19.06.2013 18:46 Merkliste 0

Was tun nach der Matura? Warum denn kein technisches Studium?

RUDOLF TASCHNER (Die Presse)

Eine letzte Garantie gibt es natürlich nicht. Aber die Aussichten, als akademisch ausgebildeter Ingenieur über Krisen welcher Art auch immer hinwegzukommen, sind nach wie vor gut.

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Die verdient große Freude, endlich erfolgreich die Schule hinter sich lassen zu können, ist bei vielen jungen Menschen mit unsicheren Erwartungen für die Zukunft gepaart. Dies war vor vier, fünf Jahrzehnten nicht so: Völlig egal, was man studierte, selbst wenn es Orchideenfächer wie Numismatik oder Finno-Ugristik waren: Mit einem Studienabschluss hatte man Aussicht auf eine einträgliche Karriere, und eine sichere Gestaltung des Lebens vor Augen.

Davon kann heute keine Rede mehr sein, und wir werden es auch für die nächste Zukunft kaum erwarten dürfen. Die Studienwahl entscheidet über den künftigen Lebenslauf weitaus einschneidender als früher. Und niemand höre auf jene, die das Suchen nach materiellem Glück mit Verachtung strafen. Gewiss ist das Streben nach finanzieller Absicherung und Unabhängigkeit nicht das Wesentliche des Daseins. Aber jene, die es für nicht des Nachdenkens wert erachten, sind meist zugleich jene, die unverdient durch Erbschaft oder Glück ihr Leben lang von solchen Sorgen verschont bleiben.

Gewiss: Jemand, der Kunstgeschichte und nur Kunstgeschichte studieren möchte, soll allein auf die damit verbundenen Risken aufmerksam gemacht, nicht aber durch Zwang von seinem Vorhaben abgehalten werden. Und all jenen Maturantinnen und Maturanten, die das Bedürfnis fühlen, der Gesellschaft als Arzt oder als Lehrer zur Verfügung zu stehen, rufen wir – egal, ob es eine Medizinerschwemme gibt oder ob einzelne Unterrichtsfächer überlaufen sind – „Bravo!“ und „Gutes Gelingen!“ zu. Doch nur dann, wenn die Neigung wirklich unstillbar vorhanden ist. Denn nichts benötigt die Gesellschaft weniger, als in ihrem Beruf unerfüllte und daher auch unglückliche Lehrer oder Ärzte.

Was aber sollen jene tun – und es gibt derer nicht wenige –, die für Studien verschiedenster Fakultäten geeignet sind und nicht wissen, welche sie wählen sollen. Ihnen sei an dieser Stelle nahegelegt, das Studium einer technischen Wissenschaft zu erwägen.

„Ich stand in der Schule mit Mathematik auf Kriegsfuß“, mag ein Gegenargument lauten. Doch das zählt in Wahrheit wenig. Denn oft hat das Schulfach fast nichts mit der Mathematik selbst zu tun; wer klare und durch Beweise abgesicherte Gedankenführungen schätzt, wird auch Mathematik mögen. Mängel in der Rechentechnik kann man mit ein wenig Fleiß beheben.

Ich interessiere mich für Grundsätzliches, weniger für Technisches wie jemand aus der HTL“, mag ein zweites Gegenargument lauten. Aber die Technik ist so vielgestaltig geworden, dass sie das Grundsätzliche ebenso umfasst wie die gewitzte Anwendung. Sie hat von den „reinen“ Naturwissenschaften der vorigen Jahrhunderte das Beste übernommen und veredelt. „Ich bin eine Frau, und die Technik ist von Männern durchsetzt“, mag ein drittes Gegenargument lauten, das man nicht leichtfertig abtun sollte. Weil man darin den Ansporn erblicken kann, in einem vermehrten Zugang von Frauen einen Paradigmenwechsel in der Technik zu noch mehr Vielfalt zu bewirken.

„Es gibt“, schrieb dieser Tage der Wirtschaftsjournalist Markus Leeb, „vor allem in technischen Branchen ein regelrechtes Gerangel um die zu wenigen Absolventen.“ Die Aussichten, als akademisch gebildeter Ingenieur über Krisen hinwegzukommen, sind nach wie vor gut.


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("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.06.2012)

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16 Kommentare

Geht zwar heute vieles schon mit Sitzfleisch,

besonders eben das Lehramt oder Psychologie und andere der sog. "Orchideenfächer", aber für ein technisches Studium ist die seit den 68-ern völlig ignorierte Begabung erforderlich. Zwar haben wir nunmehr auch schon Illetristen als Ärzte und ein heutiger Konsulent ist schon weitaus weniger wert als die Ziviltechniker von einst, aber sollte es auch in diesem Studium zur Praxis werden, dass das Sitzfleisch (ich möchte gerne Ingenieur sein) allein belohnt wird, dann gute Nacht. Dann fallen in Zukunft wohl auch die ganzen Häuser ein. Der Sozialismus wirkt sich aus wie ein Termitenbefall.

