Ein gutes Merkmal für den Erfolg einer Universität sind ihre Absolventen

RUDOLF TASCHNER (Die Presse)

Aus den Technischen Universitäten in Wien und Graz sowie aus der Montanuni Leoben kommen beruflich arrivierte Absolventen. Sie verdienen es, von der Gesellschaft als Vorbilder gewürdigt zu werden.

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Es war der „Presse“ nur eine kurze Mitteilung, einen Einspalter wert, und andere, sich Qualitätsmedien nennende Zeitungen berichteten darüber gar nicht: „Die frisch gebackenen Absolventen der Technischen Universitäten in Wien und Graz und der Montanuniversität Leoben sind für den Fiskus am lukrativsten.“

Es mag sein, dass diese Nachricht für manche Journalisten ein wenig sperrig klang, dass sie nicht verstanden, dass damit für die Gesellschaft Wichtiges verbunden ist. Darum ist es den nochmaligen Versuch wert, ihr breiteres Gehör zu verschaffen. Wie weiß man, ob eine Universität erfolgreich ist? Die meisten starren auf Rankings. Wie bei den beliebten Hitparaden wird nach zuweilen eigenartigen Kriterien eine kuriose Rangliste der Top Ten, der hundert Besten, der fünfhundert Besten weltweit erstellt.

So etwas findet medial breite Aufmerksamkeit – nichts scheinen Menschen mehr zu lieben als Hitlisten – obwohl in Wahrheit Äpfel kunterbunt mit Birnen verglichen werden und diese Bewertungen kaum größere Tragweite besitzen als die Liste der tausend prominentesten Österreicher, die alljährlich, oder sogar noch öfter, ein buntes Magazin unters Volk streut.

Klar, wenn eine Universität reich ist, kann sie sich Nobelpreisträger als Professoren leisten – selbst wenn diese ihre beste Zeit schon hinter sich haben. So etwas findet Beachtung. Und es werden die Zahlen der Publikationen, das angebliche Gewicht der wissenschaftlichen Journale penibel vermerkt. Aber allzu oft vergessen oder verweigern die Ranking-Experten, die Publikationen zu lesen. Sie lassen Computer Seiten und Zitate zählen und übersehen den Inhalt. Für ernsthafte Bewertung benötigt man Zeit und Muße – und eben diese gehen den Erstellern von Ranglisten ab.

Nicht das einzige, aber ein verlässlicheres Merkmal für den Erfolg einer Universität ist der Erfolg ihrer Absolventen. Auch dieser kann verschieden beurteilt werden: Manche nennen Absolventen dann erfolgreich, wenn sie im Wissenschaftszirkus Plätze in den ersten Reihen besetzen. Realistischer und wichtiger für das Gemeinwesen, in dem die Uni als kleines Rad im Getriebe ihren Dienst versieht, ist der berufliche Erfolg der Absolventen, die ja zum überwiegenden Teil nach ihrem Studium die Universität und damit den akademischen Betrieb verlassen.

Genau in dieser Sparte erweisen sich die Technischen Universitäten in Wien und Graz sowie die Montanuniversität Leoben als höchst erfolgreich: Eine Absolventin oder ein Absolvent dieser drei Universitäten verdient im Rahmen seiner ersten Beschäftigung so viel, dass sie oder er durchschnittlich rund 20.550 Euro pro Jahr an Steuern und Sozialversicherungsabgaben dem Staat zahlt, das sind um 6600 Euro mehr als der Durchschnitt aller Universitätsabsolventen.

Ein Staat ist naturgemäß daran interessiert, dass möglichst viele seiner Bürger Erkleckliches an Steuern zahlen können – nicht deshalb, weil die Steuerquote so hoch ist, sondern deshalb, weil diese Bürger bei einem angemessenen Steuersatz sehr gut verdienen. So etwas kann man aber nicht per Dekret erreichen, sondern nur, wenn Menschen eine für die Gestaltung der Zukunft angemessene Bildung und Ausbildung erfahren haben.

Die technischen Universitäten sind darin Vorbild und verdienen, von der Gesellschaft als solches gewürdigt zu werden.


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("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.02.2013)

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3 Kommentare

Leider ein Fehlschluss

Die genannten Unis bilden hauptsächlich in technischen oder naturwissenschaftlichen Fächern aus, welche am Arbeitsmarkt stark nachgefragt werden, daher auch das höhere Gehalt.
Um die Qualität von Universitäten seriös über Absolventengehälter zu vergleichen, darf man nur Unis mit einem ähnlichen Fächermix heranziehen (Kontrolle der Variablen "Fächermix"). Eine andere zu kontrollierende Variable wäre zB der Standort (bei geringer Mobilität, ist das Lohnniveau zB in Graz vergleichbar mit dem in Wien?) Alles andere ist ein Vergleich von Äpfeln mit Birnen.
Eigentlich ein Anfängerfehler...

die universität als 'berufsbildungsinstitut'?

taschner macht denselben fehler wie stronach und andere. (fränk will ja das gratisstudium nur für jene fakultäten, wo nach absolventen nachfrage herrscht.)

aber speziell für managementfunktionen gibt es KEINE ausbildung! überspitzt formuliert: berufliche qualifikation benötigt man für den job als sachbearbeiter aber nicht als manager.

ein prominentes beispiel: der europachef von goldman sucks (nibelius) ist ein promovierter arzt. sein 'geschäft' hat er gelernt, als er nach dem studium 'schnuppern' wollte, sich auf ein inserat eines unternehmensberaters beworben hat und wieder erwarten auch engagiert wurde.

Re: die universität als 'berufsbildungsinstitut'?

Ich sehe hier nirgends die Behauptung, daß eine Montanuniversität oder eine Technische Universität die besten Manager heranbilden würde. Ich lese nur, daß deren Absolventen überdurchschnittlich gut verdienen und entsprechend überdurchschnittlich Steuern und Abgaben zahlen.

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