Bei dem Spruch „Retten wir das Klima“ schwingt zu viel Hybris mit

RUDOLF TASCHNER (Die Presse)

Für den Wiederaufschwung der Wirtschaft brauchen wir weitblickende Vorhaben, die neue Bedürfnisse wecken. Der Klimawandel dürfte dafür jedoch ein wenig zu windig sein.

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Herr Hermann Pummer hat in einem Leserbrief Generalsekretär Ban Ki-moon gegen meinen Vorwurf, Leisetreter zu sein, verteidigt: Ban habe beim Wirtschaftsforum in Davos vor knapp zwei Jahren als Einziger starke Worte gefunden, als er im Zusammenhang mit den prognostizierten Folgen des Klimawandels von einem „globalen Selbstmordpakt“ sprach. Herr Pummer hat ganz recht. Allerdings sind solch stark klingende Worte, selbst wenn man sie vor Vertretern der Wirtschaft ausspricht, spottbillig gesagt.

Wirklich mutig wäre Ban gewesen, hätte er den energischen Ausbau der Kernkraft gefordert, weil mit Wind- und Solarkraft allein der Zuwachs von CO2, das durch das Verbrennen fossiler Kohlenwasserstoffe entsteht, nicht zu verhindern sein wird. Aber damit hätte er wohl nicht nur bei Herrn Pummer, sondern bei fast allen sich umweltbewusst Fühlenden des deutschsprachigen Raums wütenden Protest geerntet. Nur Alarm zu schlagen, um im Klagen der vielen über den Klimawandel mitsingen zu können, ist bloß hausbacken, aber nicht beherzt.

Alarmieren ist „in“. Die eben abgehaltene UN-Klimakonferenz in Doha war der „Presse“ den Aufmacher der Samstagsausgabe wert. Wie so oft wurde eine düstere Zukunft gemalt, das Titelbild zeigte, dass die Erde wie Speiseeis in der warmen Sonne zu schmelzen droht. Aber „oberflächliche, belehrende Gesamtschauen, die die Welt ganz nebenbei erklären, gibt es gerade zum Modethema Klimawandel in großer Zahl“, klagte der allzu früh verstorbene österreichische Klimaforscher Reinhard Böhm, dessen Expertisen im Unterschied zu den wohlfeilen apokalyptischen Warnrufen anderer gern überhört wurden. Es stimmt nämlich nicht, wie der „Presse“-Leitartikel nahelegt, dass Klimaskeptizismus – was soll, nebenbei gesagt, dieses dumme Wort? – pseudowissenschaftlich ist. Jedenfalls nicht, wenn man so argumentiert:

Erstens soll man keinen Skeptiker als „Klimaleugner“ schelten. Denn niemand Vernünftiger leugnet das Klima, auch nicht, dass es einen Wandel des Klimas gibt. Es gab diesen schon immer und wird ihn wohl noch weitere Milliarden Jahre geben. Da jedoch die Parameter, die Klimaänderungen hervorrufen, weder in ihrer Gesamtheit überblickt, noch in ihrer Gewichtung mit letzter Sicherheit bewertet, noch in ihrer Wirkungsweise in allen Details analysiert werden können, darf mit Fug und Recht bezweifelt werden, dass Voraussagen der Alarmisten hieb- und stichfest sind.

Zweitens wird kein vernünftiger Skeptiker gegen den Ratschlag sein, man möge mit der Natur schonend und besonnen umgehen. Doch beim aktionistischen Spruch „Retten wir das Klima!“ schwingt zu viel Hybris mit: Weder wissen wir, inwieweit der Mensch den Wandel des Klimas beeinflusst hat, noch ist der plakativ verkündeten Rettung zu trauen. Das endet damit, dass die einen Frevler auf die anderen zeigen, und keiner weiß, wer lässlich und wer verhängnisvoll sündigt.

Drittens ist der Klimawandel längst schon zu einem Kulturprojekt geworden. Ob die Natur dabei mitmacht, ist den Werbern egal. Sie heischen nach Aufmerksamkeit und wollen gewaltig viel Kasse machen. Tatsächlich brauchen wir für den Aufschwung der Wirtschaft weitblickende Vorhaben, die neue Bedürfnisse wecken. Doch dafür dürfte der Klimawandel ein wenig zu windig sein.


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Zum Autor:

Rudolf Taschner
ist Mathematiker und Betreiber des math.space im
quartier 21, Museumsquartier Wien.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.12.2012)

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14 Kommentare

Tapferkeit

"Wirklich mutig wäre Ban gewesen, hätte er den energischen Ausbau der Kernkraft gefordert, weil mit Wind- und Solarkraft allein der Zuwachs von CO2, das durch das Verbrennen fossiler Kohlenwasserstoffe entsteht, nicht zu verhindern sein wird."