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Vielleicht liegt es daran,

dass nicht jeder für ein technisches Studium begabt ist? Ich wusste nach der Matura auch nicht, was ich machen wollte, war aber in Mathematik derart schwach gewesen, dass ich wusste, dass ich kein Techniker bin (Physiker war ich auch keiner!). Solche Kampagnen sind sinnlos für jene, die dafür keine Begabung aufweisen!

Ihre argumentation, verehrter herr taschner,,

bedeutet eigentlich eine massive abwertung der mint-studien.
unsere gesellschaft benötigt auch keine im beruf unerfüllten technikerInnen, so wie sie keine unzufriedenen ärztInnen und lehrerinnen braucht!
ich z.b. habe immer wieder mit jungen menschen zu tun, die "halt" informatik studiert haben, weil ihnen nach der matura nichts anderes eingefallen ist und sie die guten berufsaussichten gelockt haben.
wenn diese damen und herren die aktuellen und zukünftigen krisen aller art lösen sollen, dann gute nacht!


Gast: Gast:Karl
29.06.2012 22:44
2 0

Narurwissenschaften

Werter Herr Professor Taschner
Ich anerkenne Ihr Engagement als Mentor der Naturwissenschaften - allerdings haben sie mit Ihrem flapsigen Kommentar diesen einen Bärendienst erwiesen: " Mängel in der Rechentechnik kann man mit ein wenig Fleiß beheben".
Wo - wenn nicht in der AHS - sind die Grundfertigkeiten, die Ausdauer, die Genauigkeit,
die Analyse und der Lösungsweg für ein Problem mit den vorhandenen Mitteln zu erarbeiten?
Ohne Basiskenntnisse wird ein tecnisches Studium nicht leicht sein!

Gast: 1. Parteiloser
28.06.2012 15:56
1 0

Ja, ist ein großes Problem, wird ein noch größeres Problem werden!

Auf der einen Seite haben wir das Menschenrecht, welches jedem Menschen die Kontrolle und Entscheidungen über das eigene Leben zugesteht. Damit ist natürlich auch die eigene Berufsausbildung und der Berufsweg in der Verantwortung des Individuums.

Diese Freiheit führte aber in weiten Bereichen zu Ausbildungen von Menschen, welche dem Bedarf der Gesellschaft nicht entsprechen. Jede Gesellschaft hat einen Bedarf an verschieden Ausbildungen um die Versorgung der Gesellschaft auch zu schaffen, vielleicht auch Wohlstand zu schaffen. Wenn es in einigen wesentlichen Bereichen am notwendigen Personal, an notwendigen Unternehmen, fehlt, dann kann die Versorgung, bzw. der Wohlstand nicht gesichert werden.

Diese beiden Grundsätze sind inzwischen doch etwas auseinander gedriftet und werden noch zu erheblichen Problemen führen.

Dazu kommt noch das Recht auf Arbeit, welches dann von den bereits Ausgebildeten für sich in Anspruch genommen wird und ein Druck auf die Staatlichkeit entsteht dieses Recht zu gewähren. Diese Recht wird aber so fehlinterpretiert, dass es ein Recht auf Beschäftigung sein soll, das Recht samt Pflicht sich selber zu beschäftigen (für die eigene Arbeit selbst zu sorgen) aber nicht mehr erkannt wird.

Solange es den Menschen bei den vielen schönen Posterl- und Amterln, noch besser im Frühruhegenuss, aber besser geht als der Gesellschaft wirklich real was zu bieten, solange wird der Trend zum Spaßstudium auch anhalten.

Antworten Gast: pensionär
28.06.2012 19:39
0 0

Re: Ja, ist ein großes Problem, wird ein noch größeres Problem werden!

Die "Spaß-Studiosi" werden nach dem Studium nach Arbeitsplätzen verlangen und die Politiker - meikst selbst Spaß-Studiosi - werden sie ihnen zuschanzen. Dort werden sie die Ellbogentechnik anwenden - wie das ja schon geschieht - und die nützlichen Nichtprotegierten verdrängen, unterdrücken, ausbeuten.
In der Bonzokratie kann sich nichts Vernünftiges entwickeln - man schafft immer neue Aufstiegs-Vereine und hetzt diverse Gruppen gegeneinander auf.
Wie hieß das doch? DIVIDE ET IMPERA

Re: Re: Ja, ist ein großes Problem, wird ein noch größeres Problem werden!

Mit dem Unterschied, dass die Spaß-Studiosi genau wissen, dass sie halt in einem anderen Bereich arbeiten werden müssen, als sie studiert haben.

Bei denen, die sich ihr Studium nach den Berufsaussichten aussuchen und nicht nach dem Interesse, gibt es lange Gesichter, wenn sie nachher keinen Job in dem Bereich finden, den sie studiert haben.

Antworten Antworten Antworten Gast: pensionär
06.07.2012 20:21
0 0

Re: Re: Re: Ja, ist ein großes Problem, wird ein noch größeres Problem werden!

