Die verdient große Freude, endlich erfolgreich die Schule hinter sich lassen zu können, ist bei vielen jungen Menschen mit unsicheren Erwartungen für die Zukunft gepaart. Dies war vor vier, fünf Jahrzehnten nicht so: Völlig egal, was man studierte, selbst wenn es Orchideenfächer wie Numismatik oder Finno-Ugristik waren: Mit einem Studienabschluss hatte man Aussicht auf eine einträgliche Karriere, und eine sichere Gestaltung des Lebens vor Augen.
Davon kann heute keine Rede mehr sein, und wir werden es auch für die nächste Zukunft kaum erwarten dürfen. Die Studienwahl entscheidet über den künftigen Lebenslauf weitaus einschneidender als früher. Und niemand höre auf jene, die das Suchen nach materiellem Glück mit Verachtung strafen. Gewiss ist das Streben nach finanzieller Absicherung und Unabhängigkeit nicht das Wesentliche des Daseins. Aber jene, die es für nicht des Nachdenkens wert erachten, sind meist zugleich jene, die unverdient durch Erbschaft oder Glück ihr Leben lang von solchen Sorgen verschont bleiben.
Gewiss: Jemand, der Kunstgeschichte und nur Kunstgeschichte studieren möchte, soll allein auf die damit verbundenen Risken aufmerksam gemacht, nicht aber durch Zwang von seinem Vorhaben abgehalten werden. Und all jenen Maturantinnen und Maturanten, die das Bedürfnis fühlen, der Gesellschaft als Arzt oder als Lehrer zur Verfügung zu stehen, rufen wir – egal, ob es eine Medizinerschwemme gibt oder ob einzelne Unterrichtsfächer überlaufen sind – „Bravo!“ und „Gutes Gelingen!“ zu. Doch nur dann, wenn die Neigung wirklich unstillbar vorhanden ist. Denn nichts benötigt die Gesellschaft weniger, als in ihrem Beruf unerfüllte und daher auch unglückliche Lehrer oder Ärzte.
Was aber sollen jene tun – und es gibt derer nicht wenige –, die für Studien verschiedenster Fakultäten geeignet sind und nicht wissen, welche sie wählen sollen. Ihnen sei an dieser Stelle nahegelegt, das Studium einer technischen Wissenschaft zu erwägen.
„Ich stand in der Schule mit Mathematik auf Kriegsfuß“, mag ein Gegenargument lauten. Doch das zählt in Wahrheit wenig. Denn oft hat das Schulfach fast nichts mit der Mathematik selbst zu tun; wer klare und durch Beweise abgesicherte Gedankenführungen schätzt, wird auch Mathematik mögen. Mängel in der Rechentechnik kann man mit ein wenig Fleiß beheben.
Ich interessiere mich für Grundsätzliches, weniger für Technisches wie jemand aus der HTL“, mag ein zweites Gegenargument lauten. Aber die Technik ist so vielgestaltig geworden, dass sie das Grundsätzliche ebenso umfasst wie die gewitzte Anwendung. Sie hat von den „reinen“ Naturwissenschaften der vorigen Jahrhunderte das Beste übernommen und veredelt. „Ich bin eine Frau, und die Technik ist von Männern durchsetzt“, mag ein drittes Gegenargument lauten, das man nicht leichtfertig abtun sollte. Weil man darin den Ansporn erblicken kann, in einem vermehrten Zugang von Frauen einen Paradigmenwechsel in der Technik zu noch mehr Vielfalt zu bewirken.
„Es gibt“, schrieb dieser Tage der Wirtschaftsjournalist Markus Leeb, „vor allem in technischen Branchen ein regelrechtes Gerangel um die zu wenigen Absolventen.“ Die Aussichten, als akademisch gebildeter Ingenieur über Krisen hinwegzukommen, sind nach wie vor gut.
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("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.06.2012)