Geradezu tapfer wäre er gewesen, hätte er das bei einer Versammlung der Einwohner von Fukushima gesagt.

Danke Herr Taschner

Ein Artikel und eine Meinung, der ich mich vorbehaltlos anschließen möchte.

Die Proplematik rund um den Klimawandel und seine angeblichen Retter

in kurzen und prägnanten Worten auf den Punkt gebracht.

Ein sehr guter Artikel.

"...ist den Werbern egal. Sie heischen nach Aufmerksamkeit und wollen gewaltig viel Kasse machen."

gewaltig viel kasse?
wieviel ist das?
wer von den werbern/warnern verdient mehr, als ein uni-professor für mathematik (+ zubrot als autor von 'klimawandel ist eh wurscht'-kolumnen) ?

war das jetzt untergriffig?
nicht untergriffiger als sie, herr taschner!

"..dass es einen Wandel des Klimas gibt. Es gab diesen schon immer und wird ihn wohl noch weitere Milliarden Jahre geben"

bei diesen klimaänderungen der vergangenheit waren aber zumindest 2 faktoren unterschiedlich zu heute:

1. sie erfolgten (da der mensch nicht nachgeholfen hatte) deutlich langsamer: fauna und flora hatten eine chance, sich anzupassen, andernorts fuss zu fassen.
der heutige wandel lässt sich vergleichen mit dem abholzen der wälder rund ums mittelmeer vor ca. 2000 jahren: zurück blieb wenig menschenfreundlicher karst sowie die mittelmeertypische macchie. mit negativen auswirkungen (zb wasserhaushalt) auch auf nicht direkt betroffene gebiete.

2. es lebten kaum menschen auf diesem planeten.
ein auswandern in begünstigte gebiete war möglich.
(zb ist einer der gründe für die bevölkerung des 'goldenen halbmonds' und auch europas eine änderung des klimas.)
und vergessen wir nicht: dna-untersuchungen beweisen, dass alle heutigen 8 mrd von einer handvoll menschen abstammen, die (reines glück!) eine 'klimaoase' gefunden haben! der rest hat nicht überlebt.

da heute ca zwei drittel der menschen in küstennahen gebieten leben bzw in regionen, die dank des wandels unbewohnbar werden, steht unseren kindern und enkeln eine völkerwanderung in unvorstellbarem ausmaß bevor!

Re: "..dass es einen Wandel des Klimas gibt. Es gab diesen schon immer und wird ihn wohl noch weitere Milliarden Jahre geben"

". sie erfolgten (da der mensch nicht nachgeholfen hatte) deutlich langsamer: fauna und flora hatten eine chance, sich anzupassen, andernorts fuss zu fassen."

- wieso sind sie dann ausgestorben?

Re: Re: "..dass es einen Wandel des Klimas gibt. Es gab diesen schon immer und wird ihn wohl noch weitere Milliarden Jahre geben"

was ausgestorben ist, wurde durch anderes besser angepasstes ersetzt.
das ist der normale gang der evolution.

doch, siehe meinen text, dafür ist LANGSAM eine voraussetzung.

Wirklich mutig wäre Ban gewesen, hätte er den energischen Ausbau der Kernkraft gefordert

also frei nach dem motto:
wir belasten unsere erben nicht mit den nahezu unbewältigbaren sozialen und wirtschaftlichen folgen eines klimawandels, sondern auch in 10.000 jahren sollen die dann lebenden sich noch um unseren mist kümmern...

sie sind doch mathematiker, herr taschner. das berechtigt aber nicht, auf die grundrechenarten zu vergessen!

Verehrter Klimaschützer Kleinstein!

Der Mensch ist höchstwahrscheinlich am Klimawandel beteiligt, hat er doch die Erdoberfläch maßgeblich verändert und überdies überwuchert er nun durch seine exzessive Vermehrung alles.

Aber ebenso sicher ist, daß das CO² keinen Einfluß hat, denn seine Erhöhung ist zweifelsfrei FOLGE der Erwärmung und niemals deren Ursache !!!!!

12

"Klimarettung"...

... auf den Punkt gebracht!

Gratulation und Danke!

Amen, Herr Taschner!


Rudolf Taschner hat schon oft bewiesen,daß er ein grundvernünftiger Mensch ist !


Re: Rudolf Taschner hat schon oft bewiesen,daß er ein grundvernünftiger Mensch ist !

nur nicht bei der Beschneidung...

Re: Re: Rudolf Taschner hat schon oft bewiesen,daß er ein grundvernünftiger Mensch ist !

Und der Atomenergie! Japan lässt grüßen.

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