

Schröcksnadel sprach das Glaubensbekenntnis der Regierungspolitiker, die den Eurofighter satt haben.

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Das Kalkül ist aufgegangen. Das Fußvolk ist eurofightermüde. Es hat Dinge erfahren, die sich gewaschen haben, doch nix is' g'scheh'n. Zwar sind auch die geschwärzten Akten noch nicht auf dem Parlamentstisch, doch wenn kein finanzieller Nutzen herausschaut, in diesem Fall die Abbestellung der Luftflieger, ist das österreichische Fußvolk nicht gar so interessiert an der Aufklärung, allgemein wie speziell. Das Reinigungsbedürfnis der Großkoalitionsklasse hält sich ohnehin in argen Grenzen. Aufklärung ist, wenn die zwei großen Parteien etwas auf- oder abzurechnen haben. Aber jetzt herrscht Koalition. Dritten Politikern wie Peter Pilz, die sich der durchschnittlichen Resignation nicht anpassen mögen, werden Prädikate wie Fanatismus, Narrheit, Selbstdarstellungseifer umgehängt. Der grüne Mohr hat seine Schuldigkeit getan, der grüne Mohr kann gehen.

Rechtzeitig vor dem spät im Juni angesetzten Thema Parteienfinanzierung hat sich das öffentliche Interesse an dem Eurofighter-Untersuchungsausschuss also erschöpft, und wenn darüber schon despektierliche Titel wie „Never-Ending-Story“ erscheinen, dann glaubt auch der Bundespräsident nachziehen zu können und sich wünschen zu dürfen, dass es nun gut sei. Mit dem Untersuchen. Mit der Schmutzwäsche. Mit der Nestbeschmutzung. Nun, so deutlich hat er es natürlich nicht ausgedrückt, sondern: „... und ich wünsche mir sehr, dass wir auf diesem Gebiet bis zum Sommer zu klaren Ergebnissen kommen.“ Eine erstaunliche Stellungnahme, oder?

Das Kalkül des Auf-die-lange-Bank-Schiebens ist aufgegangen. Wessen Kalkül? Man darf inzwischen getrost sagen, dass es das beider großen Parteien war – also nicht nur das der ÖVP, die sich die beste Beschaffung aller Zeiten nicht schlecht reden lassen wollte, sondern auch das der SPÖ, die sich ihr Wahlversprechen vom Parlamentsausschuss abarbeiten ließ. Der wahrhaftigste, weil hierzulande immer funktionierende Satz zur Strategie des Aussitzens kam aus einer ganz anderen Ecke, nämlich vom Sportsmann Peter Schröcksnadel, der seine Malaise wie folgt betrachtet: „Ich glaub', das wird sich alles relativier'n“. Ein urösterreichischer Satz – und das vielfach praktizierte Glaubensbekenntnis, das Dopingmittel österreichischer Politiker.

Kein Wunder, dass das Fußvolk im wieder großkoalitionär konsolidierten Parteienstaat nicht nur eurofightermüde ist, sondern überhaupt müde. Die Regierung pfuscht herum. Die Gestaltung Österreichs offenbart sich als lupenreines parteipolitisches Hickhack, und es werden gebraten: lauter faschierte Laiberln, selbst beim lebenswichtigen Thema Bildung. Wann, wenn nicht jetzt, bei prosperierender Wirtschaftslage, wird genug Geld da sein, Reformen anzufangen?

Und während das Fußvolk die faschierten Laiberln essen soll, serviert sich die politische Klasse in dieser Woche ein Fünf-Gänge-Menü mit Champagner: verlängert sich ihre Regierungsperiode auf fünf Jahre. Ja, aus dieser Perspektive dürfte Politik ziemlich schön sein. Prost Mahlzeit! Und der Protest der Bürgerinitiative www.4jahresindgenug.at wird sich auch relativieren.

Erna Lackner ist Journalistin in Wien.


meinung@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.06.2007)

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15 Kommentare
Gast: Österreicher
05.06.2007 00:57
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Warum nicht gleich das Heer als freiwilliger Feuerwehr organisieren?

