25.05.2012 21:50 | Meine Presse Merkliste 0

Gesucht: Autoritäten!

ERNA LACKNER (Die Presse)

Ob bei den ÖBB oder im Höchstgericht: Auf die Person kommt es an.

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Es sei naiv, anzunehmen, dass die Vertrauenskrise, die Politikern schlechte Noten beschert, sich nur auf die Politik beschränkt, schrieb der Politologe Peter Filzmaier. Wie wahr. Von den gesellschaftlichen Umbrüchen, die kein Präsident, Kanzler oder Minister aufhalten kann, ganz abgesehen – auch der Verweis auf Maßlosigkeiten in der Wirtschaft bedarf in Zeiten wie diesen keiner näheren Erläuterung. Jedermann, der nur halbwegs die Nachrichten verfolgt, kann mit jedem Finger beider Hände Fälle aufzählen, in denen Manager ethische Werte mit Füßen treten. International wie national.

Ich bräuchte sechs Hände, dreißig Finger, um nur schnell die größten Beispiele dieser unethischen Werteskala aufzuzeigen, deren Details Tag für Tag wie eine Gehirnwäsche auf einen niederprasseln. Teils gehören die Abzockereien – darum geht es doch immer wieder – zur ewig menschlichen Gier. Aber großteils werden sie doch auch politisch befördert und getragen. Schon überhaupt in Österreich, einem Top-Land für paradiesisch staatsnahes Wirtschaften. Da ist es kein Wunder, sondern nur logisch, wenn „die Politik“ auch für die 800.000-Euro-Abfertigung eines nicht mehr vertrauenswürdigen ÖBB-Chefs verantwortlich gemacht wird. Wer ist hier der Sündenbock? Huber oder die Politik? Nicht egal. Aber nicht zu trennen. Und im Endeffekt, im Vertrauen auf die Führung der Gesellschaft, beim Faktor Glaubwürdigkeit der gewählten und bestellten Autoritäten haben sich für den Bürger längst tausend Eindrücke vermischt, die nicht mehr schönzureden sind. Und die Spirale dreht sich weiter, nach unten. Vertrauen ist ein heikles Gut.

In diesem April gibt es auf der öffentlichen Bühne Österreichs zwei Abgänge, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Wes Geistes Kinder beide sind, hat sich dem Publikum schon von selbst erklärt. Auf der einen Seite ging ein Manager, der Aufgaben seines mobilen und immobilen Geschäftslebens grob verwechselte, auch zum millionenschweren Vorteil seiner Ehefrau, und der dafür vom Eigentümer Staat, von einer feigen Politik und ihrem geschäftsführenden Personal auch noch mit einem Golden Handshake (800.000 Euro) belohnt wurde. Auf diese Weise wird „die Politik“ nur noch tiefer in die Vertrauenskrise geraten. Auch alle konzertierten Ablenkungsmanöver dieser österreichischen Medienwelt, kein neuer Semmeringtunnel wird den teuren Abgang übertünchen können.

Auf der anderen Seite des Flusses verabschiedet sich übermorgen ein Mann, mit dem in den jüngsten Jahren eine ganze Institution an Format gewonnen hat: Karl Korinek. Nicht, dass der Verfassungsgerichtshof zuvor unbedeutend gewesen wäre, aber mit ihm an der Spitze hat dieses Höchstgericht auch gesellschaftspolitische Autorität bekommen. Eine Rolle, die davor (für mich, aus Deutschland kommend, war das auffällig) der Rechnungshof mit Franz Fiedler innehatte. Was auch zeigt, dass nicht automatisch das Amt, sondern vielmehr die vertrauenswürdige und verantwortungsbewusste Person eine Autorität ausmacht. Und solche kostbaren Personen braucht das Land – als Autoritäten.


meinung@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.04.2008)

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4 Kommentare
Gast: ökono-mist
30.04.2008 01:17
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Zur Causa "Exporrhuber":


"Pacta sunt servanda", flüsterten "Porrhacker" und Faymann unisono. Und das klingt ja auf den ersten Blick hochmoralisch.