Dem Ingenieur
ist nichts zu schwer

Orchideenfächer

Numismatik oder Finno-Ugristik sind nicht das Problem. Ersteres ist wohl kaum überlaufen, und mit Finnisch und Ungarisch im Sprachrepertoire und einer Zusatzausbildung (Wirtschaft oder Tourismus) sollte man doch einen Job bekommen.

Problematisch sind vor allem die Massenstudien mit Linksdrall wie Publizistik, Soziologie oder Politikwissenschaften.

Ein Numismatiker, der über die Geldverschlechterung zur Zeit der "Wipper und Kipper" dissertiert, steht wesentlich mehr im Leben als die "Sozialexperten", die in ihren hochdotierten Studien wortreich, aber faktenwidrig die Segnungen der Migration darstellen

Antworten Gast: pensionär
28.06.2012 19:44
0 0

Re: Orchideenfächer

Gut und prägnant

Bildung ist eine Lebensausbildung. Algem-EIN-Bildung als Grundkonzept ist für Bubis und Mädis aus Kreisen der Uppertens, und gilt nur für die Larvenschau.
Ausbildung ist primär wichtig für die Sozietät.

Re: Re: Orchideenfächer

Jaja die gstudierten "Sozialexperten" (Anführungszeichen!!), die wissenschaftlich belegen, was dem Herrn Arethas nicht passt. Abschaffen, sofort!!

Früher hieß es...

...kommt zu Post oder Eisenbahn, wenn ihr sichere Arbeitsplätze wollt. Jetzt sind es die TechnikerInnen. Na mal sehen, wenn technische Expertise so wie jetzt schon die Produktion nach Fernost ausgelagert wird.

Gast: pensionär
28.06.2012 10:58
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fei nach Sarrazin

Mein Lehrer am tgm-Wien, HR Dr. Heinz Schlöß, sagte einmal: "Wenn jeder Ingenieur werden könnte, dann würde bald nichts mehr funtionieren, Häuser und Brücken einstürzen." Der Enstschluß für ein Ingenieurstudium nach der AHS-Matura kommt meistens zu spät. Für diesen Beruf bedarf es außer den notwendigen theoretischen Kenntnissen nämlich auch praktische Fertigkeiten, d.h. eine grundlegende handwerkliche Ausbildung, für die eben die Höherern Technischen Lehranstalten geschaffen wurden, deren Ausbildungsinhalte immer mehr verwässert werden.

Wir schaffen eben alles ab - eine Lemminge-Philosophie, deren wirtschaftliche Auswirkungen wir immer mehr zu spüren bekommen.

Ingenieur zu werden verlangt eben die Begeisterung für die Lösung realer Probleme und damit kann man nicht früh genug beginnen.

vielleicht liegt es ja auch an den Mathematik-Lehrern an Schulen und Universitäten?

Prof. Taschner wirbt wieder einmal für die technischen Studien und sagt jenen, die sich in der Schule mit Mathematik geplagt haben, sie mögen sich davon nicht abschrecken lassen, denn "oft hat das Schulfach fast nichts mit der Mathematik selbst zu tun".
Da müssen sich nun tausende Schüler aber auch deren Eltern verschaukelt vorkommen. Schließlich haben sie über Jahre Mathematik-Nachhilfe finanziert, weil ihre Kinder in der Schule von Leuten unterrichtet wurden, die im besten Fall selber verstanden haben, was sie unterrichten, aber leider nicht in der Lage waren, ihrer eigentlichen Aufgabe nachzukommen, Kindern Mathematik beizubringen. Nun hören wir, dass die Schul-Mathematik nicht einmal für Technik-Studien zu gebrauchen ist. Das wissen alle, die sich an der Technischen Universität in den ersten Semestern quälen, weil auch dort treffen sie wieder auf Menschen, die zwar (auch) für Lehre bezahlt werden, aber unfähig sind, ihren Studenten Mathematik beizubringen. So gehen gleich im ersten Jahr viele potentielle TU-Absolventen verloren, ein Phänomen, mit dem sich kürzlich "Die Zeit" beschäftig hat, denn auch in Deutschland verläßt fast die Hälfte der Ingenieurstudenten die Uni ohne Abschluss. Solange in Schulen und an Universitäten Mathematik-Lehrer bezahlt werden, die entweder Mathematik unterrichten, die niemand braucht oder nicht in der Lage sind, ihr Wissen weiterzugeben, darf sich niemand beklagen, dass es zu wenig Studenten für die MINT-Fächer gibt.

Antworten Gast: pensionär
28.06.2012 11:17
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Re: vielleicht liegt es ja auch an den Mathematik-Lehrern an Schulen und Universitäten?

Theoretische Kenntnisse allein genügen nicht, daher auch die Studienabbrüche. Ingenieur zu werden verlangt Begeisterung für das Lösen von Problemen. Damit kann nicht früh genug begonnen werden. Allgem-Einbildung ist zu wenig.
Siehe auch die Links ...
http://de.wikipedia.org/wiki/Armand_von_Dumreicher
und
http://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_Exner

für Interessierte der Link zum Zeit-Artikel

http://www.zeit.de/2012/22/C-Ingenieurstudenten

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