Die Soldaten könnte man zu den Waffen rufen, wenn es an den Grenzen "brennt". Zum Katastropheneinsatz würde eine Verstärkung der örtl. Feuerwehr durch ad-hoc-einberufene Soldaten genögen. Und das ganze könnte man durch ein oder zwei jährliche "Bundesheer-Heurige" und Bundesheer-Bälle" finanzieren. Denn als EU-Binnenland drohen uns maximal nur Raketenangriffe und gegen die können wir sowie so nichts tun. Wozu haben wir auch unsere vielgeliebte NEUTRALITÄT? Und sollte dereinst wirklich eine Weltmacht Europa erobern, dann ist es gleich am besten, dessen Aggression mit "Wiener Gemütlichkeit" zu unterlaufen: dh. wir laden ein zum Heurigen nach Grinzing und trinken dort die fremden Eroberer unter den Tisch!

Gast: ökono-mist
04.06.2007 19:25
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Alter Dreck ist der beste Kitt

Ein bess'rer ist nur noch gemeinsamer (am Stecken).

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Demokratieverständnis und Demokratiedefizit

"Ein paar Parteien, die, ungeachtet formeller Unterschiede und Wahlkampf, die gleiche prokapitalistische Wirtschaftspolitik betreiben, führen triviale Diskussionen über Nebensachen. Demokratie ist zulässig, solange die Wirtschaft von demokratischen Entscheidungsprozessen verschont bleibt, d.h., solange Demokratie keine ist." (Robert W. McChesney zu den heutigen politischen Verhältnissen in den USA.)

Politik sollte Dienstleister für das Wohlergehen, die Freiheit und die Sicherheit der Bürger sein. Tatsächlich ist sie fast nur mehr Dienstleister der Wirtschaft, insbes. der "Global Player", die ihr nur noch eine Aufgabe zubilligen, ihnen alle Märkte zu öffnen.

In dieses Bild paßt auch die Äußerung von Finanzminister Molterer in der ZIB2 am 3.6.2007, daß doch zwei Staaten nicht den EU-Vertrag behindern dürften, den 18 Staaten bereits angenommen haben. Die beiden waren allerdings die einzigen mit Volksabstimmung.

Siehe: http://www.ohnepolemik.at/ Kap. Politik und Demokratie

Antworten Gast: Gast : 873
05.06.2007 09:25
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Geht es nur ums Jammern?

Geht es nur ums Jammern über die heutigen Zustände –oder sollte es nicht eher etwa um die Beantwortung auf die zwei folgenden Fragen gehen?

Erstens: Wie können wir Menschen dazu ermutigen, in einem Umfeld scheinbar ständig zunehmender Unanständigkeit selber anständig zu bleiben?

Und zweitens: Wie sieht Anständigkeit konkret aus (Hinweis: nicht so, wie es die Unanständigen sich vorstellen!)?

lg Gast : 873, Avatar

P.S.: Wer oder was genau ist die Seite „www.ohnepolemik.at“? Könnte hier vielleicht in ein, zwei Postings kurz versucht werden, die Seite vorzustellen (natürlich ohne die sittlichen Grenzen der Selbstbewerbung zu überschreiten, die eine Löschung wegen Missbrauchs des Forumsplatzes angebracht erscheinen ließe ... ist eine Gratwanderung eigentlich, aber auch ein Leistungstest ...): Aus welchem Grund sollte jemand die Seite ansteuern, die hier beworben wird, warum z.B. sollte ich annehmen, dass es sich um eine seriöse Seite handelt?


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Re: Geht es nur ums Jammern?

Sehr geehrter 873, Avatar !

Meine Identität samt persönlicher Vorstellung ist ordnungsgemäß im Impressum nachzulesen.

Meine Intentionen habe ich auf der Einstiegsseite zu erklären versucht.

lg
ohnepolemik

Antworten Antworten Antworten Gast: Gast : 873
06.06.2007 10:09
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Re: Drücke ich mich so undeutlich aus?

Hallo ohnepolemik!

Ich hoffe, ich darf mir diese Anrede erlauben, wenn nicht, einigen wir uns vielleicht auf eine andere Umgangsform... wir werden sehen.