Doch es war nicht einmal die halbe Wahrheit, sondern die schnöde dreiviertelte Unwahrheit: Pacta sunt nämlich nur dann servanda, wenn eindeutig geklärt ist, ob auch das vertragsrechtliche Gegenüber den Vertrag eingehalten hat!

Die Differenz ist nicht mehr und nicht weniger als unser aller durch den Verkauf eines erklecklichen Teils unserer Lebenszeit sauer verdientes Steuergeld!!!

Cicero
28.04.2008 19:31
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Frau Lackner, wie gehabt

„Ob bei den ÖBB oder im Höchstgericht: Auf die Person kommt es an“. (© Erna Lackner). Richtig, bei den Journalisten aber auch!
Dem Aufsichtsrat der ÖBB liegt ein umfangreiches Gutachten vor – der Vorsitzende Pöchacker hat es öffentlich, zwar mit deutlichem Würgen, aber doch ausdrücklich bestätigt – wonach dem ÖBB-General Huber nichts vorzuwerfen ist. Er muß nur gehen! Weil die rote Gewerkschaft das so will, und Faymann ein williger Helfer ist.
Für Frau Lackner aber ist Huber jedenfalls ein Gauner, der gehen muß, weil er keine Persönlichkeit mit Autorität nach den Maßstäben von Frau Lackner ist. So etwas nennt man Lynchjustiz!
Es ist überhaupt nichts einzuwenden, wenn eine Journalistin aus ihren persönlichen (linken) Anschauungen kein Hehl macht. Aber man darf doch erwarten, daß sie einerseits bei der Wahrheit bleibt und anderseits Leute der „anderen Fraktion“ nicht heruntermacht, nur weil sie deren Leistung nicht anerkennen will.

Ophicus
28.04.2008 13:41
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Das hat System

Das ist die heutige Vorstellung von Demokratie. Charismatische Personen mit Ausstrahlung (nennen wir sie geschlechtsneutral Staatsmänner) werden möglichst weit von der Macht ferngehalten. Das liegt nicht daran, dass das Volk etwas gegen Charisma hätte, sondern vielmehr in der Überzeugung, dass große Persönlichkeiten viel erreichen können - im Guten wie im Schlechten.
Man kultiviert also konsequent das Mittelmaß, um so die grandios schlechten Ergebnisse zu vermeiden und nimmt in Kauf mit dem Risiko auch alle Chancen zu verspielen.
Nur haben gerade in diesem System des kultivierten Mittelmaßes die Persönlichkeiten mit einer Affinität zu eher negativer Größe eine bessere Chance sich an die Spitze durch zu fressen, weil sie das nicht so offen tun wie die positiven Größen - und damit den Hütern des demokratischen Einheitsbreis nicht so viel Angriffsfläche bieten.

Gast: Knut
27.04.2008 22:35
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Persönlichkeiten schaffen es schon lange nicht mehr an die Spitze.

Die werden rechtzeitig von rückgratlosen Opportunisten gemobbt und verhindert.

Das Resultat sieht man beim Betrachten der Bundesregierung. Ca. 2/3 der Neugeborenen Wiens sind Migranten bis zur 2. Generation (3. und 4. Generation bitte dazurechnen), die Massen kommen über den Familiennachzug, auch mit guter Ausbildung findet man keinen Job mehr, der Reallohn ist am Niveau der 90er Jahre, die Kriminalität explodiert, der Islam greift immer mehr um sich, und unsere HampelmännInnen treiben ihre Scheingefechte mit Peanuts (Studiengebühren, einige % Steuererleichterung, Arigona, Kampusch, Spargelessen,...).

Und doch sind sie nur personifizierte Symptome eines bis zur Selbstzerstörung Österreichs degenerierten Politapparates.

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