12.02.2012 15:31 | Meine Presse Merkliste0

Von Ibsen lernen

KURT SCHOLZ (Die Presse)

Buben und junge Männer werden in Österreich diskriminiert.

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Die EU sagt jeder Diskriminierung den Kampf an. Soeben haben sich 360 von 785 Abgeordneten gegen die Benachteiligung von Menschen ausgesprochen, die alt, krank, behindert, homo- oder transsexuell sind oder einer bestimmten Religion angehören. Kommt es zur Diskriminierung, kann man zu Gericht gehen und Schadenersatz fordern. Dieser Vorstoß ist löblich. Er bringt das Licht der Aufklärung in einen Bereich, in dem es noch zu viele Schatten gibt. Auch in Österreich werden Menschen diskriminiert, und zwar mit größter Selbstverständlichkeit. Eine große Bevölkerungsgruppe sogar: die der Buben und jungen Männer.

Die Fakten sind eindeutig: Buben sind in der Schule benachteiligt. Sie erhalten für gleiche Leistungen schlechtere Noten. Sie werden überproportional häufig in Sondereinrichtungen abgeschoben. Sie maturieren seit Jahren signifikant weniger häufig, als es ihrer Geschlechterquote entspräche. All das geschieht unter staatlicher Aufsicht in einem Schulalltag, der von Frauen dominiert wird. Und als ob die Buben nicht schon genug zurückgesetzt wären, werden sie nach der Matura noch zum Bundesheer oder Zivildienst eingezogen, während die gleichaltrigen Mädchen sofort zu studieren beginnen. Das hat zur Folge, dass in allen 46 Staaten (einzige Ausnahme: Türkei), die sich zur Schaffung eines einheitlichen europäischen Hochschulwesens bekannt haben, die Mehrheit der Studienanfänger weiblich ist. An all das hat man sich in Europa gewöhnt. In ganz Europa? Nein.

In Norwegen, seit Ibsens Tagen ein Vorreiterland für Frauenfragen, denkt man anders. Dort werden per Gesetz die Aufsichtsratssitze der börsennotierten Unternehmen zwischen Männern und Frauen aufgeteilt. Umgekehrt aber, wird auch eine geschlechtsneutrale Militärdienstpflicht gefordert. Ab nächstem Jahr soll die Musterung für beide Geschlechter obligatorisch sein.

Wer glaubt, dass diese Gesetzesinitiative von einem „Male Chauvinist“ oder einem „testosterongesteuerten Phallokraten“ stammt, irrt. Es ist eine Dame, die diesen Vorstoß gewagt hat. Diese Dame ist norwegische Verteidigungsministerin. Sozialdemokratin ist sie auch noch. Käme hierzulande jemand auf die tollkühne Idee, sie zu einem Parteitag einzuladen, könnte sie erzählen, dass in ihrem Land 62% der Männer und 55% der Frauen die geschlechtsneutrale Wehrpflicht favorisieren und bei den unter 25-Jährigen gar 72% dafür sind. In Norwegen.

In Österreich ist die Geschlechterdiskussion stecken geblieben: Man bekämpft Männerbastionen, und zwar völlig zu Recht, aber die Männerbastionen Militär und Zivildienst sollen bleiben. Und statt über die Benachteiligung der Buben in der Schule und beim Studieneintritt zu reden, diskutieren wir über das Binnen-I. „Das ist das Verdammte an den kleinen Verhältnissen“, schreibt Ibsen einmal, „dass sie die Seele klein machen.“ Österreich kann er damit nicht gemeint haben.

