Etwas in einem wehrt sich unmodern, konservativ, aber hartnäckig, dass Getreide, Mais und andere Feldfrüchte zu Treibstoff verarbeitet werden. Obwohl, auch der Mensch tut ja mit dem Essen nichts anderes als aufzutanken und danach die Kohlehydrate zu verbrennen; Weizenbrot, Spaghetti oder Tortillas liefern ihm Energie. Aber zwischen einem Auto, einem Motor, einer gut geölten Maschine und dem Menschen ist ja noch ein Unterschied, oder? Noch. Generationen in ein paar Jahrzehnten werden das kostbare restliche Erdöl vielleicht nur noch für die Erzeugung ihrer Medikamente brauchen (wie heute) und hüten – und gefahren sowie geflogen wird mit „Biosprit“?
Biosprit! Was für ein verdrehter, beschönigender, heuchlerischer Begriff. Eine Wortschöpfung, welche die Quadratur des Kreises geschlossen zu haben vorgibt. Aber auch deutsche Wissenschaftler haben nun in einem Gutachten dargelegt, dass „Biodiesel und Bioethanol aus deutscher Produktion kostspielig und nutzlos“ seien. Die Förderung von Biokraftstoffen aus klimapolitischer Sicht sei keine Option; es werde einfach zu wenig CO2 eingespart. Im Gegenteil. Ein Team um den Chemienobelpreisträger Paul Crutzen stellte fest, dass durch die zusätzliche Düngung der Energiepflanzen größere Mengen des Treibhausgases Lachgas entstehen, wodurch etwa die Ökobilanz von Raps-Diesel negativ sei. Auch Wissenschaftsberater des Landwirtschaftsministeriums in London warnten vor „perversen Ergebnissen“: Der Anbau von Mais, Getreide, Raps oder Zuckerrohr zur Treibstoffproduktion drohe den Treibhauseffekt im Zweifelsfall nur zu verschlimmern.
Während Deutschland nun von seinen Biosprit-Zielen abrückte (wohl auch wegen seiner heiligen Kühe, der empfindlichen Autos, die den Biosprit nicht gut vertragen), bestätigte Österreichs zuständiger Minister Josef Pröll nichtsdestotrotz und prompt, die Quote von 10 Prozent Biosprit bis zum Jahr 2010 erreichen zu wollen. Als europäischer Vorreiter. Dass „Biotreibstoff“ mehr Probleme verursacht als löst, wie auch Greenpeace einwirft, ficht ihn nicht an.
Die rasant angewachsene und staatlich geförderte Produktion von Biosprit ist auch für die weltweite Teuerung bei Lebensmitteln mitverantwortlich. In den USA wird inzwischen ein Drittel der Maisfläche für die Ethanol-Erzeugung verwendet. Und die Agrarindustrie floriert.
In Josef Pröll wehrt sich nichts unmodern und konservativ, dass aus potentiellen Lebensmitteln Sprit wird. Nicht von ungefähr ist er der biologisch-dynamischste Politiker der Volkspartei, wofür ihm essensmäßig und parteimäßig Lob gebührt.
Aber aus dem Fach „Politische Bildung“ ist auch einmal deutlich anzumerken, dass in Josef Pröll nicht nur ein Herz schlägt, sondern mindestens zwei Herzen pochen: Denn er ist eben nicht nur der Umweltminister des Landes, sondern auch der Landwirtschaftsminister. Und die Interessen der Umweltschützer und der Agrarier sind (gerade auch in Niederösterreich) nicht immer identisch – auch wenn uns das der wiederum euphemistische, von ihm erfundene Hausname „Lebensministerium“ glauben machen will.
Erna Lackner ist Journalistin in Wien.
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("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.04.2008)















