25.05.2012 22:14 | Meine Presse Merkliste 0

Was jetzt – ohne Fragezeichen. Hugo Portischs Antwort lautet „Transparenz“

RUDOLF TASCHNER (Die Presse)

Die politisch Verantwortlichen müssen fassbar darlegen, warum die von ihnen ergriffenen Maßnahmen richtig und wirksam sind, fordert der große österreichische Publizist in seinem höchst aktuellen Buch.

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Quergeschrieben

Europa und unsere Zukunft sind zu retten“, fordert Österreichs großer Publizist Hugo Portisch in seinem Buch „Was jetzt“, dessen Titel aus marktrechtlichen Gründen kein Fragezeichen trägt. Um für unsere Zukunft gerüstet zu sein, sie gar retten zu können, muss man in unsere Vergangenheit zurückblicken. Diese weit angelegte Umschau vollzieht Portisch in gewohnt souveräner Weise.

Nicht umsonst ist der Drucksatz des Buches Schreibmaschinenschrift: Damit wird zum Ausdruck gebracht, dass der Autor wie in einer freien Rede aus dem Vollen schöpft. Jene, die ihn noch von seinen Analysen im Fernsehen kennen, hören beim Lesen gleichsam seine eindringliche Stimme, können sich seine weit ausufernden Gesten vorstellen.

Die EU wird von Portisch als ein von der Montanunion für Kohle und Stahl, der EWG und EG hervorgegangenes Projekt beschrieben, das einerseits ein Bollwerk gegen die damalige Sowjetunion und ihre Bündnispartner, also ein Bastion gegen den Kommunismus, bilden sollte. Andererseits glaubten die Gründer mit diesem Projekt den Nationalismus zu bändigen, der Europa seit Jahrhunderten blutige Kriege beschert und in der Katastrophe der Hitlerei zu Völkermord und unbeschreiblichem Leid geführt hatte.

Bis vor wenigen Jahren schien der EU ein Erfolg sondergleichen beschieden: Nicht nur, dass sowohl die Gefahren des Kommunismus beseitigt und des Nationalismus gezähmt waren, Wirtschaftswachstum und Wohlstand nahmen in den Staaten der Union stetig zu. Aber nun die Krise. Über deren Ursachen wird im Buch weniger erzählt als über die grimmigen Auswirkungen, sollte ein Staat der Union bankrottgehen. Denn dafür zieht Portisch mit einer einprägsamen Schilderung der einstigen Finanzkrise der Ersten Republik von 1922 eine beeindruckende Parallele.

Tatsächlich müssen wir fürchten, dass bei rigiden Maßnahmen, die das Wohlergehen der Bürger eines pleitegefährdeten Staates schmerzhaft mindern, die einstigen Gespenster des Kommunismus oder des Nationalismus im neuen Kleid erwachen. Wie kämpft man dagegen an und rettet die Union?, fragt Portisch.

„Transparenz“ ist seine Antwort. Die politisch Verantwortlichen müssen fassbar darlegen, warum die von ihnen ergriffenen Maßnahmen richtig und wirksam sind. „Weil die EU nur dann erfolgreich sein wird und daher auch nur dann Bestand haben kann, wenn sie von ihren Bürgerinnen und Bürgern akzeptiert und getragen wird.“ Wie passt das zu Junckers Wort „Wenn es ernst wird, muss man lügen“?

Hört man aber in der aktuellen „Weltwoche“ den ehemaligen Chef der Schweizer Nationalbank, Jean-Pierre Roth, hegt man bei Portischs Hoffnungen Zweifel: „In der europäischen Konstruktion gibt es keine unabhängige Stimme, die die Wahrheit sagt. Das war früher der Markt, das waren die Devisenmärkte. Heute fehlt die Brutalität des Marktes, weil die Politiker miteinander lieb sind. Sie sind schwache Menschen. Sie sagen: ,Heute sehe ich dir deine Defizite nach, und morgen drückst du dann bei mir ein Auge zu, wenn die Schulden steigen.‘ Mit den Märkten lässt sich dieses Spiel nicht spielen. Sie sind unangenehm, sie übertreiben manchmal, aber sie sind unabhängig von der politischen Kaste. In Europa ist wegen des Euro alles ein Filz; alle sind involviert, alle Kollegen spielen im gleichen Orchester.“


Reaktionen senden Sie bitte direkt an: debatte@diepresse.com


Zum Autor:

Rudolf Taschner
ist Mathematiker und Betreiber des math.space im
quartier 21, Museumsquartier Wien.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.10.2011)

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13 Kommentare
Gast: suchy
19.02.2012 20:38
0 0

der SelbstDARSTELLER

verkauft seine
immer wieder gleichen Thesen zum Hundertdsten mal an seineAnhänger

und kriegt einfach nicht genug .....

Gast: Robert Lackner
14.12.2011 09:15
0 0

Was jetzt

Besser tun
108 Seiten, ISBN: 978-3-8391-8020-4

0 0

Sie verstehen ja das alles selbst nicht mehr,

wie sollen sie es dann fassbar darlegen?