Kurt Scholz war langjähriger Wr. Stadtschulratspräsident.


meinung@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.05.2009)

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13 Kommentare
Gast: A.R.
04.10.2011 11:47
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Nach Bundesheer kein Studium beginnen

Mit den neuen Studieneingangsphasen wird die Diskriminerung ins unerträgliche gesteigert:
Durch das Bundesheer (oder Zivildienst), welches unmittelbar nach der Matura mittlerweile zu absolvieren ist, können die männlichen Studienanfänger nicht im Sommersemester einsteigen (d.h. sie verliren nicht nur das WS sondern auch das SS), weil die vorgesehenen Prüfungen der Studieneingangsphase im SS nicht angeboten werden - Hr. Minister Töchterle: Hier besteht dringender Handlungsbedarf!!

Gast: Was, Herr Dr. Scholz,
10.05.2009 21:08
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haben Sie dagegen unternommen, ...

als Sie noch Landesschulrat waren?

Antworten Gast: anonymos
21.05.2009 19:45
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Re: haben Sie dagegen unternommen, ...

Gegen die Nutzniesser der Männinenpartei - diverse LINKSanwaltskanzleien - ist man machtlos. Das bedeutet ihr Geschäft.
Es werden geschickt Gesetze durch Verordnungen und Durchführungsbestimmungen wirkungslos gemacht.
OGH- und VfGH-Beschlüsse werden in den Oberlandesgerichten unterwandert.
Es müßte jemand den Mut haben, die Namen dieser "Rechtsbetrüger" zu veröffentlichen.

Gast: Crusader
07.05.2009 13:48
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Wissen sie wer heute wirklich diskriminert wird?

Der heterosexuelle einheimische Bürger der sich an Gesetze hält, seine Steuern zahlt und sich um die Familie kümmert....
Von den Islamisten bis zu den Homos werden alle gefördert - der "Normalbürger ist der "A" der dies alles finanzieren darf - analog dem SP Team für den "A".......das er auch finanzieren darf.

Timberwolf
05.05.2009 22:22
0 0

Vergleich

Ganz unstatistisch habe ich mal meine ehemaligen Mitschüler und Mitschülerinnen sowie meine Mitstudenten und Mitstudentinnen verglichen. Das Ergebnis: Die Frauen sind fleißiger. Daher überrascht mich nicht, dass sie eher maturieren und eher ein Studium beginnen (und es auch abschließen - beginnen kann es in Österreich ja leider fast jeder). Ich persönlich arbeite aus vielen Gründen lieber mit Frauen zusammen, und bin auch der Meinung, dass sie bessere Führungskräfte abgeben.
Und dass Frauen zum Heer sollen, halte ich auch für einen Blödsinn - nur weil ein Teil der österreichischen Bevölkerung ein paar Monate seines Lebens sinnlos verplempern muss, sollen das alle tun? Es sind noch immer mehrheitlich Frauen, die durch Schwangerschaft und Karenz ihren Beruf/ihre Ausbildung aufschieben müssen. Das gleicht die Wehrpflicht mehr als nur aus.

Antworten Gast: anonymos
12.05.2009 19:30
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Re: Vergleich

Leider nicht bedacht:
Die WehrPFLICHT ist ein Muß für männliche Staatsbürger.
Kinder kriegen müssen die Frauen ja nicht, wenn sie sich "verwirklichen" wollen. Es wäre ohnedies besser, wenn diese Frauen keine bekämen - nämlich für die Kinder!

Antworten Gast: Mordechai
07.05.2009 12:21
0 0

Re: Vergleich

"Es sind noch immer mehrheitlich Frauen, die durch Schwangerschaft und Karenz ihren Beruf/ihre Ausbildung aufschieben müssen. Das gleicht die Wehrpflicht mehr als nur aus."

Immer wieder stolpert man bei dem Thema auf dieses an den Haaren herbeigezogene "Argument". Deswegen nochmal für die billigen Plätze:
Solange es in diesem Land keine Gebärpflicht für Frauen gibt, ist Wehrpflicht für Männer eine Ungerechtigkeit. Punkt.

Antworten Antworten Gast: Kinderpsychologe
12.05.2009 19:33
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Re: Re: Vergleich

Gebärpflicht?! Gott der Gerechte! Dann werden noch mehr depressions geschädigte in die Gesellschaft programmiert.

