25.05.2012 21:51 | Meine Presse Merkliste 0

Das beleidigte Österreich

ERNA LACKNER (Die Presse)

Der ORF zeigt sich mit seiner „Stand alone“-Lösung beim Eurovision Song Contest als Europa-Verweigerer. Typisch?

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Als das Feuerwerk über Belgrad aufsprühte und der Eurovision Song Contest in der Arena zu Ende ging, wollte der ORF-Kommentator noch einmal witzig sein und sagte: „Ein paar Raketen haben's auch noch gefunden“. Womit auch das Niveau der österreichischen Berichterstattung zum größten Musikereignis Europas (43 teilnehmende Länder, 100 Millionen Zuseher in 47 Ländern, auch Australien und Neuseeland waren heuer dabei) hinreichend beschrieben ist.

Auch das ist Europapolitik, Nachbarschaftspolitik, Fernsehpolitik. Politik des kleinen Mannes für den kleinen Mann. Öffentlich-rechtliche Verbreiterung von Ressentiments. Immerhin, und das ist dem küniglberglerischen Gesandten zugute zu halten, er plädierte mehr oder weniger offen dafür, die ORF-Führung möge sich doch bitte wieder dazu durchringen, trotz allem an dem europäischen Wettbewerb teilzunehmen. Alles andere ist nämlich: beleidigte Leberwurst.

Der hochgemute ORF hatte im Vorjahr am Song Contest die „deutlich negativen Erkennungsmerkmale einer komplizierten europäischen Vereinigung“ kritisiert und seinen Ausstieg mit dem stolzen Abteilungsleitersatz begründet: „Solange der Song Contest kein internationales Unterhaltungsprogramm, sondern ein politisches Exerzierfeld ist, will der ORF nicht weiter Talente aus Österreich in ein chancenloses Rennen schicken“. Ach, wäre der ORF nur immer, auch inländisch so stolz und anspruchsvoll! Und ist etwa eine „Dancing Stars“-Kür viel gerechter als das sängerische Grand-Prix-Finale?

Gewiss, das westeuropäische Missbehagen am „Ostblock-Voting“ und an der „Balkan-Connection“ ist nicht unberechtigt (und hat 2008 auch zu leicht veränderten Regeln geführt). Aber dass Österreich sich darob ganz verabschiedete, hat auch das Bild des schlechten Verlierers befördert. Etwas mehr Humor stünde auch der staatlichen Fernsehanstalt gut an. Aber vielleicht hat sie ja auch nur kein Geld für den Song Contest gehabt. Was auch immer, das Leitmedium eines Landes, das sich gern als Schaltstelle zwischen West und Ost sieht, als Mittelpunkt Zentraleuropas, als Herzland Europas und so weiter, sollte sich nicht so leichtfertig und verlogen oder gar arrogant aus dem Spiel nehmen – das ohnehin nicht ernst ist.

Die „Stand alone“-Haltung des ORF, die in Wahrheit nur eine „Draußen vor der Tür“-Lösung ist, hat im europäischen Song Contest-Fall vermutlich keine schwerwiegenden Auswirkungen – aber schön ist sie auch nicht. Aber sie ist vielleicht typisch und ein Spiegelbild dafür, dass auch das politische Österreich in Brüssel nicht selten allein geblieben ist und mit seinen Anliegen einfach nicht durch kommt. Auch nicht mit seinen Donaumonarchie-Nachbarn, die freilich nur von der Wirtschaft gepflegt und gehegt werden.

Es gab einmal eine Zeit, lange her, da ist der ORF über sich hinausgewachsen. Bis heute zehrt er von der Bacher-Ära. Für die Osterweiterung Europas hat auch das öffentlich-rechtliche Fernsehen Österreichs herzlich wenig getan. Ich könnte eine lange Liste der Versäumnisse aufzählen ...

Erna Lackner ist Journalistin in Wien.


meinung@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.05.2008)

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9 Kommentare

An den Haaren herbeigezogener nicht existenter Grund um Österreich zu kritisieren

Klar ist jedenfalls: Als das Feuerwerk aufsprühte hatte der ORF-Sprecher Andi Knoll komplett anderes gesagt:

Hier das Protoll aus der Aufzeichnung:

.. 2006 ist Dima Bilan schon Zweiter geworden. Kann man eigentlich nur mit e. ersten Platz verbessern.