Gast: Degerl
27.10.2011 21:43
0 0

Transparenz und dann?

Transparenz wäre wichtig, aber was passiert, wenn dabei herauskommt, dass die Politiker selbst nicht wissen wo es lang geht? Deshalb fallen sie zurück auf Entscheidungen, die ihnen selbst (nicht dem Wähler) nutzen, das ist einfacher. Und was passiert, wenn die Wähler das erkennen? Sie haben nicht die Energie die Probleme selbst in die Hand zu nehmen, sie werden einfach Protestwähler. So läuft die Spirale der Verantwortungslosigkeit immer weiter. Und was kommt dann? Die Märkte werden nichts regulieren, wenn es die Finanzmärkte geschafft haben, dass es keine Konsumenten mehr gibt.

paulpanter
27.10.2011 14:54
1 0

Was jetzt Herr Portisch?

Hugo Portisch, der Welterklärer vom Dienst, ist jetzt was er immer war: ein Dampfplauderer und Phrasendrescher,der mit viel Gestik und stimmlichen Stakkato heiße Luft verbreitet. Eine galoppierende Inflation wie in den Zwanzigerjahren wird es nicht geben. Allerdings könnte die Unfähigkeit der EU-Politiker und deren undemokratisches Vorgehen den Ruf nach einem starken Mann oder einer starken Frau Auftrieb geben.

3 0

Wovon wird da geredet?

Ehe die Maßnahmen eläutert werden, ist doch zu klären, was Geld ist, wer es erschafft, welche Rolle die Banken spielen, welche Bedeutung eine Bankbilanz hat. Hier wird ja mehr mit Ideologie gehandelt als mit fundierter Analyse. Darum wissen auch die Politiker nicht, worum eseigentlich geht.

Antworten Gast: Senf-Geber
19.02.2012 20:40
0 0

Re: Wovon wird da geredet?

doch nicht der
Dampfplauderer PORTISCH

der macht immer viel bla bla und will doch selbst n ur im Rampenlicht stehen ......

1 1

Transparenz...

... würde ja alle Lügen und vor allem jene, die an der Wurzel der Konstruktion ist -- der "Geldschmäh" -- zu Tage fördern. Der jetzige politische Affenzirkus um den Euro dient ja nur zur als Nebelgranate im Versuch zu verhindern, dass noch mehr Bürger dahinterkommen und sich dann selbstständig als gemeinsame Souveräne gemeinsam zu organisieren, unter Umgehung der sog. Eliten. Die Zeiten des Mehrheitsentscheids, mit dem es den Elitenbisher gelungen ist, die Demokratie zu usurpieren und ad absurdum zu führen, gehen sehr rasch ihrem Ende entgegen. Die Krise, die jetzt immer heraufbeschworen wird, ist ja keine realwirtschaftliche, unsere Produktionskapazitäten sind weit größer als das, was wir verbrauchen können, woran es angeblich mangelt, ist das Geld. Nur das wird ja immer aus dem Hut gezaubert (die "Bankenrettung" und Ben Bernanke haben es ja plastisch vor Augen geführt), sodass man sich fragen muss, warum geschieht das jetzt nicht? Wenn die Bürger draufkommen, dass sie das ja selbst auch könnten, ohne sich und ihre Kinder zu "verschulden", wird der Spuk vorüber sein.

Gast: Vogel Strauss
27.10.2011 09:54
1 0

Jean-Pierre Roth ...

Er hat recht, wohltuend wahre Worte! Das kann er sich aber auch nur leisten, weil er ehemaliger Chef der Schweizer NB ist ...

Gast: lessismore
26.10.2011 22:55
0 0

Das System wird sich selbst reparieren, ...

glaubt man, und zwar unabhängig davon, welche Verheerungen man kurzfristig anrichtet. Worauf beruht dieser Glaube?

ambrosius
26.10.2011 20:04
3 1

Portisch irrt

Der Bürger will die Union und ihre anonyme Nomenklatura nicht retten, er will raus aus diesem politischen Selbstbedienungsverein. Portischs Argumente sind totes Geschwätz von gestern, heute aber hat die EU keine Zukunft mehr. Portisch lebt in der Vergangenheit, es ist aber dringend nötig mit neuen Politikern, denen das Wohl ihres Landes über den Interessen der Parteien steht, Brüssels Kommissare zu entmachten. Die VdSSEU ist nicht unsere Zukunft, es wäre der endgültige Verlust unserer Souveränität und die kalte Abschaffung der Demokratie.

Antworten wogi77
27.10.2011 19:20
0 1

Re: Portisch irrt

wer ist oder wer sind die bürger? für wen sprechen sie? sind sie die bürger?

Antworten Gast: Gäst
27.10.2011 00:47
3 2

Re: Portisch irrt

Der Bürger der raus will hat keine Ahnung von dem wies vorher war.

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