Antworten Ophicus
06.05.2009 09:57
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Re: Vergleich

Es gäbe ja eine Alternative. Statt Wehrpflicht für Frauen könnte man ja auch die Wehrpflicht völlig abschaffen.
Aber ja, wenn ein Teil der österreichischen Bevölkerung einen Teil seines Lebens sinnlos verplempern muss, dann sollen das alle tun. Das ist das Wesen des Gleichheitsgrundsatzes.

Was die Schwangerschaften und Karenzen betrifft...keine Frau ist dazu verpflichtet. Wenn eine Karrierefrau nie Kinder bekommt und nie in Karrenz geht, dann musste sie trotzdem keinen Wehrdienst leisten. Und wenn ein Mann in Karenz geht musste er trotzdem.

Faul und Fleißig sind auch keine geschlechtsspezifischen Merkmale.

Alles in allem zusammengefasst:
Sie sind ein Sexist!

ernestus
05.05.2009 10:01
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endlich!

Endlich einer, der sachlich schreibt, was Sache ist!
Daß niemand auf die Idee gekommen ist, Dr. Scholz als Unterrichtsminister ins Kabinett zu berufen, ist schändlich!

Antworten Gast: anonymos
12.05.2009 19:26
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Re: endlich!

Lieber Ernestus! Das ging leider nicht, da Dr. Kurt Scholz während seiner Tätigkeit zu oft die Wahrheit gesagt hat. Das hat ihm sehr wenig Gegenliebe vor allem auch innerhalt seiner eigenen Partei eingetragen. Es gilt eben:
Vom Wahrsagen läßt sich gut leben,
nicht aber vom Wahrheit sagen.

Antworten Antworten ernestus
12.05.2009 21:29
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Re: Re: endlich!

Danke! Sie haben den Nagel auf den Kopf getroffen!

Gast: rotmann
04.05.2009 22:37
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Es ist absolut unklug aber typisch österreichisch nur eine Seite eines Übels zu beheben und daran krampfhaft über Jahrzehnte festzuhalten auch wenn es schon die größten gesellschaftlichen Schieflagen erzeugt

Es ist eine Sache ein Übel zu beheben, eine andere unausgewogen nur eine Seite eines Übels zu beheben und die andere Seite permanent über Jahrzehnte bewußt zu ingorieren. Alle derzeit "heissen" gesellschaftlichen Probleme in Ö (Ausländerkriminalität, mangelnde Integration, Inländer-Geburtenmangel und -Männerdiskriminierung ) entstanden durch dieselbe Ignoranz und unausgewogene, jahrzehntelange Förderungen und Maßnahmen. Marktgeschrei statt gerechter Lösungen. Als Vergleich: Etwas Essen stillt den Hunger, zuviel davon macht dick und krank.

Kaum eine Frau in Österreich ist sich dessen bewußt, das schon rein arithmetisch 50% der Mißstände hierorts durch Frauen hervorgerufen sein müssen. Jahrzehntelang darin mädial trainiert schieben sie schnell "den Männern" die Schuld in die Schuhe, weiters nachdenken überflüssig. Für's Unidegree reicht's aber schon.

Die falsche Erziehung die eine gewisse Zuzugsgruppe ihren jungen Männer augedeihen läßt ließen wir jahrzehntelang unseren jungen Frauen angedeihen. Beide führen sich auch so auf, bei beiden Gruppen dieselbe Hybris und Problemverlagerung gesellschaftlich verhätschelter Gruppen. Es will nur keiner sehen - hier nicht und dort nicht.
Es gibt genug Frauen die das alles erkennen, aber die haben nichts zu reden.

Mein Vorschlag bezüglich Wehrdienst für Frauen: Bis 26 entweder 3 Kinder oder Wehrdienst. Würde viele Probleme Österreichs lösen !
Als Vergleichsgrundlage kann ich Israel nur empfehlen - eine Reise wert !

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