1. Drücke ich mich wirklich so undeutlich aus? Mich interessiert (im Moment) ÜBERHAUPT nicht, was auf der Homepage von ohne Polemik steht, mich interessiert, was ohnepolemik HIER (in diesem Forum) zu leisten bereit ist! Wie diskussionsfähig ist ohnepolemik?

Besteht ein Interesse, sich hier auf Diskussionen einzulassen, möglichst ohne Verweis auf andere Seiten: es gibt auch eine destruktive Diskussionsform, auf jede Aussage mit dem Hinweis auf ein Buch, eine Webseite oder einen Gedanken zu reagieren, ohne jemals etwas weiterbringen zu wollen - vor allem im eigenen Kopf, den eigenen Ideologien?

2. Welche Antwort gibt ohnepolemik etwa auf die Frage "Zahlt sich Anständigkeit aus?" - das sind Fragen, deren Antwort mehr verraten als Webseiten ...

lg Gast : 873

P.S.: Sind wir per Sie oder per du, muss auch geklärt werden.

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Beiträge in Foren müssen kurz sein (DiePresse: 1000 Zeichen).

Meine Internetseite ist das Ergebnis mehrjähriger Arbeit und der Versuch, meine Standpunkte zu einzelnen, mir wesentlich erscheinenden Fragen, sachlich zu begründen.

Da es unmöglich ist, komplexe Zusammenhänge in wenige Worte zu fassen, habe ich mich dazu entschieden, meinen Standpunkt kurz anzudeuten und für Einzelheiten auf die Website zu verweisen, wo seit März 2007 immerhin bereits 2.300 Aufrufe registriert wurden.

Behauptungen ohne Begründungen möchte ich tunlichst vermeiden. Die Kontaktadresse (EMail) auf der Website gibt jedem Interessierten die Möglichkeit zu ausführlicher Kritik (möglichst ohne Polemik). Davon wurde bereits mehrfach Gebrauch gemacht.

mfGr
www.ohnepolemik.at

Ernst Heim
04.06.2007 15:54
0 0

Protest der Bürgerinitiative

Dieser Protest ist wichtiger als das gesamte Politiker- und Expertengeschwätz zusammen.

Es sind immer Einzelne, die sich von der Masse abheben und damit auf konstruktive Auswege hinweisen.

ernst.heim@vol.at

Antworten Gast: Gast : 873
05.06.2007 09:32
0 0

Re: Protest der Bürgerinitiative

Hallo,
zunächst danke für Ihre Antwort bei unserer letzten Debatte (beim Lackner-Beitrag "Das Schweigen der Schafe"Anm.), es tut mir ehrlich leid, dazu bislang noch nicht Stellung genommen zu haben, werde das und einige andere Gedanken dort ev. noch nachholen ... leider sind die Umstände in Österreich (und die öst. Medien gehören ja auch mit ihrer Internetpräsenz zu Österreich) nicht wirklich optimal für konstruktive Diskussionen ... noch nicht, aber was nicht ist, kann ja werden ... wenn es nur genug Leute (es braucht gar nicht so viele, wie viele glauben - oder hoffen!).

Einzelne? Dieser Satz sollte auch daran erinnern, dass die großen Fortschritte zunächst immer nur von Wenigen ausgegangen sind, die großen Gedanken von Wenigen gedacht worden sind; und bis zu ihrer Anerkennung als dumm abgestempelt worden sind.

Und: es geht nicht nur darum, auf konstruktive Auswege hinzuweisen, es geht (auch) um die Knochenarbeit, andere von der Richtigkeit derselben zu überzeugen.

lg

Antworten Antworten Ernst Heim
05.06.2007 13:32
0 0

Knochenarbeit, ja aber ...

Ich bin schon zufrieden, wenn ich mich vom Ergebnis meiner Knochenarbeit selbst überzeugen kann.

Antworten Antworten Antworten Gast: Gast : 873
06.06.2007 10:17
0 0

AW: Wer zu früh zufrieden ist ...