[Die Kamera zeigt auf das beginnende Feuerwerk]

Ein Riesenfeuerwerk gibt es über der Sava u der Donau die in Belgrad zusammenfließen. "Zusammenfluss" ist deswegen auch das Motto des heurigen Song-Contest gewesen.

Ein Feuerwerk für Russland, das 142-Millionen-Einwohner-Land gewinnt. Das größte Teilnehmerland gewinnt beim 12. Antreten.

Bisher bester Platz der Zweite von Dima Bilan 2006 u 2000 gab es auch einen zweiten Platz von Alsu. Jetzt: Ganz Vorne.

[Die Kamera zeigt schon seit Längerem d Feuerwerk]

Und einmal mehr sind d. großen Song-Contest-Nationen geschlagen, die großen Vier sowieso. GB: Letzter Platz: 14 Punkte.

Fortsetzung

Deutschland vorvorletzter Platz auch Frankreich nicht viel besser: 19.Platz, Spanien am 16.Platz

[Die Kamera zeigt wie d. große Feuerwerk aufhört]

So, viel mehr Feuerwerk gibts in Serbien nicht, darum zurück in die Belgrad-Arena

[Die Kamera zeigt nun die mit Menschen vollgefüllte Belgrad-Arena]

Und da kommt der Sieger des 53.Eurovisions-Song-Contest. Ein paar Raketen haben sie noch gefunden

[Die Kamera zeigt dabei die Belgrad-Arena in der es immer wieder Blitzlichter u andere Lichter gibt vielleicht waren da auch Rakten dabei]

Also es ist das 23. Siegelied in Englisch, Russland gewinnt mit "Believe" den Song-Contest vor der Ukraine u Griechenland wird Dritter dann Armenien, Norwegen u. Gastgeber Serbien am 6. Platz. ..

__
Erna Lackner tut also Andi Knoll eindeutig Unrecht, er war überhaupt nicht hochmütig, Fr Lackner sollte sich entschuldigen. Wenns ums Österreich-Beschimpfen geht, nimmts Erna Lackner mit der Wahrheit nicht so genau.

Fortsetzung

Deutschland vorvorletzter Platz auch Frankreich nicht viel besser: 19. Platz Spanien am 16. Platz

[Die Kamera zeigt wie das große Feuerwerk aufhört]

So, viel mehr Feuerwerk gibt's in Serbien nicht, darum zurück in die Belgrad-Arena.

[Die Kamera zeigt nun die mit Menschen vollgefüllte Belgrad-Arena]

Und da kommt d. Sieger des 53. Eurovisions-Song-Contest. Ein paar Raketen haben sie noch gefunden.

[Die Kamera zeigt nach wie vor die Belgrad-Arena in der es immer wieder Blitzlichter u andere Lichter gibt
vielleicht waren da auch Rakten dabei]

Also es ist das 23. Siegelied in Englisch, Russland gewinnt mit "Believe" den Song-Contest vor der Ukraine u.

Griechenland wird Dritter dann Armenien, Norwegen u. Gastgeber Serbien am 6. Platz. ..
___
Also Fr Lackner tut Andi Knoll ordentlich Unrecht u sollte sich bei ihm entschuldigen. Wenn es ums "Österreich-Beschimpfen" geht, nehmen es fortschrittliche Redakteure wie Frau Lackner es mit d Wahrheit nicht so genau.

An den Haaren herbeigezogener nicht existenter Grund um Österreich zu kritisieren

Klar ist jedenfalls: Als das Feuerwerk aufsprühte hatte der ORF-Sprecher Andi Knoll komplett anderes gesagt:

Hier das Protoll aus der Aufzeichnung:

.. 2006 ist Dima Bilan schon Zweiter geworden. Kann man eigentlich nur mit e. ersten Platz verbessern.

[Die Kamera zeigt auf das beginnende Feuerwerk]

Ein Riesenfeuerwerk gibt es über der Sava u der Donau die in Belgrad zusammenfließen. "Zusammenfluss" ist deswegen auch das Motto des heurigen Song-Contest gewesen.

Ein Feuerwerk für Russland, das 142-Millionen-Einwohner-Land gewinnt. Das größte Teilnehmerland gewinnt beim 12. Antreten.

Bisher bester Platz der Zweite von Dima Bilan 2006 u 2000 gab es auch einen zweiten Platz von Alsu. Jetzt: Ganz Vorne.

[Die Kamera zeigt schon seit Längerem d Feuerwerk]

Und einmal mehr sind d. großen Song-Contest-Nationen geschlagen, die großen Vier sowieso. GB: Letzter Platz: 14 Punkte.