Hi,
Ihr Posting inspiriert zu Widerspruch:

"Wer gar zu viel bedenkt, wird wenig leisten", schrieb Schiller in "Wilhelm Tell"; der Satz lässt sich abwandeln in Folgendes:

1. Wer zu früh zufrieden ist, wird wenig leisten.

Um die Chance auf Widerspruch nicht gar zu leicht zu machen, entgegne ich gleich mir selber dazu:

2. Wer zu früh zufrieden ist, wird wenig leisten - wer nie zufrieden ist, ist aber auch nicht viel besser dran.

3. Es ist eigentlich ein großes Glück, wenn jemand sich selbst vom Ergebnis seiner Arbeit überzeugen kann - ist es nicht so, dass große Menschen sich dadurch auszeichnen, dass sie das Ergebnis ihrer Saaten (insb. das Positive!) selbst oft nicht zu Gesicht bekommen ... und streben Sie daher vielleicht zuwenig danach, eine große Person zu sein? ;-)

lg Gast : 873

P.S.: Unsere "andere" Diskussion ist natürlich noch immer im Stadium des Nicht-beendet-Seins, sondern des Ruhens ... gute Gedanken lassen sich oft Zeit, aber das Warten zahlt sich aus.

Antworten Antworten Antworten Antworten Ernst Heim
06.06.2007 20:00
0 0

Politiker- und Expertengeschwätz

Lange Rede - kurzer Sinn: was willst du wirklich ?

Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: Gast : 873
06.06.2007 20:11
0 0

AW: Was ich möchte ... ?

Hallo,
seit wann sind wir denn per du? Ist mir nicht bekannt; zuletzt (bei Erna Lackners "Das Schweigen der Schafe" war es noch das "Sie" dass ... Sie verwendet haben ... und ich habe auch nicht das Gefühl, dass der Wechsel zum "du" hier Ausdruck von freundschaftlicher Gesinnung wäre ... mir scheint es eher Ausdruck einer gewissen Ungehaltenheit zu sein. Liege ich da richtig ...

Zur Frage, was ich denn "wirklich" möchte: Diese Frage stelle ich mir auch immer wieder, und immer mehr habe ich den Eindruck, dass ich vielleicht (wie Sie?) weniger gewollt hatte, als ich anstreben sollte ... aber das ist wohl ein Lernprozesse, wenn wir merken, dass unsere Möglichkeiten andere sind, als wir glaubten und dass wir dann unsere Ziele entsprechend adaptieren ... wer das nicht tut, wer trotz aller Möglichkeiten, dazuzuleren, die gleichen Ziele beibehält, so jemanden nennt man, glaube ich, Ideologen. Obwohl das Wort ... aber lassen wir das.

Was ich möchte? Vielleicht das Glück Aller?

lg

Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Ernst Heim
06.06.2007 21:04
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Was willst du wirklich ?

Ob « du » oder « Sie » ist mir ehrlich gesagt « wurscht ».

Das « Glück aller » schliesst dich mit ein. Mein logischer Schluss: beginne bei dir selbst.

Ophicus
03.06.2007 19:39
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Müde

Das "Fußvolk" ist tatsächlich müde. Aber was so ermüdet sind nicht nur die ewigen Querschüsse der Großkoalition sondern ebenso die Amtsführung des grünen "Mohren" Pilz, der seine Schuldigkeit eben nicht getan hat.
Ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss sollte in der demokratischen Republik Österreich so ziemlich das seriöseste Entscheidungsgremium sein, da man sich vorstellen kann.
Wenn dann aber keine Klarheit besteht was denn nun eigentlich zu prüfen ist tut das dem Image nicht gut. Noch schlimmer ist es, wenn Fakten parteipolitisch verwertet werden anstatt sie objektiv und seriös zur Wahrheitsfindung heranzuziehen - damit man am Ende Ergebnisse vorweisen kann, anstatt zwischendurch Parolen auszugeben.
Der Ausschuss hat sich als Wahlkampfveranstaltung ausgegeben, woran Pilz nicht ganz unschuldig ist - eben so wenig wie Rot und Schwarz.
Aber Wahlkampfveranstaltungen interessieren das "Fußvolk" nunmal nicht mehr - und das zu Recht.

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