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Frau Lakcners Kommentar ist dem Songcontest "würdig"!

Vielleicht sollte die Frau Lackner wissen, daß auch Italien schon seit einigen Jahren auf eine Teilnahme an diesen Songcontest verzichtet; von einem "Stand alone" des ORF kann also überhaupt keine Rede sein!

Schon in Vor-Osterweiterungszeiten landeten die heimischen Beiträge auf den letzten Plätzen; einmal trugen die Deutschen, dann wieder wir die "Rote Laterne". Auf welche Weise hätten wir also ausgerechnet diesmal "auffallen" sollen? Übrigens: WAS, bitte schön, hätte der ORF "für" die Osterweiterung der EU tun sollen? Die war doch eh der ausdrückliche Wunsch Brüssels...

Daß die Russen von praktisch allen unmittelbaren Nachbarn die Höchstzahl 12 Punkte bekamen, kann doch wirklich kein Zufall sein. Umgekehrt landeten auch ihre Anrainer reltavi weit vorn. Die Deutschen wiederum erhielten von 40 Ländern nicht einmal ein Trostpünktchen. Uns wäre es kaum anders eergangen...

Hätte Belgrad wirklich das "größte Musikereignis Europas" gebracht, brauchten wir keine Ohren mehr...


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inkonsequent

an einer veranstaltung nicht teilzunehmen, deren wettbewerbscharakter seltsam bis pervers ist, deren inhalt und inszenierung mehr als peinlich ist, ist durchaus verständlich.

aber konsequent wäre es, auch auf die ausstrahlung zu verzichten!

Gast: Christian Schneider
26.05.2008 08:16
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treffender Kommentar

Der ESC ist geradezu ein Sinnbild für vieles, was in Europa schief läuft. Anstatt die Chance zu nützen, diesen Großevent gemeinsamen zu erleben, von und übereinander zu lernen, Land und Kultur vorzustellen gibt¿s ne Flucht in Resentiments und Chauvinismus.

Was der Vertreter der "größten ... eines Maturajahrganges" (c KM Gauss) dargeboten hat war jenseits . Natürlich hat die übrige Welt an Serbien in den vergangenen Jahren nur Krieg und Nationalismus wahrgenommen. Aber der Kosovo allein ist zuwenig, um diesem Land gerecht zu werden.

Der deutsche Moderator war um keinen Deut besser. Er war sich nicht zu blöd dafür, bei den Punkten aus jedem Land auf die jeweilige Minderheitensituation hinzuweisen.

Nicht anerkennend , dass die (süd-)osteuropäischen Länder tw. tatsächlich die besseren Beiträge haben und sich einfach mit ihnen gemeinsam zu freuen, spielt der alte Westen beleidigte Leberwurst. Was uns wirklich gut anstehen würde, wäre ein Stück weit kulturelle Demut und Respekt.

Ophicus
25.05.2008 23:30
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Schon richtig

Aber es fällt mir schwer um die österreichische Teilnahme am Song-Contest zu trauern. Das Spektakel ist groß und kann benutzt werden um aufzufallen - nicht immer positiv.
Das macht es nicht automatisch sehenswert. Die Entscheidung des ORF wäre daher an sich nicht so schlimm - nur sind die Gründe eher lausig.

Antworten Gast: christian
28.07.2008 03:08
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FR. LACKNER NICHT IRRITIEREN LASSEN!!!!!!!!

Fr.Lackner hat vollkommen recht!!!
ö ist beleidigt ausgeschieden
und da noch zu einem super gescheiten menschen etwas über mir
italien ist als sieger ausgestiegen!!!!
aufpassen was man schreibt
ausser ö ist kein land wegen den angeblichen zuschieberein ausgestiegen
und nur zur aufklärung
der grund warum der osten sich gegenseitig die punkte gibt ist weil die oststars im ganzen osten bekannt sind und haben somit einen vorteil
man muss beim esc ein lied nehmen das international konkurrieren kann
kaum österreichische stars schaffen es im eigenen land in die top ten und wenn nur für kurze zeit
und dann noch der balkan
sie haben ihren eigenen musikgeschmack und geben deshalb den nachbarn die punkte
es ist schon richtig wie alles abläuft
das was mir aufgefallen ist
alle leute die behaupten das das zuschiebung ist haben meistens nur durch irgendwelchen schmierblättern,oder durch einmal eurovision schauen oder durch rassisten gehört das das angeblich zuschieberei sein soll!!!!!

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